Autor Thema: Sie waren nicht von uns.. (1. Joh. 2,19)  (Gelesen 2077 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Jose

  • Benutzer
  • Beiträge: 1709
Sie waren nicht von uns.. (1. Joh. 2,19)
« am: 19 Januar 2013, 14:00:42 »
Sie waren nicht von uns…

Johannes schreibt: "Von uns sind sie ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns gewesen wären, würden sie wohl bei uns geblieben sein; aber sie blieben nicht, damit sie offenbar würden, dass sie alle nicht von uns sind" 1.Joh 2,19.

Darf diese Bibelstelle genommen werden, um zu behaupten:
  • Wenn jemand im Glauben scheitert, dann ist das der Beweis dafür, dass sein Glaube kein echter, "rettender Glaube" war.
  • oder wenn jemand nicht in unsere Gemeinde bleibt, dann "war er nicht von uns".

Und wenn der Apostel Pauls sagt: "Ich weiß, dass nach meinem Abschied grausame Wölfe zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen. Und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her", sollten wir alle nicht mehr darauf bedacht sein, wie es Paulus war: "Darum wacht und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden unter Tränen zu ermahnen!" (Apg 20,29-31).

Wie dringend nötig habe ich es, mich ermahnen zu lassen: Aber von wem? Wessen Ermahnung ist aufrichtig gemeint, wer meint es gut mit mir, bei den vielen Stimmen und Lehren in unseren Tagen. Paulus sagte über den Timotheus: "Denn ich habe keinen ihm Gleichgesinnten, der aufrichtig für das Eure besorgt sein wird; denn alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist" Phil 2,19-21. Wie sich wohl die anderen Brüder dabei gefühlt haben?

Ich bin sehr vorsichtig mit der Aussage: "Sie waren nicht von uns…" Ich sehe unsere Verantwortung in unseren Tagen, bei Jesus zu bleiben und andere dazu zu ermuntern.

Herzliche Grüße,
José

Offline Roland

  • Administrator
  • Benutzer
  • Beiträge: 2567
    • Hauszellengemeinde
Re: Sie waren nicht von uns.. (1. Joh. 2,19)
« Antwort #1 am: 20 Januar 2013, 00:39:30 »
Hallo José,

leider wird diese Bibelstelle häufig missbraucht (zwei Bsp. hast Du angeführt).

Meiner Meinung nach geht es um das Verhältnis zwischen "Antichrist" und "Antichristen", d. h. Johannes will die Gemeinde warnen, in falscher Weise in die Zukunft zu schauen und darüber die Gegenwart zu verkennen. Die Gemeinde darf nicht immer nur auf den einen großen Antichrist warten, der noch gar nicht sichtbar ist, und darüber die gefährlichen "Antichriste" übersehen, die jetzt da sind und die Gemeinde bedrohen. Diese Männer sind so ernst zu nehmen, dass gerade an ihnen zu erkennen ist, dass letzte Stunde ist.  Hier hat eine Gegnerschaft gegen JESUS eingesetzt, die nichts mehr mit bloßem theologischem Meinungsstreit zu tun hat (so wie es hier im Forum und in den anderen christlichen Foren üblich ist), sondern endzeitlicher Angriff auf JESUS ist. Eben dies ist "antichristlich".

Das Pronomen "uns" ist hier wohl als eine Art Pluralis majestatis zu verstehen, das apostolische "wir", das in diesem ganzen Brief immer wieder verwendet wird (vgl. 1. Johannes 1,1 - 5; 1. Johannes 4,6). Dieses "wir" steht im Gegensatz zu dem "ihr" in 1. Johannes 2,20 - 21, das den Lesern gilt. Es erscheint wenig sinnvoll anzunehmen, daß die falschen Lehrer die Gemeinden, denen die Leser angehörten, verlassen hatten. Wenn das der Fall gewesen wäre, so hätten sie ja wohl kaum noch ein Problem dargestellt. Wenn sie sich dagegen, wie die jüdischen Legalisten von Apostelgeschichte 15, von den apostolischen Gemeinden in Jerusalem und Judäa abgespalten hatten, dann bildeten sie eine besondere Gefahr für die Leser, weil sie aus dem gleichen geistlichen Boden hervorkamen, aus dem sich das Christentum überhaupt entwickelt hatte. Deshalb liegt Johannes so viel daran, jede Verbindung zu ihnen zu bestreiten.

Sie waren nicht von uns heißt, dass diese Männer dem GEIST GOTTES und der Lehre der Apostel widerstanden. Das Aufkommen einer Irrlehre innerhalb der Gemeinde JESU ist immer ein Zeichen für eine fundamentale Disharmonie mit dem GEIST GOTTES und der Lehre der Apostel. Menschen, die in einer lebendigen Verbindung mit GOTT leben, unterwerfen sich im allgemeinen der apostolischen Unterweisung (1. Johannes 4,6).

Soweit einige Gedanken zu 1. Johannes 2,19.

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Jose

  • Benutzer
  • Beiträge: 1709
Re: Sie waren nicht von uns.. (1. Joh. 2,19)
« Antwort #2 am: 21 Januar 2013, 00:28:09 »
Zitat von: Roland
Wenn sie sich dagegen, wie die jüdischen Legalisten von Apostelgeschichte 15, von den apostolischen Gemeinden in Jerusalem und Judäa abgespalten hatten, dann bildeten sie eine besondere Gefahr für die Leser, weil sie aus dem gleichen geistlichen Boden hervorkamen, aus dem sich das Christentum überhaupt entwickelt hatte. Deshalb liegt Johannes so viel daran, jede Verbindung zu ihnen zu bestreiten.

Hallo Roland,
wen meinst du genau mit den "judischen legalisten von Apostelgeschichte 15"?

