Autor Thema: "...er sei verflucht!" (Gal. 1, 8+9)  (Gelesen 4269 mal)

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Nicolino

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"...er sei verflucht!" (Gal. 1, 8+9)
« am: 01 Dezember 2007, 20:01:46 »
Ihr Lieben!

Da einem ja im Christenleben vieles an falscher Lehre begegnet, möchte ich gerne verstehen, was folgende Bibelstelle eigentlich aussagt:

Gal 1:8  Aber wenn auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigte außer dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht!
Gal 1:9  Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt außer dem, was ihr empfangen habt: er sei verflucht!

Was genau bedeutet es für einen Christen im neuen Bund, "verflucht" zu sein oder zu werden? Vom AT her hatte ich es mal so verstanden, dass Fluch das Gegenteil ist von Segen. Wen Gott verflucht, der hat auf Erden nichts mehr zu lachen (und in Ewigkeit wohl erst recht nicht). Was aber ist Fluch im NT?

Weiß jemand etwas Näheres darüber, wie das gemeint ist? Vor allem, wenn derjenige mit dem falschen Evangelium nun ein wiedergeborener Christ ist, wie kann er dann verflucht sein, wie äußert sich das?

Fragende Grüße,
Nicole

Offline Roland

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Re: "...er sei verflucht!" (Gal. 1, 8+9)
« Antwort #1 am: 01 Dezember 2007, 22:02:44 »
Hallo Nicole,

Der Fluch GOTTES ist eine Entziehung des Segens.

Wichtig ist mir die Tatsache, dass Flüche, von Männern GOTTES gegen Menschen ausgesprochen (z. B. 1. Mose 9,25; 49,7; 5. Mose 27,15; Jos. 6,26), nicht Ausdruck der Rache, Leidenschaft und Ungeduld, sondern Weissagungen der Entziehung des Segens und der Strafe GOTTES, sind.

Ich denke, dass Paulus in Gal. 1,8f. sagen möchte, dass der Abfall vom Evangelium und die Veränderung des Evangeliums unentschuldbar ist. Wer sich von CHRISTUS lossagt (durch ein falsches "Evg."), Der ihn vom Fluch der Sünde befreit, der verfällt dem Fluch; d. h. er wird vom Heil GOTTES getrennt. Für den ist CHRISTUS vergeblich gestorben (Galater 2,21!). Für ihn gilt, was der HERR JESUS sagt, wenn er als Richter wiederkommt: Dann wird er auch denen zur Linken sagen: Geht hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist!  (Matthäus 25,41)

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Nicolino

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Re: "...er sei verflucht!" (Gal. 1, 8+9)
« Antwort #2 am: 01 Dezember 2007, 22:33:06 »
Hallo Roland,

Danke schonmal für Deine Erklärungen. Falsches Evangelium + Verfluchen wäre also der Verlust des Heils.

Ich hab trotzdem noch mehr Fragen dazu:

Was ist denn, wenn jemand es gar nicht merkt, dass er ein falsches Evangelium predigt? Die Menschen sind ja heute sehr überzeugt von dem, was sie verkündigen, und meinen, dass sie das Richtige tun.
Ein Beispiel: Jemand meint, er sei zwar aus Gnade errettet, müsse aber ein bestimmtes Maß an Heiligkeit erreichen, um aufgenommen zu werden in den Himmel. Also im Prinzip, dass bestimmte Werke zwangsläufig dazugehören. Glauben + Werke also als Heilsnotwendigkeit. (nicht verwechseln mit Werken aus dem Glauben heraus, als Frucht des Glaubens, sondern UM sich den Himmel zu verdienen). Derjenige ist Christ, wiedergeboren und glaubt nach wie vor an die Erlösung durch den Herrn Jesus. Wenn doch nun faktisch der Glaube allein rechtfertigt aus Gnade, wie kann dann ein falsches Evangelium vom Segen Gottes trennen und denjenigen dann in den Feuersee bringen? Oder IST das dann noch kein anderes Evangelium? ... Man könnte es ja auch einfach so sehen, dass derjenige, der an den stellvertretenden Sündentod Jesu glaubt, aber eben meint, er selbst müsse auch eine gewisse Heiligkeit erreichen, sich halt mehr Arbeit macht als andere, denn im Grunde meint er es ja gut. Er will alles richtig machen, um für Gott annehmbar zu sein. Ich meine jetzt hier die Herzenshaltung und nicht die Tatsache, dass wir derart verdorben sind, dass wir es NIE schaffen können, vor Gott aus uns selbst heraus annehmbar zu sein. Aber Gott sieht ja das HERZ an und die Motivation.

