Autor Thema: Pioniere  (Gelesen 1694 mal)

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Pioniere
« am: 26 November 2006, 16:29:23 »
Ich muss für meine Schule ein Referat halten und finde fast
nichts über Pioniere und wollte von ihnen Informationen sammeln. Wie lebten die Pioniere? An was glaubten sie? Was aßen sie? Über die Kleidung, und Verhalten in der Familie. Ich hoffe dass sie mir weiter helfen können.

Offline Roland

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Re: Pioniere
« Antwort #1 am: 27 November 2006, 21:41:01 »
Ich vermute mal, dass du mit "Pioniere" die Urchristen meinst.
Beginnen möchte ich mit einem Zitat von Flavius Josephus:

"Entlang dem See Gennesar erstreckt sich die gleichnamige Landschaft von wunderbarer Natur und Schönheit. Wegen der Fruchtbarkeit des Bodens gestattet sie jede Art von Pflanzenwuchs. Und ihre Bewohner bauen alles an. Das ausgeglichene Klima eignet sich auch für die verschiedenartigen Gewächse. Nussbäume, die im Vergleich zu anderen Pflanzen eine besonders kühle Witterung brauchen, gedeihen dort prächtig in großer Zahl. Daneben stehen Palmen, die Hitze benötigen, ferner Feigen- und Ölbäume unmittelbar daneben, für die ein gemäßigtes Klima angezeigt ist. Man könnte von einem Wettstreit der Natur sprechen, die sich kräftig anstrengt, alle ihre Gegensätze an einem Ort zusammenzuführen, oder von einem edlen Kampf der Jahreszeiten, von denen jede sich wetteifernd um diese Gegend bemüht. Der Boden bringt nicht nur das verschiedenste Obst hervor, das man sich kaum zusammen denken kann, sondern er sorgt auch für lange Zeit für reife Früchte. Die edelsten unter ihnen, Weintrauben und Feigen, beschert er zehn Monate lang ununterbrochen. Die übrigen Früchte reifen nach und nach das ganze Jahr hindurch. Denn abgesehen von der milden Witterung, trägt zur Fruchtbarkeit dieser Gegend auch die Bewässerung durch eine sehr kräftige Quelle bei, die von den Einwohnern Kafarnaum genannt wird ... Die Landschaft erstreckt sich in einer Länge von 30 und in einer Breite von 20 Stadien ."

Mit diesen fast überschwänglichen Worten beschreibt Flavius Josephus das Gebiet zwischen Kafarnaum und Magdala, die Ebene Gennesar, das fruchtbare Kernland Galiläas. Doch die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse sahen für die Mehrheit der Bevölkerung ganz anders aus.

Will man sich einen Einblick in diese Verhältnisse der etwa eine Million Menschen zählenden Gesamtbevölkerung Palästinas verschaffen, dann muss man zwischen Galiläa - und Samaria - auf der einen Seite und Judäa und Jerusalem auf der anderen Seite unterscheiden.

Grundsätzlich war das Land geprägt durch Landwirtschaft, also Ackerbau und Viehwirtschaft, sowie Handwerk und Handel. Dabei versteht es sich von selbst, dass in Galiläa die Landwirtschaft dominierte. Am See selbst war sie darüber hinaus mit der Fischerei verknüpft. Im Süden und in Jerusalem traten dagegen Handwerk und Handel in den Vordergrund.

Doch gab es natürlich auch in Judäa Weideland, Feld- und Gartenbau, genauso wie in Galiläa bestimmte Handwerksberufe unentbehrlich waren.

Zu den gängigen Berufen zählten etwa

Schneider,
Sandalenmacher,
Fleischer,
Gerber (vgl. Mk 9,3),
Bäcker,
Schmiede,
Töpfer
und natürlich auch Baumeister - Josef von Nazaret gehörte zu dieser Gruppe. Er wird ausdrücklich als ["tékton"] (Mt 13,55) bezeichnet, was mehr bedeutet, als unsere Übersetzung mit dem Wort "Zimmermann" normalerweise wiederzugeben in der Lage ist.
In Jerusalem gab es darüber hinaus Kunstweber.
Und das dort befindliche Käsemachertal westlich des Tempelareals deutet auf eine entsprechende Berufsgruppe hin.
Darüber hinaus müssen wir in der damaligen Zeit mit einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Arbeitslosen rechnen. Hier genaue Zahlen anzugeben, ist aber schlicht und ergreifend unmöglich.

