Autor Thema: 1 Kor 5:5  (Gelesen 3904 mal)

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Nicolino

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1 Kor 5:5
« am: 19 Oktober 2007, 18:59:22 »
...und wo wir schon bei schwierigen Korinther-Stellen sind, häng ich gleich noch die folgende dran, versehen mit großem Fragezeichen:

1Co 5:3  Denn ich, zwar dem Leibe nach abwesend, aber im Geiste gegenwärtig, habe schon als gegenwärtig geurteilt, den, der dieses also verübt hat,
1Co 5:4  im Namen unseres Herrn Jesus Christus (wenn ihr und mein Geist mit der Kraft unseres Herrn Jesus [Christus] versammelt seid)
1Co 5:5  einen solchen dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, auf daß der Geist errettet werde am Tage des Herrn Jesus.

Das Fleisch des Hurers wird dem Satan überliefert, der Geist aber gerettet... ???

 :::3 :::3 :::3

Schoham

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Re: 1 Kor 5:5
« Antwort #1 am: 01 Dezember 2007, 10:15:06 »


Jemand der sich Christ nennt begeht eine Sünde. Der Bruder ermahnt ihn unter
vier Augen. Nützt das nichts, so nimmt er noch zwei Zeugen dazu. Hört er auch
auf diese nicht, so wird der Mensch dem Satan übergeben. Das heisst, der Heilige
Geist zieht sich betrübt von diesem Menschen zurück. Indem Er das tut, wird
sein Herz leer. Und es hat wieder Raum für den Teufel. Dieser Mensch wird
nun wieder unter Satan versklavt.

Die Dämonen haben unzählige Namen und wirken sich z.B. so aus:

Kein Sieg über sein Essverhalten – Völlerei.
Hochmut und Stolz gegenüber den Mitmenschen.
Keine Kraft zu überwinden.
Nicht fähig zu vergeben.

Und vor allem:

Keine innige Herzensgemeinschaft mehr mit Geschwistern, so wie sie
nur Gottes Geist schenken kann.

So das Fleisch – die alte Natur dem Satan übergeben muss der Mensch
zur Besinnung kommen. Kann nicht in diesem Zustand verharren.
Hält es schon gar nicht aus, nachdem er einst etwas vom Geist Gottes
hat schmecken dürfen.

Wenn diese Verlorenheit – diese Trauer zu Busse führt und dem lassen der Sünde,
dann ist der Mensch gerettet.

 

Offline Roland

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Re: 1 Kor 5:5
« Antwort #2 am: 22 Dezember 2007, 00:59:17 »
Hallo Nicole,

leider verrät uns die Bibel nicht, welche Maßnahme ergriffen wurde. Die Übersetzung des griechischen Begriffs SARKOS mit "Fleisch" deutet auf eine körperliche Strafe hin. Dafür spricht

1. die übliche Bedeutung dieses Wortes, das stets als Gegensatz zu Geist verwendet wird, der den ganzen Menschen in seiner inneren und äußeren Existenz umfaßt.

2. Mit "Verderben" ist das übersetzte griechische Verb OLETHRON, dessen Substantiv OLETHREUTOU sich noch an anderer Stelle im 1. Korintherbrief findet (1. Kor. 10,10; "Verderber"), ein sehr starker Ausdruck.

3. Paulus spricht in diesem Brief noch von einer anderen Strafe, die zum Tode führt (1. Kor. 11,29 - 30) und bei der es ihm ebenfalls um eine letztliche Bewahrung der Person geht (1. Kor. 11,32; vgl. 1. Tim. 1,20; 1. Joh. 5,16).

Es scheint von daher durchaus plausibel, dass Paulus verlangt, den Betreffenden aus der Gemeinde auszuschließen - als sichtbare Manifestation der Tatsache, dass er hinfort nicht mehr unter dem Schutz GOTTES steht, den er bisher genossen hat (vgl. Hiob 1,12), sondern wieder der Welt überantwortet ist (1. Joh. 5,19), in der Satan ihn zum Tode bringen wird.

