Autor Thema: Allversöhnung  (Gelesen 10267 mal)

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Offline Roland

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Allversöhnung
« am: 16 Dezember 2007, 19:10:20 »
Per eMail wurde mir folgende Frage zugestellt:

Was verstehe ich unter dem Begriff "Allversöhnung?"
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Ted

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Re: Allversöhnung
« Antwort #1 am: 16 Dezember 2007, 19:25:45 »
Nun?  :D

Offline Roland

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Re: Allversöhnung
« Antwort #2 am: 16 Dezember 2007, 19:28:16 »
Der bereits in der antiken  Philosophie vorgeprägte Begriff (lat. restitutio, Wiederherstellung aller Dinge, Allversöhnung) taucht im NT nur in Apg. 3,21 auf, und dies im uneigentlichen Sinne. Die Allversöhnungsirrlehrer behaupten: "Alle sind versöhnt, alle werden errettet (die Errettung bezieht sich auch auf den Teufel und seine Dämonen)".

Die "Allversöhnung" ist eine alte Irrlehre, die keine biblische Grundlage hat. Von Christen wurde diese Irrlehre zwar verworfen, jedoch wurde der Gedanke der Allversöhnung nie ganz vergessen, sondern fand in allen Epochen seine Vertreter.

Als Begründer der Allversöhnungsirrlehre sind vor allem Origenes († ca. 254), aber auch Gregor von Nazianz († ca. 390) und Gregor von Nyssa († nach 394) zu nennen. Von daher fand das Motiv der Allversöhnung in der östl. Orthodoxie sowohl bei großen Theologen wie auch in der  Volksfrömmigkeit starke Resonanz.

Stark präsent war die Allversöhnungsirrlehre bei den Vertretern des "linken Flügels" der  Reformation (H. Denck und die Täuferbewegung) und vor allem im  Pietismus (J. A. Bengel, F. C. Oetinger). Besonders eindrücklich ist das Plädoyer für die Allversöhnungsirrlehre bei den beiden Blumhardts.

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Elishua

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Re: Allversöhnung
« Antwort #3 am: 17 Dezember 2007, 15:18:38 »
Shalom ihr lieben,

Vor einem guten Jahr hatte ich die Möglichkeit endlich mal einen Hauskreis zu finden, indem keiner einer religiösen Gemeinschaft angehörte. Dachte ich damals. Wurde sehr freundlich aufgenommen. Ich lernte am ersten Abend eine Frau kennen und wir befreundeten uns und trafen uns regelmäßig!

Ich stellte fest, daß die Frauen, wenn sie Bibel lesen Kopftücher tragen und habe mich untergeordnet, hatte damit auch kein Problem. Es wurden 1-3 Lieder gesungen, die ich nicht kannte. Dann wurde 1 Stunde von der Bibel gelehrt. Als Bibel nur die Dabhar oder Elberfelder. Man durfte während der Lehrstunde keine Fragen stellen, sondern nur zuhören. O.k. dachte ich mir. Sie haben tiefe Bibelkenntnis und konnte dies auch annehmen, was sie lehrten. Nach der Lehrstunde ging es dann in den gemütlichen Teil über. Es wurde Knappereien und Getränke gereicht. Auch nocht kein Problem. Aber regelmäßig wurde Bier angeboten und auch schon mal Wein. Dies hat mich nun schon irritiert, da ich von Natur ein absoluter Gegner von solchen Getränken bin. Gegen ein Glas Wein habe ich nichts, aber muss dies an so einem Abend sein! Es kam mir vor als käme ich unter eine kalte Dusche. Vom ach so frommen - in das weltliche. Ich hätte gerne weiter über das gesprochene geredet, man hat Fragen etc. aber irgendwie, kam ich da nicht an....Da ich eigentlich kein Problem habe auf Menschen zu zugehen, hier hatte ich irgendwie das Problem, außer der Frau, die auf mich zu kam.

Ich stellte mich dann mal so vor. Erzählte, daß ich mich in Israel im Jordan an der Stelle, wo Jeshua getauft worden sei, taufen lies!
Sie sagten, hm Israel war noch keiner von uns, sie sind aber spektisch, daß dies auch die Stellen sind was man so mitkriegt, wo Jeshua eben gewirkt hat, . Ich war erst mal still. Ich ging dann regelmäßig hin und merkte bald, daß diese keine Beziehung zu IHM haben. Man darf nicht Papa sagen, nur Vater und man kann Jeshua nicht hören. Er spricht nicht direkt zu einem, nur über die Bibel. Aber die andere Seite, die von unten kann man hören. Man wird regelmäßig mit Bibelstellen erschlagen. Ich habe kein einzigesmal gehört, was sie mit IHM erlebt haben bzw mit ihm leben!

Da ich und diese Frau gesundheitlich nicht immer hin konnten, auch mal einige Wochen nicht. Mal nachgefragt ob es uns gut geht, indem sie ja wussten, daß wir gesundheiltich nicht immer konnten.Weit gefehlt. Wir waren da schon traurig darüber und frustriet. Angerufen hatten sie, wenn die Stunde ausfiel. Ich rief dann immer mal an und wollte wissen wie es ihnen ginge.

Dann wurde davon gesprochen, daß alles bereits im Buch des Lebens geschrieben steht und daß man eigentlich nichts tun muss, sondern ist alles schon vorgezeichnet. Wir sind allesamt unter seiner Gnade und müssen uns nicht anstrengen. Jeder geht seinen Weg, den er, wie bereits im Buch vorgezeichnet ist. Ich dachte mir, das wäre aber unfähr! Wieso strenge ich mich dann überhaupt an, wenn die anderen sich nicht anstrengen müssen und trotzdem gerettet werden. Dann lehrten sie vom Äon, damit habe ich kein Problem, aber als sie sagten, daß alles wieder was aus Gott ist wieder mit ihm vereint werden soll und alle gerettet werden. Auch die gefallenen Engel, Dämonen und Satan. Da läuteten bei mir die Alarmglocken. Ich wusste immer noch nicht, daß es da um Allversöhnung ging.

Sie erzählten auch, daß es viele Äonen - Zeitalter geben wird, bis alle gerettet werden und wieder mit Gott vereint sind ( also die sogenannte Reinkarnikation)!

Nun, was ist ein Zeitalter bzw. wie viele Zeitalter laut Bibel gibt es? Man kann nun sagen, die Zeit von Adam bis Noah war ein Äon-Zeitalter. Danach bis jetzt ein weiteres Äon-Zeitalter, also von Adam bis jetzt 6 Tage = 6ooo Jahre, also noch Schaffenszeit, dies heißt also, daß unser Vater immer noch am erschaffen ist. Dann kommt das Schabbatjahr = 1000 Jahre! Dies wäre wieder ein Äon-Zeitalter! Was kommt dann.
Wird nicht Satan nochmals zur Prüfung aller, die in den 1000 Jahren friedlich gelebt haben, auf die Menschen "zugelassen" und viele werden abfallen! Nicht alle. Danach, nach dieser vielleicht letzten Prüfung, werden da alle abfallen oder alle gerettet! Beginnt dann die sogenannte Ewigkeit für alle! Wer sind nun wieder alle! Welche Ewigkeit! Im Himmel für alle, oder im Scheol für alle!

Es geht nicht aus der Bibel hervor, daß noch viele Äonen kommen werden, wie diese dort lehren. So ungefähr, es gibt solange neue Äon-Zeitalter bis alle gerettet sind. Sie sagen auch, daß jeder schon mehrmals gelebt hat und solange immer wieder vom Totenreich auf die Erde muss, bis er gelernt hat IHM zu folgen und dies kann eben viele Äonen dauern! Also die sogenannte Ewigkeit von deren Ansicht!

Was ist nun Ewig! Ewig von Äon zu Äon! Oder Ewig in diesem Äon, dies kann aber nicht sein, da ein Äon eine bestimmte Zeit hat und für mich nicht Ewig ist.

Da ich also immer mehr mit dem Wort Allversöhnung in Berührung kam, habe ich nun mal geforscht, was dies nun so auf sich hat und habe feststellen müssen, daß diese Gruppe wo ich gelandet war, Allversöhner sind. Dies weiß ich nun seit Monaten und gehe da auch nicht mehr hin.
Auch lehnen diese die Erwachsenentaufe ab! Sie haben also auch ein Problem, als ich ihnen erzählte, daß ich mich ja im Jordan habe taufen lassen. Sie meinen, dies ist nicht mehr nötig und habe auch den Eindruck, daß sie mir zu verstehen gaben, dies wäre von unten!

Auch wird von dessen Führer (Baader) gelehrt, steht in einem Buch von ihm, daß man Fleisch unbedingt essen muss, damit die Dämonen keine Macht über uns hätten. Unser Schutz gegen Satan und co. wäre das Eiweiß aus dem Fleisch der Tiere. Der Körper braucht dies um an Kraft zu haben und den Kämpfen zu widerstehen! Gehts noch! Der einzige der uns davon bewahren kann, ist unser Jeshua! Auch wird dies von Rebekka Brown gelehrt! Mir hat erst vor kurzem eine gläubige Bekannte unbedingt klar machen wollen, daß ich mir das Buch von Rebecca Brown kaufen soll und ich darf und muss Fleisch essen! Wo steht das in der Bibel!!

Es sind liebe und nette Leute. Sie sprechen zwar von Liebe, aber Liebe leben konnte ich für mich nicht ersehen.

Diese Frau die ich da kennenlernte war so frustriert, daß sie sich von mir per Mail verabschiedete und sie habe eine neue Gemeinde kennengelernt und da wird Liebe gelebt. Sie geht jetzt in die Christliche Wissenschaft. Nun, da glaube ich nicht weiter zu erwähnen, das diese okkult ist. Auch mit dieser Frau habe ich keinen Kontakt mehr.

Nun fragte ich Vater, wozu musste ich dahin. Wozu dies alles. Er sagte mir: Um meinen Glauben zu prüfen und zu erkennen.

Nun  fragte ich wieder, du Papa, warum bzw. was bewegt Menschen an die Allversöhnung zu glauben.

Es geht um das Wort All, alle, alles. Was steckt dahinter, Was und wer ist alles und alle!

Da ist eine Gruppe mit Menschen und denen wird gesagt: wir gehen alle auf dem Berg! Nun gehen da nun wirklich alle hin? Oder sagen einige, nee, da hab ich keine Lust hinzugehen!
Oder eine Gruppe steht vor einer Prüfung und wird gesagt: alle die die Prüfung machen werden das Ziel erreichen! Nun schaffen alle die Prüfung, haben sie genug getan und gelernt!

Oder wie oft hört man, alle Menschen freuen sich, in den Urlaub zu fahren, oder ins Bad zu gehen, oder auf Party etc. Wirklich alle? Freuen sich wirklich alle! Nein, es ist immer ein Teil von allen, eine Gruppe, und dies sind wieder alle, eben aus oder in dieser Gruppe!

Vater hat alles erschaffen: Richtig? Ja, ER hat Himmel, Erde, Mensch und Tier etc. und alles was gut ist war geschaffen!

Nun, seht euch nun mal um in dieser Welt! Diese Welt in der wir leben, aber nicht von dieser Welt sind, ist diese Welt auch von IHM geschaffen, oder ist dies nicht Menschenwerk! Denkt an den Turmbau zu Babel?

Vater läßt es zu, aber es ist nicht von IHM, sondern von anderen Göttern!

Lest Hiob! Vater benützt Satan uns zu züchtigen und zu prüfen! Er läßt es zu! Da kann nun auch wieder die Frage stellen! Alle? Züchtet er alle? Wer sind diese alle!

Wer sind nun alle!
Alle die wirklich treu IHM sind und nachfolgen!
Alle, die wirklich seine Söhne und Töchter sind!
Alle, das Israel und die Juden betrifft!

Sind nun alle böse? Oder sind alle gut? Wieder alle? Wenn man nun fragt, sind alle böse, nein nicht alle! Wenn man nun fragt, sind alle gut, nein nicht alle!

So nun kommen wir wieder dahin, wo die AV sagen, daß alles was aus IHM ist, wieder alles zu IHM zurück muss!
Nun, wie ist mit Satan udg. Satan ist ja auch von IHM erschaffen und weil er von IHM erschaffen ist, meinen die AV muss auch er wieder zu IHM zurück und es wird solange von Äon zu Äon gehen bis auch der letzte, dies wäre der Tod von IHM erschaffenen zurück geht!!!! Es heißt diese müssten sich bekehren und dies könnte Äonen dauern?!?

Wäre es wirklich so, dann wäre die Schaffenszeit die 6 Tage= 6ooo Jahre falsch, dann müssten es tausende von Jahren sein!? Und die Shabbatzeit wäre noch unendlich weit weg!

Oder sehe ich da was falsch!
Ich denke auch die AV haben auch damit ein Problem, wo es ja heißt und alle werden bekennen müssen und ihre Knie beugen vor IHM!

Hier nun wieder die Frage? Wer sind mit alle gemeint! Sind hier nun wirklich alle, gute und böse - oder nur wieder eine Gruppe gemeint!

Nun, wer, was ist alles, alle? Es geht um das Wort alle und alles!

Ihr Lieben, ich habe versucht meine Ansicht zu schildern und hier steckt nochmehr an Geheimnissen was das Wort all, alles und alle betrifft! Alle und alles sind nicht immer alle und alles!

Ihr seht hier gibt es noch viele offene Fragen und hat Tiefgang!

Mann steckt alles in einen Topf, dabei gibt es viele Töpfe! Wenn man alles zusammenschmeist, dies bekommt nicht immer, dies kann ganz schön explodieren und sauer (Sauerteig) werden!

Da ich nicht mehr hin gehe, fühle ich mich wieder frei. Ich spürte einen Druck auf mir, sowie gefangen und nicht die Freiheit, die ich zuvor hatte! Dies ist nun wieder weg!

Oder wie seht ihr das? Vielleicht hat von euch noch weitere Ansichten!

Seid ganz lieb gedrückt

Schoham

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Re: Allversöhnung
« Antwort #4 am: 18 Dezember 2007, 14:39:18 »
Vater hat alles erschaffen: Richtig? Ja, ER hat Himmel, Erde, Mensch und Tier etc. und alles was gut ist war geschaffen!

Denn so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Ein eisernes Joch habe ich allen diesen Völkern auf den Nacken gelegt, dass sie untertan sein sollen Nebukadnezar, dem König von Babel, und ihm dienen, und auch die Tiere habe ich ihm gegeben.
Jer. 28,14


Unsere Welt wurde durch den Sündenfall unter die herrschaft des Satans gebracht. So sieht sie ja auch aus ...

Ich denke auch die AV haben auch damit ein Problem, wo es ja heißt und alle werden bekennen müssen und ihre Knie beugen vor IHM!

Siehe, ich werde schicken einige aus der Synagoge des Satans, die sagen, sie seien Juden und sind's nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe.
Off. 3,9


Kinder Gottes beugen nicht nur ihre Knie freiwillig vor ihrem HERRN - sondern sogar mit Freude.

Der HERR macht das Kinder Satans heute schon vor Kindern Gottes auf die Knie fallen müssen und erkennen das Er durch sie mit Macht wirkt.

Am Ende der Zeit wird jeder bekennen müssen das Gott der ist der Er ist.

Eine Allversöhnung kennt die Bibel nicht.

« Letzte Änderung: 18 Dezember 2007, 14:41:34 von Schoham »

Offline Roland

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Re: Allversöhnung
« Antwort #5 am: 20 Dezember 2007, 21:43:09 »
Hallo Elishua,

Zitat
Was ist nun Ewig! Ewig von Äon zu Äon! Oder Ewig in diesem Äon, dies kann aber nicht sein, da ein Äon eine bestimmte Zeit hat und für mich nicht Ewig ist.
Zum Thema "Ewigkeit/Äon" findest Du hier einen interessanten und informativen Aufsatz.

Zitat
Auch wird von dessen Führer (Baader) gelehrt, steht in einem Buch von ihm, daß man Fleisch unbedingt essen muss, damit die Dämonen keine Macht über uns hätten. Unser Schutz gegen Satan und co. wäre das Eiweiß aus dem Fleisch der Tiere. Der Körper braucht dies um an Kraft zu haben und den Kämpfen zu widerstehen! Gehts noch!
Völliger Blödsinn, wie so vieles was Baader "lehrt".

Zitat
Sie geht jetzt in die Christliche Wissenschaft.
Da kommt sie vom Regen in die Traufe oder anders ausgedrückt: Sie hat lediglich die Sekte gewechselt.

Zitat
Da ich nicht mehr hin gehe, fühle ich mich wieder frei. Ich spürte einen Druck auf mir, sowie gefangen und nicht die Freiheit, die ich zuvor hatte! Dies ist nun wieder weg!
Ich finde, dass Du richtig gehandelt hast!

Der HERR hat mir auf das Herz gelegt, einen Aufsatz über Baader zu verfassen. Bis es soweit ist, habe ich hier einige interessante Infos von einem Bruder, der Baader persönlich kennt:

"Liebe Forumteilnehmer,

ich bin einigermaßen erschrocken und schockiert darüber, wie im Thread zum Sabbat/Sonntag von jemandem aus Leipzig die DaBhaR-Übersetzung und nicht nur sie, sondern auch weitere Bücher von Herrn Fritz Henning Baader massiv empfohlen und verteidigt werden. Für mich erklärt diese Verbindung übrigens auch manche der vorherigen Beiträge jener Person in anderen Threads.

Vor vielen Jahren (1992 bis 1993) stand ich in engem Kontakt mit dieser Gruppierung um Baader, besuchte eine "Wortgemeinschaft" in Vesperweiler und bin bei diesem Mann auch einmal in seiner Wohnung in Schöberg-Langenbrandt gewesen. An dieser Stelle meine eindringlichste Warnung vor ihm und vor allen, die seine Erkenntnisse als Wahrheit propagieren. Tatsächlich ist er (ich muß es leider so sagen und scheue mich im Grunde davor, es öffentlich zu tun) ein gnostischer Erzhäretiker.

Ich kann nur sagen: Wehret den Anfängen und prüft bei solchen, die in diesem Forum die DaBhaR-Übersetzung und andere Schriften von Baader propagieren, nach, was sie von seinen Häresien übernommen haben.

Hier der Text, den ich nach meiner Trennung von Baader schrieb, in aktualisierter Fassung:

Eine kurze Übersicht der Irrtümer von Herrn Fritz Henning Baader, verbunden mit einem persönlichen Zeugnis

Die sachliche Richtigkeit meiner Angaben versichere ich; Quellenangaben aus den Büchern und Kassetten Baaders kann ich zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr liefern (damals verschlang ich sie regelrecht, wie ein paar Freunde bestätigen könnten), allerdings steht es jedem, der sich dazu berufen weiß, frei, diese Werke zu beziehen und selbst nachzuprüfen. Allerdings rate ich ausdrücklich dazu, nicht freiwillig und ohne konkreten göttlichen Auftrag ein solches Schlammbad zu nehmen.

- Er vertritt neben der radikalsten Form der Allversöhnung (der Teufel und die Dämonen seien selbstverständlich mit in das Erlösungswerk von Golgatha einbezogen und würden nicht nur errettet, sondern auch in ihren früheren Zustand zurückversetzt und verherrlicht; wer seine Meinungen über die Wiederbringung aller Dinge nicht teile, habe überhaupt nichts von der Liebe Gottes verstanden und sei dämonisiert, sprich besessen; ein anderer führender Prediger aus dem Baader-Kreis nannte mich einen Sadisten, als ich mich zur Lehre von der ewigen Pein der Gottlosen bekannt hatte; daß Gläubige, welche die Allversöhnungstheorie ablehnen, wirklich Söhne Gottes seien, zieht dieser in starke Zweifel, denn man könne die Wiederbringung eigentlich auf so gut wie jedem Blatt der Bibel finden) noch mehr fundamentale Irrlehren:

- Die Gläubigen hätten alle vor Grundlegung der Welt (er sagt dazu "Herabwurf des Kosmos") schon einmal gelebt und seien dann zusammen mit dem Christus als das Lämmlein geschlachtet und somit von Ihm geteilt worden. Aus der Tatsache, daß das Jerusalem droben unsere Mutter genannt wird (Gal 4,26), meint er ersehen zu können, daß wir alle schon einmal dort gewesen seien, denn zur Mutter gehöre ja, daß man irgendwann einmal in ihr drin war. So habe auch der Christus seinen Vater (Gott) und seine Mutter (das neue Jerusalem) verlassen, um Seinem Weibe (der Herausgerufenen = der Versammlung) anhangen zu können und mit ihr ein Fleisch zu sein (Bezug zu Mt 19,5). Diese Idee von der Präexistenz der Seele hat er wahrscheinlich von Origines, dessen neoplatonische Philosophie ihn stark geprägt hat und über den er sich lobend äußerte, übernommen.

- Weiterhin glaubt er tatsächlich, daß Christus während Seines Erdenlebens das Fleisch der Sünde und somit eine sündhafte Natur an und in sich gehabt habe. Er habe das gleiche Fleisch wie wir Menschen gehabt (dies trifft übrigens, wie ich mit Nachdruck vertreten möchte, tatsächlich insofern zu, als der Herr Jesus nach Röm 8,3 in Gleichheit des Fleisches der Sünde kam und die menschliche Natur Adams nach dem Fall und nicht etwa vor dem Fall angenommen hat, wie die Exklusiven Brüder es fälschlicherweise lehren; der Herr Jesus war auch von seiner Empfängnis an der Sündenträger für Sein Volk, aber persönlich ohne jede Sünde) und habe ebenso wie wir sündigen können (das ist eindeutig falsch). Er geht so weit, zu sagen, daß im Falle eines Versagens des Herrn, welches ja nach seiner Theorie durchaus möglich gewesen wäre, Gott noch einen anderen Weg (zur Erlösung) gefunden hätte. Diese seine Thesen überschreiten bei weitem die Grenze zur Blasphemie.

- Er huldigt der Auffassung, daß Christus einen vorweltlichen Anfang gehabt habe, als Er aus Gott herausgekommen sei, um dann "die alle" (gr.: ta panta) aus sich herauszugeben. Einmal würden "die alle" wieder in Ihn hineingeführt, wonach sich der Sohn dem Vater unterwerfen werde, auf daß dann Gott alles in allen sei und dieser Zustand dann die vermehrte Herrlichkeit aller erschaffenen Wesen bedeute.

- Der Satan sei zwar unser Feind, aber nicht Gottes Feind. Er habe die Funktion eines Verklägers, also eines vom Gericht bestellten Staatsanwaltes, weshalb er für seine Taten nicht verantwortlich gemacht bzw. bestraft werden könne.

- Das äonische (ewige) Leben sei nicht unbedingt endlos, wenn nicht unauflösliches Leben durch die Auferstehung aus den Toten hinzukomme. Man könne also äonisches Leben haben und doch wieder sterben. Das äonische Leben könne übrigens ebenso wie die Rechtfertigung durch gute Werke erlangt werden. Er bezieht sich dabei auf Jak 2 und Mt 25.

Weitere schwerwiegende Irrtümer:

- Christus sei an einem aufrecht stehenden Pfahl auf dem Ölberg, nicht an einem Kreuz gestorben.

- Er vertritt eine stark abgewandelte British-Israel-Theorie; die europäischen und angelsächsischen Völker seien direkte, leibliche Nachkommen der 10 Stämme Israels.

- Er berechnet den Beginn des Tausendjährigen Reiches - das übrigens schon auf der neuen Erde stattfinden soll - auf das Jahr 2028. Die erste Entrückung (er geht von deren drei - für jede heilsgeschichtliche Linie eine - aus) finde im Jahre 2021 statt. Gott habe uns in der Offenbarung Jesu Christi einen äußerst genauen Zeitplan gegeben, so daß wir in der Lage seien, sogar die Tage von verschiedenen Ereignissen zu berechnen.

- Die Gläubigen müßten nicht mehr vor dem Richterstuhl Christi bzw. Gottes offenbar werden, sondern es werde bei ihnen schon in diesem Leben alles offenbar. 2. Kor 5,10 übersetzt er: Denn den allen ist bindend, zu uns hin offenbart zu werden. Dies beziehe sich gemäß 1 Kor 6,2-3 darauf, daß die Gläubigen alle, auch Engel, richten würden.

- Er vertritt ein geozentrisches Weltbild und sieht die Astronomie in ihren Aussagen als von der Himmelskönigin Astarte bestimmt an.

Man könnte hier sicherlich noch wesentlich mehr nennen, was ich jetzt aber nicht tun möchte. Ich habe mich im August 1993 von ihm (ich hatte ihn persönlich gekannt) und seinen verderblichen Lehrmeinungen, von denen ich hauptsächlich die Allversöhnung und die Pfahles-Theorie übernommen hatte, gründlich getrennt (dieser Trennung ging eine intensive Beschäftigung mit der Schrift und mit einiger Literatur von beiden Seiten voraus; die ganze Geschichte meiner Auseinandersetzung hier zu berichten, würde jedoch den Rahmen sprengen). Im November 1994 gelangte ich zu der Einsicht, daß schon der Besitz der Bücher dieses Mannes einen schädlichen Einfluß auf mich ausübte; daher vernichtete ich auch meine letzten Bücher von Baader. Man kann eigentlich nichts von ihm guten Gewissens annehmen, denn er verkündigt ein anderes Evangelium und einen anderen Jesus als die Schrift. Er greift sowohl die Person als auch die Bedeutung des Werkes des Herrn Jesus an und muß als fundamentaler Irrlehrer abgewiesen werden, zu welchem Kontakt eine Unmöglichkeit darstellt. Man kann nur hoffen, daß sein Herz gesünder ist als sein Verstand (de gustibus non judicat ecclesia!), denn diesen hat der Gott dieser Welt verfinstert.
Die DaBhaR-Übersetzung enthält etliche tendenziöse Fehler (z. B. in Joh 1,18: „... der Gekommenseiende hinein in die Leibesbucht des Vaters, jener leitet ihn her“) und äußerst viele, teilweise sehr eigenartige Wortneuschöpfungen, obwohl sie Treue zum Grundtext vorgibt. Sie ist als gefährliche Verfälschung und Umdeutung des Wortes Gottes und des biblischen Evangeliums anzusehen. Ich bereue es zutiefst, die Schriften dieses gefährlichen Mannes je empfohlen zu haben.

Grüße

voljor72"

Quelle: bifo


Damit Du Dich über den okkulten Ursprung der Allversöhnungsirrlehre informieren kannst, steht nachstehend der Aufsatz eines anderen Bruders (Baldur Gscheidle).

Marana tha
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Roland

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Sollte GOTT gesagt haben?
« Antwort #6 am: 20 Dezember 2007, 21:46:54 »
Sollte  GOTT gesagt haben?

Teil 1:


Vorwort:  Kabbala und Wiederbringungslehre.

So mancher Leser wird sich bestimmt die Frage stellen, wie kommt man eigentlich zu einer solchen Verknüpfung -  Kabbala und Wiederbringungslehre? Haben diese beiden Themen tatsächlich etwas miteinander zu tun und hat dies für uns heute überhaupt noch irgendeine Bedeutung? Kabbala, was ist und bedeutet dies eigentlich? Ist es nicht besser, wenn wir uns allein mit der Bibel beschäftigen und uns wichtigeren Fragen zuwenden?

So etwa hätte ich vor Jahren vielleicht selbst gefragt und auch ähnlich argumentiert. Nun, ich erhielt vor einigen Jahren aus dem Nachlass eines verstorbenen Bruders ein Buch mit dem Titel, »Die Neuschöpfung«. Der Autor war der frühere Gemeinschaftsleiter der Hahn’schen Gemeinschaft in Münsingen auf der Schwäbischen Alb, Friedrich Mayer.

In diesem Buch stieß ich, zunächst einmal, für mich sehr verwirrend, auf die Lehre von der Wiederbringung aller Dinge am Ende einer langen Reihe von Äonen, die nach der Meinung der Allversöhnler mehr oder weniger lange Zeitabschnitte darstellen sollen.

Mayer behandelte das Thema sehr ausführlich und schildert in seinem Buch die Ursprünge dieser Lehre. Diese liegen nun keineswegs im Bereich des Christentums, vielmehr führen die ersten  Quellen dieser Lehre weit in die vorchristliche Zeit und in die heidnisch- griechisch- ägyptische Philosophie zurück. Mayer beschreibt im Weiteren die gesamte Entwicklung dieser Anschauung, die er dann nach einer langen Reihe von Vertretern dieser Ansicht, in der Lehre Michael Hahns vollendet sieht. Er schildert die vielen Einflüsse der verschiedensten Strömungen und Lehren, die zum Schluss zu diesem nun vollendeten Gedankensystem führten.

Verschiedene Gespräche mit Anhängern dieser Lehren, und insbesondere der Glaube einzelner ihrer Vertreter, dass die Verstorbenen  um uns Lebende umherschweifen und Menschen erscheinen können um mit ihnen zu kommunizieren, ja sogar das Evangelium noch hören können um sich für Jesus zu entscheiden, wurde mir zusehends fraglicher. Ich begann nun die Lebensgeschichten verschiedener „Glaubensväter“ aus Kirche und Pietismus durchzuarbeiten. Dabei wurde von vielen dieser Männer berichtet, dass in ihren Lehren so manche kabbalistischen Vorstellungen zu finden sind. Einige haben sogar die Kabbala intensiv bei verschiedenen jüdischen Lehrern studiert und sie in ihre christliche Gedankenwelt transformiert und aufgenommen.

Nun wollte ich auch über die Lehren der Kabbala Näheres in Erfahrung bringen und so begann ich, mich in diese kabbalistische Literatur einzuarbeiten. Dabei konnte ich dann feststellen, dass ein großer Teil dieser Lehren, wie oben erwähnt, in Kirche und Pietismus eingeflossen sind.

Vergleicht man jedoch einmal diese Lehren und Aussagen mit dem Wort Gottes, dann stellt man sehr rasch fest, dass hier doch oft genau entgegengesetzte Positionen vertreten sind. Lehren, die vom Okkultismus und Spiritismus beeinflusst, und wesentlich mehr aussagen, als uns das Wort Gottes mitteilt.

Viele Freunde und Gläubige mit denen ich in Gedankenaustausch stehe, machten mich auf eine gewisse Not in ihren Kreisen zum Thema der Wiederbringungslehre aufmerksam, da dieses Gedankengut weit in christlichen Kreisen verbreitet ist. So begann ich nun, mich mit dieser Materie etwas intensiver auseinanderzusetzen. Sehr eingehend habe ich mich zunächst mit Michael Hahn und seinem Umfeld, mit den Vätern die ihn  selbst beeinflusst und geprägt haben, beschäftigt.  Dabei konnte ich die große Übereinstimmung zahlreicher seiner Lehren mit der Kabbala, die sich teilweise bis in Einzelheiten decken, feststellen. Hahn steht hier stellvertretend für eine Vielzahl der verschiedensten Befürworter dieser Wiederbringungslehre, die sich  in vielen Kreisen und Gemeinden  finden.

