Autor Thema: "JHWH" im Buch Esther  (Gelesen 5246 mal)

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Offline TJS

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"JHWH" im Buch Esther
« am: 13 Mai 2007, 19:08:00 »
Ihr Lieben, ich bin's mal wieder.

Als Familie haben wir die Tage wieder einmal das Buch Esther gelesen - ein herrliches Zeugnis von GOTTES Treue!
Im Buch Esther wird GOTT nicht erwähnt. Es gibt dort keine einzige direkte Bezugnahme auf GOTT bzw. GOTTES ausdrückliches Handeln. Aufgrund dieses Umstandes hat sich mancher dazu hinreißen lassen, das Buch Esther als nicht kanonisch zu disqualifizieren (u.a. Dr. Werner Papke).
Dennoch wird jedem gottesfürchtigen Leser auch in jenem Buch JHWHs Gegenwart und verborgenes Eingreifen deutlich.
In Sprüche 21:1 lesen wir:
»Gleich Wasserbächen ist das Herz des Königs in der Hand JHWHs;
ER leitet es, wohin immer ER will.«

So, wie der GOTT Israels im Verborenen wirkt und SEINEM Volk Rettung schenkt, so finden wir auch an vier Stellen im hebräischen Text des Buches Esther, den Namen GOTTES, JHWH, "verborgen".

In allen vier abgebildeten Textzeilen (Biblia Hebraica Stuttgartensia, 3. Aufl. 1987) erscheinen jeweils als Anfangs- bzw. Endkonsonant von stets vier aufeinanderfolgenden Wörtern die Buchstaben JHWH (Jod, He, Waw, He) - davon 2mal von rechts nach links (= hebräische Schreibrichtung) und 2mal von links nach rechts (= unsere Schreibrichtung).


Est 1:20 - Die Konsonanten JHWH erscheinen als Anfangskonsonanten von links nach rechts.


Est 5:4 - JHWH sind hier die Anfangskonsonanten von rechts nach links.


Est 5:13 - Hier sind JHWH die Endkonsonanten von links nach rechts.


Est 7:7 - Hier sind es die Endkonsonanten von rechts nach links.

Weiß vielleicht jemand, ob dieses Phänomen schon einmal bewusst untersucht worden ist und weitere Fundstellen im hebr. Bibeltext existieren?
Gibt es möglicherweise eine Software, mit deren Hilfe man den Text nach der Konsonantenfolge JHWH (als Anfangs- bzw. Endkonsonanten) aufeinanderfolgender Wörter absuchen kann?

Herzliche Grüße,
Thomas (TJS)
« Letzte Änderung: 13 Mai 2007, 20:51:28 von TJS »
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Offline Roland

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Re: "JHWH" im Buch Esther
« Antwort #1 am: 13 Mai 2007, 20:58:23 »
Hallo Thomas,

hier hast Du ein sehr interessantes Thema angesprochen.

Bei den von Dir angesprochenen Bibelstellen handelt es sich tatsächlich um ein (umgekehrtes) Akrostichon des Tetragramms. Man kennt drei hebräische Handschriften, die das Akrostichon des alttestamentlichen Gottesnamens durch Majuskeln hervorheben. Die Massora weist durch rote Buchstaben auf die Akrosticha hin.

In der Bibel gibt es weitere Akrosticha, bei denen die jeweils ersten Buchstaben der 22 Verse eines Textes der Reihe der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabetes folgen (Psalm 9, 10, 25, 34, 37, 111, 112, 119 und 145). Die ersten vier Worte des Psalm 96,11 enthalten ein Akrostichon des alttestamentlichen Gottesnamen JHWH. Auch hier weist die hebräische Massora (eine Sammlung kritischer Bemerkungen) hin.

Eine Software kenne, die den hebräischen Text absuchen kann, kenne ich leider nicht. Wäre aber mal interessant, ob es eine solche Software gibt......

Shalom
Roland
« Letzte Änderung: 13 Mai 2007, 21:16:05 von Roland »
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Offline TJS

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Re: "JHWH" im Buch Esther
« Antwort #2 am: 13 Mai 2007, 21:51:48 »
.

Vielen Dank für Deine prompte Reaktion, Roland!

Bei den von Dir angesprochenen Bibelstellen handelt es sich tatsächlich um ein (umgekehrtes) Akrostichon des Tetragramms.
Davon hatte ich noch nie etwas gehört.

Man kennt drei hebräische Handschriften, die das Akrostichon des alttestamentlichen Gottesnamens durch Majuskeln hervorheben. Die Massora weist durch rote Buchstaben auf die Akrosticha hin.
Da wäre ich an weiteren Auskünften interessiert.
Kannst Du mir bitte Litereaturhinweise geben? Im Netz konnte ich diesbezüglich noch nichts ausfindig machen.

In der Bibel gibt es weitere Akrosticha, bei denen die jeweils ersten Buchstaben der 22 Verse eines Textes der Reihe der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabetes folgen (Psalm 9, 10, 25, 34, 37, 111, 112, 119 und 145).
Dieses Phänomen ist mir bereits bekannt gewesen.