Marana tha!
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Jose

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1. Kor. 5,3-5; 2. Kor. 2,5-11
« Antwort #3 am: 08 Juli 2012, 18:10:21 »
1. Kor. 5,3-5
Im Austausch hörte ich heute zu 1. Kor. 5,3-5 eine Auslegung, die mit der nachfolgenden übereinstimmte. Was mich überraschte war die Bestimmtheit, mit welcher der Bruder die Auslegung als sehr zuverlässig vertrat.

Hier die Auslegung aus Erklärungen zur Bibel aus dem Brockhaus Verlag:
Zitat

1. Kor. 5,3-5
Paulus hat über den Schuldigen schon das Urteil gefällt und erwartet, daß die Gemeinde diese Entscheidung für sich übernimmt. Dem ->Satan zu überliefern: Der Schuldige soll nicht nur aus der Gemeinde ausgeschlossen, sondern der Macht des Teufels ausgeliefert werden, in die er sich durch sein Tun schon begeben hat. So vollzieht sich wohl durch Krankheit oder Tod das Gericht an ihm (vgl. 11,30-32; 1Tim 1,20). Das Ziel ist aber nicht das Verderben des Schuldigen, sondern seine Rettung am Tag der ->Wiederkunft Jesu, wahrscheinlich dadurch, daß er durch das erfahrene Gericht zur Umkehr geführt wird und so Vergebung und Heil erfährt.

Erklärungen zur Bibel (Elberfelder Übersetzung) - © 2004 R. Brockhaus Verlag Wuppertal


Dazu wollte ich ein Thema eröffnen, aber dann sah ich, dass es das bereits gab. Ich hoffe, dass es i.O. ist, wenn ich mich daran anschließe.

Roland, in deiner Antwort (vor über 4 Jahren), erkenne ich nicht, dass das Ziel der Zucht, die sozusagen prophetische Zusage war, dass der Sünder dadurch zur Umkehr und zur Errettung geführt werden würde. Gibt es eine andere Auslegung zu dem Wort?


2. Kor. 2,5-11
Bei dem Austausch wurde außerdem auf 2. Kor. 2,5-8 verwiesen und gesagt, dass es sich dabei um eben diesen selben Mann handelt, der nun Buße getan hätte.

Die Auslegung aus Erklärungen zur Bibel aus dem Brockhaus Verlag lautet hier:
Zitat

2. Kor. 2,5-11
Paulus ist wohl bei seinem Zwischenbesuch von einem Gemeindeglied schwer gekränkt worden (vgl. 7,12). Diese Beleidigung hat jedoch nicht nur den ->Apostel, sondern auch die Mehrheit der Gemeinde getroffen. Diese hat, wahrscheinlich nachdem sie den Brief erhalten hat (V. 3-4), in ihrer Mehrheit die Position des Paulus unterstützt und gleichzeitig den Betreffenden unter Gemeindezucht gestellt. Nachdem dieser Reue gezeigt hat (V. 7), ermutigt der Apostel die Gemeinde dazu, ihm zu vergeben (vergeben und ermuntern – o. Gnade erweisen und trösten), wie er selbst bereits vergeben hat, und sich zu versöhnen. Denn wo Streit herrscht und keine Vergebung geschieht, hat der ->Satan gewonnenes Spiel (V. 11).

Erklärungen zur Bibel (Elberfelder Übersetzung) - © 2004 R. Brockhaus Verlag Wuppertal


Ich sehe hier keinen Hinweis auf 1. Kor. 5 und für mich sehe ich auch keinen Zusammenhang zwischen den Stellen. Würde mich sehr freuen, hierzu mehr Klarheit zu bekommen.

Danke und Gruß,
José

Offline Jose

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Re: 1 Kor 5:5
« Antwort #4 am: 09 Juli 2012, 12:58:36 »
Es scheint von daher durchaus plausibel, dass Paulus verlangt, den Betreffenden aus der Gemeinde auszuschließen - als sichtbare Manifestation der Tatsache, dass er hinfort nicht mehr unter dem Schutz GOTTES steht, den er bisher genossen hat (vgl. Hiob 1,12), sondern wieder der Welt überantwortet ist (1. Joh. 5,19), in der Satan ihn zum Tode bringen wird.