Ich will nun den interessierten Leser mitnehmen, um ihm mit Hilfe meiner Ausführungen etwas Klarheit über die Wurzeln und Zusammenhänge dieser Lehren näher zu bringen. Vielleicht wird der eine oder andere auch seine eigene Glaubenshaltung über diesen Fragen korrigieren und dabei lernen, biblisches und unbiblisches auseinanderzuhalten, vor allem aber, dem Wort Gottes mehr Glaubensgehorsam zu bringen und Vertrauen zu schenken, als den „Neuoffenbarungen“ so mancher, heute noch hoch angesehener pietistischen Glaubensväter. Mögen diese Lehren auch unseren Ohren und dem Verstand noch so gut gefallen und zusagen, wollen wir uns doch an das Wort Martin Luthers halten, „sola scriptura“, allein die Schrift. Dies einzig soll für einen Nachfolger Jesu gelten. Das Wort Gottes in seinem ganzen Umfang soll uns genügen die Wahrheit zu erkennen, um auf dem rechten Weg zu bleiben.

 

Baldur Gscheidle, im Februar 2003

1. Michael Hahn:  Einführung
 

 

a)      Allgemeines:  Sein Werdegang

 

Michael Hahn wurde am 2. Februar 1758 in Altdorf bei Böblingen geboren und starb im Jahr 1819. Sein Vater war ein wohlhabender, rechtschaffener Bauer. Johannes Michael erhielt bis zu seiner Konfirmation nur den dürftigen Unterricht der Volksschule und erlernte dann auf Verlangen seines Vaters das seiner Neigung wenig entsprechende Metzgerhandwerk. Danach arbeitete er wieder auf dem väterlichen Hof. Bei weltlichen Unterhaltungen wurde er von großer Gewissensunruhe gequält und fühlte einen unwiderstehlichen Trieb in sich nach Heiligkeit und Erkenntnis der Wahrheit. Dadurch kam er in den Jahren 1774 - 1777 in einen tiefen inneren Kampf, bis  endlich auf dem Feld, wo der mit einer ländlichen Arbeit beschäftigt war, eine Erleuchtung des heiligen Geistes zuteil wurde. Hahn konzentrierte sich nun auf das Geistliche und führte ein zurückgezogenes Leben.

Sein Vater war mit seinem neuen Streben nicht einverstanden und  behandelte ihn  sogar mit Schlägen. Hahn kam dann zu einem gottesfürchtigen Separatisten, Herrn von Leiningen.

 

Dieser Mann erkannte die Gabe Hahns und erreichte bei seinem Vater, dass er seinen Sohn im Jahre 1780 wieder nach Hause nahm und ihm volle Freiheit  ließ. Damit begann für Hahn ein neuer Lebensabschnitt.

Er begann Privatversammlungen abzuhalten und erregte dabei die Aufmerksamkeit weiter Kreise. Viele  Menschen besuchten seine Versammlungen und waren von Hahns Lehre ergriffen. So bahnte sich Hahns Wirken an, das sich in Württemberg an vielen Orten, später auch in Baden[1] beträchtlich ausweiten konnte. Nach anfänglichem Widerstand der kirchlichen Behörden, welche ihn mehrmals verhörten und vor denen er sich wiederholt verantworten musste, wurde sein Wirken von der Kirche toleriert, war er doch für separatistische Bestrebungen nicht offen. Er versuchte, und das meist mit Erfolg, solche Abspaltungen von der verfassten Kirche zu verhindern. Joachim Trautwein hat diesen Verhören in verschiedenen Archiven nachgespürt und in seinem Buch dokumentiert.[2]

 

b)   Hahns Prägung – Der geistliche Hintergrund - Die protestantische Theologie

 

Hahn wurde vom schwäbischen Prälaten Johann Christoph Oetinger und seinen theosophischen Lehren ausgesprochen beeindruckt und führte seine theosophische Lehre über Oetingers Gedanken weiter. Häufig gebraucht Hahn wörtliche Zitate aus Oetingers Schriften, ohne dies jedoch in seinen Schriften anzuführen.

So schreibt nun Erich Beyreuther: Dem bekannten württembergischen Prälaten Oetinger entstand in Hahn ein tiefsinniger Interpret von originaler Eigenwüchsigkeit und starker Überzeugungskraft. Dieser übernimmt nicht nur Oetingers Vorstellungen von einem „dynamisch bewegten Zwischenzustand“ nach dem Tod, sondern auch die individuelle und universale Eschatologie[3]  sowie die Allversöhnungslehre Oetingers.[4]

Dieser bewegte „Zwischenzustand“ nach dem Tod, bedeutet hier nichts anderes, als dass Hahn sich dieser „Geisterlehre“, nämlich, dass die Verstorbenen als Totengeister noch um uns sind und von uns beeinflusst werden können, anreihte.

An den deutschen Universitäten etablierte sich bald nach der Reformation eine protestantische Theologie, die das reformatorische Gedankengut wie die Rechtfertigungslehre oder das Schriftprinzip in ein wissenschaftliches System überführte, sich aber gleichzeitig von der religiösen Praxis des Volkes immer stärker zu entfernen begann. Anscheinend war das „sola scriptura“, allein die Schrift,[5] damals wie auch heute den Menschen nicht genug, es wurde immer nach einem „Mehr“ gesucht, während andererseits entscheidende Wahrheiten der Schrift immer weiter in den Hintergrund gerieten und vernachlässigt wurden.

Gegen diese Entwicklung wandte sich der Pietismus mit der Forderung nach einer »zweiten« Reformation, nach einer »Kirche in der Kirche«, in der Frömmigkeit, Innerlichkeit und authentisch gelebter Glaube anstelle der Orthodoxie im Vordergrund stehen sollten. In der zweiten Hälfte des achtzehnten sowie am Anfang des vorigen Jahrhunderts herrschte weit und breit die sogenannte " Aufklärung " oder diejenige Geistesrichtung, welche nahezu alles Übernatürliche, alles, was sich nicht mit dem gesunden Menschenverstand begreifen lässt, als das Erzeugnis einer verirrten, schwärmerischen Phantasie und somit in der Tat als ein „nicht Seiendes“ betrachtet wurde. Diese Zeitrichtung machte sich auch in der Theologie geltend. Die sogenannte rationalistische Denk- und Anschauungsweise der orthodoxen Theologie[6] gelangte damals zu voller Blüte.[7]

In dieser Notzeit erweckte, so in der Einführung zu dem Buch über die Hahnsche Gemeinschaft, Gott verschiedene Werkzeuge. Wir erinnern wir nur an die Männer aus der Bengelschen Schule, an den Prälaten Oetinger und den Pfarrer Philipp Matthäus Hahn, ferner an den geistlichen Liederdichter Philipp Friedrich Hiller und Pfarrer Pregizer. Auch Jung- Stilling übte auf die Gläubigen in Württemberg einen nicht zu unterschätzenden Einfluss aus.[8]

Betrachtet man nun die sich entwickelnden schwärmerischen Erscheinungen im christlichen und insbesondere die Auswirkungen im pietistischen Raum, so liegt die Schlussfolgerung nicht fern, dass hier das Pendel vom Rationalismus jetzt deutlich in die andere Richtung ausschlug.[9] Anstatt am genauen Wortlaut und Wortsinn der Schrift festzuhalten, wurden nun breite Kreise von diesen weit über die biblischen Aussagen gemachten, neuen, angeblich von Gott geschenkten Gedanken und Lehren, teilweise mit großer Begeisterung und Offenheit, aufgenommen. Hier wurde den Visionen und „Neuoffenbarungen“ von scheinbar besonders begnadeten Gottesmännern, Glauben und große Gefolgschaft zuteil.

 
c)  Hahns Theosophie
 

Hahn bezeichnet sich ja immer wieder selbst als Theosoph, als Mensch welcher die „heilige Sophia“, die Weisheit Gottes liebt und die innige Vereinigung mit ihr anstrebt. Das gehört geradezu zu Hahns Programm. Diese Vereinigung mit der „Sophia“ zum „androgynen Menschen“,[10] in einer personalen Einheit, als männlich– weibliches Wesen, ist das Ziel der endlichen Wiederherstellung.[11] So wurde der Mensch von Gott geschaffen, so soll er auch wieder werden. Von diesem Gedanken her ist auch Hahns Eheverständnis zu sehen. Ihm schwebte eine keusche Ehe vor, in welcher die Eheleute, wenn überhaupt, nur zum Zweck der Kinderzeugung zusammenkommen sollten. Das war für Hahn ein besonders heiliger und anzustrebender Stand. Alles was über die Kinderzeugung hinausging war von Übel.

Von Hahn und auch seinen späteren Anhängern wird häufig ein eheloses Leben, oder die Form einer Art „Geschwisterehe“ als heiliges und vorbildliches Leben hervorgehoben.[12]/ [13]

Was bedeutet nun Theosophie? Der folgende Abschnitt stammt aus einem Werk Hahns.

»Theosophie, Gottesweisheit, ist diejenige christliche Wahrheitserkenntnis, die vor allem dem tiefsten Ursprung und letzten Ziel aller Dinge nachforscht. Sie erkennt, dass die ganze sichtbare und unsichtbare Weltschöpfung aus einem gemeinsamen Grundstoff hervorgegangen ist, den auch die Heilige Schrift andeutet und überall voraussetzt, wo es statt „Nichts“ wörtlich das „nicht Sichtbare“ heißt.

Dieses ursprüngliche Reinelement ist aber nichts anderes als der Ausfluss (Emanation) des göttlichen Herrlichkeitswesens oder der geistleiblichen Lichtsnatur Gottes, auch göttliche Leiblichkeit genannt. Der Theosoph erkennt also einen tiefen Wesenszusammenhang zwischen Gott und der geschaffenen Welt und erblickt in der Erhöhung des irdisch Körperlichen zur Geistleiblichkeit das Ziel der Wege Gottes. Dabei tritt er in seinem Erkennen manchmal über die Grenze der in der Heiligen Schrift klar ausgesprochenen und unmittelbar dargeboten  Wahrheiten hinaus, gerät aber (angeblich) nie in Widerspruch mit denselben. Während der Theologe sein Forschen auf den im Schriftwort deutlich zutage tretenden Gedankenkreis beschränkt, treibt es den Theosophen, in die Tiefe zu steigen und „das in der Schrift nicht entwickelte“, aber vorausgesetzte und darum dort auch angedeutete System göttlicher Grundgedanken zu suchen.

Zu dieser Erkenntnis gelangen die Theosophen entweder - und das ist die höhere Form derselben - durch unmittelbare, göttliche Erleuchtung, durch inneres Schauen im Gemüt, wie z. B. bei Jakob Böhme und Michael Hahn, oder durch ein unter steter Anleitung des Heiligen Geistes geübtes, immer tieferes schlussmäßiges  Eindringen in die Grundbegriffe der Heiligen Schrift, wie z. B. Oetinger«.[14]

Theosophie ist also eine religiöse Methode, Wissen von Gott und der Welt des Geistes nicht wie die Theologie mit Hilfe der logisch folgernden Erkenntniskräfte, (aus der Bibel) sondern auf außergewöhnlichen Wegen, wie mystische Schau und Ekstase, erreichbar  durch Askese, Meditation und ähnlichen Techniken zu erlangen.

Die Theosophen glauben an eine ursprüngliche hellseherische Begabung des Menschen, die durch Rationalismus und Materialismus verschüttet sei, aber durch Selbsterziehung und sittlichen Fortschritt wiedererlangt werden könne.

Die Theosophie wollte eine Verbindung schaffen zwischen den scheinbar unvereinbaren Bereichen der Theologie und der Naturwissenschaft und so die Bereiche des Glaubens und des Wissens miteinander versöhnen.

Grundverschieden von dieser wahren Theosophie ist die in den letzten Jahrzehnten auch bei uns, besonders durch Rudolf Steiner verbreitete, moderne Theosophie oder Anthroposophie.[15] Diese deutet die Gedanken der Heiligen Schrift i. S. ihres selbst geschaffenen Systems um und schöpft ihre Erkenntnis teils aus der heidnischen Gedankenwelt teils aus der eigenen Vernunft.[16]

Emil Kremer, der sich intensiv mit okkulten und spiritistischen Einflüssen gerade auch bei Christen beschäftigt hat, hat leider die Quellen und die Bedeutung der „Christlichen Theosophie“ nicht erkannt.

Kremer weist richtig besonders auf die Notwendigkeit der Loslösung von diesen Lehren und Dingen hin. Er befasst sich in seinem Buch lediglich mit der Theosophie der Madame

H. Blavatsky und Rudolf Steiners.[17] Dennoch ist anzumerken, dass beide Zweige der Theosophie, und damit auch die Hahns, aus derselben falschen Quelle geflossen sind.

Hahn wird auch zu den großen deutschen Mystikern[18] gerechnet von denen er ebenfalls, über Böhme und Oetinger wesentlich beeinflusst war. Brixner schreibt: Der Laie Michael Hahn baute seine Gemeinschaft unter Bezug auf die Mystik Jakob Böhmes auf.[19]

In den Erklärungen zu Hahns Schriften wird der Begriff Mystik wie folgt  definiert:

»Mystik, ist diejenige christliche Geistesrichtung, die in dem inwendigen, verborgenen Leben und in dem geheimen Umgang der Seele mit Gott in Christus das eigentliche Wesen des persönlichen Christentums erkennt. Völlige Hingabe an Gott, stilles, liebevolles Sichversenken und Ruhen, ja Sichverlieren  in Gott, als das liebevollste Wesen, und darum ein gänzliches Ausgehen aus sich und allen Dingen, bedeutet für den echten Mystiker höchste Vollkommenheit«.

Hervorragende Vertreter der Mystik waren zum Beispiel Thomas a Kempis, Gerhard Tersteegen, Bernieres.  Auch Michael Hahn nennt sich selbst einen Mystiker und war es auch; aber er erkannte klar und vermied bewusst die Gefahr, in die eine einseitige Betonung dieser Frömmigkeitsart geraten kann, denn gar leicht verliert die Seele über dem eigenen, beschaulichen  Genießen Gottes, mehr oder weniger den Blick und das Interesse für die Verwirklichung des großen göttlichen Heilsplanes zur Wiederbringung des gesamten Alls.[20]

 

Viele katholische Mystiker und Mystikerinnen, die teilweise selig und heilig gesprochen wurden, wie u. a. Theresa von Avila,[21] sowie auch der Gründer des Jesuiten Ordens, Ignatius von Loyola,[22] erlebten ebenfalls „mystische Vereinigungen“ mit Gott. Dies war die im Allgemeinen so definierte „unio mystica“.

Auch der bekannte, von der Katholischen Kirche heilig gesprochene Franziskus von Assisi gehörte zu diesen Mystikern. Er hatte Erscheinungen von Christus als einem Engel und glaubte, dass die Erlösung durch Christus nicht vollständig war. Er, Franziskus sollte die Erlösung vervollständigen und vollenden. Neuere Forschungen haben ergeben, dass auch er an die Wiederbringung aller Dinge glaubte, also ein Vertreter der Lehre des Origenes war.[23]

Die Bibel berichtet uns jedoch an keiner Stelle, dass sich der Mensch mit Gott vereinigen kann, er kann auch nicht wie Tersteegen singt, sich im „Meer der Liebe“, das ist in Gott, versenken. Begegnungen mit der Herrlichkeit Gottes, oder allein schon mit Engeln, ließen die betreffenden Menschen meist wie tot umfallen. Dieses »Sich Vereinigen« mit der Gottheit ist das verführerische Gedankengut der Kabbala. Ihr werdet sein wie Gott, so belog schon Satan das erste Menschenpaar.

 

d)  Die Einflüsse der Kabbala, Hahns geistliche Väter.

 

Zu den oben genannten Strömungen gibt es aber auch ausgeprägte und tiefe Verbindungen mit der Lehre der Kabbala, der Gnosis[24] und dem Neuplatonismus. Ebenfalls auch zu  anderen mystisch- okkulten und heidnischen Strömungen, die wiederum in Kabbala eingeflossen sind. Diese haben sich also in vielfältiger Weise gegenseitig durchdrungen und beeinflusst.

Wichtige Vertreter die kabbalistisches Denken in die christliche Lehre eingebracht haben, sind, und hier nur eine kleine Auswahl, Agrippa von Nettesheim, Jakob Böhme, Friedrich Oetinger, Franz von Baader[25] und auch Emanuel Swedenborg.[26] Sie haben die christliche Theosophie durch Studium und Anwendung der Kabbala, sowie durch Aufnahme katholischer Mystik in ihr System nachhaltig geprägt. Die christliche Theosophie beruft sich auf - den-, auch die „Tiefen der Gottheit erforschenden Geist“.[27]

W. Claus führt aus: Bei beiden, Oetinger und Michael Hahn, wirkten die Gedanken Böhmes und der jüdischen Kabbala nach. Gott ist für Oetinger und andere Pietisten ein unerschöpfliches Meer von Kräften, eine ewig gebärende Kraft.[28]

Von Prälat Oetinger wissen wir, dass er sehr stark von Jakob Böhme, der wie er selbst die Kabbala studierte, und von dem schwedischen Geisterseher Swedenborg, welcher ebenfalls kabbalistische Studien trieb, ausgesprochen tief beeindruckt und beeinflusst war. Darüber hinaus wird von Oetinger berichtet, dass er den abgeschiedenen Seelen,  also den Totengeistern predigte, welche dann, nachdem sie das Evangelium nochmals gehört hatten, in lichtere Welten emporsteigen konnten.[29] Auffallend bei dieser obigen, nicht ganz vollständigen Aufzählung ist, dass diese Männer dadurch bekannt sind, dass sie unter anderem die „Lehre der Wiederbringung“ vertraten. Der Patriarch der Erweckungsbewegung  Johann Heinrich Jung – Stilling[30] beschäftigte sich in gewissenhaftem Studium ebenfalls mit der Geisterwelt. Er ist für sein großes Werk über die Geisterlehre bekannt.

Als Seelsorger wurde er oft mit diesem Phänomen konfrontiert. Sein Werk, Theorie der Geisterkunde stellt in einzigartiger Weise die erfahrbaren Phänomene im Umgang mit der Geisterwelt dar und nimmt dazu theologisch als „an die Bibel gebundener Pietist“ Stellung. Er schreibt: es gibt Menschen, die sich lange einer  ungeheuchelten Gottseligkeit beflissen haben und durch einen vieljährigen Wandel in der Gegenwart Gottes und mit innigem Umgang mit Ihm endlich ihr Ahnungsvermögen entwickelten, - wenn sie nämlich ohnehin eine natürliche Anlage dazu haben. - Diese guten Seelen tun erleuchtete Blicke in die Geisterwelt und in die Zukunft, die sich aber immer auf die Gegenstände beziehen, die ihnen Lieblingssache sind.[31]

Durch solche „Glaubensväter“ konnte der Okkultismus und Spiritismus tief in den Pietismus eindringen. Ebenfalls ergaben neuere Forschungen, dass gerade durch den Pietismus die Lehre der okkulten Homöopathie des Freimaurers Samuel Hahnemann Verbreitung gefunden hat.[32] Auch der württembergische Prälat i.R. Rolf Scheffbuch belegt in seinem Büchlein über die Anfänge des „Heiligen Korntal“, dass die geschätzten homöopathischen Mittel dort fleißig im Gebrauch waren.[33] Oetinger kam über verschiedene Personen mit dem Reich der „abgeschiedenen Geister“ in Berührung. So schreibt Friedrich Mayer von Oetinger:

 „Der Schulrektor Johann Martin Schill aus Calw war ein wahrer, nüchterner Geisterseher und überzeugter Anhänger der Wiederbringung aller Dinge. Er kam oft zu Oetinger und erzählte ihm Wunderdinge aus jener Welt. Schill war das Werkzeug der Vorsehung, Oetinger in der Ausgestaltung seiner Lehre von den letzten Dingen und in seinen Überzeugungen von den Zuständen der Seelen nach dem Tod, der Wiederbringung aller Dinge usw., volle Klarheit und Gewissheit zu geben. Alle Richtungen der älteren Pietisten in Württemberg haben diese Lehre von Oetinger angenommen als einen großen, alles in sich fassenden Teil der Lehre von der Versöhnung, wie sich Michael Hahn ausdrückte.[34]

Mayer weiter: Oetingers kühner Geist, immer weiter vorwärts schreitend, drang ein in die dunklen Gebiete der sogenannten geheimen Wissenschaften. Oetinger hatte hier einen großen Vorgänger, den er sicherlich kannte, »Johann Arndt«.[35]

Dieser sagte: Ihr müsst drei Lichter und Geister unterscheiden: Magie ist das natürliche Licht und der natürliche Geist, Kabbala ein übernatürliches Licht und Geist, ein engelgleiches[36] Licht; Theologie ist das Licht Gottes, der Heilige Geist. Die Natur redet in allen Kreaturen mit einem Magier durch ihren Geist. Die Kabbala redet durch ein engelgleiches Licht und engelgleicher Kraft mit einem Kabbalisten, wie Gott dem Mose durchs Licht geantwortet. Wiederum, die hebräischen Namen Gottes sind engelgleiche Kräfte; wie sie aber zu gebrauchen sind, weiß niemand als ein Kabbalist, und die Kabbala geht vornehmlich mit den göttlichen Namen um.[37]

Aus diesen Namen Gottes fließen wiederum die Namen der Engel.[38] An den engelgleichen Kräften hängen die natürlichen Kräfte des Firmaments. Die Kabbala, welche ein geheimes heiliges Gespräch mit Gott ist, ist voll der himmlischen Geheimnisse, gleich wie die Magie und Weisheit der natürlichen.[39]

Johann Arndt befasste sich als Mystiker mit der Lehre der Kabbala, der Alchemie und auch der Astrologie. Arndt hatte eine Beziehung zu den geheimen Wissenschaften, das Licht, das in allen Kreaturen leuchtet, bedeutete ihm die Kunst der Magie und die Kabbala erfasste er als jene ungewöhnliche Bestrebung, die unter den Buchstaben der Schrift die verborgenen Mysterien ergründet. Wo nun die Magie aufhört, da fängt die Kabbala an, und wo die Kabbala aufhört, da fängt die wahre Theologie und prophetischer Geist an schrieb Arndt. [40] 

 

Über Böhme und Oetinger reichen die Wurzeln des Pietismus dabei bis zu Johann Arndt zurück, der in seinen 1605 bis 1610 erschienenen, überaus erfolgreichen »Vier Büchern vom wahren. Christentum«, auf eindrucksvolle Weise Traditionen der deutschen Mystik und des Neuplatonismus aufgegriffen hatte. Arndt vertrat eine individualistische[41] Heiligungsmystik, die die Gläubigen aus der auch unter Christen verbreiteten Gottlosigkeit (lateinisch »impietas«) zur wahren Gottseligkeit (»pietas«) führen wollte.[42]

Johann Arndt gehörte damit ebenfalls, geprägt und beeinflusst von der Kabbala, zu den Vätern des Pietismus.

 

e) Schrifterkenntnis und Kabbala

 

Weiter führt Friedrich Mayer die Bedeutung der jüdischen Kabbala zur Schrifterkenntnis der christlichen Kabbalisten an. Dies gilt im Besonderen auch für Hahn.[43]

Unter der Hülle dessen, was die Schrift erzählt, sei  noch ein anderer, tieferer, göttlicher Sinn verborgen. Die Thora habe einen ganz anderen Sinn, als ihr Wortlaut an die Hand gebe, sie sei der Gedanke Gottes selber; an jedem Wort, jeder Erzählung, jedem Gebot, ja jedem Buchstaben der Thora hänge der Bestand der Welt.

 

Der Sohar lässt einen Kabbalisten ausrufen: Ist es denkbar, dass Gott keine heiligeren Dinge mitzuteilen gehabt hätte als diese gemeinen Dinge von einem Esau und Hagar, von Laban und Jakob, von Bileams Esel und so weiter. Verdient eine Sammlung solcher Erzählungen den Namen Thora?

Und kann man von einer solchen Offenbarung aussagen, sie sei die lautere Gotteswahrheit? Wenn die Thora nur solches enthalten sollte, dann könnten wir auch in dieser Zeit ein solches Buch zustande bringen, Ja, vielleicht noch ein besseres. Nein, der höhere, mystische Sinn der Thora ist ihre Wahrheit. Jedes Wort weist auf etwas Höheres, Allgemeines.

Dies ist auch die Meinung Jakob Böhmes, der meint, dass um der einfältigen Geschichten willen der Heilige Geist seinen Griffel nicht in Bewegung gesetzt hätte, sondern dass er unter diesen niederen menschlichen Hüllen Höheres sagen wollte, so bildete sich also bei den Juden eine Mystik, Theosophie und Gnosis im rechten Sinne aus.

Das bedeutendste Buch, das bis auf den heutigen Tag die Grundlage aller jüdischen Kabbalistik enthält, ist der Sohar, das ist das Buch des Glanzes.[44] Die große Wertschätzung der Kabbala durch die Anhänger Hahns kommt in folgender Aussage Mayers klar zum Ausdruck:

Die Lehre der Kabbala und der wahren mystischen Theosophie ist in ihren großen reellen  Grundzügen das System der Heiligen Schrift selbst.[45]

2.  Hahns Zentralschau und Wiedergeburtserlebnis

 

a) Hahns Suchen und Bußkampf
 

Michael Hahn erlebt 16 jährig im Gottesdienst in besonderer Weise beim Singen des Liedes, „Der am Kreuz ist meine Liebe“, eine erste Erweckung.

Hahns daraufhin mehrjähriges suchendes und verzweifeltes Gewissen führte ihn unter inneren Kämpfen zum Nachdenken und das Nachdenken übte er anhand der Bibel und „anderer Literatur“.[46]

Höchstwahrscheinlich las er neben der Bibel die Werke von Böhme und Oetinger und nahm dabei auch Gedanken und Lehren der Kabbala und Alchemie in sich auf. Dies kommt in seiner gesamten Lehre und in seinem Denken immer wieder zum Ausdruck.

 

Ein jahrelanger Bußkampf begann in seiner Seele, schwere  Gedanken brachten ihn an den Rand der Verzweiflung, und er glaubte zu den Verdammten zu gehören. Er spricht von Höllenqualen die er durchlebte.[47] Drei volle Jahre dauerte die innere Finsternis, während er sich unablässig mit religiösen Fragen abquälte. Namentlich bedrängte ihn das Gottesproblem, vermochte er sich doch Gott nicht anders als in menschlicher Gestalt zu denken, und mit dieser Vorstellung brachte er Gottes Allgegenwart nicht zusammen. Infolgedessen beschlichen ihn Zweifel gegenüber allen Offenbarungswahrheiten.[48]

 

b)  Hahns Erleuchtung und Zentralschau

 

Im Alter von zwanzig Jahren kam bei ihm die erste große Erleuchtung und er kam dabei zum inneren Frieden. Als er eines Tages in der Ernte auf einem Acker ganz allein die Gerste häufelte. Da hatte er ein »Gesicht« (Vision) bei drei Stunden, in welchem, wie er sich ausdrückt, in die »Zentrale Schau« versetzt wurde. In dieser Zeit der Wonne sagte er, hätte nicht viel gefehlt und meine Seele wäre aus dem Leib gefahren, bis ich glaubte, die ganze Welt sei lauter Paradies und voll heiligen Geistes.[49]

 

Während dieser ekstatischen Erleuchtung, und nachdem er sich vom ersten Schreck erholt hatte, eilte Hahn nach Hause wo sich diese Erleuchtung fortsetzte. Weil es endlich gar soweit kam, dass es ihn von dem Stuhl, auf dem er saß erhob, so bat er den lieben Heiland, er möge ihm diese Gnade ausgedehnter, aber auch anhaltender widerfahren lassen. Hahn war anschließend wie trunken vor Seligkeit. Ihm widerfuhr demnach eine Levitation[50] wie sie Theresa von Avila,[51] eine katholische Mystikerin, erlebt hatte.

Walter Nigg schreibt: Hahn wurde bei seiner ekstatischen Vision vom Stuhl auf dem er saß in die Höhe gehoben, ein Zeichen, dass er sichtbar dem Himmel näher kam.

Nicht nur einmal geriet Hahn in den Zustand unbegreiflicher Seligkeit, er wurde mehrfach von wunderbaren Ekstasen heimgesucht.[52] Er führte nun in großem Ernst und Verleugnung, Betrachtung und Gebet ein asketisches Leben.[53] Auf sein Bitten und Flehen zu Gott wiederholte sich in seinem 22. Lebensjahr diese merkwürdige Erfahrung der „zentralen Erleuchtung“, welche er  schon zwei Jahre vorher gemacht hatte und durch welche er zum vollen Frieden und Freude im Heiligen Geist gelangt war. Nur diesmal  dauerte seine  Erleuchtung nicht bloß drei Stunden, sondern sieben Wochen lang.[54]

Während der sieben Wochen andauernden Erleuchtung beschäftigte sich Hahn mit Gebet und Meditation  in welchem er oft lange anhielt. Was er damals schauen durfte, brachte er auch zu Papier und zwar mit solchen Fleiß und Eifer, dass er oft bis nach Mitternacht am Schreibtisch saß und erst die Feder weglegte, wenn die starr gewordene Hand den Dienst versagte. Aus unbekannten Gründen hat er aber nachher alle diese Aufzeichnung wieder vernichtet.[55]

Dieses, wie behauptet, Vernichten seiner Schriften, ist jedoch als äußerst fragwürdig und zweifelhaft anzusehen. Es ist keinesfalls  glaubhaft, dass Hahn, wie er vorgibt, etwas von Gott Eingegebenes schlicht und einfach wieder vernichtet. Zum anderen hat ja Hahn ein Werk von 15 Bänden mit einer ungeheuren, sich  jedoch oft wiederholenden Gedankenvielfalt hinterlassen. Allerdings ist hier zu sagen und festzustellen, sind dies oft sehr verwirrende und manchmal äußerst fragwürdige Gedanken, die häufig in keiner Weise mit Gottes Wort übereinstimmen. Vieles, was er damals gelehrt hat und sicher auch heute noch in seinen Kreisen verkündet wird, kann einer exakten Nachprüfung mit der Bibel und auch den Naturwissenschaften nicht standhalten.