Meinst du diese: "Und einige kamen von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr nicht beschnitten worden seid nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht gerettet werden" Apg 15,1, und: "Einige aber von denen aus der Sekte der Pharisäer, die gläubig waren, traten auf und sagten: Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz Moses zu halten" Apg 15,5.

Handelte es sich hier nicht prinzipiell um Gläubige aus dem Judentum, die dazu gehörten, die aber noch nicht ganz frei geworden waren von manchen ihrer Bindungen aus dem Gesetz, was sicherlich verständlich ist. Sie hielten noch an einiges fest, daher finde ich es sehr wichtig, dass Jakobus sagt: "Deshalb urteile ich, man solle die, welche sich von den Nationen zu Gott bekehren, nicht beunruhigen…" Apg 15,19.

Wichtig finde ich auch die Klarstellung: "Weil wir gehört haben, dass einige, die aus unserer Mitte hervorgegangen sind, euch mit Worten beunruhigt und eure Seelen verstört haben - denen wir keine Befehle gegeben haben -, schien es uns, nachdem wir einstimmig geworden…" Apg 15,24-25. Hier lag offensichtlich "Regelungsbedarf" vor, da offensichtlich die Christen aus dem Judentum noch nicht erkannt hatten, dass die Beschneidung nicht mehr sein muss.

Sehe ich es verkehrt?

Danke und Grüße,
José

Offline Jose

  • Benutzer
  • Beiträge: 1709
Re: Sie waren nicht von uns.. (1. Joh. 2,19)
« Antwort #3 am: 22 Januar 2013, 10:02:14 »
Bezüglich Apostelgeschichte 15 möchte ich auch darauf hinweisen, dass es dazu bereits mindestens zwei Themen gibt, in denen darauf Bezug genommen wird, deren Verständnis und Erklärungen dazu ich aber persönlich mit Vorsicht sehe.

Ob wir nun das Thema: Was meint die Bibel mit "Feinde des Kreuzes CHRISTI"?, oder das Thema: Falsche Brüder, betrachten, sollten wir uns immer auch selber fragen: "Kann es auch mich treffen?"

Mir wurde bei dem Austausch besonders das Thema: Absonderung - was sagt die Bibel dazu?, sehr wichtig.

Ist es nicht so, dass so viele Christen Kompromisse mit der Welt machen? Am Ende heißt es dann vielleicht auch: "Sie waren nicht von uns..", dabei hatten sie sich auch bekehrt, sind aber dann vom Weg abgekommen und nicht in der Wahrheit geblieben.

In diesen Tagen ist mir erneut ein Wort des Apostel Paulus besonders wichtig geworden: "Ich laufe nun so, nicht wie ins Ungewisse; ich kämpfe so, nicht wie einer, der in die Luft schlägt; sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde" 1. Kor 9,26-27. Diese Gefahr besteht für uns alle, anderen zu predigen, und sich selbst nicht daran zu halten - unabhängig von dem Kontext, in dem es im Korintherbrief geschrieben wurde.


Herzliche Grüße,
José

Perle

  • Gast
Re: Sie waren nicht von uns.. (1. Joh. 2,19)
« Antwort #4 am: 31 Januar 2013, 17:03:11 »
Ob wir nun das Thema: Was meint die Bibel mit "Feinde des Kreuzes CHRISTI"?, oder das Thema: Falsche Brüder, betrachten, sollten wir uns immer auch selber fragen: "Kann es auch mich treffen?"

Mir wurde bei dem Austausch besonders das Thema: Absonderung - was sagt die Bibel dazu?, sehr wichtig.

Ich musste heute beim Lesen von Römer 2 an diesen Thread denken:

17Siehe, du nennst dich einen Juden und verläßt dich auf das Gesetz und rühmst dich Gottes,  18und kennst [seinen] Willen und verstehst zu prüfen, worauf es ankommt, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist;  19und du traust dir zu, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in der Finsternis sind,  20ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen, der den Inbegriff der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz hat:  21Nun also, du lehrst andere, dich selbst aber lehrst du nicht? Du verkündigst, man solle nicht stehlen, und stiehlst selber?  22Du sagst, man solle nicht ehebrechen, und brichst selbst die Ehe? Du verabscheust die Götzen und begehst dabei Tempelraub?  23Du rühmst dich des Gesetzes und verunehrst doch Gott durch Übertretung des Gesetzes?  24Denn der Name Gottes wird um euretwillen gelästert unter den Heiden, wie es geschrieben steht.g
25Die Beschneidung nämlich hat nur Wert, wenn du das Gesetz hältst; bist du aber ein Übertreter des Gesetzes, so ist deine Beschneidung zur Unbeschnittenheit geworden.  26Wenn nun der Unbeschnittene die Rechtsbestimmungen des Gesetzes befolgt, wird ihm dann nicht seine Unbeschnittenheit als Beschneidung angerechnet werden?  27Und wird nicht der von Natur Unbeschnittene, der das Gesetz erfüllt, dich richten, der du trotz Buchstabe und Beschneidung ein Übertreter des Gesetzes bist?  28Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist; auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht;  29sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und [seine] Beschneidung [geschieht] am Herzen, im Geisti, nicht dem Buchstaben nach. Seine Anerkennung kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.


"Feinde des Kreuzes", "Falsche Brüder" und von "uns ausgegangen, doch sie waren nicht von uns"!
Predigten, was sie selbst nicht beherzigten!

Zitat
Ist es nicht so, dass so viele Christen Kompromisse mit der Welt machen? Am Ende heißt es dann vielleicht auch: "Sie waren nicht von uns..", dabei hatten sie sich auch bekehrt, sind aber dann vom Weg abgekommen und nicht in der Wahrheit geblieben.

Ja Jose, das sehe ich leider auch so.
Schalom!