Anderes Beispiel: Jemand verkündigt, dass Jesus nach Seiner Kreuzigung erstmal drei Tage lang in der Hölle von Satan gequält wurde, bis Gott, der Vater, irgendwann sagte: "Nun ist es genug" und Jesus da "rausholte". ... Das ist ein seltsamer, außerbiblischer Zusatz zum Evangelium. Ist das dann schon ein anderes und stellt es denjenigen unter einen solchen Fluch?

Ich meine jetzt also solche, die sich nicht von Christus lossagen, sondern weiter Christus verkünden, aber mit Zusätzen, die nicht in der Bibel stehen. Sie verlassen sich ja trotzdem noch auf den Herrn Jesus als ihren Retter, und sie meinen, dass sie das Richtige tun. Wenn es nun so ist, dass ein Kind Gottes allenfalls DANN wirklich abfallen kann, wenn es sich bewusst von Christus lossagt, dann müsste zwangsläufig auch ein falsches Evangelium nicht verdammen, solange derjenige immer noch an Christus glaubt. Denn ein Christ HAT ja Vergebung aller Sünden, solange er glaubt und hofft.
Oder trennt einen so eine falsche Verkündigung sofort von Gott und zwar so lange, bis man Buße getan hat?
Wenn man also sagt, dass ein Christ, der z.B. in Ehebruch lebt, trotzdem errettet wird, wenn jetzt die Entrückung käme (oder derjenige stirbt), ohne dass er Raum zur Buße hatte, weil er noch im Vollrausch ist oder so, dann müsste dieses falsche Evangelium ja anders gewertet werden als alle anderen Sünden, wenn es eine sofortige Abtrennung vom Heil bewirkt.

Hm, ich hoffe, ich konnte meine Fragen irgendwie verständlich machen. Ich finde das Thema recht verzwickt, vor allem auch, weil viele ja gar nicht merken, dass sie was anderes verkünden. Und es stellt sich auch die Frage, was genau ein anderes Evangelium ist, wie sehr man es verfälschen muss, um verflucht zu werden. Und wie ist das, WENN man nun verflucht wurde. Hat man dann noch die Möglichkeit der Buße? Es handelt sich ja nicht um die Lästerung des Geistes.

Entschuldige, wenn das etwas konfus ist. Vielleicht fällt Dir ja trotzdem noch mehr dazu ein.

Liebe Grüße,
Nicole


Schoham

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Re: "...er sei verflucht!" (Gal. 1, 8+9)
« Antwort #3 am: 03 Dezember 2007, 10:59:10 »
Weiß jemand etwas Näheres darüber, wie das gemeint ist? Vor allem, wenn derjenige mit dem falschen Evangelium nun ein wiedergeborener Christ ist, wie kann er dann verflucht sein, wie äußert sich das?

Es gibt nur ein Evangelium und das ist das Gnadengeschenk Gottes - das neue Leben aus Gott.  Wer etwas anderes predigt als die Errettung aus Gnade - der ist verflucht. Und das deshalb weil es ausserhalb der Gnade keine Rettung gibt.

Ein von Gott getauftes Kind Gottes predigt kein falsches Evangelium.

Es mag noch in vielem irren und täglich durch das Wort Gottes davon gereinigt werden.

Nie aber wird es Rettung aus Werken predigen.

Und das deshalb weil es die Gnade selbst erfahren hat und weis das alles vom HERRN kommt.