Paul Müller schreibt nun über das Wesen der Zentralschau:

Die »Zentral- Erkenntnis« ist der Höhenflug des mühelosen Schauens, das Geschenk einzelner Begnadigter, die innere göttliche unmittelbare Erleuchtung, eine Schau des Herzens. Dieses Licht strahlt umso heller, je tiefer vorher die Finsternis der bloß materiellen Welt und des reinen Vernunftdenkens erlebt worden war. Die Zentralschau führt in den göttlichen Mittelpunkt der Welt hinein und sieht, wie aus diesem Ursprung alle Wesen der Schöpfung herausquellen, alles zunächst geistleiblich, zeitlos, in voller Harmonie. ...[56]

Paul Müller weiter: Zu solchen Erfahrungen braucht der Mystiker Jahre und Jahrzehnte der Askese.[57] Beim Mystiker handelt es sich um eine Erhöhung über die »Raum - Zeit - Welt« im Sinne Gottes. In den Tiefen unserer Seele, im Traum oder in der Prophetie gelten die Grenzen von Raum und Zeit nicht mehr. Normale Gläubige können solche Erfahrungen also nicht machen, dies ist nur für „besonders Erleuchtete“ und „esoterisch Eingeweihte“ möglich. Dies steht allerdings wiederum im Widerspruch zu Gottes Wort.

Viele Mystiker erlangten ihre Visionen nach harter Askese, nach Enthaltung von Speise, Trank, Schlaf und Sexualität.[58] Meditation – Selbstversenkung, eine besondere Atemtechnik, wie Hyperventilation,[59] das Singen und andauernde Wiederholen von bestimmten Worten, hier kann man den Begriff „Mantra“[60] erwähnen. Mantras können ebenfalls solche ekstatischen Erlebnisse auslösen.

In unserer Zeit wird darüber hinaus auch der Gebrauch von Drogen, die das Bewusstsein erweitern, wie Meskalin und LSD angewandt und propagiert, um in den Zustand der Ekstase, der inneren Schau, der Verschmelzung mit der Gottheit oder dem Licht zu gelangen.[61]

 

c) »Galgal«, das Schlüsselwort zu Hahns Erleuchtung und Wiedergeburt

 

Wie kommt Hahn zu seiner Erleuchtung?

 

Dass ich wahrhaftig und hell erleuchtet worden bin muss ich bekennen. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn ich sage, es seien mir am Ende meines langwierigen, Bußkampfes und dunklen, beschwerlichen Weges endlich das Lebenslicht angebrochen und die Sonne der Lichtwelt aufgegangen. Denn es war lange finster auf der Tiefe, nämlich auf dem Chaos meiner qualvollen „Herzens Confusion“, bis göttliche Bewegung es  durch das Wort »Galgal«[62] wendete und das Licht aus der Finsternis hervorbrachte und einen lichthellen, geborenen Schein in die Zentralkräfte meiner Seele gab.[63] Dieser Begriff „Galgal“ und was damit zusammenhängt, ist der  Schlüssel zu Hahns Erleuchtungserlebnis. In der Literatur von und über Hahn findet sich allerdings kein Hinweis oder gar eine Erklärung was dieses Wort „Galgal“ eigentlich bedeutet und welche Bewandtnis dieses Wort als Auslöser besitzt. Galgal ist hebräisch und bedeutet soviel wie Kreis, Rad, Wirbel oder auch Räderwerk. Den Gedanken und die Herkunft  dazu finden wir im Propheten Hesekiel Kapitel 1 und 10 und ist ebenfalls ein fester Begriff in der jüdisch- kabbalistischen Literatur. Dieser Begriff hängt mit dem kabbalistischen Lebensbaum, den 10 Sephirot, mit Gott und seinen Ausflüssen, Emanationen und Eigenschaften, sowie mit seinen, nach kabbalistischer Tradition, 72 Engeln zusammen.[64] Dieses Wort Galgal ist also das Schlüssel- und Machtwort, das die Erleuchtung, die große Zentralschau bei Michael Hahn ausgelöst hat. Er bezieht sich selbst immer wieder in seinen Schriften auf diese Vision wie sie Hesekiel erleben durfte. Michael Hahn gebraucht  in seinen Werken häufig Begriffe wie Geburtsräder, Feuerräder, Schöpfungsräder und dergleichen mehr, die sich von diesem Wort Galgal ableiten. Die Kabbalisten bezeichnen diese Erscheinung bei Hesekiel auch als „Thronwagen“, Merkaba, und steht in innigster Nähe zu Gottes Thron.[65] Hahn hat wahrscheinlich zusammen mit diesem Wort „Galgal“, den Thronwagen Gottes, die Merkaba, in seinem Inneren visualisiert und kam auf diese Weise, wie er behauptete zum Thron Gottes. Nach der  Lehre der Kabbala ist nun allein der Wissende und in die kabbalistischen Geheimnisse Eingeweihte in der Lage, durch Kenntnis der richtigen Worte, Buchstaben und Zahlen, durch Imagination[66], Visualisierung[67]  und Konzentration, mit geistigen Mächten, mit Engeln und Geistern in Verbindung zu treten. Noch weiter, er kann eben durch diese Vorgehensweise, durch Beschwörung der kosmischen Mächte,  seine Wünsche, Vorstellungen und Ziele erreichen. Der Weg dazu führt u.a. über ein asketisches Leben der Selbstzucht und eines langjährigen Studiums der Kabbalistik. (Ein ähnlich asketisches Leben führte auch Hahn.)  Nur so kann erreicht werden, dass man lernt, diese Kunst richtig zu beherrschen. Michael Hahn schreibt: „Dies ist nun keineswegs für den „Herrn Jedermann“ gedacht, dies ist nur für besonders Erleuchtete und von Gott eigens Begnadete“. Zu diesen zählt er sich offensichtlich selbst. Ähnliches sagen auch immer wieder andere Mystiker. Hahns gesamte Lehre ist im Übrigen durchtränkt mit Lehren und Begriffen, die häufig ihre genauen Entsprechungen in der okkulten Kabbala haben. Sie finden sich aber auch den Lehren Jakob Böhmes und insbesondere bei Oetinger. Beide haben ja wie schon erwähnt, ebenfalls aus der Kabbala intensiv geschöpft.[68] Als logischen Schluss kann man jedoch erkennen, dass Hahn dieses Wort „Galgal“ schon vor seiner Erleuchtung und Zentralschau, also vor seinem, wie er es nannte, „Wiedergeburtserlebnis“, gekannt haben muss. Man kann dies daraus folgern, dass gerade das »Schlüsselwort« „Galgal“ dieses Erlebnis der Zentralschau auslöste; er musste es ja von irgendwoher kennen. Dies konnte er nur über Böhme, Oetinger oder aber direkt aus der Kabbala gekannt haben. In der Bibel finden wir jedoch keine Parallele einer dementsprechenden Art von Beschwörungs-, Machtworten und Zauberformeln, die eine göttliche Begegnung und Schau auslösen und bewirken. Dies sind auch genau die kabbalistischen Zauberformeln, wie sie im kabbalistischen Lexikon von Golden Dawn beschrieben werden. Es erinnert ebenfalls an indische und buddhistische Mantras. Mantras rufen bekanntermaßen bestimmte Trance- Erfahrungen aus.[69] Man kann sich auch vorstellen, dass Hahn dieses Galgal, („Rad“) als Mandala gebrauchte. Nach R. Franzke ist es ja durchaus möglich, durch Konzentration auf den Mittelpunkt ist es möglich, außerkörperliche Zeitreisen zu unternehmen.[70] Dies ist heute okkulte Praxis, sogar an Schulen, biblische Entsprechungen zu solchen Praktiken gibt es dazu jedenfalls nicht; im Gegenteil sprechen die Bibel, die Propheten, sowohl Jesus als auch Paulus und andere Apostel, die schärfsten Warnungen gegen solche Praktiken aus.[71] Wir sind gefordert, wachsam und nüchtern zu sein und auch zu bleiben. Der biblische Begriff der Wiedergeburt kann so, wie sich Hahn hier ausdrückt, nicht bejaht werden. Wiedergeburt geschieht anders. Dazu lese man einmal Johannes Evangelium Kapitel 3.

 

d) Der kabbalistische Lebensbaum bei Hahn, die 10 Sephirot:

 

Die Erklärung zu Hahns Erleben und Denken kann man auch in der kabbalistischen Lehrtafel der Prinzessin Antonia von Württemberg finden.[72] (Siehe die Tafeln im Anhang). Diese Prinzessin wurde durch evangelische Theologen in die jüdische Mystik und Geheimlehre der Kabbala eingeführt. Nach Antonias Entwurf wurde dann diese „Kabbalistische Lehrtafel“[73] gemalt. Sie befindet sich in der Evangelischen Kirche in Bad Teinach. Prälat Oetinger verfasste 1763 eine Erklärung zu dieser Lehrtafel und erläuterte die darin verborgenen kabbalistischen, aber christlich gedeuteten Aussagen dieses Werkes. Hahn hat mit großer Sicherheit auch aus dieser Quelle geschöpft und gelebt. Finden wir doch in seinen Schriften häufig fast denselben Wortlaut wie bei Oetinger. Um weitere Einsicht über Hahn zu gewinnen, müssen wir uns auch mit dieser Quelle, der Lehrtafel etwas näher befassen. Der Schlüssel dazu ist der sogenannte kabbalistische Lebensbaum und die darin verborgene Bedeutung. In diesem Lebensbaum offenbart sich, so die Kabbalisten, die Gottheit selbst. Diese Gottheit ist jedoch von dem Gott der Bibel wie wir ihn aus dem Alten und Neuen Testament kennen, klar zu unterscheiden.

Michael Hahn vermittelt in seinen Grundanschauungen die alte kabbalistische Lehre von den zehn Sephirot Gottes, die ebenfalls die Ausgänge (Ausstrahlungen, Emanationen, Abglänze) Gottes in seine Schöpfung hinein symbolisieren wollen. Ursprünglich waren die Sephirot die zehn großen Urzahlen, in denen nach der Lehre der Kabbala alles Wirkliche gründete. Später verstand man sie als die Potenzen, in denen sich die wirkende Gottheit konstituiert  (begründet), in denen sie - in der Sprache der Kabbalisten gesprochen - ein Gesicht gewinnt. Auch Jakob Böhme verband die zehn Sephirot mit den sieben Quellgeistern.[74] Hahn übernimmt auch hier die Lösung und Formulierung von Jakob Böhme.[75]

Zur Bedeutung dieser Sephirot erläutert der Kabbalist Papus: Das Wort Gottes kreist in den 10 Sephirot unaufhörlich von oben nach unten und von unten nach oben; so gleichen sie einem Wirbel (Galgal), bringen zugleich das göttliche Wort zur Ausführung und neigen sich vor dem Thron des Ewigen.[76]  Auch das ist analog zu Hahn und Oetinger.

 

e) Die Lehrtafel der Prinzessin Antonia von Württemberg.

 

Viele Gedanken Hahns stammen also aus dieser »Kabbalistischen Lehrtafel«. Der Verfasser, dieser Erklärung zur Lehrtafel,  Oetinger schreibt:[77]

In der Mannigfaltigkeit seiner Offenbarung hat Gott von jeher dem Menschen sein göttliches Wesen kundgetan. Und soweit dieser im Besitz des Geistes Gottes war, konnte er die Offenbarung des Wesens Gottes erfassen; der natürliche Verstand allein vermag das nicht. Nur das sonnenhafte Auge allein kann die Sonne erblicken. In der jüdischen Geheimlehre, der Kabbala, sprechen aber eben solche Menschen zu uns, die in besonders tiefer Weise die Selbstoffenbarung Gottes aus dem Wort Gottes zu fassen vermochten.

Der Quellpunkt der Offenbarung Gottes ist der »En Soph«, dies ist der Ungrund der Ewigkeit, in welchem Gott lauter Geist ist und noch nicht in Geburten und Geschöpfen sich ausgesprochen hat. Im Ungrund ist die ungeoffenbarte Gottheit, die aber nicht sein kann, ohne sich selbst eine Gestalt des Lichts bzw. eine Wohnung des Lichts zu geben.

So bricht aus diesem verborgenen Ungrund der Thronquell Gottes hervor als die ursprünglichste Offenbarung Gottes in der Einheit. Dieser En Soph wird einmal symbolisiert durch Alpha und Omega. Die christlichen  Kabbalisten drehen nun das A auf den Kopf und erhalten so das U, bzw. V. Daraus leiten sie die Dreiheit Gottes ab.

Aus dem En Soph fließen oder emanieren nun die zehn Sephirot und bilden miteinander die Fülle des göttlichen Lebens. Die zehn Sephirot sind die Hinwendung Gottes zum Menschen, der Gott nur in seinen Abglänzen erkennen und erahnen kann. Die ersten drei Abglänze entsprechen der Dreieinigkeit Gottes, uns bekannt als Vater = A,  Sohn = O und Heiliger Geist = U, der Umkehrung von A. Die sieben anderen Sephirot können in der Kabbala eine Vielzahl verschiedener Bedeutungen annehmen; zuerst einmal entsprechen sie den 7 Geistern Gottes.

Die zum En Soph gehörenden Symbole, Alpha und Omega versinnbildlichen die göttlichen Aktions- und Reaktionskräfte. Alpha ist die feurige Aktionskraft, das Omega entspricht dem verzehrenden Zornfeuer.

In dieser Beschreibung finden  sich auch Anklänge zur Allversöhnung: Die dreieinige Gottheit wirkt in Jesus die Neuschöpfung der Menschheit und der ganzen Natur.[78]

Hahn bezeichnet diese unendliche, unerforschbare, ungeoffenbarte Gottheit auch als das Chaos,[79] das für uns ja ebenfalls als „Un- Ordnung“ negativ besetzt ist.

Diese angeführten Bezeichnungen sollen nun biblische Selbstbezeichnungen Gottes sein. Die jüdischen Kabbalisten hatten, so die Anhänger der Kabbala, eine tiefe Einsicht in die Bedeutung der Buchstaben.  Sie entsprechen den drei Farben rot, weiß und blau. Die rote Farbe deutet auf die feurige Vaternatur des Ungrundes; weiß kennzeichnet die Lichtsnatur des Sohnes; in der blauen Farbe ist die Natur des Geistes angezeigt. Hier ist die Dreiheit noch ganz in der Einheit zusammengefasst als eine göttliche Offenbarungsquelle, die später in allen Ausgängen, d. h. Geburten ausbricht.[80]

Um diesen En Soph, Ungrund oder auch Urthron Gottes, denken sich die Kabbalisten auch die 4 Thronwesen aus Hesekiel Kapitel 1 und 10. Ebenso gehören dazu diese vier Räder, die im fünften wieder als eines erscheinen. Wir kennen diese Räder nun schon als „Galgal“ oder auch als „Ophanim“. Beide Begriffe haben dieselbe Bedeutung. Diese 4 Thronwesen mit ihren Rädern bedeuten die niederen Kräfte in der Gottheit. So wie im Menschen, dem Ebenbild der Gottheit, höhere Geistes- und niedere Sinnenkräfte vorhanden sind, so ist es auch bei Gott, allerdings auf einer höheren Stufe. So bezeichnen A, U und O die drei höheren, die vier Tiere aber die niederen Kräfte in Gott. Alle zusammen machen die Fülle Gottes aus, welches ich nach ihren eigenen Gesetzen in der Dreizahl und Siebenzahl offenbart. Gott, die unergründliche Tiefe, der En Soph, wohnt in sich selbst und will sich den Geschöpfen mitteilen. [81] Ehe er aber Geschöpfe macht, stellt er Geburten aus sich selbst heraus. Diese Geburten nennt die Kabbala Ausflüsse, Abglänze, Emanationen oder auch Sephirot, d. h. Vollkommenheiten. Oetinger sagt dazu: Das „Sein“ Gottes ist eine ewige Geburt. In dieser Lehrtafel sind neben der „Höchsten Krone“, dem Sinnbild“ der Gottheit, die 4 Thronwesen und Räder aus Hesekiel dargestellt, welche mit dem Begriff „Galgal“ umschrieben werden. Wenn wir nun Hahns Erlebnis der Zentralschau näher betrachten, so finden wir dabei folgendes: Wie er sein Erleben beschreibt, wurde er durch das Wort „Galgal“ zur Erleuchtung gebracht. Er war also am Thronquell der Gottheit wo sich nach der Lehrtafel die 4 Engelwesen aus Hesekiel 1und 10 befinden. In unmittelbarer Nähe bei der unnennbaren Gottheit, dem En Soph, der ungeoffenbarten, wie Hahn schreibt, „unwesentlichen Gottheit“.[82] Ihm wurde der Blick in das innerste der Gottheit geschenkt, er sah das ewige Geburtsrad, in dem sich die Gottheit in ewigem Kreislauf selber aus sich selbst heraus erschafft. Es wurden ihm dabei alle Erkenntnisse, - alle göttlichen Geheimnisse in einer überwältigenden Weise offenbart.

 

f)  Hahns Neuoffenbarungen

 

Hahn schreibt über seine Zentralschau: Ich sah in die innerste Geburt und allen Dingen ins Herz und mir war, als wäre auf  einmal die   Erde zum Himmel  geworden, und als ob ich die »Allenthalbenheit«[83] (allumfassende Gegenwart) Gottes schaute. Mein Herz war gleich der ausgedehnten Ewigkeit, darin sich Gott offenbart. Er sagte, es seien in jener „zentralistischen Schau“ die innersten Sinne und alle möglichen Fragen von Gott, von Christus, vom Geiste Gottes, nämlich wie, wo und was der dreieinige Gott sei, und wie alles von ihm komme, in ihm bestehe und durch ihn wiedergebracht werde, auf einmal beantwortet worden.[84] Er erkannte seine eigene Seele als Abbild des göttlichen Lebensrades.[85] Hahn fühlte sich wie aus dem Tod ins Leben gebracht, wie aus der Hölle ins Paradies Gottes versetzt zu sein.

So kann er diese Zentralschau mit Recht eine unmittelbare Erkenntnis Gottes nennen; denn sie geschah durch den Geist des Herrn, und was durch den Geist unmittelbar geschieht, das ist von Gott gegeben. Das göttliche „zentralische“ Licht ging von derselben Zeit in meiner Seele  nicht mehr unter.

Hahn beschreibt sein Erlebnis: Ich sah zuerst ein elektrisches Feuerlicht, und  in demselben eine Geburtsquelle,[86] ein vierfaches Rad, und dass  es nicht anders erschien, als wenn es aus vier Lebewesen bestünde. In diesem wunderbaren Rad erblickte ich das Original der Menschheit und also die Herrlichkeit des Herrn,  und noch tiefer, die Kräfte der Aktion und Reaktion. Hier erkannte ich also den Ursprung und Anfang aller Kreatur und aus dem Zentrum, darin mein Geist versetzt war, sah ich die auseinander sich windenden[87] und sich entwickelnden Schöpfungsstufen und Abstufungen aller Welten und Schöpfungsgattungen.[88]

 

Die ganze Erfahrung basiert auf das dem Propheten Hesekiel zuteil gewordene Gesicht von der Herrlichkeit des Herrn, erinnert aber besonders auch wieder an Jakob Böhme; doch versichert Hahn, dass er den letzteren erst später kennengelernt habe, also seine „Zentralerleuchtung“ nicht Böhme verdanke, und nicht aus diesem geschöpft habe. Nach eigener Aussage will er viele seiner Gedanken in seiner Zentralschau unabhängig von Böhme erhalten haben.[89] Dies widerlegt jedoch Joachim Trautwein, der in seinem Buch ausführlich auf die Quellen von Hahns Theosophie [90]  eingeht. Nach seinen Erleuchtungen schreibt Hahn: Hieraus ist klar, dass ich Gott gefunden und dass alle meine Fragen beantwortet wurden. Auf seine innere Erleuchtung oder Zentralschau kommt Michael Hahn dann in seinen Schriften des Öfteren zu sprechen. Er bezieht sich darauf, nicht ohne dabei immer wieder zu versichern, dass dies alles mit dem geschriebenen Wort übereinstimmt.

Es ist auffallend, dass Hahn nach einer angeblich solch gewaltigen Gottesoffenbarung, im Gegensatz zu der uns aus der Bibel berichteten Erlebnisse, nicht wie tot zu Boden fiel und vor dem gewaltigen und Heiligen Gott erzitterte, von seiner eigenen Unwürdigkeit und Sünde überführt wurde. Ich denke hier an Mose und die Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel und auch Johannes, der schon bei der Erscheinung des Engels wie tot umfiel. Dies lässt, so denke ich, auf die Qualität und Herkunft  von Hahns Zentralschau schließen.

Böhme selbst vertrat die Wiederbringungslehre nicht und Hahn billigte deshalb auch nicht alle Aussagen Böhmes. Für Hahn jedoch war die Wiederbringungslehre eine feststehende Tatsache, wie er dies auch in seinen Schriften immer wieder darlegt.

Der ehemalige Schuhmachermeister Jakob Böhme knüpfte von Paracelsus[91] beeinflusst  an Astrologie und Alchemie an, um den Prozess zu erläutern, der in seiner Naturphilosophie von Gott zur Erschaffung der materiellen Welt führte. Böhmes Anthropologie[92] beruhte auf einer geistig-moralischen Erneuerung des Menschen, die in der Überwindung der Geschlechtlichkeit von Mann und Frau mündete.[93] Wie die sichtbare Welt ist auch der Mensch Abdruck, Signatur Gottes, aus dem der Mystiker den dahinter liegenden, verborgenen göttlichen Sinn erschließen muss.[94]

 

g) Hahns Schriftauffassung

 

In Hahns Lebensbeschreibung lesen wir: Seine ganze Denk- und Anschauungsweise wich von derjenigen vieler anderer gläubigen Christen in mehr als einer Hinsicht ab. Er erhielt den Vorwurf, dass er einer falschen Mystik huldige, dass er insbesondere seine eigenen Ideen häufig an die Stelle des geschriebenen Gotteswortes gesetzt habe und somit von dem reinen  Schriftsinn bald mehr, bald weniger abgewichen, bzw. darüber hinaus gegangen sei. Hahn fordert dagegen auf, alles von ihm Geschriebene sorgfältig am Wort Gottes zu prüfen.[95]

Hahn wollte unter keinen Umständen mit dem geschriebenen Gotteswort in einen Widerspruch geraten. Trotzdem schreibt er: „Es  ist, lieber Vater, nicht das allein dein Wort was die heiligen Männer Gottes, durch den Heiligen Geist getrieben, geschrieben haben, sondern auch das was eben derselbe Heilige Geist innerlich lehrt“,[96] sofern dieses mit dem geschriebenen Wort und dessen Sinn übereinkommt. [97]

Er bittet aber Gott, dass er von keinem falschen Geist inspiriert werde. Desgleichen schreibt er weiter: Es ist ja bekannt, teils in welche Verirrungen schon manche unklare Geister durch ihr blindes Vertrauen auf das sogenannte „innere Licht“ hinein geraten sind, teils aber auch, wie viele schiefe Urteile gerade über jene Gnadengabe Michael Hahns, seine Erleuchtungen, schon gefällt worden sind.[98]  Leider hielt sich Hahn selbst nicht an seine eigenen Vorgaben und vermischte Gottes Wort mit den betrügerischen Eingebungen falscher Mächte.

 

Die Zentralschau war sowohl für Hahns Naturerfassung als namentlich auch für seine Erkenntnisse von unübersehbarer Tragweite. Er unterschied zweierlei Arten von Erkenntnis, eine mittelbare, die durch das Aufnehmen von Aussagen früherer Christen geschehe,[99] und eine unmittelbare, die durch eine Erleuchtung[100] sich vollziehe.

An sich ist die Erleuchtungserkenntnis mannigfachen Täuschungen unterworfen, das wusste auch Hahn, doch hebt dieser Gefahrenherd keineswegs ihre gewaltigen Werte auf. Die unmittelbare Erkenntnis durch Erleuchtung unterscheidet sich von dem gewöhnlichen Erkennen dadurch, dass sie Weisheit und nicht nur Wissen vermittelt. In der Erleuchtung konzentriert sich der Geist unübertrefflich, alles wird in einem einzigen Brennpunkt gesammelt.[101] Hahn schrieb: „Durch den Glauben erkennen wir“. Der Glaube wurde zu einem Erkenntnisaxiom[102] erhoben, eine lebendige Glaubenserkenntnis erfüllte ihn, „die ausdrücklich nicht beim Buchstaben der Bibel stehen bleiben wollte, sondern sich um den tieferen Sinn der Worte bemühte“.[103] Hahn wollte, wie wir heute sagen, hinter die Kulissen schauen, einfach mehr erfahren als die Bibel dem normalen gläubig vertrauenden  Bibelleser mitteilt.

 

h)  Hahns Erkenntnis der absoluten Wahrheit

 

 ... Warum denn misstrauisch sein gegen die besondere Art von Wahrheitserkenntnis, welch ein so nüchterner, besonnener, von Grund seines Herzens demütiger und aufrichtiger Mann wie Hahn auf dem Weg der sogenannten unmittelbaren Erleuchtung erlangt zu haben sich bewusst war? Der Geist Jesu Christi kann in Menschen, welche ihm in wahrer Einfalt und Herzenslauterkeit aufgeschlossen sind, heute noch so frei und uneingeschränkt wirken wie vor fünfhundert, tausend, oder neunzehnhundert Jahren.[104] Hahn begründet seine Anschauung mit

 

Johannes 16, 12 ff: Ich habe euch  noch viel zu sagen ..., Wenn aber jener, der Geist
                              der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten.
 

Hier konstruiert Hahn sein eigenes Beweismaterial; er geht jedoch trotz aller Beteuerung, dass alles am Wort nachprüfbar sei, weit über das Wort Gottes hinaus, er fügt hinzu, wo doch allein das lebendige Wort Gottes, als vollkommenes und vollendetes Ganzes in der Bibel vorhanden ist. Paulus durfte das Wort auf das Vollmaß bringen:

 

Kol 1,24     Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleische, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung,

Kol 1,25     deren Diener ich geworden bin nach der Verwaltung Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden: {Eig. vollzumachend, auf sein Vollmaß zu bringen}

Apg 20,20   ... wie ich nichts zurückgehalten habe von dem, was nützlich ist, dass ich es euch nicht verkündigt und euch gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern.

 

Paulus hat alles gelehrt was zum Heil notwendig ist, dem muss also nichts mehr hinzugefügt werden, im Gegensatz zu Hahn im folgenden Abschnitt.

 

„Nur so viel sei kurz bemerkt“: Wenn schon oft behauptet worden ist, die den Jüngern in Johannes 16,13 gegebene Verheißung sei am ersten Pfingsten so vollständig in Erfüllung gegangen, dass die Apostel hinfort befähigt waren, alles was sie und die ihnen anvertrauten Gemeinden zu wissen nötig hatten, in ihren Briefen niederzulegen, so soll dies gewiss nicht bestritten werden. Aber warum sollten diese Verheißungen nur eben den ersten Jüngern gegolten haben, da wir ja außerdem so manche Worte, die zunächst an sie gerichtet waren, ohne weiteres und mit gutem Grund als an uns geltend ansehen?

 

Oder warum sollte der Herr, welcher der Geist ist, nichts außer den Aposteln im Laufe der Jahrhunderte auch noch anderen Werkzeugen - wenn auch letzteren in geringerem Grad und Maß als den ersteren - manches innerlich aufschließen und ins Licht stellen können, das geeignet ist, »das geschriebene Gotteswort noch weiter zu beleuchten und seine Veränderungen dem Verständnis der Gläubigen nahe zu bringen in einer Weise, wie es vor dem Auftreten der betreffenden Werkzeuge noch nie« geschehen war?

 

Er vertritt die Meinung: „Das ist eine unmittelbare Erkenntnis, die nicht auf direktem Weg, wie Hören und Lesen des Wortes, durch ständiges Denken und Schlüsse machen, sondern auch auf dem direkten Weg des inneren Schauens, durch sogenannte Intuition gefunden wird“. Dies wird von Hahn und anderen auch „zentrale Erkenntnis“ genannt, weil der Geist bei dieser Art zu „Erkennen“ seine sämtlichen Kräfte konzentriert, in Eins zusammengefasst und, gleichsam in einem einzigen Brennpunkt sammelt.[105]

 

Dass freilich nicht jeder diese Gabe der »zentralen Erkenntnis« hat, ist bekannt; ebenso das, dass auch derjenige, welcher im Besitz derselben ist, sehr vorsichtig mit ihr umgehen muss, namentlich auch deshalb, weil es nicht bloß eine wahre, vom Geist Gottes herrührende, sondern auch - eine falsche Inspiration[106] gibt, mit anderen Worten: weil auf einen Menschen, dessen Geist einmal der Sinnenwelt entrückt ist, auch Geister niedriger Art[107] einwirken können, welches alsbald der Fall sein wird, wenn der Betreffende den einfältig auf Gott und Gottes Ehre gerichteten Blick verliert. [108]

 

Wie richtig doch dieses Wort ist – trotzdem hielt sich Hahn nicht daran und er bezog diese Wahrheit nicht auf seine eigene Person.

Abschließend noch ein Zitat aus Walter Nigg: Das Erlebnis der Zentralschau Hahns konnte von ihm nur notdürftig skizziert werden. Aber die wenigen Andeutungen enthüllen einen Mann, der vom »theosophischen Geist« ergriffen war.[109]

 

Was ist das wohl für ein Geist, dieser theosophische Geist? In der Bibel lesen wir demgegenüber von Gläubigen die »voll heiligen Geistes« waren!!

Durch die zentrale Erleuchtung erhielt Hahn erstaunliche Aufschlüsse über das Wesen Gottes, über die Offenbarung der göttlichen Herrlichkeit in der Kreatur, über den Verlust der Herrlichkeit sowie über die Wiedererlangung derselben. Nicht davon zu reden, dass auch die Totengeister der Hölle, die Dämonen und selbst Satan zur Herrlichkeit gebracht werden sollen.

 

 

In Christus aber liegen verborgen
 

alle Schätze der  Weisheit

 

und der Erkenntnis.

 

Kol 2, 3

 

3. Gott - Christus - Maria

 

a)  Was lehrt Hahn über Gott?

 

Gott ist allein sich selbst bekannt, nur der Geist Gottes weiß was in Gott ist. Gott macht sich selbst aus sich selbst. Gott ist im Ungrund eine eigene geistige Potenz, ein unwesentlicher,[110] in sich selbst verborgener, unerreichbarer Geist der Ewigkeit, oder das reine Chaos. Der Ungrund, aus dem sich Gott offenbart, heißt das reine Chaos.[111] / [112]  Das Wesen, das Gott nach und nach ohne Unterlass aus sich gebiert, ist unvergänglich – Teil Gottes selbst.

Dieser Prozess der Selbstgeburt Gottes ist unumkehrbar.[113] Hier wird erneut Hahns kabbalistisches Denken deutlich. Auch die Gottheit der Kabbala gebiert sich ununterbrochen aus sich selbst heraus.