Ich denke, diese Auslegung ist durchaus richtig, den es muss dem Sünder durch die Zucht klargemacht werden, dass er am Ende verloren geht, wenn er nicht Buße tut. Das ist ja das Ziel der Gemeindezucht, das Gläubige, die in Sünde fallen und verharren, zur Buße ermahnt werden. Zu meinen aber, dass die Einsicht und Buße des Sünders auf jeden Fall erfolgen wird, ist m.E. nicht zu belegen.

Hier wäre auch interessant zu wissen, was in 1. Kor. 5,5 mit: "…damit der Geist errettet werde… genau gemeint it. Vielleicht steht in der Aussage auch etwas wie „in der Hoffnung“, ähnlich wie hier: "und die Widersacher in Sanftmut zurechtweisen und hoffen, ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit" 2. Tim. 2,25.

Hier sind aber die Bibelkenner und Sprachexperten gefordert.

José

junkerjörg

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Re: 1 Kor 5:5
« Antwort #5 am: 06 Dezember 2013, 13:28:12 »
Sören Kierkegaard (1813-1855) hat zum Thema Gesetz und Nachfolge einmal drastisch festgestellt, daß eine ''herausgefolterte Nachfolge'' eher ein ''fratzenhaftes Nachäffen'' wäre, als eine ''freudige Frucht der Dankbarkeit''. Stures Befolgen von Vorschriften ist keine Nachfolge und führt eher zur Gesetzlichkeit, die man dann auch von anderen erwartet. Das lässt einen innerlich verkümmern, weil man einsam wird, und daher eher nicht allezeit froh und dankbar ist. Die Erfahrungen eines Christenlebens gehen meist dahin, daß man im Laufe der Zeit an sich selbst feststellt, daß da tatsächlich nichts Gutes zu finden ist (Römer 3, 11-12) und der Glaube sowie die Erwählung (Epheser 1,4) einem absoluten Wunder gleichkommt. Ich habe mich schon öfters gefragt, warum gerade ich gläubig werden konnte? Anfangs denkt man wohl, daß es eine Vernunft bedingte Entscheidung war, weil man eben nicht so oberflächlich ist wie andere, aber mittlerweile kann ich das so nicht mehr sagen. Es ist allein das Werk Gottes (Johannes 15,16: ''Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit der Vater euch gibt, was auch immer ihr ihn bitten werdet in meinem Namen''). Nur durch diese geschenkte Erkenntnis, wird man als gläubiger Mensch viel eher dankbar und demütig, als durch alles andere. In dem Moment, wo ich merke, ich kann wirklich von Herzen an das Evangelium glauben (obwohl die Bibel eigentlich sagt, daß ich es natürlicherseits nicht kann - 1. Korinther 2,14), bekomme ich ein anderes Glaubensverständnis. In dieser Gnade durch den Glauben dankbar zu leben ist letztlich Nachfolge. Paulus schreibt in Kolosser 2, 6-7: ''Wie ihr nun Christus Jesus, den Herrn, angenommen habt, so wandelt auch in ihm, gewurzelt und auferbaut in ihm und gefestigt im Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid, und seid darin überfließend mit Danksagung''. Wenn wir nicht von der Hoffnung des Evangeliums weichen, folgen wir nach (Kolosser 1,23) und als Herausgerufene zählt für uns das, was in Hebräer 10,39 geschrieben steht: ''Wir aber gehören nicht zu denen, die feige zurückweichen zum Verderben, sondern zu denen, die glauben zur Errettung der Seele''.

