Autor Thema: Fahnenschwingen bei Anbetung  (Gelesen 4627 mal)

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Fahnenschwingen bei Anbetung
« am: 26 November 2006, 16:25:24 »
Woher kommt das Fahnenschwingen für Christus bei Anbetungen in den Freien Gemeinden?

Offline Roland

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Re: Fahnenschwingen bei Anbetung
« Antwort #1 am: 27 November 2006, 21:32:21 »
Ich kenne nach dem Neuen Testament keine Fahnentradition. So etwas stammt vielmehr aus weltlichen Vereinen. Auch in charismatischen Gemeinden war das m. E. bis Anfang der 90er Jahre unbekannt. Nach meinem ersten Eindruck sehe ich für Fahnen keine Notwendigkeit im Gottesdienst, ich sehe keinen biblischen Auftrag hierfür.

Aus biblischer Sicht gehört das meiner Meinung nach in die
Kategorie: Menschliche Traditionen ohne direkten biblischen Bezug, wie sie jede Gemeinde in der Welt hat, und die im Grunde genommen nicht immer verkehrt sind und sowohl hilfreich als auch kontraproduktiv bis hin zu unbiblisch sein können. Ich kann mir kaum vorstellen, mir mit einer Fahne meine persönliche Hingabe an den Herrn Jesus bzw. die meiner Gemeinde zu vertiefen bzw. Ausdruck zu verleihen, noch weniger, dass sich der Teufel beim Anblick der Fahne erschrickt.

Zunächst stellen sich zwei Fragen. Erstens: Was ist Gottes Wille und was sagt Gottes Wort zum Gebrauch von Fahnen und Flaggen im Gottesdienst. Zweitens: Was ist der Wille Gottes in Bezug auf Seine Gemeinde bzw. auf das Zusammenkommen der Gläubigen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf eine bestimmte Bibelstelle hinweisen:

Römer 12, 1:

"Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene."

Dieser Vers sagt aus, dass wir zuerst uns selbst als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer Gott darbringen sollen. Nachdem Christus uns errettet hat, gehören wir IHM. Unser altes "Ich" ist gestorben d.h. es gilt nur noch der Wille Gottes. Entsprechend muss die erste Frage lauten: "Willst Du Herr, dass wir Dich auch mit Fahnen und Flaggen ehren?" Ich könnte mir vorstellen, dass der Herr antwortet: "Bring dich mir erst einmal selber dar, und dann befolge das, was ich dir in meinem Wort sage."

Weiter werden wir aufgefordert nicht gleichförmig dieser Welt zu sein und zu prüfen, was der vollkommene und wohlgefällige Wille Gottes ist. Dieses Prüfen funktioniert nur anhand der Bibel und dort werden wir nirgendwo zu dieser Praxis aufgefordert. Wenn uns nur Seine Person erfüllt, unser Herz keine "eigenwillige" Partition mehr hat und nur Seine Interessen im Vordergrund stehen, dann hat ER Freude an Dir und mir und legt keinen Wert auf zusätzliche "Hilfsmittel".

Was das Zusammenkommen der Gläubigen in der Gemeinde betrifft nur soviel: Die Gemeinde gehört Ihm und Er ist der Hausherr. Er hat in Seinem Wort bestimmt, wie der Ablauf eines Ihm wohlgefälligen Gottesdienstes sein soll. Auch hier gilt: Es kommt auf Dein und mein Herz an. "Hilfsmittel" in der Gemeinde braucht Er nicht.

Zu dieser Thematik möchte ich noch auf einen interessanten Artikel hinweisen (Topic 02-2005):

"Wer heute sogenannten Lobpreis- oder Anbetungsteilen von Gottesdiensten beiwohnt, kann dort auf ein recht kunter­buntes Programm stoßen. Da wird zur Anbetung ekstatisch gesungen, gefühlvoll getanzt oder nach geheimnisvollen Mustern werden bunte Fahnen oder Tücher geschwenkt. Neuester Schrei ist die Akroba­tik zur Anbetung. Akrobaten zeigen z. B. an von Kirchen-decken herabhängenden Sei­len allerlei Kunststücke zur „Ehre Gottes”. Mittlerweile gibt es auch Fachliteratur, wie das Buch „Lobpreis und Anbetung mit Bannern und Flaggen”, die Anweisungen zur Gestaltung des Lobpreises gibt und auch gleich theologische Begründungen dazu liefert.