Gottes Geburtsrad ist zeitlich und ewig, Form, Gleichnis, Gestalt und Ausgeburt, kann Hölle und Himmel  sich ausgebären und in der äußeren Welt offenbaren, je nach dem sich das Zentrum des Rades  mit seiner Weisheit himmlisch, höllisch oder irdisch vereinigt. Da der Mensch als eine vollständige, Gott ebenbildliche Lebens- und Geburtsquelle geschaffen wurde, so vereinigte er beide, die männlich wirkenden Aktions- und die weiblich leidenden Reaktionskräfte in sich.[114] Die göttliche Vernünftigkeit oder unwesentliche Weisheit, um deren Willen Gott sich in sich liebte, und selbst offenbarte, die ihn dazu veranlasste und bewog, war das weibliche niedere Teil der dreieinigen Gottheitskräfte, die auf eine mannigfaltige Art lusterweckend und lieblich und alle Kräfte durchleuchtete und erregte ...

Gott, der sich selbst wollte zur Offenbarung und sonst Nichts wollen konnte, weil außer ihm Nichts war, hat durch das Wollen mit dem „Sich -selbst- Begehren“ und Einziehen in den Willen sich zum Feuer gemacht, welches aus der Schärfe des Eingezogenen sich Wesen machte, darin es brennen und leuchten könnte, wie ja Gott sich wesentlich offenbaren wollte. Gott wollte sich offenbaren, und indem er sich wollte, so bekam er sich selbst, wie er sich wollte.

Da er nun sich selbst immer mehr wollte und einzog, so wurde der sich zur Offenbarung begehrende Wille scharf und hitzig, und war Ursache zum Feuer, und der Wille und das Feuerleben zeugten Feuer und gebaren das Licht - diese beiden sind nur „Ein Gott“, doch der Erste, der Zeugende, ist Vater des Zweiten.[115]

Das erinnert doch sehr an das alte Weltbild der Ägypter, wie in Anmerkung 3 angeführt, jedoch niemals an das Wort der Bibel. Diese unwesentliche, undefinierbare Weisheit entspricht dem kabbalistischen Begriff »En Soph«, das ist die Gottheit die über den Abglänzen der 10 Sephirot steht. Das Unaussprechbare, für uns Verborgene und Unbekannte. Diese Gottheit ist für den Menschen nicht erfahrbar. Nur in seinen Abglänzen, Widerspiegelungen, sind die Eigenschaften und Kräfte Gottes verständlich. Die ersten drei Sephirot entsprechen dem uns bekannten dreieinigen Gott, in der Kabbala bezeichnet als Kether - Krone, Chockmah - Weisheit - und Binah – Verstehen. 

 

Dies ist die göttliche Dreieinigkeit. Kennt man diesen Hintergrund nicht, kann man Hahn nicht verstehen.

Gott hat sich sichtbar gemacht. Dieser sichtbare Gott, diese edle Frucht, hat den Samen allen Lebens und Lichts in sich; sie (die Frucht) ist Mann und Weib, Feuer und Licht, kein Wort, kein sichtbarer Gott,  „ ein“ Bild und doch dreieinig. In dem Rad der Kräfte umgibt das erste Licht, als das weibliche Teil, das männliche, und heißt also zusammen „das Wort“ oder der sichtbare Gott. Und durch dieses Wort, als Mann und Weib, war, wie gesagt Alles gemacht und ausgeboren. Nun ist der große Gott offenbart als Feuer und Licht, als Jaspis und Sardis, als Mann und Weib. Gott ist Vater und Mutter.[116]

Hahn übernimmt nun genau den Text der in der Beschreibung zur Lehrtafel enthalten ist, obwohl diese Aussagen aus Gottes Wort nicht abzuleiten ist.

„Wir erkennen den einzigen Gott und Mittler zwischen Gott und den Menschen auf Seiten Gottes als Gott, und auf Seiten der Menschen als Mensch, und Mensch ist Kreatur; nur dass Jesus Christus im < A > und < O > der allerinnersten Gottes- und Lichtsgeburt im < U > sich offenbart als die himmlische Original- Menschheit, die in der gesetzten bestimmten Zeit, im letzten Ausgang ihrer äußersten Begrenzung im Fleisch offenbar werden wollte, auf dass sie als die unterste Sprosse offenbar sein möge, durch welche Alles zu Gott steigt, als zu seinem Ursprung, und durch welche Gott heraus bis in das Alleräußerste Leben und Unsterblichkeit, unvergängliches Wesen und vollkommene Gaben geben kann.

 

Wir begreifen mit allen heiligen Erleuchteten den Cubus und Quadratus des ganzen Schöpfungsraumes in allen Abstufungen seiner Geburtskreis und Geschöpfsgattungen, nach seiner Tiefe und Höhe, Länge und Breite, ...[117] Dieser Gedanke des >Cubus< kommt wiederum aus der jüdischen Kabbala. Hier wird Gott als Cubus bildlich dargestellt. Klappt man den aufgeschnittenen Würfel auseinander, so bilden die Grundflächen ein Kreuz, wie wir es vom Kruzifix her kennen.[118] So sieht die Kabbala Christus in und aus Gott; jedoch dürfen wir dabei nicht an den Gott und Christus wie er uns in der Bibel bezeugt ist, denken. Das sind alles nur ideelle Begriffe“.

Für Hahn ist Gott „vollkommen gut“, in Ihm ist keine Finsternis, trotzdem kann man aus Hahns Ausführungen entnehmen, dass auch die Finsternis von ihm geschaffen, vielleicht sogar gewollt war. In Adam und Christus waren, so Hahn, eine gewisse Quantität von Finsternis.[119] Christus, als das fleischgewordene Wort war in der Gestalt des Leibes sündig wie wir, aber nur in der Gestalt, nicht im Wesen. Gleichwohl war Jesus versuchbar und hatte die Möglichkeit zur Sünde in sich, weil in seiner Menschheit eine mäßige Portion Finsternis als Fundament des Lichtes war. Der Möglichkeit nach war wohl „Etwas von Finsternisstaub“ in dem Mariensohn. Er bekam aus der Mutter, die vom ersten Adam geschaffen, eine mäßige Portion des finsteren Staubes.[120] Gott ist offenbart im Fleisch. Gott wollte die Kreatur nicht im Sündenfall liegen lassen. Daher wollte er einen Opferleib anziehen  und annehmen, in welchem er sich mit sich selbst versöhnen konnte. Hierzu fand er in der ganzen Schöpfung nichts Tauglicheres, als die Menschheit, welche der quintessentialische Schlussstein und ein kleines Ganzes des großen Ganzen war.[121]
« Letzte Änderung: 20 Dezember 2007, 21:51:03 von Roland »
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Offline Roland

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Re: Allversöhnung
« Antwort #7 am: 20 Dezember 2007, 21:49:42 »
Teil 2:
[/i]


b)   Gott und die Schöpfung:

 

Durch Kompression des Chaos mittelst der anziehenden Grundkraft wurde zuerst das Licht aus der Finsternis geschieden und als dasjenige Medium zwischen Himmel und Erde eingeschoben, welches in beiden ist und beide miteinander vereinigt. Gott zog also mit der Anziehungskraft das Chaos zusammen und siehe, er selbst konnte als ein Licht von dem Angezogen nicht gehalten, noch eingeschränkt werden; allein das Angezogene war Chaos im Umlauf der Kräfte des Schöpfungsrades.[122]

Betrachte im Sichtbaren das Unsichtbare! In den Kräften der Natur sind zwei Zentralkräfte: die Kraft der Bewegung und die Kraft des Anzugs. Das Rad des Werdens, besteht aus verschiedenen Kräften, den Zentralkräften.[123] Das bedeutet nun folgendes, die Kraft der Bewegung ist ausdehnende Kraft, die Kraft des Anziehens ist die Kraft der Konzentration.

Das Wort Kompression kann man auch als Konzentration oder Kontraktion auffassen, spricht doch Hahn auch von Anziehungskraft in seinen Ausführungen. Diese Ausdrucksweise erinnert wieder an die Kabbala.

 

c)      Jesus Christus - Maria

 

Gott der sich selber als sein Wort ohne Unterlass aus sich selber durch sich selbst gebiert, gebiert auch sein Wort in der heiligen Seele der Maria, nämlich in dem Gemüt und in den oberen Kräften. Jesus wurde von Gott gezeugt. Die Zeugung und Geburt des Gottmenschen geschah dadurch, dass sich der göttliche Same und der Same des Weibes zu einer Person sich vereinigt haben. Gott setzt seinen Willen in die Kreatürlichkeit der Maria, und will sich in ihrem Wesen und Blutleben zur Leiblichkeit  und Kreatürlichkeit zeugen und gebären. Und wie er, Gott sich will, so zieht er das im Willen  gefasste Bild scharf an sich durch den Verstand in das Gedächtnis mit dem Willen und das göttliche Geburtsrad im Gemüt der Maria kommt stark in Lauf und Gang. (Gott bedient sich also nach Hahn der Imagination).

Das Rad geht vom Trieb des göttlichen Willens immer fort und macht den Leib und das Leben im Blut der Maria hitzig und feurig, und so wird sie auf eine heilige, keusche Art schwanger in heiligster Liebeslust, indem aus dem Feuerleben in ihrem Blut das freudenreiche Licht entspringt.[124]  Der Sohn ist die urbildliche himmlische Menschheit, deren Abbild der zum Bilde Gottes geschaffene Mensch war. [125] Jesus Christus, der männlich - jungfräuliche Sohn oder die jungfräulich - männliche Person, die Maria gebiert, ist zweierlei Naturen teilhaftig, er ist Gott und Mensch.[126]

Er ist eine männliche Jungfrau mit beiden Tinkturen bedacht. Jesus der Herr vom Himmel, war der himmlische Mensch, (Adam Kadmon) die göttliche Sophia, eine wahrhafte Jungfrau, welche doch ihren Mann, den Adam wieder suchte. Und das trieb sie (die Sophia) lange Zeit und fand ihn in Maria, welche den Gesalbten gebar. Mit dem vereinigte sie sich dann in „Eine Person“; diese war dann ein jungfräulicher Mann, und eine männliche Jungfrau.

Jesus kam als der zweite Adam und war Mann und Weib, eine männliche Jungfrau, ein Bild mit zwei Naturen.[127]  Jesus ist der „stammväterliche Muttergeist“, ER ist beides für uns. Wenn wir in der Mutter bleiben, so werden wir was wir werden sollen. Wenn wir in Christo als in unserer jungfräulichen Mutter bis zu unserer völligen Ausgeburt bleiben, werden wir sein wie ER ist.[128]

Ein Mensch sollte und musste es sein, und zwar ein solcher Mensch, der zugleich Gott war, der nur die Gestalt des sündlichen Fleisches im Menschenleib hatte, nicht aber die Sünde selbst, so dass das heilige Opfer nicht selbst einer Versöhnung bedurfte; ein quintessentialischer,[129] extraktischer, heiliger Leib musste es sein, von den Sünden und Sündern abgesondert, höher, als der Himmel ist.[130]

d)      Die Wiederherstellung des Menschen durch Christus, Maria die Versöhnung  für das All.

Das Wort des Lebens ist Fleisch, ist Mensch geworden, weil der Mensch ein „quintessentialischer Extrakt“ der ganzen Schöpfung und also ein Mikrokosmos, eine kleine Welt war. Folglich um Alle mit Gott versöhnen zu können, und in „das ganze All“ einen Einfluss zu haben, musste das ewige Wort Mensch und Fleisch werden. Durch die Vollendung der Menschheit des einzigen Mittlers konnte auch für „das ganze All“ eine lebendige Krafttinktur bereitet werden. Diese universale Krafttinktur kann Allem mitgeteilt werden und das ganze All kurieren.[131]

Hahn dichtet:                     

Du bist für das All gestorben und hast Heil und Seligkeit
Uns durch deinen Tod erworben, Jesus, Herr der Herrlichkeit.[132]

 

Dazu kann man noch   ergänzen: Jesus ist nicht für das All gestorben, sondern Er hat durch seinen Tod am Kreuz die Menschen erlöst, die Ihn im Glauben annehmen und angenommen haben, die nach Johannes 3 von neuem geboren sind. Hahn, und damit auch viele andere Anhänger dieser Lehren, wie in unserer Abhandlung beschrieben, gebrauchen häufig diesen Begriff „ALL“, um damit als Tatsache der Erlösung und Wiederbringung aller Wesen im gesamten All, also auch die Satans und der Dämonen, zu bekunden und als Tatsache darzustellen.

Abgeleitet wird dieser Gedanke von einigen Bibelstellen wo der griechische Begriff  » ta panta «  ta panta[133] = Alles, das Gesamte, mit „Das All oder das Weltall“ übersetzt wird. So die Konkordante Übersetzung alle Stellen mit „All“: Röm 11,36; 1Kor 8,6; Eph 3,9; Eph 4,10; Phil 3,21; Kol 1,16; Kol 1,17; Kol 1,18+20; Hebr 1,3; Hebr 2,8; Hebr 2,10.

 

Auch Rienecker, Sprachlicher Schlüssel zum NT; Die Gute Nachricht, Pfleiderer, NT Interlinear Übersetzung von Dietzfelbinger, Bruns und Albrecht übersetzen zwar nicht alle oben angeführten, aber doch einzelne Stellen ähnlich. Die Übersetzer offenbaren somit ihre geistliche Stellung. Michael Hahn  ist auch entscheidend von katholischem Denken beeinflusst.[134]

 

So zitiert Stroh im Zusammenhang der Wiederherstellung aller Dinge, bzw. des „Alls“:

»Weil die himmlische Menschheit, die ehe Abraham war, das Oberste der Circumferenzleiter[135] ist, so ist die Menschheit aus Maria, die für das ganze All starb, um Alles mit Gott zu versöhnen, das Unterste worden.«[136] 

Hier zeigt es sich, dass Hahns Erleuchtungen niemals von Gott kommen können. Gottes Geist ist der Geist der Wahrheit und zeugt von der Wahrheit, dagegen ist Satan der Mörder und Lügner von Anfang an.

 

e)  Das Böse

 

Die Zentralkräfte Gottes sind im ganzen Schöpfungsraum, sowohl im Sichtbaren als auch im Unsichtbaren, höchst wirksam und immer in Bewegung. Weil aber verkehrte, disharmonische Kreaturen nicht so wollen wie Gott will, so entsteht daraus das Böse. Die Magia des scharfen strengen Geistes der Ewigkeit ist anziehend im ganzen All und will aber nichts als Licht offenbaren. Der Zorn Gottes wäre ewig verborgen geblieben, wenn er keine Ursache zur Offenbarung bekommen hätte.[137]

 

Das Wesen des Bösen ist eigentlich kein Wesen, es sind nur Gestalten der verkehrten Kräfte, außer Ordnung gebrachte Dinge, und ein unreifes, durcheinandergeworfenes Gemenge und finsteres Chaos.[138]

Die unsichtbare Finsternis ist eine Offenbarung des Zornes Gottes.[139]

 

Gott kann aus Bösem Gutes hervorbringen. Das Böse ist nicht böse, so es zum Ganzen gehört und in seinem Grad geordnet bleibt, diese ist nur eine Ursache der Offenbarung des Guten.[140]

 

 

Und das ist die Botschaft,

die wir von ihm gehört haben

und euch verkündigen:

Gott ist Licht,

und in ihm ist

keine Finsternis.

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Offline Roland

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Re: Allversöhnung
« Antwort #8 am: 20 Dezember 2007, 21:53:09 »
Teil 3:

4. Der Mensch bei Michael Hahn:

 

 

a) Der Urzustand des Menschen

 

Die irdische Menschheit ist ein Abbild der himmlischen Menschheit. Daher ist dem Menschen das Lebensbild Gottes anerschaffen und die menschliche Seele wesentlich (dem Wesen nach) eine Geburts- und Lebensquelle. Der Mensch war vor seinem Fall ein wahres Ebenbild der Gottheit, auch ein wahres Nachbild der himmlischen vorweltlichen Menschheit. Da der Mensch als eine vollständige, gottebenbildliche Lebens- und Geburtsquelle geschaffen wurde, so vereinigte er beide, die männlich- und weiblich wirkenden Kräfte. Also war der Mensch eine männliche Jungfrau, gleich dem Ein- und Erstgeborenen.[141]

Der Mensch war ein Bild, Mann und Weib, wirkend und leidend, Feuer und Licht; das Leben war sein Licht, das erhielt sein Leben, da rein sollte er wirken. Der Mensch war eine männliche Jungfrau mit beiden, der männlichen- feurigen und der weiblich- lichtwässrigen Tinktur[142] begabt. Das Fräulein in ihm war die Weisheit. Dies war sein Bild.[143]

 

Michael Hahn schreibt von Adam als einem Mikrokosmos.[144] Das bedeutet, Adam aus Gott geschaffen ist im Kleinen die genaue Entsprechung Gottes, welcher der Makrokosmos ist. In Adam ist alles enthalten und angelegt, was auch in Gott ist.

 

Dieselbe Formulierung und Denkweise finden wir auch in den Lehren der Kabbala,[145] ebenso bei Oetinger. Auf weite Stellen stimmt Hahn mit dem Wortlaut bis ins Einzelne mit der Kabbala und ihrer mystischen Denkweise überein. Seine alchemistischen Einschübe sind von Oetinger übernommen, der durch seine intensiven Studien der Alchemie meinte, dadurch Gott näher zu kommen und Ihn zu erkennen. Hahn gebraucht auch bei seiner Lehre über die Wiederbringungsanstalten, den Gedanken einer chemischen Läuterung.[146]

 

Der Mensch ist das Bild Gottes gewesen. Er ist aus drei Welten zusammengesetzt und organisiert. Alle Eigenschaften höllischer, himmlischer und irdischer Kreaturen waren in Adam ganz und beisammen. Der Mensch ist auch aus der Hölle, und die Hölle ist in ihm.[147] Adam also geschaffen aus Licht und Finsternis.

 

Adam war ein paradiesischer Mensch, Mann und Frau in einer Person, ehe ihn der Teufel mit dem Weltgeist überwunden hatte.[148]

Der Mensch bekam die göttlich- himmlische Weisheit zur Braut, weil er das Bild Gottes war. Er war damals noch allein. Adam wurde die himmlische herrliche Jungfrau Sophia zur Braut gegeben, wenn er je gebären und sich ausbreiten wollte. Hätte Adam immer seine Braut, den Lebensbaum,[149] geistlich magisch ergriffen, so wären lauter Lebensfrüchte in ihm und aus ihm geboren worden.[150]

 

Vermöge der in ihm vereinigten männlich- jungfräulichen Kräfte, sollte also der Mensch mittelst der Weisheit sich aus sich selbst vermehren und die Ebenbilder der göttlichen Herrlichkeit vervielfältigen. Der Mensch sollte sich geistlich - magisch vermehren und fortpflanzen, so dass eine Menge solch ungeteilter Menschen aus ihm und durch ihn geworden wären.[151]

Der Mensch war nämlich ursprünglich ein kleines Ganzes oder eine kleine Welt, zu deren Hervorbringung sämtliche Bestandteile der großen Welt ihr Kontingent gestellt hatten. Wir haben uns die menschliche Natur gleichsam als einen Extrakt aus drei verschiedenen Welten zu denken, welche bei der Erschaffung Adams bereits vorhanden waren. Es ist die höhere, himmlische Welt, ferner die irdische und endlich die höllische Welt. Der Mensch trug auch von der höllischen oder finsteren Welt etwas in sich. Er ist zwar auch aus der finsteren Welt geschaffen, aber nur insofern es gut und nötig war, damit er ein Bild der ganzen Offenbarung Gottes oder das Schöpfungsbuch im Kleinen sei. Die Finsternis als der Docht, mittels dessen sich das Licht offenbaren sollte. Wenn ihm nicht eine gewisse Art und ein gewisses Maß von Finsternis anerschaffen gewesen wären, welche doch im ganz richtigen Verhältnis zu seiner höheren Natur stand, so hätte er gar nicht versucht werden können.[152]

 

b)  Der Mensch-   eine männliche Jungfrau:

 

Da der Mensch als eine vollständige, Gott ebenbildliche[153] Lebens- und Geburtsquelle geschaffen wurde, so vereinigte er beide, die männlich wirkenden Aktions- und die weiblich leidenden Reaktionskräfte in sich, war also in „Einem Bild“ eine männliche Jungfrau, gleich dem Ein- und Erstgeborenen. (also Jesus Christus) Gott schuf nur "einen" Menschen ungeteilt in beiden Tinkturen. Hahn weiter:

Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, deshalb schuf er auch eine männliche Jungfrau in einem Bild. Vor dem Fall war der Mensch ein reines Zwittergeschöpf,[154] mit beiden Tinkturen begabt, nämlich der männlichen und der weiblichen. Hier sah Gott sein wahres Ebenbild, das Bild seiner Herrlichkeit; er schuf ihn zu einem Männlein und Fräulein- nicht in zwei Personen, da die Tinkturen wären geteilt gewesen. Das würde nicht ein Mensch nach Gottes Ebenbild gewesen sein. In Gott sind die beiden Tinkturen (männlich und weiblich) nicht getrennt. Der Mensch wäre nicht Gottes Ebenbild gewesen in diesen geteilten Tinkturen und Lebenseigenschaften.[155] 

Die weibliche Kraft in Gott war gleichzeitig Adams Braut und dieser im Besitz der Androgynität, er hätte Ebenbilder Gottes aus sich ausgebären und in sich erzeugen können.[156] Der erste Mensch war Ebenbild Gottes, Abbild des offenbarten Sohnes.

Da in der Natur wie in Gott jene zwei  lebensbegründenden Zentralkräfte gefunden werden, in denen die Fülle der Geister Gottes zusammenwirken, muss das göttliche Abbild ebenfalls eine Einheit dieser Grundkräfte gebildet haben.

Unter diesen Voraussetzungen wandelt sich die Aussage der biblischen Schöpfungsgeschichte über die Erschaffung der Menschen“:

Es heißt: Er schuf sie. Wenn das Wörtlein Er, nur Einer ist, so ist auch »der Sie« ebenfalls nur Einer; wenn aber derselbe Er, der Schöpfer, eine Dreieinigkeit ist, so ist der den Er  schuf, in seinem Bild auch ein solcher, auch eine „männliche Jungfrau in Einem Bilde“.[157]

c) Der Sündenfall:

 

Hahn schreibt von einem stufenweisen und allmählichen  Sündenfall Adams. Diese erste Stufe beginnt mit einer lüsternen Betrachtung der Sinnenwelt und besonders durch die Beobachtung der tierischen Vermehrung. Dies reizte seine Sinnenwelt und seine Vorstellungskraft anstatt mit seiner Sophia zu spielen.

Dadurch ist er von der höllischen Tinktur infiziert worden. Darum verlor Adam nach und nach das Lebenslichtwesen und nahm den Weltgeist in sich auf. Danach nahm Adam, der eben ein Weib wollte mit der er zeugen wollte, Alles das in sich auf, was alle Tiere aus ihm hätten nehmen sollen und daraus wurde ihm Blut.

Diese Imagination zog die Sinnenwelt in das Gemüt Adams hinein, in welchem die Weisheit, seine Braut, als „Baum des Lebens“ stand, von dem er essen sollte und er pflanzte in seinem Gemüt neben dem Lebensbaum den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.[158]

Adams Begierden waren so groß wie die Anzahl seiner Poren, so zahlreich wie alle Arten von Tieren die geschaffen wurden.[159]

 

Die Bildung der geschlechtlich getrennten Personen geschah durch die Wirkung des Weltgeistes; aber auch Adam hat auf magische Weise vermöge seiner Begierde an der Eva mitgeschaffen.  Weil das Schöpfungsrad im Wirken stand, und sich Adam damit vereinigte, so wirkte es durch den werkzeuglichen Teil der unterschöpferischen Kräfte, und bildete dem Adam einen tierischen Leib.

Nach Hahn war der Sündenfall notwendig, um die Herrlichkeit des Menschen zur Entfaltung kommen zu lassen. So reimt er:

 

Wie wäre alle Welt so stille Wie ausgeputzt, wie sündenleer!

Der Mensch wär ohne allen Streit, Und dann auch ohne Herrlichkeit.[160]

 

d)  Erschaffung der Eva

 

Damit Adam aber ja haben möchte, was er eigentlicher weise wollte, denn er hatte das Zeugungsspiel der Tiere gesehen, und sich ein Bild seinesgleichen eingemodelt, siehe, so liegt das Schöpfungsrad in ihm und in der Naturwelt so lange in Bewegung und im Schaffen, bis ihm aus seiner Seite heraus das halbe Teil der Menschheit drang, und das war sein Weib, die er (Adam) wollte. Gott ließ Adam in einen tiefen Schlaf fallen. Dann nahm er eine seiner Rippen, oder eigentlich die Hälfte seiner Menschheit, die weibliche Tinktur aus ihm, und schuf ihm ein Weib daraus nach seinem Willen.[161]

Gott schuf Adam anschließend seinen natürlichen Leib mit allen Organen nach Art der Tiere, so wie wir sie heute alle haben. (Verdauungs- und Geschlechtsorgane) [162]

Im Inneren des Menschen aber fixierte sich das fleischliche Verlangen so, dass er in sich  ein magisches Bild des Weibes schuf, das er haben wollte.[163] Wollend schaffte sein ganzes Gemüt, eine Gehilfin für sich zu erzwingen.[164]

Weil der Mensch von der Weisheit, die seine Braut und Gespielin war verlassen wurde, so stand er nun im Garten Eden allein da. Und Gott schuf ihm ein Weib nach seinem (Adams) Willen.

Diese Bildung der geschlechtlich getrennten Personen geschah durch die Wirkung des Weltgeistes; aber auch Adam hat auf magische Weise vermöge seiner Begierde an der Eva mitgeschaffen.[165]  Gott schuf deshalb das Weib als Gehilfin des Mannes während eines 40 stündigen Schlafs.[166]

Hahn spricht sich im „System seiner Gedanken“ folgendermaßen aus: immer noch (auch nach der Erschaffung des Weibes) war der Sündenfall nicht ganz ausgeboren. Wären Adam und Eva im Gehorsam geblieben, so hätte ihnen immer noch leicht geholfen werden mögen, und sie wären gewiss in ihrer Einfalt nach und nach wieder zur Gottähnlichkeit und Vollkommenheit gekommen. Denn wenn sie ihren Willen mit Gott vereinigt hätten, sollte gewiss das Wort des Lebens ihnen nach und nach wieder das Lebenslicht geworden sein, und durch das  Essen vom Baum des Lebens sollte sich ihnen auch das Wort des Lebens mitgeteilt haben.[167]  Diese Aussage Hahns steht jedoch in krassem Widerspruch zur Schöpfungsbericht, wo Gott in aller Klarheit ausdrückt:

 

1Mo 1,31     Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.

 

Gott hat um der Sünde willen das Feld verflucht. Er hat sich mit seiner segensreichen Paradiesquelle zurückgezogen. Er zog damit die " Quintessenz " als »Fünftelement«  mit dem eigentlich guten Natursalz, das einfließt in die vier Elemente und zwar durch die Sonne, den natürlichen Segensbrunnen, zurück. Das war Gottes Fluch über Adams Acker.[168]

 

e)  Der göttliche, unzerstörbare  Funke im Menschen

 

In jeder Seele des Menschen ist noch ein Überbleibsel vom Bild Gottes, eine göttliche Leuchte; nämlich das Gewissen, das durch Zeugung und Geburt kraft Mitwirkung des ewigen Wortes fortgepflanzt wird, und seinen Sitz im Gehirn, als einem „Zentralsitz“ der Seele hat. Dies ist sozusagen das »ewige Fünklein« aus Gott, das jeder Mensch, auch jedes geistliche Wesen, ja sogar Satan und seine gefallenen Engel in sich haben. Es ist das Licht der Ewigkeit im Herzen. Das Gewissen ist ein Überbleibsel vom Fall, der Rest des Bildes Gottes in uns und dasjenige, was den Menschen noch zum Menschen macht.[169] / [170]

Im Grunde des menschlichen Wesens ruht ein Funke, ein unaussprechliches Etwas aus dem stillen und unerreichbaren  Ungrunde der Gottheit, und dies ist die eigentliche Grundlage und das Tiefste seines Wesens; dies ist das unzerreissliche Band, durch welches er mit dem Ewigen verbunden ist. Es ist ein Hauch aus der Gottheit.[171]  Dieses „Etwas“ im Tiefsten des Menschen bildet heute noch den Grund jeder Menschenseele; auch der vertierteste hat es noch, nur unendlich tief versteckt und vergraben. (Dazu Mt 15,19 + Röm 7,18).

 

Es ist die Anknüpfung an die Wiederbringung. Die Mystiker nennen es den Seelengrund. Dieses Etwas sündigt nicht, es flieht nur immer tiefer zurück vor der Sünde, so lange bis es scheinbar im Herzen nicht mehr vorhanden ist, sondern die Finsternis den Thron eingenommen hat. Für die Mystiker ist der Seelengrund eine Sache von größter Bedeutung ebenso für die Theosophen.[172]

5.  Hahn und die Unsichtbare Welt

 

a ) Der Einzug der Geister

 

In der Zeit des  18. bis 19. Jahrhunderts scheint es im protestantischen Raum einen neuen Ausbruch des Okkultismus gegeben zu haben. Einer der wichtigsten Initiatoren des spiritistischen Denkens innerhalb der „Weißen Welt“, war Immanuel Swedenborg. Er beeinflusste die damals gebildete Welt, sowie auch den Pietismus besonders über den Prälaten Oetinger. Dieser war von den Berichten Swedenborgs über seine Erfahrungen und Erkenntnisse über die Geisterwelt fasziniert und übersetzte seine Werke in die deutsche Sprache. Durch Swedenborg kam der Einfluss des Spiritismus auch nach Nordamerika, wo sich rasch spiritistische Zirkel ausbreiteten.[173] / [174]  Ebenfalls wurden seine Gedanken in der Freimaurerei als das Swedenborgsche System aufgenommen.[175] Im Übrigen könnte auch Oetinger Freimaurer gewesen sein. In der Stadtkirche zu Murrhardt, wo Oetinger begraben ist, hängt ein Bild von ihm, das ihn mit Winkel, Zirkel und Globus, den freimaurerischen Insignien zeigt.