Die ersten vier Worte des Psalm 96,11 enthalten ein Akrostichon des alttestamentlichen Gottesnamen JHWH.
Sehr gut!
Vielen Dank für den Hinweis - ich hab' die Stelle gleich mal fotografiert (leider etwas unscharf auf die Schnelle) und beim Lesen festgestellt, dass vom fünften Wort an rückwärts gelesen ebenfalls JHWH steht:



»Es freue sich der Himmel, und es frohlocke die Erde! Es brause das Meer und seine Fülle!«


Auch hier weist die hebräische Massora (eine Sammlung kritischer Bemerkungen) hin.
Wie schon gesagt: Da wäre ich für konkrete Quellenangaben sehr dankbar!

Herzliche Grüße,
Thomas
« Letzte Änderung: 13 Mai 2007, 21:56:26 von TJS »
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Offline Roland

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Re: "JHWH" im Buch Esther
« Antwort #3 am: 13 Mai 2007, 22:27:02 »
Hallo Thomas,

Zitat
Kannst Du mir bitte Litereaturhinweise geben? Im Netz konnte ich diesbezüglich noch nichts ausfindig machen.
Ich schaue gerne nach, was ich alles an Literaturhinweisen finde (kann aber etwas dauern). Vielleicht hast Du im Internet nichts gefunden, weil es im Deutschen zwei Schreibweisen von "Massora" gibt:

1. Massora
2. Masora

Ich habe einen recht interessanten Artikel zu "Masora" bei Wikipedia gefunden:

Sicherung des Textes

Die Sicherung des Textes wurde durch die Beigabe der Masora (im engeren Sinne) erreicht. Man unterscheidet, je nach Position zum Text:

die Randmasora (Masora marginalis), am Seitenrand, unterteilt in
Masora parva, ein oder beidseitig des Textes und die
Masora magna, ober und unterhalb des Textes,
die Schlussmasora (Masora finalis) am Schluss des gesamten Textes, die das Material der Randmasora noch einmal geordnet wiedergibt.
Die Masora enthält Hinweise zur Gestalt des Textes und stellt keine Auslegung des Textes dar. So wird beispielsweise hingewiesen auf:

das mehrfache Vorkommen eines Wortes, oft mit Anzahl,
die besondere Schreibweise einzelner Wörter,
ähnliche Textstellen und Probleme anderenorts,
Textkuriositäten,
Abweichende Lesarten bestimmter Wörter (so genannte Ketib und Qere),
Bedenken gegen überlieferte Wörter (punkta extraordinaria)
Bedenken gegen überlieferte Versabfolgen (Nun inversum),
die abweichende, eigentlich erwartete Wortform (Sebirin)
Die Masora gleicht vielerorts einem ausgefeilten Zahlenspiel. Tatsächlich hatten die so genannten Sopherim zuallererst begonnen, jedes einzelne Wort des Textes zu zählen. Dieses bildete jedoch für die Masoreten eine unverzichtbare Möglichkeit, die Korrektheit ihrer Abschriften zu prüfen. Sie kann damit als früher Vorläufer der in der Informatik verwendeten Prüfsummen angesehen werden


Quelle: Wikipedia

Zitat
und beim Lesen festgestellt, dass vom fünften Wort an rückwärts gelesen ebenfalls JHWH steht
Klasse Thomas, da habe ich wieder was gelernt. Ist doch herrlich, oder? Wir könnten 1000 Jahre und älter werden und würden immer wieder neue Dinge im Wort GOTTES entdecken. Preis dem HERRN!

Ich grüße Dich mit Psalm 119,162: Ich freue mich über DEIN Wort wie einer, der große Beute findet.

Shalom
Roland
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Offline TJS

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Re: "JHWH" im Buch Esther
« Antwort #4 am: 13 Mai 2007, 23:22:42 »
Vielen Dank für Deine Recherche, Roland!

Ich habe auch noch etwas gesucht und werde mir erst einmal dieses Buch besorgen:


Laut Deutscher Bibelgesellschaft:
"Die Masora der Biblia Hebraica Stuttgartensia
Einführung und kommentiertes Glossar
Das erste und einzige Lehrbuch zur Masora der hebräischen Bibel in deutscher Sprache. Durch ein umfangreiches kommentiertes Glossar ist es gleichermaßen als Einführung und als Nachschlagewerk geeignet.
Preis: € 19.00
ISBN: 978-3-438-06009-9
Autor/Verfasser: P.H. Kelley; D.S. Mynatt; T.G. Crawford; Übersetzung aus dem Englischen M. Rösel
Herausgeber: Deutsche Bibelgesellschaft
Seitenzahl: 272
Format: 15,4 x 22 cm
Bindung: kartoniert
Verfügbarkeit: Lieferbar"


Herzliche Grüße,
Thomas
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Psalm 119:160

Offline Roland

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Re: "JHWH" im Buch Esther
« Antwort #5 am: 15 Mai 2007, 19:16:01 »
Hallo Thomas,

danke für den interessanten Hinweis.

Wenn Du das Buch gelesen hast und es Deine Zeit erlaubt, kannst Du dann eine Rezension über das Buch ins Forum stellen? Vielleicht interessiert dieses Thema bzw. das Buch noch andere Leser?

Shalom
Roland
« Letzte Änderung: 15 Mai 2007, 19:17:56 von Roland »
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