Autor Thema: Fastnacht  (Gelesen 1130 mal)

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Offline Roland

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Fastnacht
« am: 29 Januar 2008, 21:57:40 »
Auch die Bezeichnungen: Fasnacht, Fasching, Karneval sind dafür gebräuchlich. Für alle diese Begrif-fe gilt, dass ihre Herkunft nicht eindeutig und restlos geklärt ist.

Das Wort Fasnacht (F.) ist erstmals zu Beginn des 13. Jh.s belegt ("vasnacht" um 1206 im Parzifal). Dabei ist nicht eindeutig geklärt, ob es sich von "fasten" oder "faseln" (sich wahnsinnig gebärden) oder auch von "fasen" (gedeihen, fruchtbar sein) herleitet. Vieles spricht jedoch dafür, dass die Volkssprache in Schwaben und in der Schweiz mit "Fasnacht" (von "faseln") die richtige Form bewahrt hat. Der bayerisch-österreichische Begriff Fasching dürfte sich von "vast-schank", dem Ausschenken des Fastentrunks ableiten und ist erstmals 1272 belegt. Aus dem Italienischen stammt der Ausdruck Karneval, mit dem das rheinische Brauch-tum (aber auch das südamerikanische) bezeichnet wird. Karneval ist seit 1699 Bestandteil der deutschen Sprache und geht auf den seit 365 belegten Ausdruck "carnelevare" zurück. Die Ableitung von "carnem levare" (= das Fleisch weglegen, auf das Fleisch verzichten) und die volkstümliche von "car-ne vale" (= Fleisch lebe wohl) haben wohl weniger für sich als die Ableitung von "curris navalis", dem "Schiffswagen", der bei Karnevalsumzügen mitgeführt wurde.

Der Beginn der F. ist weniger genau geregelt (11.11. Martini beim rheinischen Karneval; 6.1. Erscheinungsfest im alemannischen Sprachgebiet) als das Ende, der Tag vor Aschermittwoch (Beginn der 40-tägigen Fastenzeit), der Faschingsdienstag. Auf das F.sende zu findet eine Steigerung statt: Schmotziger (=schmalziger) Donnerstag, Rosenmontag (rasender Montag) mit den Umzügen in den rheinischen Karnevalshochburgen, Faschingsdienstag.

Die F.szeit ist gekennzeichnet durch Absetzung der Amtspersonen, Befreiung der Schulkinder, weil die Narren das Regiment übernehmen, aber auch durch Saalveranstaltungen, Schabernack, Lärm, Spiel und Brauchtumsvorführung. Aller Wahrscheinlichkeit nach reichen die Bräuche bereits auf vorchristliche Frühlings- und Fruchtbarkeitsriten zurück, die sich antiker Mythen von sterbenden und auferstehenden Göttern verdanken.

Die F. ist stark synkretistisch geprägt und aus nichtchristlichen, kirchlichen, höfischen, bäuerlichen und bürgerlichen Elementen, neben Aberglaube und Zauberei hervorgegangen.

Zunächst versuchte die römisch-katholische Kirche das F.streiben zu verbieten, gab dies aber man-gels Erfolg bereits im 11. Jhd. zugunsten einer Duldung auf. Aufgrund ihrer großen Integrationsfähigkeit hat es die römisch-katholische Kirche verstanden, auch dieses Treiben geschickt zu integrieren. Die Reformation hat das Faschingstreiben teilweise ganz beseitigt.

Auch der Pietismus ist dagegen angetreten. Hat sich damit die F. über eine beträchtliche Zeit fast ausschließlich in Gegenden, die nicht der Re-formation zufielen, halten können, so ist seit etlicher Zeit zu beobachten, daß sie sich inzwischen auch in Gebieten der Reformation auszubreiten beginnt. Es wird gefragt werden dürfen, ob darin auch der Versuch einer Rekatholisierung zu sehen ist, der geschickt die Spaßgesellschaft, die die F. begrüßt, dazu benutzt.

Während der Protestantismus noch vor wenigen Jahrzehnten fast geschlossen ablehnend gegenüber der F. wegen deren heidnischer Wurzeln und der ethisch nicht vertretbaren Ausschweifungen stand (z. B. Bischof Julius Bender, + 1966, Karlsruhe, Badische Landeskirche), herrscht heute bereits eine große Offenheit. Nicht jeder nichtchristliche Brauch läßt sich vom Christentum vereinnahmen und "taufen", ohne dass christlicher Glaube und Ethik Schaden leiden. Im Falle der F. ist Abgrenzung und Abstoßung, wie es Reformation und Pietismus taten, nötig.

Literatur:
EKL, 3. Aufl. (Neufassung), Bd. 1, Sp. 1273 f.; ELThG, Bd. 1, S. 599 f.; RGG, 3. Aufl., Bd. 2, Sp. 887. Darin jeweils auch weiterführende Literatur.
Walter Rominger

Auszug aus "Kleines Esoterik-Handbuch" der A. R. F.
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!