Der Dichter Clemens von Brentano[176] notierte 1832:

„Merkwürdig ist das allgemeine Hervortreten der Geister - und Wunderwelt und besonders der Gewalt des Satans in unserer Zeit ... die Frommen in der Schweiz und in Württemberg haben hier keine andere Unterhaltung als Geister, Besessene, Doppelgänger“[177]

 

Dieser Geisterkult artete damals buchstäblich zu einer wahren Manie aus und ging mit einem allgemeinen Anwachsen spiritistischer Praxis einher. Allerorts wurde auch in der frommen Welt damals diesem Geisterkult gehuldigt; auch unsere heutige Zeit ist noch immer unter dem Einfluss der damals gelegten Grundlagen. Der Spiritismus begann in der Gesellschaft salonfähig zu werden. Vielerorts entstanden spiritistische Zirkel die ihre Séancen[178] abhielten. Eine Entwicklung, die heute noch immer ungebrochen anschwillt und weiter um sich greift.[179]

Im Glauben an das Geisterreich begegneten sich damals Idealismus und die Erweckungsbewegung.  Auch an Michael Hahn ging dieses Denken nicht vorbei. Hatte er doch wie erwähnt, vieles  von der Lehre Oetingers übernommen. Dies belegt auch Joachim Trautwein in seiner Arbeit über Hahn und seine Quellen.[180]

Hahn übernimmt nicht nur wenigstens Vorstellungen von einem dynamisch bewegten Zwischenzustand nach dem Tod, sondern auch die individuelle und universale Eschatologie und die Allversöhnungslehre.

Vieles bei Michael Hahn erinnert darüber hinaus an Jakob Böhme. Die Frage nach einem Zwischenreich  der Läuterung, die Oetinger aufgeworfen hat, bewegt auch andere. Hier sind Goethe wie auch Schleiermacher, vor allem auch der jüngere Fichte zu nennen. Noch etwas anderes ist zu beobachten. Durch die weithin im Protestantismus offen oder stillschweigend akzeptierte Allversöhnungslehre, treten die bisher beherrschenden Vorstellungen von Himmel und Hölle zurück.[181]  So schreibt nun Hahn:

Der Mensch muss, wenn er aus dem Leib scheidet, alle Kreise und  Sphären wie Christus nach seinem Tod und Himmelfahrt durchschreiten. Hat der Mensch nun etwas von der Höllenwelt an sich und nichts von dem Guten, so wird er daselbst von der Hölle gehalten und kann bald ein Erstling des Satans werden und zur bösen Auferstehung kommen.

War er aber nicht so teuflisch - böse -, so er, wenn er dennoch nicht neu geboren war, in dem finsteren Teil und der Planetenwelten gehalten worden; denn alle sind aus Gut und Böse in unserem System. War einer bekehrt und doch noch nicht vollendet, so weist er, nach Ablegung des Finsteren, in das gute Teil der Planeten; da wird ihm alles kund. Wenn er hier nicht weiter kommt und wird die Seele als nicht ganz richtig erfunden, so wird sie zurück in die Planetenwelten gewiesen.

Kommt er dann in die Paradieswelten, bekommt die Seele Unterricht und Lehre. Stufenweise rückt die Seele nun auf. In den Paradieswelten kommt man zur Auferstehung und hat einen Zwischenstand, ehe man auffährt. Dann geht es erst durch die Engelwelten und die Lichtwelten; von da in die reinste Glorie, als das, was wir den leeren Lichtraum nennen.[182]

Sollen wir Geister und Seelen erblicken, müssen sich solche bequemen allein, müssen sich nach den Sterblichen schicken - Geister, sie können nach Möglichkeit handeln, so oder anders sich also verwandeln. Ein Paradiesleib kann demnach sich ändern wie es Notwendigkeit etwa erheischt, kann seine Herrlichkeit mehren oder mindern, kann sich ein Geistleib nicht ausdehnen und auch wieder näher zusammenziehen?[183]

 

b)   Hahn und die  Geisterwelt. Außergewöhnliche Erfahrungen. Wahrheit oder Legende?
 

Hahn erlebte verschiedene Formen des Medialen: Hellseherei, Seelenaustritte, Bilokationen[184] oder Astralwanderungen.[185] Dies berichtet auch Joseph Hahn in seinem Buch „Unbekanntes bei Hahn“.

Joseph Hahn beschreibt in seinem Buch Michael Hahns hellseherische Befähigung:

 

Eines Tages kam ein Mann mit seiner Tochter mit der Frage zu Hahn, ob sie nach Amerika auswandern sollten. Hahn verweilte auf ungefähr eine halbe Stunde in seinem Sessel. Niemand sprach ein Wort. Hahn aber schaute bald dahin, bald dorthin, war also nicht wie außer sich,

(nicht in Ekstase) denn seine Augen glänzten wie vorher.

Endlich sagte Hahn: Wie heißt denn deine Tochter dort unten? Barbara ist ihr Name. Nun rief sie Hahn zu sich und gab ihr den Entscheid, was sie zu tun hatte. Er schickte sie nach Amerika mit dem Bescheid, sich von niemand umstimmen zu lassen, denn sonst ist dein Glück verscherzt.[186]

Auf einer seiner außerkörperlichen Reisen wurde er eines Tages von seinem Bett aus von einem „großen Unbekannten“ abgeholt und mit flügelschnellen  Schritten über Länder und Städte hinweg dem kalten Norden zugeführt. Er sah in der Ferne einen silbernen Berg, der jedoch beim Näherkommen aus lauter Eis war. Er sah dort eine kolossale, aber zerfallene Stadt, die der Geistführer als Babel bezeichnete. In einem kleinen Weiler, „Klein Babel“ genannt, erblickte er ein schlecht aussehendes  Haus, voller Unrat und Ungeziefer. Der Führer öffnete die Tür und hieß ihn eintreten. Zu seinem Erstaunen gewahrte er dort in schmutziger Umgebung den energischen Separatisten Georg Rapp aus Iptingen, der vor Zeiten, ehe er verstorben war, Hahn für sich einzunehmen gesucht hatte.[187]

Anschließend ging es nach Süden und er kam der herrlichen Stadt Gottes entgegen. Während er nun in diese herrliche Stadt ging, gewahrte er seinen verstorbenen Vater, für dessen Seele er zweieinhalb Jahre nach seinem Tod gebetet hatte.[188] Diese herrliche  Stadt war aus lauter Gold und Edelsteinen. Sein Führer fragte ihn, ob er diese goldene Stadt sehen möchte und führte ihn dann anschließend in das Heiligtum, in das sein Vater jedoch nicht folgen durfte. Anschließend schildert Hahn die Stadt aus lauter Gold und Edelsteinen.[189] Er traf dort auch Jakob Böhme, Herrn von Pfeil, Arnold, Oetinger, Tersteegen[190] und Spener. M. Hahn sagte einmal, er habe von dem Apostel Thomas, der vom Herrn zur Mission nach Indien erwählt worden sei, augenscheinliche Beweise seines  Wirkens erlangt. Es bestehe  nämlich noch jetzt eine christliche Gemeinschaft in Tibet und Asien, welcher sieben  der erlauchtesten Mitglieder vorstehen.

Diese sieben laborieren in Gold, und dieses Gold werde den Armen gegeben. Was ihm aber  am meisten Vergnügen mache, sei ihre wahrhaftige jungfräuliche Gesinnung.[191] Bruder Heim aus Möhringen bei Stuttgart, der nach Amerika ausgewandert war, besuchte Hahn bei einem Aufenthalt in Deutschland. Er sagte zu ihm, es wäre billig, dass du auch uns in Amerika besuchst. Hahn erklärte ihm, dass er im Geiste bereits dort gewesen sei.

Er schilderte ihm genau das Aussehen seines Hauses und die Umgebung, auch die Einrichtung seiner Wohnung mit ihren Zimmern, Öfen und Möbeln. Auch sagte er ihm, welche Personen in welchen Zimmern schliefen. Auf die Frage von Bruder Heim, warum er ihn bei seinem Besuch nicht geweckt hätte, antwortete Hahn: Dies konnte nicht geschehen; derartiges ist bei denjenigen Menschen nicht möglich, die aus den Grenzen ihrer Geschöpflichkeit gewichen sind, das heißt, sich im Affekt, im Zorn einen inneren Verlust zugezogen haben. Alles, was einem Auferstehungsleib Verlust oder Schaden zufügt, ist auch Herabsetzung an innerlicher Größe oder Herrlichkeit.[192]  Joseph Hahn beschreibt auch noch andere außergewöhnliche Vorkommnisse und Begebenheiten aus M. Hahns Leben. So  heilte r einmal ein todkrankes Mädchen, das eigentlich bereits schon tot war, durch sein inniges Gebet.[193]

 

 

 

Hahn gehorchen auch Natur, Wind und Wetter: Einmal  versammelte er sich mit vielen Zuhörern in einem Tannenwald. In den Bäumen wehte ein starker Wind, so dass man sein eigenes Wort nicht hören konnte. Hahn, der noch aufrecht stand, hob seine rechte Hand auf, richtete seinen Zeigefinger empor und rief laut: > O < bei diesem Wind hört man sein eigenes Wort nicht! Diese Worte waren so vermögend, dass man sogleich kein Lüftchen mehr wehen hörte, so dass alle Anwesenden sehr vergnügt wurden. Anschließend redete Hahn über 1. Korinther 13 und redete gewaltig und nicht nur wie ein Schriftgelehrter.[194]

Ein anderes Mal schickte er ein aufziehendes Gewitter, das bereits mit Hagelschloßen an die Fensterscheiben prasselte, mit den Worten: " Dort drüben in dem großen Wald kannst du deine Rache ausüben, bei uns aber nicht " auf der Sindlinger Gemarkung. Wirklich verzog sich das Wetter gegen den Wald hin, sich dermaßen entladend, dass dieser selbst übel zugerichtet dastand.[195] Hahn vertrieb durch sein Machtwort auch Maikäfer von den Obstbäumen und verjagte Maulwürfe aus den Gärten der Gläubigen.[196]

Dass nach der  Heimberufung des seligen Michael Hahn er den noch unbesetzten Vorsteherposten in einem der Paradiesgärten übernommen haben wird, den er  in seiner Entzückung schaute, werden wir als sicher annehmen dürfen. So Joseph Hahn weiter.

 

Joseph Hahn berichtet nun von Verstorbenen und erschienenen Totengeistern, dass diese den Prälaten Oetinger und auch Michael Hahn im Paradies gesehen haben. Auch im Nachlas von Michael Hahn wurde eine mit seinem Namen versehene Rede gefunden die eine Kundgebung aus dem Jenseits darstellt.[197]

 

Diese von Michael Hahn berichteten Erlebnisse sind allem Anschein nach keine erdichteten Geschichten ohne einen realen Hintergrund, er scheint tatsächlich solche Bilokationen erlebt zu haben.

Schreibt doch Michael Hahn selbst zum Thema Reinigungsörter und Wiederbringungsanstalten innerhalb der Erde und auf den sieben Planeten im Sonnensystem, den Vorhöfen und Paradieswelten, Abrahams Schoß und den Gärten der seligen Kinder – und Freudengesellschaften:

 

„Hätte ich sie selber nicht gesehen, ich wollte nicht davon schreiben“.[198]

 

Michael Hahn reiht sich also nach eigener Aussage in die Reihe derer ein, die wie Swedenborg das All, das Sonnensystem, die Höllen der Unterwelt besucht und gesehen haben wollen.

Swedenborgs Einfluss über Oetinger und Hahn reicht weit und hat Glaube und Denken vielfach entscheidend, besonders in großen Teilen des Pietismus bis auf den heutigen Tag beeinflusst.

So gehört zu diesem Personenkreis später auch  Blumhardt, bekannt durch seinen Kampf um die besessene Gottliebin Dittus aus Möttlingen.

Sie berichtete Blumhardt: Es war ihr, als würde sie von jemand mit außerordentlicher Schnelligkeit über Land und Meer, über der Oberfläche schwebend, hingeführt. Sie durchflog viele Länder und Städte, kam über dem Meer an Schiffen vorbei, deren Mannschaft sie deutlich reden hörte, bis sie zu einer Inselwelt kam und von Insel zu Insel hinschwebte, endlich zu einen hohen Berg gelangend, auf dessen Gipfel sie gestellt wurde. Einzelheiten ließen mich auf Westindien schließen. Auf dem Gipfel war eine große und weite Öffnung, aus welcher Rauch und Feuer aufschlug.

Blumhardt beschreibt nun einen starken Vulkanausbruch mit katastrophalen Auswirkungen auf Land und Meer. Mitten unter diesen Schreckensszenen wurden die Dämonen, welche die Gottliebin vornehmlich gequält hatten, vorgeführt; und der Ärgste derselben, jener Dämon mit dem großen Buche, war der erste, der mit fürchterlichem Geheul in die Tiefe gestürzt wurde. Ihm folgten gegen tausend andere nach, die alle vorher auf Gottliebin zusprangen, als wollten sie dieselbe in den Abgrund ziehen. ... Solche Entrückungen kamen noch zweimal vor. Von jener Zeit an, sah sie mich auch in der Kirche nicht mehr von Geistern umschwärmt. Ein andermal wurde ihr die Errettung von 800 gebundenen Geistern vorgestellt.[199] Ich denke, dies illustriert deutlich, welche dämonischen Lügengeister dahinter stehen.

 

c)  Die sieben Welten

 

Hahn lehrt: Nach dem Sterben durchschreitet die Seele sämtliche Teile der Totenwelt. [200] Wenn die Seele noch nicht vollendet ist geht es noch durch Gerichts- und Feuerwelten. Das sind die Vorhöfe der Paradieswelten. Das sind nun Geisterschulen, weil die Seele, die dahin kommt, von reiner Erkenntnis Gottes und Jesu gründlich unterwiesen, und zur Auferstehung zubereitet und angekleidet wird. In dem Gerichtsfeuer wird alles abgestreift was nicht sein kann und soll.[201] Hahn gibt noch eine Übersicht der unsichtbaren Welt mit sieben Abteilen und je sieben Unterabteilungen:

 

1. Lichtwelten

2. Engelwelten

3. Paradieswelten. Hier gelangt die Seele zur Auferstehung.

4. Feuerwelten

5. Geisterwelten

6. Natur- und Planetenwelten[202] (sie sind von den abgeschiedenen Totengeistern   bewohnt)

7. Höllen - und Abgrundwelten.

 

Von diesen Welten gibt es also je nochmals sieben Aufspaltungen. Hahn spricht von einer Leiter mit  (7 mal 7) 49 Stufen. Auf dieser Leiter ist Gott oben im leeren Raum, dahin sollen wir kommen. Hahn nennt diese Leiter „Schnürcumferenzleiter“, die sich spiralförmig in den Raum erhebt[203]

 

d)  Die Schöpfungsleiter

 

Es sind die Stufen der Schöpfungsleiter nicht nach Art der Leiter, sondern nach Art der Zirkelkreise und ist doch mehr einer Schnürcumferenz, als einer  Circumferenz[204] zu vergleichen. In dieser Schöpfungsleiter, durchwohnt und durchwirkt Gott durch alle Geburten und Stufen die Kreatur bis ins Äußerste. Diese Schöpfungskreise bilden eine Spirallinie, an welcher sich Gott aus dem Innersten ins Äußerste heraus- und aus dem Äußersten ins Innerste zurückwendet.  Im Inneren dieser Spirale, im Zentrum, ist der allerheiligste Zentralquell, der Thron der Majestät, der Geburtsquell alles Gottesvermögens, der heiligen Schoß- und Zentralkräfte, der Eingeborene, der ohne Unterlass geboren wird.[205]  Die 50. Stufe an der Spitze ist Gott selbst.[206] 

F. Mayer drückt dies folgendermaßen aus: Die Schöpfung ist das Ebenbild des Sohnes und ist sein Eigentum; er durchwohnt sie mit den mannigfaltigen Kräften seiner Weisheit. Die Geschöpflichkeit bildet eine Spiralleiter, Hahn nennt sie Schnürcumferenzleiter, das ist eine Leiter aus siebenmal sieben Welten bis zu Gott, auf der Gott aus dem Innersten heraus ins Äußerste wirkt und auf der der Mensch vom Äußersten bis ins Innerste hineindringen kann.[207]

Schnürcumferenz  bedeutet eine Schraubenlinie, deren Windungen sich von oben nach unten gleichmäßig erweitern, die  somit von ihrem höchsten Mittelpunkt aus nicht nur von oben nach unten, sondern zugleich auch von innen nach außen verläuft, also in ihrer Gesamtgestalt eine Kegelform darstellt. Es dies ist die Figur der Himmelsleiter, das ist der stufen- und Gradweisen Offenbarung des im ganzen Schöpfungsreich allgegenwärtigen Gottes.

 

Der Vater der Vollkommenheit ist am höchsten droben und am tiefsten drinnen. Von seinem allerheiligsten Thronquell aus wirkt er mit seinen göttlichen Ursprungskräften durch alle Reihen der Geschöpfsgattungen, aber in immer mehr abnehmendem Grade, in immer weniger reiner Weise. Am tiefsten drunten und am weitesten draußen sind die höllischen Geburtswelten. Zu unterscheiden von der Schnürcumferenz ist die Circumferenz, d. h. Kreislinie, womit die konzentrischen Kreise bezeichnet werden.[208]

 

Rudi Holzhauer schreibt dazu:  Hahns Zentralschau ist kompliziert, subjektiv und voller Geistersymbolik. Seine intensive Beschäftigung mit den Schriften Oetingers lässt auf den Einfluss und auf die Übernahme von dessen kabbalistischen Begriffen und mystischen Vorstellungen schließen. Holzhauer beschreibt an dieser Stelle die oben angeführten 7 mal 7 Welten mit dem Höllenabgrund und seinen sieben Welten. ...

 

All diese Zusatzoffenbarungen sind  die typischen Verwirrspiele und Ablenkungsmanöver des Widersachers gegen das klare Schriftwort Gottes. Michael Hahn war bei aller Frömmigkeit ein medial begabter Visionär.[209]

 

Emil Kremer[210] beschreibt in seinem Buch „Geöffnete Augen“ diese Thematik. Den angeblichen Verkehr der verstorbenen Geister mit lebenden Menschen, verweist er eindeutig in die Welt des Spiritismus. Zu dieser Kommunikation braucht es sogenannte Medien, also Mittelspersonen, die in der Lage sind, den Verkehr mit den Geistern zu pflegen. Mit großem Ernst weist er auch auf das absolute Verbot Gottes auf den Umgang mit den Totengeistern hin. Insofern hat das Buch Kremers immer noch große Bedeutung, sind doch diese Lehren gerade mit der Allversöhnung in weite Kreise der Gläubigen eingedrungen, ohne dass dies von den davon Betroffenen überhaupt bemerkt wurde.

 

Im Gegenteil, von vielen werden gerade diese Lehren als „das wahre Evangelium“ verkündet. Auch Johann Christoph Blumhardt hat sich nach längeren inneren Kämpfen zur Allversöhnung  im Sinn einer universalen  Heilswirkung des Kreuzes Christi bekannt: „Der Karfreitag verkündet einen Generalpardon über die ganze Welt“.[211]

Es ist deshalb für alle Gläubigen wichtig, sich an Gottes Wort zu orientieren und sich von solchen Lehren, den Lehren der Dämonen zu trennen.
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Roland

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Re: Allversöhnung
« Antwort #9 am: 20 Dezember 2007, 21:54:55 »
Teil 4:


6. Wiederbringungslehre:

 

a)  Allgemeines zur Wiederbringungslehre

 

Die Lehre von der Wiederbringung aller Dinge ist Michael Hahn besonders wichtig; es ist die Lehre, dass alle vernünftigen Kreaturen, insbesondere also die abgefallenen Engel  und Menschen, wenn auch großenteils erst nach überstandenen und schweren Gerichten, schließlich freiwillig unter das Zepter Jesu Christi, des Königs aller Könige, sich beugen werden, dass wie sie in Adam alle - ohne Ausnahme - sterben, so auch in Christo alle - lebendig gemacht werden sollen und sonach Gott zuletzt wirklich „Alles in Allen“ sein werde. Hahn stützt sich bei seiner Lehre mit Nachdruck auf den Buchstaben, auf den Wortlaut und nächsten Wortsinn der hier in Betracht kommenden Schriftstellen. Wenn zuweilen schon behauptet worden ist, die fragliche Lehre scheine allerdings in dem Geist des Neuen Testaments, insbesondere der Grundwahrheit, dass Gott die Liebe ist, eher gemäß  zu sein als die Annahme einer endlosen Verdammnis, während der Buchstabe der Schrift uns augenscheinlich nötige der letzten Annahme beizupflichten, so ist dem entgegen zu halten, dass der Geist und der Buchstabe keinesfalls in irgendeinem Widerspruch zueinander stehen können. Die Lehre von der Wiederbringung aller Dinge gehört nicht unter das, was man Wahrscheinlichkeit und Vermutungen nennt; denn sehr viele Worte Gottes beweisen sie, und selbst mit den wenigen Worten der Heiligen Schrift, mit welchen man sie widerlegen will, kann man sie beweisen.[212] Bibelstellen der Gegner der Wiederbringungslehre, wie z. B. Markus 9, 44 ff: Wenn nun in diesen und ähnlichen Stellen von einem Gericht, von einer ewigen Pein berichtet wird, die sich in die  Ewigkeiten (in die  Äonen) oder in die " Ewigkeiten der Ewigkeiten " hinein erstreckt, so wird man sich vor allem hüten müssen, ohne weiteres anzunehmen, das Wort  <  die Ewigkeiten  > bedeute in der Bibelsprache soviel als  < endlos >.Hahn schreibt weiter: Ewigkeit heißt nicht Unendlichkeit. Bei Hahn sind die Äonen einfach bruchstückhafte, größere und kleinere Zeitabschnitte.[213] Er schreibt über die Zeit: „Die Zeit ist eine eingewickelte, unenthüllte Ewigkeit, und die Ewigkeit wird eine enthüllte und geoffenbarte Zeit sein“.[214]

 

b)   Hahns Aussagen zur Wiederbringungslehre

 

Die Lehre von der Unendlichkeit der Höllenstrafen streitet wider Gottes Gerechtigkeit und Liebe, während der Glaube an die endliche Wiederbringung aller Dinge in der Liebe Gottes und Jesu Christi wurzelt und die Seligkeit der Glaubenden und Erlösten bedingt, nimmermehr aber an sich schädlich sein kann. " Wer es ertragen kann, wenn er  von unendlicher Verdammung hört, weiß nicht was Gottes Liebe ist, und es hat sie ein solcher noch ganz und gar nicht erfahren, noch genossen. Menschen, die keine allgemeine, „Alle“ angehende Erlösung glauben, und von unendlicher Verdammnis  predigen, halte ich für die Allerunbarmherzigsten, und ich glaube nicht, dass irgend ein Mensch schrecklicher wider Gott und Gottes Wahrheit, wider sein Licht und seines Herzens Sinn zeugen kann, als ein solcher. Denn es heißt, den lieben Gott als ein großes, feindseliges, unbarmherziges Wesen vorstellen, welchen wir doch als den Allbarmherzigsten kennen und als das liebreichste Wesen verehren. O Torheit! Den Ewig- Allbarmherzigen mit seinen Erbarmungen in eine Zeitfrist von 6000 Jahren einzuschränken.

Denn es heißt nicht recht von Gott gedacht und gelehrt, wenn man unendliche Höllenstrafen predigt. ... denn es ist gegen Gottes Liebesplan.[215]

Hahns Endsatz lautet: Gott rettet noch alle. Zuletzt auch den Teufel, wenn er es auch bei Satan schwer halten wird. Erst dann ist die Seligkeit vollkommen, wenn die arme Kreatur im Ganzen zusammen mitselig ist im vollkommenen Sinn. Die Gottlosen erleben in der jenseitigen Welt noch ein allmähliches Wachstum. Er berief sich stets auf die Worte der Bibel, die für die Wiederbringung aller Dinge sprechen. Hahn wusste auch alle christlichen Lehrer von Origenes über Petersen[216] und bis zu Oetinger zu nennen, die für diese Auffassung eingetreten sind.[217]

In einer 1930 von der Hahn’schen Gemeinschaft herausgegebenen kurzen Zusammenfassung über die Wiederbringungslehre werden als Zeugen für die Wahrheit dieser Lehre die alten Kirchenväter Origenes, Tertullian und Gregorius angeführt; aus der neueren Zeit die beiden Prälaten Bengel und  Oetinger, außerdem Franz Baader,[218] Tersteegen und Petersen.[219]

 

Bengel beschäftigte sich viel mit dem 1000 jährigen Reich. Im Jahr 1740 veröffentlichte Bengel die " Erklärte Offenbarung Johannes ". Das Aufregende lag in seiner, aufgrund vieler gelehrter Untersuchungen und umständlicher mathematischen Berechnungen für die am 18. 6. 1836 angekündigte Wiederkunft Christi auf Erden.

Er hat hier etwas unternommen, worauf weder Philipp Jakob Spener, noch weniger August Hermann Franke, auch nicht Zinzendorf, selbst nicht die radikalen Pietisten, die immerfort von dem Hereinbruch  des Tausendjährigen Reiches redeten, gekommen wären, geschweige an eine Fixierung gedacht hätten. Wie Bengel zu diesem Thema kam schildert Erich Bayreuther: woher nahm Johann Albrecht Bengel dazu den Mut, der doch mit einer Akribie seine Textarbeit getrieben hat, die einfach vorbildlich war? Die große Wendung hat Bengel selbst geschildert.

„Ursprünglich habe er wie Hedinger bei seiner Bearbeitung der Offenbarung für die Ausgabe des griechischen neuen Testamentes nichts anderes tun wollen, als die verschiedenen Lesarten zusammenzustellen und zu untersuchen. Dann geschah es. Fast ungern, ... ohne Absicht, Bemühung und Hoffnungen, etwas Sonderliches zu finden, habe er sich der Offenbarung zugewendet. So sei es ihm im Jahr 1724 ergangenen.

Gewiss hatte er bereits Fragen, wenn er an die Zahlenangaben in der Offenbarung dachte. Sie haben ihn doch beschäftigt. Als er sich auf die Predigt für den 2. Advent 1724 vorbereitete, ließ ihm  „der Herr ein Licht auf einmal aufgehen“.[220]

Es gibt Seelen, denen die Lehre von der Wiederbringung zu einem Bedürfnis geworden ist, die nicht nur keinen Schaden, sondern großem Nutzen davon haben; weil es nicht möglich ist, dass man ohne diesen Lehrbegriff die ganze Wahrheit erkennen kann.

Ja! Die Seelen, die Gottes Liebe, Christi Geist und Sinn haben, könnten oft kaum eine Stunde aushalten, wenn sie recht ins Nachdenken kommen, ohne die Erkenntnis der allgemeinen, „Alle“ angehenden Versöhnung und gänzlichen Wiederbringung alles Verlorenen! Wenn nicht alle Bücher Heiliger Schrift, besonders aber alle Briefe des Apostel Paulus voll wären von den saftigen und kräftigen Lehren des ewigen Liebesrats und Liebesplans Gottes, ... so würden wir auch nichts davon schreiben.[221]

Unmöglich ist es der Kreatur, sich ganz von Gott zu trennen. Selbst der Satan hat kein Leben aus sich selbst und in sich selbst. Ein Lösen von den unteren Eigenschaften, der Finsternis in Gott, der Basis des Lebens liegt nicht im Bereich der Möglichkeiten.[222]  Finsternis in Gott?

 

Wahrscheinlich wäre der Mensch nicht geschaffen worden, wenn Luzifer nicht gefallen wäre, und ohne Fall des Menschen wäre Christus nicht erschienen und so wäre Satan ewig verloren gewesen.[223]

Hahn zweifelt keinen Augenblick an der Integration alles Bösen und verleiht diesem damit den Charakter des Vorläufigen. Im Heilsplan Gottes ist es nur Mittel zum Zweck, wobei das Ziel der Wiederbringung abzusehen ist. Hahn ordnet die Finsternis in den Heilsplan ein und sieht vom Ende, von der Apokatastasis  her, den Nutzen und die Ohnmacht aller gottwidrigen Kräfte. Ohne Sündenfall hätte es auch keine Herrlichkeit gegeben.[224]

 

Nach der Wiederherstellung des Menschen in der Herrlichkeit ist der neue Leib eine männlich- jungfräuliche Geistleiblichkeit, ähnlich dem verklärten Leibe Christi. Christus, der andere Adam zeugt uns den Paradiesleib wieder, und die obere Mutter gebiert ihn aus, zu ihrer vollkommenen Ähnlichkeit in Engelsgestalt  als männliche Jungfrau.[225] 

Hahn spekuliert dann weiter, dass auch alle inneren Organe  zur  Verdauung und menschlichen Vermehrung nicht mehr im neuen Leib sein werden, sondern in eine neue Geistleiblichkeit mit neuen Organen verwandelt wird.

Gott hat in Christus alles vollendet - jetzt liegt es am Menschen, dasselbe noch einmal in sich durchzustehen. Der Christ soll zur Gott- Ähnlichkeit gelangen, und ein „kleiner Gott in Christus“ werden aus Gnaden.[226] Hahns Glaubensbegriff erschließt sich dem Betrachter nur, wenn er erkennt, dass der Glaube eine besondere Art der Imagination ist.[227]

Durch einen solchen Glauben kann der Mensch den Geistessamen, der ihm aus dem vollendeten Gottmenschen zukommt, fassen, und deshalb heißt Glauben auch die Tinktur des Menschen mit der Tinktur des göttlich- menschlichen Geistes vereinigen.

Tinktur ist die innere Lebenskraft in allen Dingen, durch sie sehen und leben die Kreaturen, durch sie wirkt der Geist im Leib. Je nach Kraft, Reinheit und Art des Lebens, göttlich, engelgleich, paradiesisch, höllisch, irdisch, feurig, wässerig, männlich und weiblich ist auch die Tinktur geprägt.[228] Eine bedeutungsvolle Aussage finden wir in dem kleinen Büchlein über Hahns Leben und Lehre:

»Das Wort Wiederbringung kommt zwar in der Heiligen Schrift nicht vor, lesen wir in Hahns Gedankensystem, aber sie enthält doch alle Worte, die alle Dinge bestimmt angehen«.

In 1. Korinther 15,22 heißt es: Gleich wie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden; in Römer 11,32 sagt Paulus: Gott hat alle Dinge beschlossen unter den Unglauben, auf dass er sich aller erbarme, und Kol. 1,19 - 20: Es ist das Wohlgefallen gewesen, dass alles durch ihn versöhnt würde zu ihm selbst, es sei auf Erden oder im Himmel; und der Herr selbst sagt:

Siehe, ich mache alles neu; diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Offenbarung 21,5. Die Worte »alle«, »alles« kommen in der Heiligen Schrift sehr oft vor; wer wollte davon etwas ausschließen!