Glaubensmut und Beharrlichkeit sind Zeichen der Neugeburt. Nachfolge ist also niemals das trügerische und ängstliche Ringen im Kampf gegen den möglichen Abfall vom erlösenden Glauben, sondern das verheißene und beharrliche Festhalten an der ewigen Erlösung. Es gibt ein Lied einer deutschen Band, was den Refrain hat: ''Wir sind gekommen um zu bleiben''. So ist es. Und daß wir kommen konnten, ist nicht unser Verdienst. Dies sollte sich bei uns in Dankbarkeit, Gebet, Geistlichkeit, Wachsamkeit und Prüfung widerspiegeln. Der Glaube ist ein Geschenk und daher zielgerichtet und sicher. In 1. Petrus 1, 8-9 steht: ''Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit''. Wer an Jesus Christus glaubt, geht nicht verloren (Johannes 3,16). Warum sollten wir glauben wollen, daß es nicht so ist? Die Nachfolge hat sicherlich auch etwas mit meiner Einstellung, Ernsthaftigkeit und Verantwortung zu tun, und nicht zuletzt mit Dankbarkeit. Überhebliche Lässigkeit und Gnade passen nicht zusammen. Ebenso wie eine ''herausgefolterte Nachfolge''. Je dankbarer ich Gott bin, desto besser und glaubwürdiger folge ich auch nach. Was Gott eines Tages bei uns vor dem Preisgerichtsthron beurteilen wird, ist die Frucht unserer Dankbarkeit und nicht die Werke unserer frommen Routine oder gar die Schätze unserer eigenen Ehre (1. Korinther 3, 12-15). Und schon gar nicht meine selbsterdachte Hinwendung zu Jesus Christus, denn das würde ja bedeuten, ich hätte mich selbst erwählt, obwohl ich dazu doch niemals fähig bin. Dankbarkeit macht demütig und wenn wir es ebenso sehen können, verstehen wir auch, warum Gott den Hochmütigen widersteht (1. Petrus 5,5). Der weise König Salomo schreibt in Sprüche 11,2: ''Auf Übermut folgt Schande, bei den Demütigen aber ist Weisheit''. Alle Ehre gebührt Gott in Jesus Christus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens (Hebräer 12,2).

William McDonald schreibt zu 1. Korinther 5,5 folgendes:

Paulus wollte folgende Maßnahme ergreifen: »Einen solchen im Namen unseres Herrn Jesus dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit der Geist errettet werde am Tage des Herrn.« Die Kommentatoren sind sich über die Bedeutung dieses Satzes nicht einig. Einige sind der Ansicht, daß 1. Korinther 4 und 5 es sich hier um einen Ausschluß aus der Ortsgemeinde handelt. Außerhalb der Gemeinde ist der Bereich der Herrschaft Satans (1. Joh 5,19). Deshalb wäre »dem Satan überliefern« einfach ein Gemeindeausschluß. Andere sind der Ansicht, daß die Macht, dem Satan zu übergeben, eine besondere Vollmacht der Apostel war, die aber heute nicht mehr existiert. Und außerdem besteht keine Übereinstimmung über die Bedeutung des Ausdrucks »zum Verderben des Fleisches«. Viele sind der Ansicht, daß hier leibliche Leiden beschrieben werden, die von Gott benutzt werden, um die Macht der sündhaften Lüste und Gewohnheiten im Leben dieses Menschen zu brechen. Andere sind der Ansicht, daß »zum Verderben des Fleisches« ein Beschreibung eines langsamen Todes ist, der dem Mann Zeit gibt, Buße zu tun und verschont zu werden. Jedenfalls sollten wir uns daran erinnern, daß Gemeindezucht immer darauf abzielt, eine Wiederherstellung der Gemeinschaft mit dem Herrn zu bewirken. Exkommunikation ist nie Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Das Ziel ist es, daß »der Geist errettet werde am Tage des Herrn«. Mit anderen Worten, hier ist nicht daran gedacht, daß dieser Mann auf ewig verdammt ist. Er wird in seinem Leben wegen seiner Sünde gestraft, doch er wird »errettet … am Tages des Herrn«.

Gruß Jörg  :D
« Letzte Änderung: 06 Dezember 2013, 15:27:56 von junkerjörg »