Doch sind Tanz, Fahnenschwenken oder artistische Einlagen zur Anbetung und zum Lobpreis Gottes überhaupt biblisch? Die Verfechter dieser Lobpreis-Ele­mente verweisen dabei gerne auf das Alte Testament (AT), beispielsweise auf Psalm 149, in dem das Volk Israel aufgefordert wird, mit Reigen und Tamburin dem Namen Gottes zu lobsingen. Dabei unterschlagen sie aber, dass dazu — nur ein paar Verse weiter — auch das Führen eines zweischneidigen Schwertes gehört, „um Rache zu üben an den Heidenvölkern”.

Wenn al­lles, was im AT für das Volk Israel Gültigkeit hatte, heute noch komplett für alle Christen gilt, dann müssten auch wieder die Beschneidung, Tieropfer und ähnliches ein­geführt werden. Im Gesamtzeugnis der Bibel jedenfalls kommt das Tanzen sehr schlecht weg, wenn man beispielsweise den Tanz des Volkes Israel um das Gol­dene Kalb (2. Mose 32,19) berücksichtigt oder den Tanz der Tochter des Herodias, mit dem sie sich die Enthauptung von Johannes dem Täufer „ertanzte” (Markus 6,22). Der Tanz steht nach biblischem Zeug­nis eher mit dem Heidentum in Verbindung als mit biblischen Handlungen, gar mit der Anbetung.

Das Gleiche gilt für Fahnen und Banner, die nun gar keinen eindeutigen bibli­schen Bezug zum Lobpreis aufweisen. Auch hier steckt mehr Heidentum drin, als viele gottesdienstliche Fahnen­schwenker es wahr haben wol­len. In dem erwähnten Fachbuch wird behauptet, dass der Heilige Geist sich über Fahnen mitteilen wolle und folgendes passiere: „Das Erheben der Flagge hat in der unsichtbaren Welt eine viel größere Bedeu­tung, als wir uns im Moment vorstellen können ... Indem wir unsere Flaggen prophetisch er-heben, rufen wir das Nicht-seiende ins Leben, als ob es schon da wäre ...”

Wenn der Mensch („indem wir unsere Flaggen prophetisch erheben") mit einem Hilfsmit­tel übersinnliche Kräfte beschwört, dann ist das nichts anderes als Magie, pures Heidentum. Dass Fahnen schon immer für magische Zwecke eingesetzt wurden, zeigt auch der National­sozialismus. Viele NS-Fahnen wurden geweiht — zum Teil von Hitler persönlich —, um dadurch den „NS-Geist” zu bannen und -ins Land zu tragen.

Das Anbeten über eine sinnliche Schiene, mittels eines sichtbaren Mediums ist nicht nur im Heidentum, sondern auch im Christentum zu Hause, wie beispielsweise katholische Frömmigkeit zeigt. So et-was widerspricht aber dem neutestamentlichen Zeug­nis. Wahre Anbeter Gottes beten Gott in „Geist und Wahrheit” an (Joh. 4,23-24). Selbst die Musik ist in der Bibel nie Anbetung alleine gewesen, sondern hat­te höchstens begleitende, untergeordnete Funktion.

Einer der bekanntesten Lobpreis (Worship)-Leiter, Graham Kendrick, bekannte vor kurzem selbstkritisch zum Thema „Worship-Musik”: „Es geht einfach immer mehr um Erfahrungen, um Gefühle und Stimmungen ... Ich denke, viele wollen in Anbetungszeiten einfach aus dem wirklichen Leben fliehen. Und natürlich wol­len wir uns dann auch keine Gedanken über Proble­me, über Sünde und Schuld machen ... Themen wie Buße und Reinigung sind in der heutigen Lobpreis-Musik ziemlich verloren gegangen.” Warum verstehen wir so wenig von Anbetung, wa­rum bringen wir Gott so wenig Anbetung dar? Der Bibellehrer Benedikt Peters meint: 'Wir kennen Ihn zu wenig; wir kennen Sein Werk zu wenig; wir kennen Sein Wort zuwenig. Wir lesen die Bibel viel zu wenig und wenn wir sie lesen, viel zu oberflächlich. Begän­nen wir die Bibel regelmäßig, ausgiebig und systema­tisch zu lesen, begegneten wir dort immer wieder un­serem Gott und Retter. In der Schrift sehen wir die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi. Da wird er vor uns immer größer und wir werden immer kleiner.' "

Ich bin der Meinung, dass Fahnen und Banner von der Anbetung unseres HERRN nur ablenken. Die Leute singen christliche Lieder und sind mit Augen und Gedanken bei den Fahnenschwingern.
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!