Zur sozialen Schichtung der Bevölkerung

Dass die soziale Schichtung der Bevölkerung gravierende Unterschiede aufwies, lässt sich von vorneherein vermuten. Die beißenden Klagen der alttestamentlichen Propheten sprechen hier ja eine deutliche Sprache.

1. Die Oberschicht
Eine dünne Schicht von Großgrundbesitzern bildete die Oberschicht in Israel. Diese Großgrundbesitzer konnten es sich leisten, in einer Stadtwohnung in Jerusalem zu wohnen.

2. Die Unterschicht
Die Masse der Bevölkerung bestand aber aus Kleinbauern und Tagelöhnern.
Von ihnen waren vor allem die Tagelöhner am schlechtesten dran. Sie lebten gleichsam von der Hand in den Mund, fanden jeweils nur für kurze Zeit Arbeit, manchmal nur für einen Tag, und mussten dann Tag für Tag darauf warten, dass sie von jemandem angeworden wurden. Ganz ähnlich wie das das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg schildert, standen sie dann auf dem Marktplatz herum und harrten der Dinge, die da kommen sollten (vgl. Mt 20,1-16).
Tagelöhner wurden im übrigen nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt. Auch für die Fischerei und andere Geschäfte konnten sie angeworben werden. Von Zebedäus, dem Vater des Jakobus und Johannes, hören wir, dass er für den Fischfang Lohnarbeiter beschäftigte (Mk 1,20).
Der Tageslohn betrug wohl - so lässt der Evangelienbericht zumindest vermuten - in der Regel einen Denar.

3. Die Mittelschicht
Natürlich existierte auch in Israel so etwas wie eine soziale Mittelschicht. Sie dürfte im gesellschaftlichen Gefüge so etwas wie ein stabilisierender Faktor gewesen sein.
Zu dieser Mittelschicht gehörten die Handwerker, die Kleinhändler, aber auch die Leviten und die gewöhnlichen Priester, von denen es 7000 gegeben haben soll.
Die einfachen Priester wurden zu einem Wochendienst am Tempel eingeteilt. Bei der großen Menge von Priestern - das Amt wurde in der Regel ja vererbt - wurden sie nur selten vom Dienst getroffen. Sie konnten also unmöglich vom Tempel leben und waren gezwungen, neben ihrem Priesteramt einen anderen Beruf auszuüben.
So konnten es sich die meisten Priester auch kaum leisten, in der Hauptstadt zu wohnen. Jericho, das in unmittelbarer Nähe von Jerusalem liegt, war daher ein beliebter Wohnort für die einfachen Priester. Jericho galt deshalb auch als Priesterstadt.

4. Sklaven
Unter diesen drei sozialen Schichtungen muss man - wie in der gesamten antiken Welt - dann die Sklaven ansiedeln.
Das Vorhandensein von Sklaven in Israel wird uns auch in den Gleichnissen der synoptischen Evangelien bestätigt. Manchmal ist das in den Übersetzungen aber nicht gleich auszumachen, weil das entsprechende griechische Wort, nämlich der Begriff ["doulos"], normalerweise mit "Knecht" übertragen wird. Das aber beschönigt. Wir sollten diesen Begriff nach Möglichkeit mit "Sklave" übersetzen, um nicht unter der Hand harmonisierende soziale Bedingungen in die Zeit Jesu hineinzutragen.
Denn auch für Israel gilt, dass wir uns die Situation der Sklaven in ihrer ganzen Härte vorzustellen haben. Sklave zu sein bedeutete auch in Israel, Eigentum eines anderen zu sein, und zwar mit allen Negativerscheinungen, die dieses Faktum beinhaltet.
Erst auf diesem Hintergrund darf man dann darangehen einzuräumen, dass die Situation der Sklaven im jüdischen Haus nicht ganz so hart gewesen ist, wie die in einem griechischen oder römischen. Dies gilt zumindest dann, wenn der Sklave ein Jude, also ein Volksgenosse, war.
Der jüdische Sklave wusste sich immerhin unter dem Schutz des Gesetzes. Und gemäß diesem Gesetz musste er genauso behandelt werden, wie beispielsweise ein Tagelöhner, der seine Arbeitskraft verkaufte. So war es ihm immerhin möglich zu einem bescheidenen Eigentum zu gelangen.
Am wichtigsten aber war die Gesetzesvorschrift, dass im Sabbatjahr, also in jedem siebten Jahr, die jüdischen Sklaven in die Freiheit zu entlassen waren. Hier offenbart sich ein höchst humaner Zug des israelitischen Gesetzes. Die Polemik der Propheten aber macht schon deutlich, dass auch hier sehr vieles reine Theorie blieb.
Noch schwieriger war es um heidnische Sklaven bestellt. Sie erfreuten sich der jüdischen Privilegien nicht. Darum bemühten sich eine ganze Reihe heidnischer Sklaven darum, als Proselyten in die Synagoge aufgenommen zu werden.
Abschließend möchte ich nur noch erwähnen, dass die Anzahl der Sklaven in Israel nicht annähernd so hoch gewesen sein dürfte, wie etwa in Griechenland oder gar im Rom der damaligen Zeit.