Alles!

Lebenszentrum

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Re: "...er sei verflucht!" (Gal. 1, 8+9)
« Antwort #4 am: 26 Februar 2011, 20:09:39 »
Die Einzige Sicherheit ist mit offenem Herzen und vom Heiligen Geist geführt das Wort (die Bibel - angefangen mit der klareren Offenbarung dem neuen Bund - siehe Geheimnis das Gott Paulus offenbart hat und vorher verschlossen war!) zu studieren - denn wer sucht der wird finden und wer anklopft dem wird aufgetan!
 :)

Offline Jose

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Re: "...er sei verflucht!" (Gal. 1, 8+9)
« Antwort #5 am: 04 Februar 2012, 16:44:03 »
Auch wenn in diesem Thema schon seit langem nicht mehr geschrieben wurde, so möchte ich noch etwas hinzufügen.

Zitat von: Nicolino
Was genau bedeutet es für einen Christen im neuen Bund, "verflucht" zu sein oder zu werden? Vom AT her hatte ich es mal so verstanden, dass Fluch das Gegenteil ist von Segen. Wen Gott verflucht, der hat auf Erden nichts mehr zu lachen (und in Ewigkeit wohl erst recht nicht). Was aber ist Fluch im NT?

Die Frage finde ich auch wichtig und diesem Gedanken von Roland kann ich auch zustimmen:

Zitat von: Roland
Ich denke, dass Paulus in Gal. 1,8f. sagen möchte, dass der Abfall vom Evangelium und die Veränderung des Evangeliums unentschuldbar ist. Wer sich von CHRISTUS lossagt (durch ein falsches "Evg."), Der ihn vom Fluch der Sünde befreit, der verfällt dem Fluch; d. h. er wird vom Heil GOTTES getrennt. Für den ist CHRISTUS vergeblich gestorben (Galater 2,21!).

Im Galaterbrief lesen wir: "Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!«" Gal 3,10, daher denke ich, müssen wir auch in diesem Zusammenhang dieses "er sei verflucht", in dem Paulus die ganze Tragik und seine große Not um die Gläubigen hineingelegt hat, betrachten. Wir lesen einige Verse weiter: "Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist - denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!«" Gal 3,13. Das heißt doch, dass wer wieder durch die Werke des Gesetzes vor Gott gerecht werden will, sich wieder unter dem Fluch des Gesetzes begibt und somit aus der Gnade fällt, denn Paulus schreibt: "Siehe, ich, Paulus, sage euch, dass Christus euch nichts nützen wird, wenn ihr euch beschneiden lasst. Ich bezeuge aber noch einmal jedem Menschen, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen" Gal 5,2-4.

Die Warnung ist für mich somit unmissverständlich: Außerhalb von Christus und im Vertrauen auf die Werke des Gesetzes, gibt es kein Heil - auch für ehemals Bekehrte nicht. Dennoch gibt es nach meinem Verständnis der Schrift selbst für solche noch die Möglichkeit, wieder zum Herrn umzukehren, denn dieses "aus der Gnade gefallen" steht hier m.E. nicht für ein endgültiges Urteil. Solange man lebt besteht m.E. noch die Möglichkeit und die Gnade zur Buße, denn Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass der Sünder umkehre und lebe Nur sollte man nicht die Gnade missbrauchen, um in der Sünde zu verharren.

Übrigens finden wir das Wort "verflucht" auch in dieser Bibelstelle: "Wenn jemand den Herrn nicht lieb hat, der sei verflucht! Maranatha!" 1.Kor 16,22. Das Wort "anathema", wie es im griechischen steht, hat wohl mehrere Bedeutungen und Anwendungen, und eines mit Sicherheit: Wer auf sich selbst vertraut und nicht auf die Gnade, die uns in Jesus dargebracht wird, kann das Heil nicht erlangen. Selbst im Hinblick darauf, den Herrn zu lieben, sind wir von der Gnade abhängig, denn wer könnte es von sich aus wirklich tun.


José