Autor Thema: Päpstliche Berufung trotz Missbrauchsskandal  (Gelesen 1189 mal)

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Offline Roland

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Päpstliche Berufung trotz Missbrauchsskandal
« am: 01 Januar 2008, 14:11:41 »
Rom/München/ Regensburg (LiZ). Monatelang anhaltende Negativ- schlagzeilen und Proteste von Gläubigen konnten Rom nicht beeindrucken: Papst Benedikt XVI. (bürgerlich: Joseph Alois Ratzinger) hat ausgerechnet den sogar in der konservativen Oberpfalz umstrittenen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller in die Glaubens- kongregation berufen. Dem Vatikan trägt die Entscheidung erneut den Vorwurf ein, hochmütig und machtbesessenen zu handeln. Die KirchenVolks- Bewegung "Wir sind Kirche" übt denn auch für kirchliche Kreise ungewöhnlich scharfe Kritik: Müllers Berufung sei äußerst problematisch, solange seine Verantwortlichkeit im Umgang mit einem spektakulären sexuellen Missbrauchsfall in seinem Bistum noch nicht restlos aufgeklärt sei.

Der Versuch des Bistums Regensburg, einen sexuellen Missbrauchsfall durch einen Priester unter der Decke zu halten, brachte über Wochen negative Schlagzeilen und den Bischof höchstselbst in die Kritik. Der örtliche Pfarrgemeinderat hatte Bischof Müller nach der Verhaftung des Priesters gar vorgeworfen, dass er die Menschen angesichts der aktenkundigen dunklen Vergangenheit des Pfarrers hintergangen und getäuscht habe.

Müller mag als anerkannter Dogmatiker gelten, doch seine Berufung in die Glaubenskongregation halten Kirchenkreise für einen Affront gegen die von Johannes Paul II. eingeleitete Null-Toleranz- Politik in dieser Frage. Sie konterkariere alle Bemühungen, für eine klare Linie bei sexuellem Missbrauch in der Kirche und werde bei sehr vielen Menschen auf großes Unverständnis stoßen. Gerügt wird auch, dass zu Müllers Fehlleistung bisher weder die Deutsche Bischofskonferenz noch der Vatikan klar Stellung bezogen haben.

"Für das kommende Jahr stellt sich die wichtige Frage, welchen Kurs die 2007 vom Papst eingesetzten Bischöfe, der ausgewechselte Nuntius in Deutschland und der ausgerechnet jetzt in die Glaubenskongregation berufene Bischof Müller steuern werden", so "Wir sind Kirche"-Sprecher Christian Weisner gegenüber der Linkszeitung. "Werden sie rasch ein gutes Gespür für die pastorale, ökumenische und soziale Situation in unserem Land gewinnen? Werden sie einen partnerschaftlichen Leitungsstil ausüben im intensiven Dialog auch mit den haupt- und ehrenamtlichen Laien, den Räten und den konzilsorientierten Gruppierungen in unserer Kirche?"

Die international vernetzte KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" werde auch 2008 die "Stimme des Kirchenvolks" zu Gehör bringen, etwa bei anstehenden Bischofsbestellungen, zum Papstbesuch der UN, beim Katholikentag Ende Mai in Osnabrück, zum Weltjugendtag in Australien und bei den Vorbereitungen für den Zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 in München. Diese Stimme werde angesichts des restaurativen Klimas in der römisch-katholischen Kirche immer notwendiger.

Die Glaubenskongregation, in die der Regensburger Bischof berufen wurde, hat pikanterweise die Aufgabe, die Glaubens- und Sittenlehre in der katholischen Kirche zu fördern und schützen.

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Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!