Wenn nun alles durch Jesus Christus versöhnt ist, wer mag sich dann unterstehen, die bösen Geister auszuschließen? Kurz gesagt, ich, (Hahn) glaube ihre Wiederbringung ganz gewiss; in anderem Fall glaubte ich ja nicht, dass Gott alles neu machen wird. In der Schrift heißt es nirgends: Sie werden gequält werden ohne Aufhören; wir lesen überall nur von Äonen, in welche die Qual sich hinein erstrecken wird.[229] Das signifikante Argument das häufig von fast allen Anhängern dieser Lehre gebraucht wird:

„Wenn nicht „Alles wiedergebracht wird“, ist der Sieg Jesu nicht vollkommen“!!

Dazu ist anzumerken, dass der Sieg Jesu schon mit seinem Opfer am Kreuz und seiner Auferstehung ein vollkommener Sieg war. Der Sieg Jesu ist kein partieller Sieg auf Raten; es gibt hier kein endloses Warten auf den Abschluss der Äonen.

 

Der Zweck der Universalen Herrschaft Jesu, ist also die Wiederbringung aller Dinge. Dann wird Gott Alles in Allem sein. Dann werden alle Geschöpfe dem Lamm Gottes huldigen. Satan hat Gott zwar noch nicht gehuldigt, aber es wird geschehen.[230]

Der „Sensus Communis“, der göttliche Lebensfunke im Menschen, so Hahn, ist allein  Grund der Möglichkeit zur Erlösung. Hahn gebraucht wie Oetinger den Begriff " sensus communis ". Dieses ist das Gewissen, ein Gottes- und Wahrheitsgefühl im inneren eines jeden Menschen. Das Gewissen ist ein „Sensorium Gottes“, welches darauf beruht, dass im Menschen die Ewigkeit, in dieser der Geist der Ewigkeit, und in diesem die Allgegenwart Gottes ist.

Durch dieses Etwas im Menschen kann Gott dem Menschen noch beikommen, kann ihm wieder geholfen werden; denn wenn das nicht in seiner Seele wäre, wäre seine Wiederbringung unmöglich geworden.[231] Dies ist, so wie es auch andere ausdrücken, das unzerstörbare „göttliche Fünklein“ in jeder Menschenseele, (in allen geschaffenen Wesen, auch in Satan mit seinen Dämonen.)  In der Seele des Menschen ist noch  ein Überbleibsel vom Bilde Gottes, eine göttliche Leuchte.[232] Dies lehren im Grunde alle Anhänger der Allversöhnungslehre. Was sagt dagegen das Wort Gottes? Siehe Eph 2, 1-6 !!

 

 c)   Die Wiederbringungsanstalten:

 

Jesus hat im ganzen Schöpfungsraum, im Himmel, auf Erden und unter der Erde, geeignete Anstalten getroffen mit dem Zweck, die Abgefallenen wieder zu Gott zu führen. Das „Hauptwiederbringungsmittel“ auf  Erden ist die „Anstalt der Kirche“, in der das Amt, das die Versöhnung predigt, verwaltet wird. Auch diejenigen, die verloren gehen, hören in ihr nicht ganz umsonst das Wort Gottes,  nämlich zunächst zu ihrer Verdammnis, dann aber als Anknüpfungspunkt zu ihrer Wiederbringung. Doch auch in der unsichtbaren Welt ist die Einrichtung getroffen, dass den Toten, d. h. den abgeschiedenen Geistern das Evangelium von Jesus, dem Lebensfürsten, bekannt gemacht wird, wie dies allgemein bei den Anhängern nach 1 Petrus. 4,6 gelehrt wird. Neben der Kirche auf Erden gibt es nun auch noch andere Wiederbringungsanstalten. Hahn dichtet dazu:

 

Die Anstalt, Alle zu gewinnen, hat also schon der Herr gemacht;

er wirkt von außen und von innen, bis Alles ist herwiederbracht.

Die Wiederbringungsanstalten entsprechen den verschiedenen Seelenzuständen, und es gibt Gerichts- und Reinigungsanstalten, in denen die Ungläubigen durch Gerichte und Feuerprozesse für die Gnade erst empfänglich und bedürftig gemacht werden. Auch in der unsichtbaren Welt ist die Einrichtung getroffen, dass den Toten d. h. den abgeschiedenen Geistern das Evangelium von Jesus, dem Lebens Fürsten, bekannt gemacht wird.

 

Nun kann Er, was Er eingenommen nach Seinem Willen richten ein;

es können von ihm seine Frommen auch  lehren hinter ihme drein.

Wie er getan hat, tut er immer; die Geisterwelt schweigt also nimmer,

wie eh mal, eh der Herr gelehrt. Es wird auch dorten frei gesprochen,

der Heiland hab den Tod durchbrochen, dass sich ein Mancher noch bekehrt.

 

Das Reich unseres Herrn ist groß; er hat in der unsichtbaren Welt diese Anstalten getroffen zum Heil und Gedeihen abgeschiedener Geister. Es können dort abgeschiedene Seelengeister einen Paulus wünschen und verlangen, ebenso, wie manche Gemeinden des Herrn hier auf Erden. Die seligen Geister der Gläubigen [233] haben hier eine Aufgabe und wirken durch das Evangelium an den Unseligen ins Toten- und Höllenreich hinein.[234]

Wenn die Seele noch nicht vollendet ist geht es noch durch Gerichts- und Feuerwelten. Das sind die Vorhöfe der Paradieswelten. Das sind nun Geisterschulen, weil die Seele, die dahin kommt, von reiner Erkenntnis Gottes und Jesu gründlich unterwiesen, und zur Auferstehung zubereitet und angekleidet wird. In dem Gerichtsfeuer wird alles abgestreift was nicht sein kann und soll.[235]

Planetenwelten: Die Gerichtskerker und Reinigungsörter sind Vorstufen der Hölle; sie sind innerhalb des Sonnensystems und sind für die Seelen bestimmt, die in der Sünde nicht bis zum letzten Grade ausgeboren wurden. Da kann der, welchen der Geiz  beherrschte, im Saturn, der Hochmütige im Jupiter, der Zornige im Mars, der Fleischliche, Unreine in der Venus, der Allgeschäftige im Merkur und der Faule im Mond sein, und da hat jeder seine Strafe. Bessern sie sich nun, so kommen sie nicht weiter in die Gehenna, sondern steigen in bessere Örter auf.

Das höllische Feuer muss alles Widrige verbrennen, und der Tod oder der Geist der Auflösung muss Alles auseinandersetzen. Kurz, der Geist muss doch heraus aus dem Fleisch, das Leben muss aus dem Tod, der Himmel aus der Hölle, das Licht aus der Finsternis, die Liebe aus dem Hass, die Barmherzigkeit aus dem Gericht und Gott selbst aus Allem. Weil der Geist der Ewigkeit (Lebensfunke) in Allen ist, darum muss auch der Geist der Herrlichkeit in Alle kommen. Der Zweck dieser gerichtlichen Anstalten und Prozeduren ist der, dass die Seelen auseinandergesetzt, geschieden und in die Gebärmutter der Ewigkeit zur Neugebärung zurückgerufen werden.[236]

Auf der „Neuen Erde“ wird für die Vollendung der mit oder ohne ihre Schuld Zurückgebliebenen durch priesterliche Anstalten und Tätigkeit gesorgt. Endlich wird Jesus alles Böse hinweg schaffen, und eine neue Erde und ein neues Planeten- und Sonnensystem zum Vorschein bringen. Hahn schließt seine Ausführungen an Offenbarungen Kapitel 21/22 an. Er schreibt, alle die in einem schwach geistlichen Leben aus dieser Welt geschieden sind, können durch diese Heilsanstalten zur geistlichen Volljährigkeit gelangen und in die Stadt Gottes eingehen. Das sind die Gnadenanstalten im Himmel.[237]

                  Auch das  „Neue Jerusalem“ dient noch der Wiederbringung: Die Wirksamkeit dieser Stadt ist ganz auf die Wiederbringung aller Dinge eingerichtet und abzielend: Infolge ihrer priesterlichen Wirksamkeit wird ein beständiges Hereinrücken der Unvollendeten von außen in die Stadt Gottes geschehen, bis der Feuersee leer, die ganze Erde licht sein und auch Satan, der dann keinen Raum mehr haben wird, sich ergeben wird. Dann wird Gott sein „Alles in Allen.[238] „Gott Alles in Allem“. Das Ziel des königlichen Hohepriestertum Jesu ist erreicht, wenn Alles so wiedergebracht ist, dass Gott keiner Vermittlung zwischen sich und seiner Kreatur mehr bedarf sondern unmittelbar selber „Alles in Allen ist“. [239] (1. Kor.15,28)

 

Auch für die unvollendeten Gläubigen bestehen Reinigungs- und Ausreifungsanstalten, durch welche sie vollends zubereitet werden zur Herrlichkeit. Es gibt unterschiedliche selige Geister, so also auch unterschiedliche Seligkeitsörter und Stufen der Seligen. Wenn ein Gotteskind stirbt, so weiß es, dass es in Begleitung der Engel und etwa derjenigen Geister, zu denen es kommen soll, durch Tod und Hölle wandern soll, angezogen mit einem weißen Kleid, einem weißen Stein in den Händen. Es weiß, dass wenn es den Ort der Freiheit erreicht hat, es  von keinem gehalten werden kann als ein Überwinder; auch in den Planetenwelten, Gerichts- und Feuerwelten nicht, die in der Kugel der Ewigkeit beschlossen sind.[240]

In der Wiederbringung aller Dinge laufen, wenn man es recht betrachtet, die Fäden des göttlichen Ratschlusses zusammen, hier fügen sich die Bausteine der Erkenntnis zum Ganzen. Sokrates, Seneca, Epiktet,[241] die von dem allgemeinen Licht zeugen, das alle Menschen erleuchtet die in diese Welt kommen, werden durch die Zubereitung in jener Welt weiter geführt werden und noch in dem verachteten Kreuz ihr Heil finden.

 

Swedenborgs Beschreibungen von Himmel und Hölle, denen übrigens Michael Hahn noch weitere beifügte, werden ins rechte Licht gerückt: die Hölle ist nur eine, wenn auch über die Maßen schreckliche Wiederbringungsanstalt.

Die Quintessenz der Lehren und das Denken Michael Hahns und anderer gnostisch- theosophischer Spekulanten,[242] kommt in den folgenden Worten zum Ausdruck:

„Der eine Pol am Globus der neuen Schöpfung ist die Rechtfertigung, der andere die Heiligung, der Äquator die Wiederbringung aller Dinge; die bewegende Kraft ist der souveräne Wille des Allerhöchsten, die Materie ist die Geistleiblichkeit aus Jesu, die Erkenntnis all dieses Lebens ist wahre Theosophie“.[243]

 

d)  Satan und seine endliche Wiederbringung – Der Feuersee als Wiederbringungsanstalt für Satan:

Luzifer wurde geschaffen nach der Gleichheit des Ein- und Erstgeborenen. So war Satan vor seinem Fall der König und die Sonne aller seiner Engel.[244]
„Auch der Teufel wird einmal selig“: ... Nein, es wird endlich kein Tod, keine Hölle, kein Feuersee, kein Satan und Belial mehr sein; denn so lange "Das" alles „ist“, kann Gott nicht selbst „Alles in Allem“ sein. Wenn aber Tod, Teufel und Hölle und also alles Böse nicht mehr ist, wo ist es dann hingekommen?

Ist es dann vernichtet und so aufgelöst und aufgehoben, dass es gar nicht mehr existiert und ist? Nein, es wird endlich kein Tod, kein Feuersee, kein Satan und Belial mehr sein. Wenn aber Tod, Teufel und Hölle, also alles Böse nicht mehr ist, wo ist es dann hingekommen?

Ist es vernichtet, so dass es gar nicht mehr existiert? Nein, das nicht; es ist durch den Wiederbringer und die Wiederbringungsanstalten herwiedergebracht.[245]

Das Kranke ist gesund und geheilt, das Tote lebendig gemacht worden; der Rebellen sind nun keine mehr; selbst der allerärgste, also der letzte Feind ist aufgehoben, es ist ihm etwas ganz naturwidriges beigebracht und eingegeben worden, er, Satan, hat Leben und Lebenskraft, Leben und unvergängliches Wesen  erwischt; das ist ihm wie ein Gift, so schnell hat es ihn durchdrungen.

 

Er konnte nicht mehr als Tod existieren. Und so ging es auch  der Hölle. Der sanfte und kraftvolle Wind, die Wirkung und Bewegung des göttlich- menschlichen  Geistes Jesu und die Einflüsse und Einwirkungen seiner Braut, seiner königlichen Priester in die Hölle sind alsdann  zu einer schnell sich verbreitenden Pestilenz geworden.

So kann dann die Hölle nicht mehr bestehen, sie muss sich, sie wird sich verändern. Wenn dann diese Feinde sich ganz umgewandelt haben und eine ganz neue Natur haben, wie sollte dann der, welcher Tod und Hölle verursacht, wie sollte Satan, sage ich, weiter als Rebell existieren können? Also auch er muss sich Gottes Erbarmen ergeben, nachdem er Gottes Gericht so lange getragen hat. Es kann nicht anders sein, alles wird erneuert, darum sage ich noch einmal: Es wird kein Tod, keine Hölle, kein Teufel mehr sein können, weil Gott Alles in Allen ist.[246]

Alle Kreaturen werden lauter in die allerreinste Gottesnatur verklärte,  mit der Gottheit erfüllte Substanzen sein, in unzerstörbarer Geistleiblichkeit, und Nichts wird in sein erstes Nichtssein zurückkehren können.[247]

 

Eine andere Wiederbringungsanstalt ist der „Feuersee“ aus Offb. 20/21, in den Satan und der letzte Feind, der Tod kommen. Hahn beschreibt nun noch ausführlicher wie der Prozess der Wiederbringung Satans stattfindet.

Das Feuer des Zornes Gottes, mit dem Satan sein Lebensrad entzündet hat, und worin er, als in seiner Mutter lebt und wirkt, wird ihn, als den Widerwärtigen, endlich verzehren und vernichten, dass ihm nichts bleibt als die Seele, wie eine Seele, die ohne Leib und Blut ist. Da mag er dann seine Begierde in das Blut Christi setzten, sich solches durchgehend glaubend im Gemüt vorstellen, und verstehen in seinen einst erneuerten Kräften, und alsdann mit dem Willen durch den Verstand in das Gedächtnis ziehen, und das so lange, bis Christus in ihm gestaltet wird als das göttliche Bild. Dann kann er Leiblichkeit bekommen im immerwährenden Anziehen des erneuernden Blutes Christi. Endlich bekommt er wieder Lebenswasser und Lebensfrüchte und kommt auf die neue Erde, wird da ein Untertan, und wenn auch er im Bild Gottes vollendet ist, so wird Gott sein „Alles in Allen“.[248] Satan gestaltet also durch Visualisierung und Imagination den Herrn Jesus Christus in sich selbst. Dies ist verwerfliches okkultes Denken, das Hahn hier zum Besten gibt.

Der Feuersee ist das »Putrefaktionsfass«,[249] in welches zum Zweck der Auseinandersetzung (Scheidung) Alles geworfen, was bis zum jüngsten Tag widerstanden hat, auch der Tod und die Hölle, dies ist der andere Tod. Ist Etwas nicht geschieden und aufgelöst worden am langen letzten Feuertag, so ist das dasselbe Ding, das in das Putrefaktions- oder Fäulungsfass, das ist in den anderen Tod geworfen wird; da wird es aufgelöst und auseinandergesetzt werden. Fleisch und Blut, das ist, seelische irdische Menschen können das Reich Gottes nicht erwerben. ... was ist aber mit diesen zu machen im Reich des Lichts? Antwort: Nichts.

Wo taugt es hin als in das Putrefaktionsfass, in den Feuersee, dass es all da auseinandergesetzt werde, den Lebenssamen empfangen und erst in das Lichtreich geboren werde.[250]

Dieser Ausdruck, den Hahn hier gebraucht stammt höchstwahrscheinlich von Oetinger und kommt aus dessen alchemistischer Praxis und Anschauung.[251]

Tod und Hölle müssen ihre Toten vor das Gericht geben. Beide werden in den Feuersee geworfen und als wieder zusammengesetzt in demselben, als in dem Fass der Verwesung zur Fäulnis gebracht und dann im Feuer abermals und öfters über sich und immer wieder herübergetrieben, dass endlich der Geist aus dem Fleisch herauskomme.[252]

 

Das ist gewissermaßen zeitgemäß ausgedrückt, der Vorgang einer Destillation. Das Putrefaktions- oder Fäulungsfass ist die Retorte, in der alles was nicht aus Gott ist, verbrannt, aufgelöst und vernichtet wird. Der „göttliche Funke“, die göttliche Restsubstanz die auch in Satan noch verborgen ist, bleibt erhalten, wird destilliert und kann zur Herrlichkeit kommen, weil dieser Funke göttliche und somit unsterbliche Substanz ist. Satan kann jetzt wiedergebracht und der Vollendung zugeführt werden.

Hahn schreibt über die Wiederbringung aller Dinge und die Aufhebung des Sündenfalls:

Wenn nach Ablauf von 49.000 Jahren, worauf die Schrift deutlich hinweist, die Strafen der Hölle ihren Zweck erreicht haben werden und alle Verdammten ihre Qual dem Satan in der Hölle zurücklassen, so wird er, als der Stifter und Erfinder alles Bösen, das 50. Jahrtausend allein in der Hölle sein. Erst bis dahin wird das rote Band weiß gebleicht sein. Ganz zerstören kann ihn, Satan, sein Schöpfer nicht, sonst müsste sich ja Gott selbst widersprechen.

Aber der Stifter alles Bösen wird das demütigste Geschöpf, und das wollte Gott. Auch an allen Übrigen, die in die Hölle kamen, ist nun der Liebeszweck und Gottes Absicht vollkommen erreicht, indem sie dann klein und geschmolzen genug sind. Alles Böse ist dann aus dem Schöpfungsraum ausgeätzt und in allen Unendlichkeiten kein Fall mehr möglich, denn auch der Teufel ist das demütigste Geschöpf geworden. Gott kann nun mit den Menschen, die ja seine Geschöpfe sind, ausführen, was er schon bei der Schöpfung im Sinn hatte.

Wenn Gott sein wird „Alles in Allen“, dann sind es ja Götter - und Götter sind schöpferisch.[253]  So wird also am Ende auch Satan noch zu einem Gott!!

 

e)  Wiederkunft  und Auferstehung
 

Bei den letzten Dingen handelt es sich namentlich um die Auferstehung der Toten, um Christi Wiederkunft und das tausendjährige Reich, um das Endgericht und die Wiederbringung aller Dinge. Über das zweite Kommen Jesu: Bei diesem zweiten Kommen wird die erste Auferstehung, die beim Tod Jesu in Jerusalem ihren Anfang nahm, vollendet. Ihr parallel geht nach der Meinung Hahns die Auferstehung der Erstlinge Satans - beides im Unterschied von der allgemeinen Auferstehung zum allgemeinen Weltgericht.

Nach Matthäus 27, 52 - 53 unterscheidet Hahn eine erste oder Auswahl- Auferstehung und eine zweite, allgemeine Auferstehung. (1. Thess. 4, 16) Die erste Auferstehung der  Auserwählten nahm ihren Anfang gleich nach der Auferstehung Jesu. Es waren alttestamentliche Heilige, die damals aus den Gräbern hervorgingen. Ihnen, so Hahn, sind seitdem ohne Zweifel viele Glaubenshelden aus dem neuen Bund nachgefolgt, und das wird so weitergehen, bis bei der Wiederkunft des Herrn dann die Märtyrer aus der antichristlichen Trübsal in großer Zahl auferstehen werden.[254] Wer Jesusähnlichkeit erlangt hat und ausgereift ist, darf auferstehen. Dass aber die einzelnen Menschen verschieden rasch ihrer Vollendung entgegen gehen, ist einleuchtend und erfahrungsgemäß. Deswegen, sagt Hahn, geschieht die Auferstehung in verschiedenen Zeiten und in verschiedener Herrlichkeit und Jesusähnlichkeit.[255]

 

Es wird in jener Welt viele Stufen der Seligkeit und ebenso auch viele Stufen der Qual geben. Wer allem gottwidrigen Wesen abstarb, kann vom Augenblick des Todes an selig sein. Der Zustand einer Seele, die ein schwachgeistliches Leben hat, bei der noch Abstreifungen und Reinigungen nötig sind, ist freilich ein ganz anderer. Sie können auf dem Weg durch Tod und Hölle viel Ungemach vom andern Tode erfahren, sie kann gehalten und eingekerkert werden.[256]

 Dazu der klare biblische Befund:

 

Mt 27,52     Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf

Mt 27,53     und gingen aus den Gräbern nach Seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.

Die Bibel unterrichtet uns jedoch nicht weiter, was mit diesen aus den Gräbern Auferstandenen  anschließend geschah.

 

Aus dieser Stelle allein kann m. E.  nicht auf eine Auferstehung und Verwandlung in den „neuen Leib“ geschlossen werden.
 

1Thes 4,16  ...  denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herniederfahren, und die Toten in Christus werden auferstehen zuerst.

1Thes 4,17     Darnach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft, und also werden wir bei dem Herrn sein allezeit.

 

1Kor 15,51- 52 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn  es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

 

Hahn steht hier im krassen Widerspruch zu Gottes Wort.

Hahn: Erleben alle Toten eine Auferstehung? Ja! aber nicht alle zur gleichen Zeit.

Die Bibel spricht von einer ersten Auferstehung, an der die Gerechten teilhaben und von einer Auferstehung zum Gericht für die im Unglauben Verstorbenen (Joh 5,29; 1Kor 15,22)

 

Frage: Was geschieht mit den Verstorbenen, die nicht zur ersten Auferstehung, der des Lebens, gelangten? Die Bibel antwortet: Diese kommen am jüngsten Tag zur Auferstehung des Gerichts; Offb 20,11.15 beschreibt den Gerichtsakt vor dem großen weißen Thron. Dort sitzt der Weltenrichter Jesus Christus, dem der Vater das ganze Gericht übergeben hat [257]

Die aufgeschlagenen Bücher geben Zeugnis von den Taten der Menschen, die unversöhnt in die Ewigkeit gingen. Das Maß der Strafe wird nach ihren bösen wie guten Werken bestimmt. Auch sie erfahren ein gerechtes Gericht. Zur Gegenkontrolle liegt dort auch das Buch des Lebens. In diesem stehen die Namen derer, die zum ewigen Leben eingegangen sind. Wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.[258]

Kein Mensch, keine einzige Seele wird verloren gehen, wenn es auch zuweilen eine unendlich lange Zeit dauern wird, bis die Seelen den Weg zu Gott gefunden haben; die Bibel spricht von Äonen, das sind Ewigkeiten![259]

An keiner Stelle der Bibel können wir von einer stufen- und schrittweisen Auferstehung lesen! All diese Aussagen die Hahn an dieser Stelle vertritt, sind ebenso wenig biblisch fundiert wie so vieles andere in seinen Lehren.

Hahn äußerte einmal zum Thema Ewigkeit:

Bedenken Sie nur, dass die Ewigkeit nicht Unendlichkeit heißt, so werden Sie finden, dass man die Wiederbringung aller Dinge sogar mit den Texten beweisen kann, mit welchen man dagegen gestritten hat.[260]

 

 

 

Wir meiden schändliche Heimlichkeit
und  gehen nicht mit List um,

fälschen auch nicht Gottes Wort,

sondern durch Offenbarung

der Wahrheit

empfehlen wir uns dem Gewissen

aller Menschen vor Gott.

 

2Kor 4,2

 

7. Die biblische Argumentation gegen die Wiederbringungslehre
 
a)      Gottes Reden ist immer eindeutig
 

Ohne Zweifel stellt sich die Wiederbringungslehre als trostreicher Ausweg zu dem in der Bibel klar formulierten ewigen Gericht dar und  klingt für Ohr, Gefühl und Verstand recht angenehm. Der menschlichen Vernunft, von Satan vernebelt,[261] ist es doch äußerst ungelegen, ein „Ewiges Gericht“, im Sinne von endlos und immerwährend zu akzeptieren. Gott, so wird ausgeführt, ist doch die » absolute Liebe « und deshalb erfährt die biblische Aussage vom „Ewigen Gericht“ bei den Anhängern dieser Lehre keine Zustimmung. „Er kann doch nicht so unversöhnlich, gnadenlos und unbarmherzig sein“, wie es in der Bibel vordergründig zu lesen ist. Es sei doch dies ein erbarmungsloses und falsches Denken, wie das auch Hahn selbst lehrt. Ihm sei die Wiederbringung schließlich von Gott selbst offenbart worden. Diese unbarmherzige Gericht würde der Liebe Gottes absolut nicht entsprechen und keinesfalls angemessen sein. Auch die Vielen, die noch nie etwas von Gott und Jesus Christus gehört haben, können doch nicht einfach verloren gehen.

 

Es wäre tatsächlich ein bestechender Gedanke, dass Gottes Gericht nicht endgültig ist und sich alles einmal in nie endender Harmonie auflöst. Es ist nur die Frage, warum das nicht klar und eindeutig in der Bibel zu lesen ist und man nur mit viel Aufwand, Kunstgriffen, Sonderoffenbarungen und dem Ausklammern vieler Bibelstellen zu dieser Lehre kommt, ja nach Aussagen dieser Leute  nur nach langem Mühen und besonderer Erleuchtung alles erfassen und verstehen kann.

Was mich persönlich im Zusammenhang mit der Wiederbringungslehre zu tieferem Nachdenken geführt hat, ist insbesondere die Geschichte und Vorgeschichte  des Sündenfalls wie wir sie  in 1. Mose Kapitel 2 und 3 beschrieben finden. Hier heißt es:

 

1Mo 2,16- 17 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allen Bäumen des Gartens; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welchen Tages du davon issest, musst du unbedingt sterben!

1Mo 3,1     Und die Schlange war listiger denn alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von den Früchten der Bäume im Garten?

1Mo 3,2      Da sprach das Weib zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten;

1Mo 3,3     aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esst nicht davon, rührt's auch nicht an, dass ihr nicht sterbt.

1Mo 3,4      Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben;

1Mo 3,5     sondern Gott weiß, dass, welches Tages ihr davon esst, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

1Mo 3,6     Und das Weib schaute an, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er lieblich anzusehen und ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte; und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß.

Die Folge davon,  Sterben, Vergänglichkeit, Tod; Verlust des ewigen Lebens, Fluch und Vertreibung aus dem Paradies.

 

1Mo 3,17   Und zum Manne sprach Gott: Weil du gehorcht hast der Stimme deines Weibes und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen -, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang.

 

1Mo 3,19    Und Gott sprach: Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis dass du wieder zur Erde kehrst, von der du genommen bist; denn du bist Staub und kehrst wieder zum Staub zurück!

 

1Mo 3,24      Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.

 

b)      Die Tragödie des Sündenfalls. Geistlicher und leiblicher Tod.

 

Diese geschichtliche Tragödie und die für uns alle sichtbaren Auswirkungen dieser folgenschweren Begebenheit, sind für jeden zu erkennen. Der entscheidende Schlüssel, um die Lehre und ihre gesamte Tragweite wirklich richtig erfassen, einordnen und beurteilen zu können, ist grundsätzlich das klare und unverfälschte Wort Gottes; es reicht völlig aus, die Wahrheit zu entdecken, wenn wir uns entschieden daran halten. 

Die Bibel berichtet uns mit einer erschreckenden Konsequenz an mehreren Stellen über ein doppeltes Sterben:  Nochmals:   

 

1Mo 3,19:  Einmal der leibliche Tod.

 

...  Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

 

Hebr 9,27     Und wie  den Menschen bestimmt ist, < einmal >  zu sterben, danach aber das Gericht:

Dann lesen wir auch von einem zweiten Tod, dazu wer diesem 2. Tod ausgesetzt sein wird:

 

Offb 21,8      Den Feiglingen aber und Ungläubigen und Gräulichen und Mördern und Unzüchtigen und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Teil sein in dem See, der von Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.

Offb 20,14     Und der Tod und das Totenreich wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod, der Feuersee.

 

Das Wort redet aber auch ganz eindeutig von der herrlichen Hoffnung der Kinder Gottes, dass wenn Er kommt, wie im Thessalonicherbrief ausgeführt, sie zum Ewigen Leben auferstehen werden.[262]

 

Offb 20,6      Selig und heilig ist, wer teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre.

 

Das sind klare und unmissverständliche Aussagen, die uns hier im Wort gegeben sind.

Nach der Vorstellung der Anhänger dieser Wiederbringungslehre gibt es ein „Ewiges, ein immerwährendes Gericht“ im Gegensatz zu den biblischen Aussagen also nicht einmal im Ansatz. Irgendwann einmal, wenn so und so viele Zeitabschnitte, Äonen vergangen sein sollen, kommt durch die Liebe Gottes alles unter die Herrschaft des Schöpfers - alles wird wieder in Gott zum Frieden, zur Versöhnung und Vollendung gebracht.

Dazu ein Abschnitt aus der Publikation eines Vertreters der Wiederbringungslehre in Form von Frage und Antwort:[263] Auch er behauptet von sich, eine Erleuchtung ähnlich wie Hahn erlebt zu haben.

 

c)    „Gibt es eine ewige Verdammnis“?

 

Antwort: Es mag eine Verdammnis geben oder ein Verlorengehen, oder wie man es noch bezeichnen will, aber bestimmt keine »ewige«. Das Wort „Ewigkeit“ ist im Urtext  aiOnos. Es ist der größte Zeitabschnitt in der Bibel. Im Laufe der Zeit hat der Begriff „ Äon “ die Bedeutung von Endlosigkeit angenommen. Das Wort Äon ist unübersetztes Griechisch. Der Äon ist der längste Zeitraum in der Bibel. Im Hebräischen heißt er »Olam« und hat dieselbe Bedeutung. Andere übersetzen diesen Begriff mit Ewigkeit oder mit verschiedenen Wörtern. Es gibt in der Heiligen Schrift kein Wort im Sinne von Endlosigkeit Es gibt in der Bibel vergangene Äonen, Ewigkeiten, einen gegenwärtigen bösen Äon,[264] eine gegenwärtige böse Ewigkeit, und dann noch zwei kommende Äonen. Erst dann kommt die Endlosigkeit, die aber der menschliche Verstand nicht zu erfassen vermag.[265]

Fischer weiter: Die welche an Jesus Christus glauben sind während der beiden letzten Äonen am Leben. (Millennium und neue Erde). Sie haben äonisches (ewiges) Leben. Alle andern kommen nicht in den Genuss äonischen Lebens.  Sie befinden sich bis dahin im ersten oder zweiten Tod[266] Die in den zweiten Tod kommen, werden bei der Vollendung, beim Abschluss der Äonen auferweckt und gerechtfertigt zu einem Leben der Herrlichkeit und Unsterblichkeit.[267]

Der zweite Tod wird bei der Vollendung aufgehoben, er ist der letzte Feind.[268]

Soweit H. Fischer.