Landwirtschaft und Großgrundbesitz
Im Blick auf die kleine Oberschicht habe ich schon angedeutet, dass die Gegensätze in den sozialen Verhältnissen durch eine höchst ungleiche Verteilung des Landbesitzes noch einmal gesteigert wurden. Der Besitz konzentrierte sich in seiner Masse in den Händen ganz weniger.

1. Besitz des Königs
Zur Zeit des Königs Herodes' d. Gr. befand sich der größte Teil des Besitzes natürlich in den Händen des Königs selbst. Aber auch unter seinen Söhnen war das nicht anders. Es dürfte keine Frage sein, dass sich die Söhne des Herodes die ertragreichsten Gebiete des Landes gesichert hatten.
Von Herodes Antipas wissen wir, dass er aus Galiläa und Peräa jährlich 200 Talente herauswirtschaften ließ. Die Güter des Archelaos wurden nach dessen Verbannung verkauft. Zwar wissen wir nicht, wer diese Ländereien erworben hat, doch kamen als Käufer natürlich selbst wieder nur kapitalkräftige Leute in Frage.

2. Pacht, Oikoswirtschaft und Lehenswesen
Im Blick auf die Gleichnisse der Evangelien ist das Phänomen der Pacht bzw. des Lehens interessant. Schon in seleukidischer Zeit kam es schließlich vor, dass der König Land an verdiente Leute seiner Umgebung, an Minister oder Militärs, als Lehen vergab.
Einen interessanten Einblick in die Verwaltung solcher Güter gewähren uns die sogenannten Zenon-Papyri.
Zenon war Beauftragter des Apollonios, der beim König von Ägypten den Posten eines Finanzministers bekleidete. Apollonios besaß aber in Galiläa, in Beth-Anath, ein Landgut, das Zenon mit einem ansehnlichen Stab von Griechen im Jahr 260 / 259 v. Chr. besichtigte und dabei auch zahlreiche andere Geschäfte tätigte. Eine Ablieferungsliste, die gewachste Fässer und verpichte Krüge mit Wein betrifft, ist uns erhalten geblieben.
Wir können vermuten, dass Apollonios die Domäne an galiläische Bauern verpachtet hatte und sie von diesen bearbeiten ließ. Ein Papyrus berichtet nun davon, dass Beauftragte des Apollonios sich darum mühten, Bauern, die bei der Ablieferung Schwierigkeiten bereiteten, zum Einlenken zu bringen.
Die Zenon-Papyri veranschaulichen uns dadurch den Hintergrund auf dem etwa das Gleichnis von den aufsässigen Winzern (Mk 12,1-9 parr) angesiedelt ist. Auch hier geht es ja um einen Weinberg, den ein ausländischer Besitzer an galiläische Winzer verpachtet hatte. Diese Winzer machten nun bei der Ablieferung ihrer Pacht Schwierigkeiten. Ein Vorfall, der offenbar gar nicht so selten war.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich für die Pachtverträge zwei Formen ausmachen lassen:
Bei der Teilpacht verpachtete der Grundbesitzer den Acker oder Weinberg und ließ die Ernte durch seinen Beauftragten überwachen. Die Pacht bestand in der Ablieferung eines prozentual festgelegten Teils der Ernte, die natürlich in verschiedenen Jahren auch unterschiedlich ausfiel. Darum musste der Eigner bei der Ernte auch anwesend sein oder diese von einem Beauftragten kontrollieren lassen. Diese Form der Pacht ist im genannten Gleichnis vorausgesetzt.
Bei der zweiten Form ist die Pacht für ein Stück Land von vornherein festgelegt. Unabhängig vom jeweiligen Ertrag war dann Jahr für Jahr die gleiche Pacht fällig.
Neben der Verpachtung gab es im übrigen auch die Form der Oikoswirtschaft. Bei ihr war ein Verwalter für den auswärts oder im Ausland wohnenden Gutsherrn tätig. Dieser Verwalter hatte für die Arbeiter und Sklaven zu sorgen und war seinem Herrn selbstverständlich Rechenschaft schuldig. Auch die Oikoswirtschaft spiegelt sich in manchen Gleichnissen der Evangelien wider, zum Beispiel