Das Endgericht der Bibel ist also für ihn und seine Anhänger nicht existierend. Nun reicht eigentlich ein passives Warten bis ans Ende der Zeiten und alle erleben die paradiesische Herrlichkeit in der Gegenwart des Vaters.

Warum Jesus selbst immer wieder auf die Notwendigkeit der Errettung vor dem Gericht, der Nachfolge und Heiligung hinweist, ist dann allerdings ein Rätsel. Jeder könnte dann so leben wie es ihm gefällt, ebenfalls könnte der Missionsbefehl getrost beiseite gelegt werden. Die Bibel und der ganze von Gott gegebene Heilsplan wären eigentlich völlig unnötig, niemand braucht ihn zu wissen, es wird ja doch einmal alles gut.

Die Bibel dagegen weist uns klar auf die Realität des Sterbens und Gerichtes hin und erklärt uns:

Hebr 9,26- 28  ...Christus hätte sonst  oft leiden müssen vom Anfang der Welt an. Nun aber,  am Ende der Welt, ist er ein für allemal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben. ... Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.[269]

 

Jesus unser Herr ist gekommen um uns seine Gnade zu schenken:

 

1Petr 2,24  ... der  unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe  auf das Holz, damit wir,  der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.[270]

 

Eindeutig redet jedoch unser Herr von der Möglichkeit der Errettung oder Verdammnis:

 

Mk 16,16       Wer glaubt und getauft wird, soll gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden

.

Deshalb fordert uns Jesus auf:

 

Mt 7,13- 14  ... Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind's, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden!

 

Es gibt ausnahmslos nur den schmalen oder den breiten Weg; der von so Vielen gerühmte Mittelweg ist ein Weg der Kompromisse und führt ebenso ins Verderben wie der breite Weg. Zur Errettung gilt allein das glaubende Vertrauen auf Jesus als Herrn und Erlöser und anschließend das gehorsame Handeln nach Seinem Willen, wie in Seinem Wort aufgezeichnet. Wir sehen oben in Mk. 16,16 eindeutig die doppelte Botschaft von Gnade und Gericht.

Was ER durch Seinen Opfertod am Kreuz gewirkt hat, bezieht sich zuerst einmal auf das «HEUTE». Das Wort Gottes redet nie vom Warten auf bessere Zeiten, sondern  immer davon, dass der Mensch  also «HEUTE» solange er am Leben ist und Seine Stimme hört, auf Seinen Anruf antwortet, glaubt und gehorchen soll.

 

Hebr 3,12- 13  Sehet zu, ihr Brüder, dass nicht jemand von euch ein böses, ungläubiges Herz habe, im Abfall begriffen von dem lebendigen Gott; sondern ermahnet einander jeden Tag, solange es «HEUTE» heißt, damit nicht jemand unter euch verstockt werde durch Betrug der Sünde!

 

Hebr 3,15   Es heißt: » HEUTE «, so ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht, wie es bei der Verbitterung geschah« -

 

Und Sein Wort ist zuverlässig, Ihm dürfen wir unser Vertrauen schenken. Dies wussten schon die Väter des Alten Testaments.

 

4Mo 23,19        Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue. Sollte er etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten?

Ps 33,4     Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss.

Ps 93,5     Dein Wort ist wahrhaftig und gewiss; Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses, HERR, für alle Zeit.

 

Tit 1,9         ... er halte sich an das Wort der Lehre, das gewiss ist...

 

Denen jedoch, die Ihn ablehnen gilt folgendes:

 

2Thes 2,11-12   Darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, so dass sie der Lüge glauben, damit gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern Lust hatten an der Ungerechtigkeit.

 

d)      Gibt es nicht doch noch ein „Happy End“?

 

Im Gleichnis von den 10 Jungfrauen in Mt. 25 gibt es kein strahlendes »Happy End« für die fünf „Unklugen“; der Bräutigam macht hinterher nicht „klammheimlich“ doch noch die verschlossene Türe auf, um alles zu einem guten Ende zu bringen, so wie dies Friedrich Mayer in seinem „Leben Jesu“ schreibt. Für ihn ist dieser Ausschluss nach 1000 Jahren aufgehoben. Davon lesen wir jedoch nichts in der Bibel; das kann auch nach dem gesamten Schriftsinn nicht in dieses Gleichnis und andere, dieses Thema betreffende Bibelstellen hinein interpretiert werden.  Gott täuscht uns doch nicht in seinem Wort. Er lässt auch kein offenes Ende dieser Geschichte zu, wo sich jeder einen glanzvollen Schluss nach eigener Phantasie und Wahl erschafft. Man kann den Ernst dieses Textes auch nicht dadurch entschärfen, dass dieser nur für Israel gelten soll, wie so manche Anhänger behaupten. Israel wäre ja dann ebenfalls draußen vor der Türe. Sein Wort sagt uns:

2Tim 3,16   Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit,

 

Sein Wort ist immer eindeutig und wahrhaftig, niemals doppeldeutig. Gottes Wort hat unsere menschlich - ungeistliche Interpretation nicht nötig!!

 

Joh 14,6            Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben...

 

Joh 17,17        Heilige sie in der Wahrheit;  dein Wort ist die   Wahrheit.

 

Ps 119,160      Dein Wort ist nichts als Wahrheit, alle Ordnungen deiner Gerechtigkeit währen ewiglich.     

 

In Seiner großen Gnade lässt Er uns nicht im Ungewissen, Er teilt Seinen Kindern, der herausgerufenen Gemeinde, Seinen Plan und Willen mit:

 

Eph 1,9              Denn Gott hat uns wissen lassen das  Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte.[271]

 

Offb 21,5      Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss![272]

 

ER, unser auferstandener HERR bestätigt hier nochmals die Wahrheit seines Wortes.

e) „HEUTE “ ist diesem Haus das Heil widerfahren -  Rettung  „Jetzt“

 

So sagt es Jesus selbst.[273]  Sagt Er HEUTE, so meint Er auch „ HEUTE “ und nicht einen Zeitpunkt nach irgendwelchen langen Äonen in der fernsten Zukunft. Auch für den Schächer am Kreuz war dieses «HEUTE»  wörtlich gemeint!![274]

Wird einem Ertrinkenden ein Rettungsring zugeworfen, so muss er um gerettet zu werden, sofort zupacken, den Rettungsring ergreifen. Sicher wird er in der Todesgefahr nicht denken, dass es noch Zeit bis zum nächsten  Morgen hat. Diese Gelegenheit zur Rettung ist für ihn nicht wiederholbar. Morgen, nein schon nach wenigen Sekunden könnte es bereits zu spät sein -  Vorbei getrieben![275]  «HEUTE» und „jetzt“ ist die einmalige Chance zur Rettung. Ist der im Wasser Treibende erst einmal ertrunken, gibt es keine Möglichkeit mehr für ihn, sein Leben fortzusetzen. Sollte dies Gott alles so völlig anders gemeint haben als Er es uns in seinem Wort sagt? Was wäre das wohl für ein Gott auf dessen Wort kein Verlass ist? Er wäre nichts als ein leeres, unnützes Trugbild. Die Bibel bezeugt uns:

 

Ps 33,4- 5  Des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält Er gewiß. Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Güte des HERRN.

 

2Kor 6,2     Wenn Er spricht »Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen. « Siehe,  „jetzt“ ist die Zeit der Gnade, siehe, „jetzt“ ist der Tag des Heils![276]

 

Dieses „jetzt“  bedeutet auch „jetzt“, sofort und in der Gegenwart und nicht irgendwann. Dennoch ist Gottes Retterliebe so groß, dass Er  sogar zwei - oder dreimal Seine Hand nach uns ausstreckt, uns diesen geistlichen Rettungsring zuwirft. Aber nach Seinem Wort nicht im Jenseits, in fernen Äonen, sondern solange es „heute“ heißt![277]

 

Hi 33,28 -30  Gott hat mich erlöst, dass ich nicht hinfahre zu den Toten, sondern mein Leben das Licht sieht. « Siehe, das alles >tut Gott< „zwei- oder dreimal“ mit einem jeden, dass er sein Leben zurückhole von den (geistlich) Toten und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebendigen.[278]

 

Es wird hier ebenfalls augenfällig, dass es nicht der Ertrinkende ist, welcher den Zeitpunkt der Rettung bestimmt, sondern dass es im Ermessen des Retters liegt, ob und wann Er seine Rettungsaktion ausführt. Das Heil wird uns zugeeignet; niemand kann es sich nach seinem eigenen Willen aneignen wenn er gerade will. Paulus drückt diese Tatsache in den folgenden Versen klar aus:

 

Röm 9,15- 16     Denn er spricht zu Mose:[279] »Wem Ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.« So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.[280] 

Der Griff nach dem Rettungsring muss also dann erfolgen, wenn ER die Gelegenheit dazu gibt. Auch ein Zachäus[281] musste sich aufmachen und vom Baum steigen als Jesus bei ihm einkehren wollte.  Auch hier ging es um das „Heute und das Jetzt“. Die doppelte Botschaft von Gericht und Gnade ist andererseits auch in unseren Tagen bei vielen Verkündigern, die dogmatisch scheinbar nicht zu den Anhängern der Allversöhnung gehören, ebenfalls unerwünscht. Man spricht heute vielfach nur noch von Gottes Liebe und Gnade, tunlichst lediglich von der „Froh – und nicht von der Drohbotschaft“. Das ist genau das, was die meisten Leute vorwiegend hören wollen und viele moderne Verkündiger gehen auf diese Forderungen ein, predigen allein noch ein weiches, eingeschränktes und »humanistisches Evangelium«, zum Wohlfühlen und als Lebenshilfe gedacht.  Gott sagt in seinem Wort:

 

Jes 30,9- 10     Denn sie sind ein ungehorsames Volk und verlogene Söhne, die nicht hören wollen die Weisung des HERRN, sondern sagen zu den  Sehern: »Ihr sollt nicht sehen!« und zu den Schauern: »Was wahr ist, sollt ihr uns nicht schauen!  Redet zu uns, was angenehm ist; schauet, was das Herz begehrt!

 

Jer 13,10     Dieses Volk ist ein böses Volk; es will meine Worte nicht hören, es wandelt in der Verstocktheit seines Herzens und hängt an den fremden Göttern, um ihnen zu dienen und sie anzubeten. Darum soll es werden wie dieser Gürtel, der zu nichts mehr taugt.

 

So wie damals Israel, erleben wir dies heute in gleicher Weise. Gottes Wort sagt uns auch heute klar und eindeutig die frohmachende Botschaft:

 

JESUS CHRISTUS:

 

Es ist in keinem andern Heil,

auch ist kein andrer Name

unter dem Himmel den

Menschen gegeben,

durch den wir sollen

 

selig werden.

 

Apg 4,12
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Roland

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Re: Allversöhnung
« Antwort #10 am: 20 Dezember 2007, 21:57:34 »
Teil 5:


8. Sollte Gott gesagt haben?
 

a)  Bibelkritik - Der Angriff Satans auf das Wort Gottes.

 

Die Wiederbringungslehre ist genau besehen eine äußerst  gefährliche Art der Bibelkritik. Sie zieht das Wort Gottes und das Wort unseres Erlösers Jesus Christus in Zweifel, setzt es menschlicher  Beliebigkeit aus und wird dabei im Grunde genommen zur Lüge gemacht. Es war schon immer das Bestreben der Schlange, Gottes Wort zu verdrehen und als unglaubwürdig darzustellen, um den Menschen zu Fall zu bringen, ihn von der Gemeinschaft mit Gott zu trennen. Dies ist auch heute noch sein erklärtes Ziel. Es gibt kein automatisches „Versetztwerden“ in die Herrlichkeit Gottes am Ende der Zeiten, es gibt keinen  anderen, zweiten Weg zur Errettung, als allein der Glaube an das Opfer unseres Herrn Jesus Christus, auch wenn dies Satan auf vielfache Weise den Menschen nahe bringen will.

 

Jeder, der an der Bibel Abstriche macht oder hinzufügt was nicht geschrieben steht, ist im Grunde genommen ein Mensch, dem das Wort Gottes nicht ausreicht. Er meint Gottes Wort nachbessern zu müssen, die vom Geist Gottes inspirierten Schreiber der Bibel nach seiner eigenen Erkenntnis und Denkweise zu ergänzen oder korrigieren zu müssen.  Dies ist die Methode Satans, der sich über Gott erheben wollte!!

Nach dem biblischen Bericht vom Sündenfall erleben wir bei dieser Begebenheit den frontalen satanischen Anschlag auf die Wahrheit des göttlichen Wortes.

Das Einfallstor für seinen gerissenen Vorstoß war das erste Menschenpaar im Paradies. Es war ein unmittelbarer Angriff auf den allmächtigen Schöpfer und Erhalter dieser ganzen Welt und Seinen Plan der Erlösung.

 

Satan trug durch seine Lüge die Bibelkritik direkt ins Paradies und in die Herzen von Adam und Eva und fand rasch fruchtbaren Boden. Diese Kritik an Seinem Wort reicht seither ununterbrochen durch die ganze Menschheitsgeschichte bis in unsere Gegenwart hinein, ja ist heute zu einer mächtigen Flut angeschwollen die nicht nur die ganze säkulare Welt, sondern  auch schon viele Gläubige in  Kirchen und Gemeinschaften erfasst hat und immer mehr an Einfluss gewinnt. Das Wort Gottes hat vielfach auch in evangelikalen Kreisen nur noch teilweise den richtigen Stellenwert.

 

b)  Die Realität und Folgen der  Sünde

 

Wie uns die Bibel lehrt und wir täglich selbst an uns sowie der gesamten Gesellschaft feststellen können, war der Sündenfall ein außergewöhnlicher und bedeutsamer Triumph für Satan, den Widersacher Gottes. Die ganze Schöpfung wurde in dieses abgrundtiefe Verhängnis hineingezogen; seither leidet sie unter dem Fluch der Sünde, ja, die ganze Welt liegt im Argen.[282]

Wir lesen, wie Satan in Gestalt der Schlange das Wort Gottes in Zweifel zieht. „Ja, sollte Gott wirklich gesagt haben“? Meint ER denn das wahrhaftig so ernsthaft mit dem Sterben? So grausam und erbarmungslos kann doch Gott nicht sein! „ER ist doch ein Gott der grenzenlosen Liebe!“ Diese Äußerungen sind uns sicher auch heute nicht unbekannt. Der andere Aspekt ist, dass angezweifelt wird, ob Gott tatsächlich das Beste für den Menschen wollte, oder ob Er, so wie es auch heute noch Viele denken, uns keine Freude gönnt und alles vergällen will.

 

Satan verspricht den Menschen, zu werden wie Gott, er sichert ihnen die Unabhängigkeit von ihrem Schöpfer zu, er kommt dem Menschen gleichsam mit der Bibel, aber mit einem lügenhaft veränderten, nur teilweise richtigen Wort Gottes in der Hand entgegen. Wahrheit mit Lüge vermischt, so wie es auch bei der Versuchung Jesu in der Wüste geschah.

Was er im Grunde jedoch bietet und bewerkstelligt, ist am Ende die schreckliche Zerstörung des physischen wie auch des geistlichen Lebens. Er schafft es dadurch, die Menschen von Gott zu trennen und sie mit der gesamten Schöpfung ins Verderben zu reißen. Er ist in der Tat der Mörder und Lügner von Anfang an.[283] Satan hat durch seine listigen und trügerischen Worte unermessliches, ja tödliches  Verderben in die Herzen der Menschen eingesenkt. Gott, der den Tod des Menschen vorhergesagt hat[284] wurde von ihnen keinesfalls ernst genommen. Satan verdrehte und verfälschte Gottes heiliges Wort und fand bei Adam und Eva offene Ohren und Herzen. Dies ist Satans tödliche List. Den trügerischen Versprechungen Satans schenkten sie mehr Vertrauen als dem Herrn. Die Stimme des Betrügers, der Schlange, bekam bei ihnen größere Geltung als das Wort Gottes. Gott, der Herr selbst wurde dadurch zum Lügner gemacht.

 

Sein wie Gott; wissen was gut und Böse ist! Sterben? Nein – „ihr werdet bestimmt nicht sterben“. Wenn das kein verlockendes Angebot war! Wie schnell ist doch der Mensch willens, auch wenn er Gott, Jesus kennt, auf die Stimme des Widersachers zu hören. Auch wir selbst stehen immer wieder in der Gefahr, dem Zweifel und Ungehorsam zu Seinem göttlichen Wort in uns Raum zu geben! Nicht ohne Grund hat uns der Herr gelehrt zu beten: ... „Und führe uns nicht in Versuchung“ ...[285]

 

Tatsächlich schien es ja, als ob es Gott mit der Androhung des sofortigen Todes wohl doch nicht so folgenschwer gemeint haben könnte; ist doch dieser angedrohte Tod nicht unverzüglich mit der totalen Auslöschung der menschlichen Existenz sichtbar eingetreten. Es hat allerdings noch nicht einmal eine Generation gedauert, bis offenbar wurde, welch furchtbare Zerstörungen die Sünde, der Unglaube und Ungehorsam, im Inneren des Menschen angerichtet haben - bis der Tod wirklich sein erstes Opfer, nämlich Abel gefunden hatte.

Satan gebrauchte für diese schreckliche Mordtat an Abel dessen eigenen Bruder Kain. Die Sünde – das Böse musste sich nicht erst langsam in einer Art Evolution entwickeln, sie war sogleich nach dem Sündenfall voll ausgereift und mit all ihren erschreckenden Auswirkungen real vorhanden. Das war der physische, der sichtbare Tod. Bis heute erleben wir diesen Todesfluch in millionenfacher und erschreckender Weise. Niemand ist davon ausgeschlossen. Dies ist die bittere, für jeden erkennbare und allgegenwärtige Grundwahrheit.[286] Gott sagte jedoch schon vorher klar und eindeutig was Er vom Menschen erwartete:

 

1Mo 2,16-17 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allen Bäumen des Gartens;      aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welchen Tages du davon issest, musst du unbedingt sterben!

 

Realität ist, dass im Augenblick des Ungehorsams als Folge unmittelbar der »geistliche Tod« eingetreten ist. Dieser war und ist für menschliche Augen freilich nicht sichtbar. Dennoch ist dieser geistliche Tod eine in der Bibel fest und an vielen Stellen bezeugte Gegebenheit.[287] Die schwerwiegende Auswirkung dieses geistlichen Todes war die Trennung des Menschen von Gott dem Herrn, der Verlust des ewigen Lebens, der Zerbruch der ungetrübten Gemeinschaft mit Ihm. Anstatt  ungetrübte Liebesgemeinschaft – Trennung, anstelle dem grenzenlosen Vertrauen zu Gott – die Furcht vor Ihm, statt ewiges Leben in Harmonie mit dem Schöpfer – der leibliche und ewige  Tod, anstatt im Segen Gottes zu leben, erhielten die Menschen den tödlichen Fluch.[288] Nun stehen und leiden seither alle Menschen unter dieser Last, dem Zorn Gottes:

 

 Röm 1,18            Denn es wird offenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzen;

 Röm 2,5      Aber nach deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst du dir selbst den Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes,

Kol 3,6         ... um welcher Dinge willen der Zorn Gottes kommt über die Söhne des Ungehorsams;

Joh 3,36     Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, { nicht gehorcht} wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

 

Dieser Zorn Gottes gehört also auch zu den Folgen des Ungehorsams.

Der ganze göttliche „Heils – und Rettungsplan“ liegt dieser Realität eines doppelten Todes zugrunde. Alle Menschen seit Adam sind von Geburt an geistlich tot. Diese Grundwahrheit bezeugt uns die Schrift. Nur durch eine Neu- und Wiedergeburt, durch den Glauben an den Sohn Jesus Christus, den gekreuzigten und vom Tode auferstandenen und wiederkommenden Herrn, wird uns das neue Leben als Gabe Gottes geschenkt.[289] Wer von neuem geboren, wie es die Schrift sagt, stirbt nur den leiblichen Tod; der vom Geist gezeugte Mensch erleidet keinen zweiten Tod, da der Leben schaffende  Geist Gottes der in ihm wohnt, selbst unsterblich ist. Anders die nicht an Jesus Gläubigen. Sie müssen den zweifachen Tod erleiden, so wie es die Schrift sagt.

 

Offb 20,6     Selig und heilig ist, wer teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre.[290]

Offb 20,14     Und der Tod und das Totenreich wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod, der Feuersee.

Offb 21,8      Den Feiglingen aber und Ungläubigen und Gräulichen und Mördern und Unzüchtigen und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Teil sein in dem See, der von Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.

 

Wenn in der Vergangenheit und in unseren Tagen immer wieder Leute auftreten die den zweiten, den ewigen Tod leugnen und auf die abermalige Gelegenheit der Toten einer Hinwendung zu Jesus, oder auf die Möglichkeit einer „Stufenweisen Weiterentwicklung“ im Jenseits verweisen, so müssen wir auch hier anführen: " Sollte Gott wirklich gesagt haben "? Hier wird also Gottes unumstößliches Wort erneut, gerade sogar von so manchen „Frommen“ in Zweifel gezogen, der Kritik menschlicher Vernunft und Überlegung, dem eigenen Wunschdenken, oder sogar besonderer Offenbarungen über die Schrift hinaus, unterworfen. Das Wort Gottes bedarf jedoch  niemals einer Ergänzung und Erweiterung, ganz gewiss aber auch keinerlei Einschränkungen![291] Sein Wort ist ohne alle Einschränkung vollkommen!!

Paulus war dazu berufen, Sein Wort zur Vollkommenheit zu bringen, das heißt, Er hat ihm das Geheimnis Seines Willens, Seinen Plan offenbart.

 

Eph 1,9         Denn Gott hat uns wissen lassen das  Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte.[292]

 

Kol 1,25               ... deren Diener ich geworden bin nach der Verwaltung Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden: {Eigentlich voll zumachen, auf sein Vollmaß zu bringen}

 

Apg 20,27      Denn ich habe nichts zurückbehalten, dass ich euch nicht den ganzen Ratschluss Gottes verkündigt hätte.

 

Was Gott in Seinem Wort gegeben hat, reicht also aus, um den Weg der Errettung eindeutig und klar zu erkennen. Sein Wort ist auch kein unvollkommenes Stückwerk, der Ergänzung bedürftig. Gottes Wort ist niemals unvollkommen. Alle Ergänzungen - und klingen sie dem Ohr noch so wunderbar und erhaben – sie sind wertlos und führen in die Irre.

 

1Kor 13,9     Denn wir erkennen stückweise,[293] und wir prophezeien {O. weissagen; wie Kap. 14,1+3} stückweise;  (aus Teilen)1Kor 13,10     wenn aber das Vollkommene[294] gekommen sein wird, so wird das, was stückweise ist, weggetan werden.[295]

 

c) Der Weg in das Reich Gottes - Wiedergeburt

 

In Joh. Kap. 3 wird uns unmissverständlich dargelegt, was die Bedingungen sind um das Reich Gottes zu sehen und in das Reich Gottes einzugehen:

 

Joh 3,3     Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen!

Joh 3,5     Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen!

Joh 3,6     Was aus dem Fleische geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, das ist Geist.

 

Mk 10,15    Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

 

Der „nicht Wiedergeborene“ kann also die Herrlichkeit weder sehen, noch kann er in das Reich Gottes eingehen und hineinkommen.

Diese Worte aus dem Mund unseres Herrn Jesus Christus sind eindeutig, sie in Zweifel zu ziehen bedeutet im Grunde genommen den Herrn als Lügner, Sein Wort als nicht der vollen Wahrheit entsprechend, darzustellen.

 

Was bedeutet diese Wiedergeburt, wie geschieht das?

Hes 36,25   Gott spricht: Ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von aller eurer Unreinigkeit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen.

Hes 36,26   Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euch legen; ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben;

Hes 36,27   ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Satzungen wandeln und meine Rechte beobachten und tun.

 

Tit 3,5         ... hat er - nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit - uns gerettet durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes.

 

1Petr 1,23   als die da wiedergeboren sind nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige und bleibende Gotteswort!

 

Nichts anderes als das will uns Jesus mit seinem Wort sagen:

 

Offb 21,5     Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!

 

Auch das deutet auf eine Neugeburt, durch Sein Wort gezeugt, durch Sein Blut gewaschen und rein gemacht, durch den Glauben an Sein Wort gerettet.

 

Joh 1,13     welche nicht aus dem Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

 

Jak 1,18     Nach seinem Willen hat er uns erzeugt durch das Wort der Wahrheit, damit wir gleichsam Erstlinge seiner Geschöpfe seien.

 

Sollten wir Jesu Wort, der von sich bezeugt dass ER die Wahrheit ist, zur Lüge herabwürdigen??

 

Jesus: Wahrlich, wahrlich,

ich sage dir, wenn jemand nicht

aus Wasser und Geist geboren wird,

so kann er nicht

in das Reich Gottes eingehen!

 

 

Joh 3,5

 

9. Gibt es für die Toten nochmals eine Gelegenheit zur Umkehr?

Umgang mit den Totengeistern.

 

a) Leiblicher Tod -  ewiger Tod.

 

Wir konnten nun feststellen, der leibliche Tod ist eine konkrete  Tatsache, warum sollte dann der geistliche, ewige Tod weniger real, nur zeitlich begrenzt sein? Sollte Gott seinen  Fluch etwa nicht in dieser Weise gemeint haben?  Er, welcher die Wahrheit ist, belügt uns doch niemals!!.

In unseren Tagen begegnet uns nun diese oben erwähnte Bibelkritik auch in so manchen Kreisen, die sich überdies als besonders bibeltreu bezeichnen und den Anschein erwecken, allein das Wort Gottes gelten zu lassen. Diese Tatsache macht die ganze Angelegenheit für viele Gläubige, die sich nicht entschieden an das Wort halten, die alles gutgläubig und ungeprüft von ihren Lehrern[296] aufnehmen, besonders gefährlich. Sehr häufig sind das sogar hochgeschätzte Namen in der „frommen Welt“. Paulus ermahnt uns:

 

Röm 12,2     Und seid nicht gleichförmig (nicht angepasst)  dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.

 

In diesem Vers werden die Voraussetzungen aufgezeigt, die uns überhaupt einmal in die Lage versetzen auf rechte Art und Weise prüfen zu können. Der Weg führt über die Buße, die Neugeburt durch seinen Geist und den Gehorsam zu seinen Weisungen. Deshalb:

 

Eph 5,10     ... prüfet, was dem Herrn wohlgefällig ist.

 

1Jo 4,1            Geliebte, glaubet nicht jedem Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen.

 

b)  Gibt es eine zweite Chance für im Unglauben Verstorbene?

 

Ein drittes, allerdings sehr wenig in die Öffentlichkeit gedrungenes, kaum beachtetes, aber doch äußerst schwerwiegendes Element innerhalb der Allversöhnungslehre, ist das Denken und der Glaube so mancher dieser Lehrer und ihrer Anhänger, dass die „Unselig Verstorbenen“ als Totengeister um uns her sind und diese das Evangelium nach ihrem Tod noch hören und aufnehmen können, so dass sie schlussendlich in das Paradies, ins Himmelreich eingehen können.[297] „Geistbegabten“ Seherinnen und Sehern[298] erscheinen sichtbar die Totengeister als dunkle Schatten und geben sich ihnen als bestimmte, schon verstorbene Personen zu erkennen.[299]

Vielfach sollen es solche sein, die in ihrem Leben ein schreckliches Verbrechen vollbracht haben. Diese Totengeister erscheinen oft in dämonischer Gestalt, als Spuk - und Poltergeister, geben sich selbst als Verstorbene, nach Erlösung dürstende Geister, bewegen und zerstören Gegenstände, belästigen und quälen diese „Sehenden  Menschen“ auf das Schrecklichste.

Häufig sind es Frauen, denen diese Spukgestalten bevorzugt erscheinen, ja, sie bringen diese Frauen nicht selten sogar bis an den Rand des Todes.[300]

Manche dieser Medien fallen in Trance und machen mit ihrem Leitgeist oder anderen Geistern Reisen zu fernen Planeten im Sonnensystem, ja sogar zur Sonne, wo die Totengeister jetzt angeblich wohnen und von schon abgeschiedenen Glaubenszeugen, aber auch von antiken Philosophen wie Sokrates, oder Dichtern wie Goethe, gelehrt und weitergeführt werden. Swedenborg z.B. beschrieb ausführlich seine Besuche in der Totenwelt, im Himmel und in der Hölle. Seine Erfahrungen wurden viel beachtet und hatten große Auswirkungen unter anderem auf Oetinger, Oberlin, Jung - Stilling, Goethe, Schiller, Blumhardt und andere.

Diese „Glaubensväter“ also, hatten Umgang mit den Totengeistern, predigten ihnen nachts in der Kirche oder auch im Freien unter Bäumen, beteten für ihre Erlösung, redeten mit ihnen und dergleichen mehr. Die Totengeister, so wird berichtet,[301] werden dann mit der Zeit immer heller und lichter, erfassen mehr und mehr die Gnade, bis sie dann so weit zubereitet sind, dass sie in die Herrlichkeit Gottes eingehen können um dann nicht mehr erscheinen zu müssen. Dabei verbietet die Bibel, das lebendige Wort Gottes, ganz entschieden jeglichen Umgang mit den Toten. Es ist erschütternd, mit welcher Ignoranz diese „Glaubensväter“ sich über Gottes Weisungen hinweggesetzt haben und dies auch noch heute bei so manchen der Fall ist.

Ausführlich hat sich auch der bekannte, schon verstorbene Evangelist Dr. Gerhard Bergmann mit diesem Thema auseinandergesetzt. In seinem Buch,  »...und es gibt doch ein Jenseits «, will er mit Hilfe vieler okkulter und spiritistischer Geschehnisse, die er untersucht und kommentiert hat beweisen, dass doch tatsächlich ein Jenseits existent ist. Dazu braucht Bergmann ca. 300 Seiten! Als ob uns das Wort Gottes nicht genügend Tatsachen und Beweise liefert. Ohne Hemmungen lässt er hier Spiritisten und Okkultisten zu Wort kommen, wie C.G. Jung und auch Thomas Mann, der seine Teilnahme an einer spiritistischen Sitzung beschreibt. Hellseherinnen, wie die Amerikanerin Jane Dixon fehlen auch nicht unter seinem „Beweismaterial“. Dies ist für mein Empfinden ein äußerst fragwürdiges und gefährliches Unterfangen. Bergmann schwelgt geradezu in den okkulten Erlebnissen seiner beschriebenen Fälle, die er breit und ausführlich darstellt. Bemerkenswert ist, dass auch er die Dämonen einmal als gefallene Engel, andererseits auch als abgeschiedene, ruhelose, gottwidrige  Menschen ansieht. Kommentarlos übernimmt er die Ausführungen Blumhardts, dass die Totengeister Erlösung suchen und auch erhalten.[302]
Bergmann beruft sich in seinem erwähnten Buch auch auf die Tübinger Theologieprofessoren  Adolf Köberle und Karl Heim. Auch sie glauben an Erscheinungen von Toten, die aus dem Jenseits als Wiedergänger und Spukgestalten erscheinen können.[303] Prof. Heim erklärte seinen Studenten: „Die Toten sind uns näher als wir denken“.

Was ist nun die Schlussfolgerung all dieser Erwägungen?

Es ist aus dem Wort absolut nicht ersichtlich, dass es diese Möglichkeit einer „automatischen“ Errettung am Ende der Äonen gibt, auch wenn dieser Gedanke mit viel Aufwand aus dem Wort und menschlicher „Scheinlogik“ konstruiert wird. Dies ist der große und lügenhafte Betrug Satans, der nicht will, dass Menschen vor dem ewigen Gericht errettet werden. Gottes Wort dagegen gibt uns klaren Aufschluss über den Heilsweg in Jesus Christus. Nach den Ausführungen der Befürworter dieser Lehren gibt es also zwei Wege zu Gottes Reich. Einmal der „Schmale Weg“ wie ihn Jesus in seinem Gleichnis beschreibt.

Da geht es im Gehorsam und Verzicht auf die falschen Werte und Güter dieser Welt der Herrlichkeit entgegen. Diesen Weg sind schon viele Glaubenszeugen gegangen, sogar bis in den Tod. Wir lesen davon im Alten wie im Neuen Testament. Besonders der Hebräerbrief hebt diese Gläubigen im Kapitel 11 hervor. Für uns zur Nachahmung empfohlen.

Der zweite Weg in die Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus soll nun nach den Vertretern der Wiederbringungslehre auch auf dem breiten Weg, der aber nach Aussage des Herrn Jesus Christus ins Verderben, in den Tod führt, möglich sein??? Dabei genießt der Mensch sein Leben in vollen Zügen, sündigt, lehnt Gott ab, lästert, mordet und lebt sein eigenes Leben.

Diese Einstellung widerspricht Gottes Wort. Gottes Wort fordert uns auf, kein Bild von Gott zu machen. Dabei geht es sicher nicht nur um ein handgemachtes Götzenbild, sondern auch um ein von uns nach eigener Vorstellung konstruiertes inneres Bild, wie Gott zu sein hat.

 

c) Bibelkommentare zu Entscheidung für Jesus im Jenseits.

 

Hier auszugsweise aus einem  Kommentar von Heiko Krimmer  und Martin Holland zitiert:
An dieser Stelle heißt es in der Erklärung zu 1.Petr.  3,19 - 20:

„Als der Auferstandene, der Sohn Gottes in Vollmacht, ist er - und das ist die zweite herrliche Auswirkung - hingegangenen zu den Geistern im Gefängnis. Christus hat das Gefängnis des Todes, des Bösen erobert. ...

Diesen im Unglauben Gestorbenen hat Christus gepredigt. Das griechische Wort „euaggelizestai“ (euaggelizestai) - unser Wort „evangelisieren“ - macht deutlich, dass es um die Verkündigung des Evangeliums, der frohen Nachricht von der ewigen Rettung geht.

Es wird in dieser Auslegung erklärt, dass es nach dem Tode im Totenreich nochmals eine Gelegenheit die Botschaft der ewigen Rettung durch Jesus Christus, zu hören gibt. Allerdings steht hier im griechischen Urtext nicht das Wort evangelisieren, (euaggelizestai) sondern vielmehr das Wort kerysso, (khrussw)  „herolden“.[304]

Der Kommentar bei Krimmer zu Kapitel  4,6  klingt ähnlich.

Hier heißt es:

Es ist ein Gericht, das eben nach dem Maßstab geschieht, wie ein Mensch zu Jesus steht. Auch der Ausdruck Gericht nach den Werken sieht die Werke des Menschen unter der Frage: Wer hat gewirkt? Dieser Maßstab des Gerichts gilt auch für die Verstorbenen, die nie etwas vom Evangelium gehört haben. Christus hat auch ihnen das Evangelium verkündigt.

So ist auch im Totenreich Rettung und Entscheidung möglich. Diese ungläubig Verstorbenen sind nach Menschenweise gerichtet worden im Fleisch. Das ist geschehen im Tod. Gott will aber Rettung und ewiges Leben „jedem Menschen“ geben.[305] Deshalb hat Christus den uns ähnlich Verstorbenen die Rettungsbotschaft gepredigt, damit sie sich noch für das Leben nach Gottes Weise, wie es Gott angemessen ist, wie er es geben will, entscheiden konnten.

Auch Bruns gebraucht in seiner Übersetzung von 1Petr.3,18 statt dem Wort kerysso / herolden, das Wort „euaggelizomai“ „Evangelium verkünden“. Dies ist eindeutig falsch, dieses Wort steht im Urtext einfach nicht da.
Ich denke,  dies sind unzulässige und weit über den Textsinn hinaus gehende Aussagen. Erstaunlich, dass hier die beiden Kommentatoren sich zu  solchen Äußerungen versteigen. Leider sind sie nicht die Einzigen, die solche Gedanken verbreiten. Die Kommentare von William Barclay  und Theodor Schlatter[306] bringen dieselben Gedanken in ihren Auslegungen.

Schaut man sich nun die Verse einmal genau an, so kann man auch zu anderen Schlüssen kommen. In Kapitel 3, 18 - 20  lesen wir ausdrücklich von den »Geistern« zur Zeit Noahs, die das Rettungsangebot, die „Frohe Botschaft“ von Noah verkündet, zwar gehört, aber dennoch abgelehnt und ignoriert hatten. „Was“ unser Herr ihnen „geheroldet“, proklamiert hat, wird an dieser Stelle nicht näher ausgeführt. Er kann ganz einfach die Tatsache Seines Sieges und der Auferstehung, seiner vollbrachten Opfertat am Kreuz von Golgatha, im Totenreich verkündigt haben. Besonders bemerkenswert ist die Aussage, dass Er den „Geistern im Gefängnis“ „geheroldet“ hat.

Im Mittelalter rief der Herold des Kaisers ganz einfach eine Botschaft des Herrschers an seine Untertanen aus. Der Inhalt konnte tatsächlich verschiedener Natur sein.

Was ist ein nun in unserem Sprachgebrauch ein Gefängnis?  Dies ist ein abgeschlossener Ort, und es besteht keine Möglichkeit, dieses Verließ nach eigenem Gutdünken zu verlassen. Man vergleiche mit Lukas 16!! Dies alles widerspricht der Lehre der Allversöhnung aufs Schärfste. Entweder hat die Bibel Recht, dann gibt es diese Möglichkeit nicht; wenn jedoch die „Pseudooffenbarungen“ dieser „Theosophen“ Gültigkeit haben, wäre damit die Bibel in das Belieben dieser falschen Propheten gestellt. Ganz anders dagegen lesen wir in 1. Petr. 4,6.

 

Hier wird den »Toten« ausdrücklich das Evangelium, die „Freudenbotschaft“ verkündet. Vergleicht man wieder mit Lk. 16, so kann man  unschwer eine Verbindung mit »Abrahams Schoß« herstellen, dem Teil des Totenreichs, wo die Gläubigen ohne Leiden in Harmonie beisammen sind.

Unmissverständlich wird hier nicht von einem Gefängnis gesprochen. Nach den schon oben erwähnten Stellen, bei denen Gläubige außerhalb des Totenreiches sichtbar in Erscheinung traten, sind diese also nicht im Zustand einer Gefangenschaft, sondern können, wenn es Gott für angemessen und notwendig erachtet, auch bestimmten Leuten  sichtbar erscheinen.

 

Petrus spricht in Kap. 4,6 davon, dass   diese Toten zwar nach dem Fleisch gerichtet sind, also dass  sie wie alle Menschen um der Sünde willen, die schließlich jeden Menschen betrifft, den leiblichen Tod erleiden mussten.[307]  Aber, und nun kommt der große Unterschied zu den Versen in Kapitel 3, dass  jetzt  diese < Toten > nach Gottes Weise im Geist leben sollen. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Diesen Toten wurde also die von ihnen lang ersehnte, geglaubte und erwartete Siegesbotschaft, die große Freude verkündigt. Jesus Christus, der Messias, ist auferstanden von den Toten, ER lebt!! Er hat das Werk der Erlösung durch sein Opfer am Kreuz vollbracht.

Diese genannte Personengruppe befand sich demzufolge ganz sicher an dem Ort, der im Wort »Abrahams Schoß« genannt wird. Sie waren die Leute, von denen das Wort berichtet:

 

 Mt 13,17   Wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt, zu sehen, was ihr

                    seht, und haben's nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben's nicht gehört.

1Petr 1,10     Nach dieser Seligkeit  haben gesucht und geforscht die Propheten, die von der Gnade geweissagt haben, die für euch bestimmt ist.

 

d)  Totenerscheinungen, das Zeugnis der Bibel.
 

Wir lesen in der Bibel nichts Positives  von dieser oben angeführten  „Geisterlehre“.

Da hören wir einmal die Geschichte von König Saul in 1. Samuel 28.

Durch seinen Ungehorsam war der Geist Gottes von ihm gewichen. Verzweifelt und ratlos, zur Umkehr nicht mehr fähig, machte er sich auf den Weg zur Hexe, zur Geisterbeschwörerin nach Endor, um von ihr den Propheten Samuel aus dem Totenreich herauf holen zu lassen.[308] Wir kennen sicher diese rätselhafte Geschichte und ebenso Sauls schreckliches Ende.

 

Samuel erschien tatsächlich zur großen Bestürzung der Beschwörerin, die um ihr verbotenes Tun wusste. Man kann nun darüber reflektieren, ob es der Hexe tatsächlich gelungen sein soll, mit Hilfe ihrer dämonischen und magischen Zauberkunst, den Diener Gottes aus dem Totenreich zu holen. Das halte ich allerdings für äußerst unwahrscheinlich.  Vielleicht hat es Gott sogar selbst angeordnet, um das Gericht durch den Propheten Samuel dem abgefallenen König Saul zu verkünden? Verschiedene Ausleger beurteilen dies unterschiedlich.

Es ist schwer vorstellbar, dass die Dämonen wirklich diese Macht haben, < Gotteskinder > aus der Unterwelt, dem Hades, zu holen. Die Frau war auf jeden Fall tief entsetzt darüber, dass Samuel tatsächlich erschienen ist. Allem Anschein nach hatte sie niemals mit der tatsächlichen Erscheinung des Propheten gerechnet, sondern eher einen ihr bekannten Dämon erwartet. Den zweiten Fall, in welchem die Bibel die Erscheinung schon gestorbener Menschen erwähnt, berichten uns die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas.  Es ist die Geschichte von der  Verklärung Jesu: Hier erscheinen Mose und Elia[309], zwei der größten Propheten und Glaubenszeugen der Bibel überhaupt. Und sie erschienen wiederum nur den von Jesus selbst auserwählten Jüngern. Das war kein dämonischer Geisterspuk wobei den Augenzeugen bange wurde, hier war ein Ort des Wohlbefindens, hier zeigte sich die göttliche Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes.

Lk 9,28 ff:    Und es begab sich, etwa acht Tage nach diesen Reden, dass Er mit sich nahm Petrus, Johannes und Jakobus und ging auf einen Berg, um zu beten.  29.            Und als er betete, wurde das Aussehen seines Angesichts anders, und sein Gewand wurde weiß und glänzte. 30. Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm; das waren Mose und Elia. 31. Sie erschienen verklärt und redeten von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte. 32. Petrus aber und die bei ihm waren, waren voller Schlaf. Als sie aber aufwachten, sahen sie, wie er verklärt war, und die zwei Männer, die bei ihm standen. 33. Und es begab sich, als sie von ihm schieden, da sprach Petrus zu Jesus: Meister, hier ist für uns gut sein! Lasst uns drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Er wusste aber nicht, was er redete. 34. Als er aber dies redete, kam eine Wolke und überschattete sie; und sie erschraken, als sie in die Wolke hineinkamen. 35. Und es geschah eine Stimme aus der Wolke, die sprach:  Dieser ist mein auserwählter Sohn; den sollt ihr hören!
Von der dritten Begebenheit bei welcher Verstorbene aus den Gräbern hervorgingen und sichtbar wurden, wird uns im Matthäus  Evangelium im Zusammenhang mit der Auferstehung unseres HERRN Jesus berichtet:

 

Mt 27,51- 53  ... Und siehe, der Vorhang im Tempel riss entzwei von oben bis unten, und die Erde erbebte, und die Felsen spalteten sich. Und die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf und gingen aus den Gräbern hervor nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.

 

In allen drei Begebenheiten welche uns die Bibel berichtet, erkennen wir, dass bei all diesen Geschehnissen ausschließlich Gläubige des Alten Testaments das Totenreich verlassen konnten und lebenden Menschen sichtbar erschienen. Gottes Wille war es, die Totenwelt für diese Männer durchlässig zu machen. Wir haben keinen einzigen Vorgang in der Bibel, der uns berichtet, dass im Unglauben verstorbene Menschen ihr Gefängnis verlassen konnten. In der oben zitierten Bibelstelle aus Mt 27 wird in keiner Weise etwa von Geistern gesprochen, sondern ausdrücklich von Leibern!!

e)  Was sagt die Bibel über das Jenseits?

 

Schauen wir uns noch die Geschichte des „Reichen und des armen Lazarus“ an, so bekommen wir dazu noch näheren Aufschluss: Lk 16,20 ff

 

Ein Armer aber, namens Lazarus, lag vor dessen Tür, voller Geschwüre, 21. und begehrte, sich zu sättigen von dem, was von des Reichen Tische fiel; und es kamen sogar Hunde und leckten seine Geschwüre. 22. Es begab sich aber, dass der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Es starb aber auch der Reiche und wurde begraben. 23. Und als er im Totenreich seine Augen erhob, da er Qualen litt, sieht er Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. 24. Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle; denn ich leide Pein in dieser Flamme! 25. Abraham aber sprach: Sohn, bedenke, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben und Lazarus gleichermaßen das Böse; nun wird er getröstet, du aber wirst gepeinigt. 26. Und zu alledem ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt, so dass die, welche von hier zu euch hinübersteigen wollen, es nicht können, noch die von dort es vermögen, zu uns herüber zu kommen.

27. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn in das Haus meines Vaters sendest 28. denn ich habe fünf Brüder -, dass er sie warne, damit nicht auch sie kommen an diesen Ort der Qual! 29. Spricht zu ihm Abraham: Sie haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören! 30. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun! 31. Er aber sprach zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten auferstände.

           

 

Es wird deutlich, dass das Totenreich, der Hades, aus zwei verschiedenen Abteilungen besteht. Einmal ist das der Ort der Qual, in dem sich der Reiche befindet. Dann wird von Abrahams Schoß, dem Ort des Trostes, der  Freude und des Wohlergehens berichtet. In diesem paradiesischen Ort befindet sich Lazarus. Zwischen diesen beiden Orten ist eine unüberwindliche Kluft befestigt; zwischen beiden Orten ist kein Brückenschlag möglich.

Es gibt keine Möglichkeit dem Reichen in seiner Qual Hilfe zu bringen. Dies ist eine bestürzende Sachlage. Obwohl der Reiche nun seine Situation klar erkannt hatte, er zeigte sogar Reue und wollte seine ungläubigen Brüder  warnen lassen  -  es gab für ihn keine Gelegenheit mehr seinen Zustand zu verändern. In der Tat, es gibt wahrhaftig ein „Zu Spät“!! Nach dem Tod, so belegt es uns hier Gottes Wort, gibt es keine Möglichkeit mehr zu einer Umkehr.

 

Dass es im Hades, im Totenreich keine Gelegenheit zur Umkehr und Rettung mehr gibt, beweist auch das Wort in Offenbarung 21, wo Satan 1000 Jahre gebunden ist. In dieser langen Zeit, wo der Sieg unseres Herrn so gewaltig offenbar geworden ist, lesen wir nicht einmal etwas im Ansatz davon, dass Satan zur Buße bereit war. Nachdem die 1000 Jahre um sind und er wieder los ist, beginnt er wiederum die Menschheit zu verführen und gegen Gott zu streiten.

 

Offb 20,2     Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, welche der Teufel und Satan ist, und band ihn auf tausend Jahre

Offb 20,3     und warf ihn in den Abgrund und schloss zu und versiegelte über ihm, damit er die Völker nicht mehr verführte, bis die tausend Jahre vollendet wären. Und nach diesen muss er auf kurze Zeit losgelassen werden.

Offb 20,7     Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden,

Offb 20,8     und er wird ausgehen, die Nationen zu verführen, die an den vier Ecken der Erde sind, den Gog und den Magog, sie zum Kampfe zu versammeln; ihre Zahl ist wie der Sand am Meer.

Satans Ende ist in den anschließenden Versen dokumentiert:

 

Offb 20,10     Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo auch das Tier ist und der falsche Prophet, und sie werden gepeinigt werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Dazu wieder ein Zitat aus Hermann Fischer[310] das zeigt, wie man in Allversöhnungskreisen auch mit dem Wort Gottes umgehen kann.

 

„Was haben der reiche Mann und der arme Lazarus zu sagen?

Diese Geschichte ist kein Evangelium!, sonst würden ja alle Armen in den Himmel kommen und die Reichen in die Hölle. Dies ist ein Gleichnis. Der Tod ist hier bildlich gemeint.

 

Wir haben hier die Flammen des Antisemitismus, nicht die sogenannte Hölle oder den Feuersee. Es ist unmöglich solche Gleichnisse  wie Abrahams Schoß buchstäblich zu nehmen. Wie töricht, ein missverstandenes Gleichnis anzuführen, um allem zu widersprechen, was Gott vorher über den Todeszustand gesagt hat“.

Ein Kommentar dazu erübrigt sich an dieser Stelle.

Nochmals zu den Bibelstellen im  Petrusbrief:

 

Häufig werden ja in Allversöhnungskreisen die Texte aus dem 1. Petrusbrief zur Untermauerung ihrer Lehren herangezogen:

 

1Petr 3,18 - 19  Denn auch Christus hat einmal  für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. In ihm ist er auch hingegangen und hat gepredigt  (= kerusso / herolden) den »Geistern im Gefängnis«, 20. die einst ungehorsam waren, als Gott harrte und Geduld hatte zur Zeit Noahs, als man die Arche baute,  in der wenige, nämlich acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch.

 

1Petr 4,6     Denn dazu ist auch den »Toten« das Evangelium verkündigt,[311] dass sie zwar nach Menschenweise gerichtet werden im Fleisch, aber nach Gottes Weise das Leben haben im Geist.

 

2Petr 2,4     Denn wenn Gott Engel, welche gesündigt hatten, nicht verschonte, sondern, sie in den tiefsten Abgrund {Eig. in den Tartarus; griech. Bezeichnung für den qualvollen Aufenthaltsort der abgeschiedenen Gottlosen} hinabstürzend, Ketten der Finsternis überlieferte, um aufbewahrt zu werden für das Gericht.

                   (Unrev. Elberfelder 1905)

 

Aus diesen Versen heraus wird nun abgeleitet, dass es angeblich nach dem Tod doch nochmals eine Gelegenheit gibt, gerettet zu werden.
 

Ein weiteres Gegenargument:

Der wichtigste Zeuge indessen ist jedoch unser auferstandener Herr, Jesus Christus selbst. Wem ist Er erschienen? Einmal Seinen Jüngern und Nachfolgern![312] Am Schluss noch Saulus (Apostel Paulus) bei seiner Berufung vor Damaskus. Nicht alle seine Begleiter konnten IHN damals sehen, nur Saulus allein hatte dieses Vorrecht.[313] Auch diese Begebenheit war keine „Geistererscheinung“, sondern die reale Bezeugung Seiner glorreichen Auferstehung und seiner herrlichen Gnade mit welcher Er Saulus zur Nachfolge und in den Dienst berief.

Was ist es nun mit diesen „Abgeschiedenen Seelen“? Wer sind diese beschriebenen  Totengeister die in der Luft, um uns herum und im Totenreich existieren sollen? Nach all den vorausgegangenen Erwägungen können das nur dämonische Wesen sein.

Das Wort Gottes warnt schon im Alten Testament sein erwähltes Volk Israel vor dem Umgang mit dämonischen Mächten:

 

3Mo 19,31  Ihr sollt euch nicht wenden zu den  Geisterbeschwörern und Zeichendeutern und sollt sie nicht befragen, dass ihr nicht an ihnen unrein werdet; ich bin der HERR, euer Gott.

 

3Mo 20,6 - 7   Wenn sich jemand zu den  Geisterbeschwörern und Zeichendeutern wendet, dass er mit ihnen Abgötterei treibt, so will ich mein Antlitz gegen ihn kehren und will ihn aus seinem Volk ausrotten. Darum  heiligt euch und seid heilig; denn ich bin der HERR, euer Gott.

 

5Mo 18,9 - 14   Wenn du in das Land kommst, das dir der HERR, dein Gott, geben wird, so sollst du nicht lernen, die Gräuel dieser Völker zu tun,

                   dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt oder  Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt oder Bannungen oder Geisterbeschwörungen oder  Zeichendeuterei vornimmt oder  die Toten befragt.

                   Denn wer das tut, der ist dem HERRN ein Gräuel, und um solcher Gräuel willen vertreibt der HERR, dein Gott, die Völker vor dir.

                   Du aber sollst  untadelig sein vor dem HERRN, deinem Gott.

                   Denn diese Völker, deren Land du einnehmen wirst, hören auf Zeichendeuter und Wahrsager; dir aber hat der HERR, dein Gott, so etwas verwehrt.

 

3Mo 17,7     Und sie sollen nicht mehr ihre Schlachtopfer den Dämonen schlachten, denen sie nachhuren. Das soll ihnen eine ewige Satzung sein bei ihren Geschlechtern.

 

5Mo 32,17  Sie opferten den Dämonen, die Nicht- Gott sind, Göttern, die sie nicht kannten, neuen, die vor kurzem aufgekommen waren, die eure Väter nicht verehrten.[314] 

 

Ps 106,28     Und  sie hängten sich an den Baal-Peor und aßen von den Opfern für die Toten ...

 

Dies sind nur einige Bibelstellen zu diesem Thema.

Eindeutig verbietet Gott der Herr, sich mit diesen Dämonen und Geistern zu verunreinigen. Heilig für Gott bedeutet Absonderung von allem was ER als unrein bezeichnet. Die Völker Kanaans wurden gerade aus diesem Grund von Gott dem Gericht und der Ausrottung zugeführt; Israel selbst musste unsägliches Leiden erdulden, weil es sich im Lauf seiner Geschichte immer wieder bis heute diesen dämonischen Kulten geöffnet hatte. Siehe Kabbala!

Die Folgen des Ungehorsams können wir an vielen Stellen in der Bibel nachlesen und können daraus den Willen Gottes, was Er von Seinem Volk erwartet, klar sehen. Jeglicher Umgang mit diesen Dämonen, nichts anderes nämlich sind diese Totengeister, musste mit dem Tode bestraft werden.

Im Neuen Testament sehen wir das gleiche Bild. Gott fordert von seinen Kindern:

 

1Petr 1,15 – 16  ...     sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben: »Ihr sollt heilig sein, denn Ich bin heilig«. [315]

 

f)        Unser Kampf gegen die Verführung:

 

 

Eph 6,12     Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit  Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.

 

Eph 2,2       ... in denen ihr  früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem  Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams.

 

Das Wort zeigt uns klar auf, wer unter dem Himmel und in der Luft herrscht. Es sind Satan und seine dämonischen Heere. Vor ihm haben wir uns zu hüten. Darum:

 

1Petr 5,8     Seid  nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.

 

Wir lesen aber auch von der Gefahr von Satan getäuscht zu werden.

 

2Kor 11,14 - 15  Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts. Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit; deren Ende wird sein nach ihren Werken.

 

Auch zu den Zeiten der Apostel war schon die große Gefahr der Verführung, der Annahme eines anderen Evangeliums gegeben. Um wie viel mehr stehen wir heute in der Gefahr einer solchen Irreführung.

 

2Kor 11,4     Denn wenn einer zu euch kommt und einen andern Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen andern Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht gern!

 

Dies ist das Drama auch heute noch immer bei so manchen Gläubigen in der Gemeinde. Ein anderes, ein „Pseudo- Evangelium“, angepasst an die eigenen Vorstellungen wird bevorzugt, anstatt das eigene Leben nach dem Wort Gottes allein auszurichten.

Speziell in der Allversöhnungslehre werden diese Bibelstellen letztlich falsch interpretiert und weit über den Sinn des Wortes hinaus ausgedehnt.

 

Beispielsweise begründete Christoph Blumhardt der Jüngere seinen Glauben an die Allversöhnung, den er mit seinem Vater teilte, ausgehend von dem folgenden Vers:

 

Mt 22,13     Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus! Da wird Heulen und Zähneklappern sein.

 

„Und wenn eben die Leute in die äußerste Finsternis gestoßen werden, wie dies der Heiland sagt: Werft ihn in die Finsternis, da soll er heulen, - so können wir lachen, - das tut ihm bloß gut, da ist nichts Verdammendes, denn wenn einmal Gott anfängt, in Christus die Sünden zu vergeben, so gibt  es absolut kein Aufhören, da kann man nicht sagen:

Bis hierher und nicht weiter! Und da mag in der Bibel stehen, was will, - da bin ich größer als die Bibel!

Es steht zwar in der Bibel, aber schließlich muss ich das wissen, was aus Gott wahr ist, nicht was ein Mann einmal vor 2000 Jahren so und so ausgedrückt hat. Es muss in Christus etwas Totales für die Welt wahr geworden sein, und mein Glaube muss so stehen, dass es dieses Ganze ergreifen kann.“[316]

 

Darum heißt es acht geben,

 

2Kor 2,11     damit wir nicht übervorteilt werden vom Satan;   denn uns ist wohl bewusst,  was er im Sinn hat.

 

Wissen wir das heute wirklich alle was der Feind im Sinn hat?

 

1Tim 4,1     Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren {O. künftigen} Zeiten etliche von dem Glauben abfallen werden, indem sie achten auf betrügerische {O. verführerische} Geister und Lehren von Dämonen,

 

1Jo 4,1     Geliebte, glaubet nicht jedem Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind! Denn es sind viele falsche Propheten hinausgegangen in die Welt.

Offb 16,14  denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun, welche zu den Königen des ganzen Erdkreises {O. der ganzen bewohnten Erde} ausgehen, sie zu versammeln zu dem Kriege [jenes] großen Tages Gottes, des Allmächtigen.

 

Lk 4,6     Und der Teufel sprach zu Jesus: Dir will ich alle diese Herrschaft und ihre Herrlichkeit geben; denn sie ist mir übergeben, und ich gebe sie, wem ich will.

 

Für uns gilt, dass wir uns von diesen Dingen eindeutig trennen, denn...

 

1Kor 10,21 Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch; ihr könnt nicht des Herrn Tisches teilhaftig sein und des Dämonentisches.

 

Mt 24,24     Denn es werden falsche Christusse und  falsche Propheten aufstehen und  große Zeichen und Wunder tun, so dass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführten.

 

2Thes 2,9     Der Böse aber wird in der Macht des Satans auftreten mit großer Kraft und lügenhaften Zeichen und Wundern 

 

Diese oft so ausführlich beschriebenen Totengeister, sind also nichts anderes als teuflische Dämonen. Welch riesiger Betrug ist hier Satan gelungen, der diese Lehren bis in das Zentrum der Gemeinde eingeschleust hat. Nach wie vor haben die Toten keine Möglichkeit ihr Gefängnis zu verlassen. Wie tröstlich ist doch das Wort unseres auferstandenen und wiederkommenden Herrn und Heilandes:

 

Offb 1,17 b –18      Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (des Hades)

 

g)  Gottes Verheißung für Treue und Gehorsam.

 

 

2Thes 3,3 Aber  der Herr ist treu; der wird euch stärken und  bewahren vor dem Bösen.

 

Offb 3,10    Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der  Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.

 

1Jo 3,24     Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat.

 

Wie wunderbar, dass wir mit Seinem Sieg rechnen dürfen denn:

 

Kol 1,13 - 14     Er hat uns errettet von der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das

                       Reich  seines lieben Sohnes,      in dem wir die Erlösung haben,

                        nämlich die Vergebung der Sünden.

 

 

Denn ich bin gewiss,

dass weder Tod noch Leben,

weder Engel noch  Mächte noch Gewalten,

weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur

 uns scheiden kann von der Liebe Gottes,

die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Röm. 8,38 –39



Verfasser: Baldur Gscheidle
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Schoham

  • Gast
Re: Allversöhnung
« Antwort #11 am: 22 Dezember 2007, 05:36:28 »
Was verstehe ich unter dem Begriff "Allversöhnung?"

Das Gott das ganze All durch Seinen Sohn mit Sich versöhnt hat - damit wir befähigt werden hinzugehen und uns ebenfalls mit den Menschen zu versöhnen die schuldig an uns geworden sind.

Wer das nicht tut - damit zeigt,  das er selbst die Versöhnung nicht annehmen will und deshalb für die Ewigkeit vom Himmelreich ausgeschlossen ist indem er im Feuersee den 2. Tod erleidet.

Pilger

  • Gast
Re: Allversöhnung
« Antwort #12 am: 11 Dezember 2012, 14:14:18 »
Elishua schrieb:
Auch wird von dessen Führer (Baader) gelehrt, steht in einem Buch von ihm, daß man Fleisch unbedingt essen muss, damit die Dämonen keine Macht über uns hätten. Unser Schutz gegen Satan und co. wäre das Eiweiß aus dem Fleisch der Tiere. Der Körper braucht dies um an Kraft zu haben und den Kämpfen zu widerstehen!

obwohl ich alle lehren von baader ablehne, muss ich um der wahrheit willen, diese aussage zurück weisen.
ich habe alle bücher von ihm gelesen, aber das steht nirgends.

es wäre überhaupt gut, bei zitaten die quelle anzugeben.

liebe grüße
pilger

BOB

  • Gast
Re: Allversöhnung
« Antwort #13 am: 11 Dezember 2012, 20:55:21 »
Da hast Du aber lange dran gearbeitet, über 5 Jahre!Respekt, das nenne ich Ausdauer! :)

Offline Roland

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Re: Allversöhnung
« Antwort #14 am: 11 Dezember 2012, 22:14:20 »
Hallo Pilger,

danke für die Richtigstellung.

Mein Appell an alle User: Bitte belegt Eure Aussagen mit Quellenangaben und verbreitet keine Gerüchte.

Shalom
Roland

Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!