- in Lk 12,42-43, der Frage nach dem treuen und klugen Verwalter,
- in Lk 16,1-8, dem Gleichnis vom ungetreuen Verwalter,
- und in Mk 13,34-35, der Mahnung zur Wachsamkeit.


Handel
Wenn in einer Wirtschaft der Großgrundbesitz dominiert, dann spielt meist auch der Handel eine ganz wichtige Rolle. So kam in Israel mit dem Ausbau des Großgrundbesitzes auch der Export in Schwung.
In erster Linie exportierte man Naturalien wie
Öl,
Wein,
Oliven
und Getreide
Das Straßennetz, das vor allem durch die Römer gefördert worden war, war ja relativ gut ausgebaut, so dass Handelsbeziehungen leicht geknüpft werden konnten.
Eine wichtige Verbindungslinie war die Straße von Caesarea am Meer durch Galiläa, die sogenannte "via maris", die nach Damaskus führte. Auch Jerusalem hatte eine direkte Straßenverbindung nach Caeserea, jener wichtigen Hafenstadt.
Dass der Handel eine immer wichtigere Rolle spielte, ist auch daraus ersichtlich, dass Herodes d. Gr. gerade den Hafen von Caesarea ausbauen ließ. Die Gründung dieser neuen Stadt fällt in das Jahr 10 v. Chr.
Ein weiterer Faktor, der die Handelsbeziehungen begünstigte, war das Imperium Romanum an sich. Dieses gewaltige Reich mit seiner Infrastruktur und der sprichwörtlichen Pax Romana begünstigte den internationalen Handelsaustausch immens. So verfügten die israelitischen Großgrundbesitzer durchweg über gute Auslandsbeziehungen.
In Apg 12,20 ist beiläufig auf königliche Exportgeschäfte Bezug genommen, die Herodes Agrippa mit den Küstenstädten Tyros und Sidon betrieb. Beide Städte bezogen aus seinem Land ihre Nahrungsmittel.
In Jerusalem wurden regelmäßig Märkte abgehalten. Belegt sind ein Getreide-, ein Vieh-, ein Früchte- sowie ein Holzmarkt. Es gab auch einen Auktionsstein, auf dem Sklaven und Sklavinnen zur Schau gestellt und zum Verkauf angeboten wurden.

Zur Wohnsituation
Nach diesem Blick auf die größeren Zusammenhänge möchte ich nun noch die Familie stärker in den Blick bringen. Und als Einstieg hierzu scheint es mir sinnvoll zu sein, das Wohnen der Menschen, also die Wohnsituation in Israel genauer zu betrachten.
Dabei ist schon wichtig zu sehen, dass das dörfliche Haus oft nur aus einem einzigen Raum bestand. In ihm war die ganze Familie untergebracht, lebte sie und schlief sie auch.
Aus verschiedenen Gleichnissen der Evangelien können wir ein klein wenig vom Leben in solch einem Haus erahnen. So können wir Mt 5,15 entnehmen, dass ein Licht, das man auf einen Leuchter stellte, in der Regel ausreichte, das ganze Haus zu erleuchten. Hoch interessant ist auch die Schilderung in Lk 11,5-7, dem Gleichnis vom bittenden Freund. Es lässt erahnen, wie sich im ganz normalen Alltag ein Mann mit seinen Kindern im Haus zum Schlafen legt, die Türe versperrt und dann natürlich nicht mehr gestört werden möchte.
Wenn eine Familie ein wenig Vieh besaß, war dieses meistens auch noch im Haus untergebracht. Der Wohnraum der Menschen war dann etwas erhöht, der Platz, an dem das Vieh untergestellt wurde, war dann ebenerdig.
Gedeckt war das Dach des Hauses mit Schilf, Heu und Zweigen. Dies macht es möglich, dass man - wie Mk 2,4 es schildert - das Dach aufbrechen kann (Mk 2,4: ["exorýxantes"]). Die Hauswand muss man sich aus Lehm oder Reisig gefertigt vorstellen.
Das städtische Haus in Jerusalem hingegen war zweistöckig. Im ersten Stock befand sich ein weites, die ganze Fläche des Hauses umfassendes Obergemach ( ["hyperoon"]). Es war in der Regel über eine Außentreppe zu erreichen. In einem solchen Raum versammelten sich die Apostel nach Apg 1,13. Vielleicht war auch der Raum des Abendmahles, in dem sich Jesus mit den Zwölfen zur Feier versammelte, solch ein Obergemach (Mk 14,14).
In der Stadt gab es natürlich auch palastartige Gebäude. Sie besaßen einen größeren Vorhof, der von einem Torhäuschen abgeschlossen war. Mk 14,68 erinnert uns an solch eine Situation.
Aus den Evangelien bekannt ist darüber hinaus der Jahrmarkt im äußeren Tempelvorhof, der im Zusammenhang mit dem Paschafest steht und etwa drei Wochen vor dem Fest begann.
Die Gewinne des Exporthandels kamen gewiss vor allem den Besitzenden zugute.

Das Leben im Haus
1. Zum Verhältnis von Mann und Frau
Die Gesellschaft war stark patriarchalisch strukturiert. Der Mann war der Herr und Besitzer des Hauses.
In rechtlicher Hinsicht war die Frau mehr als nur benachteiligt. Sie galt gleichsam als das Eigentum des Mannes.

2. Eherecht
An dieser Stellung der Frau hatte sich auch zur Zeit Jesu nichts geändert. Ganz im Gegenteil: innerhalb des Eherechts hatte diese Vorstellung sogar zur Meinung geführt, dass ein Mann immer nur eine fremde Ehe, nie aber seine eigene Ehe brechen kann. Er kann im Grunde immer nur das Besitzrecht eines anderen Mannes schädigen, die Frau spielt in dieser Frage letztlich keine Rolle.
Nach dieser Rechtsvorstellung galt eine Ehefrau dementsprechend auch als Ehebrecherin, wenn sie sich mit einem Unverheirateten einließ.
Die Scheidung einer Ehe war in der damaligen Zeit verhältnismäßig leicht. Je nach Rechtsauffassung stand es dem Mann im Grunde nahezu frei, seine Frau aus einem meist belanglosen Grund aus der Ehe zu entlassen. Selbstverständlich hatte die Frau nicht die Möglichkeit, die Ehe zu lösen.
Welche Praxis bei der Ehescheidung zur Zeit Jesu nun genau vorherrschend war, ist schwer zu sagen. Wir können heute nur noch ausmachen, dass verschiedene Gruppen die Frage wohl unterschiedlich handhabten.
Die Pharisäer ließen die Ehescheidung beispielsweise zu. Sie legten aber innerhalb ihrer verschiedenen Rechtstraditionen unterschiedlich strenge Maßstäbe an. Die Hilleliten sollen die Scheidung bereits erlaubt haben für den Fall, dass die Frau die Suppe hatte anbrennen lassen.
Bei anderen, vor allem Reformgruppen, scheint die Ehescheidung hingegen verpönt gewesen zu sein.

Ich wünsche dir GOTTES Segen für dein Referat!

Quelle
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!