Autor Thema: Beten im Verborgenen  (Gelesen 1966 mal)

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Beten im Verborgenen
« am: 26 November 2006, 15:08:28 »
Jesus sagt in Matthäus 6.6: Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.
Wiso will Jesus, dass wir im Verborgenen beten; in den Kirchen (auch Freikirchen), aber auch den Hauszellengemeinden wird immer zusammen gebetet, bzw. einer betet die anderen hören zu. Vielen Dank für die Antwort im Vorraus

Offline Roland

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Re: Beten im Verborgenen
« Antwort #1 am: 27 November 2006, 18:02:56 »
Die Öffentlichkeit des Gebets war ebenso wie die der Wohltätigkeit Brauch bei den Juden. Weil die Gebetszeiten festlagen, morgens, mittags und abends, sah man oft auf der Straße einen Beter stehen. Die Gebetszeit wurde damit pünktlich und treu eingehalten. Der Beter sprach dabei nicht laut (das war verboten), sondern flüsterte sein Gebet![
Der Herr verwirft den Öffentlichkeitscharakter des Gebets. Er sagt V. 6: Wenn du betest, dann geh in deine Kammer, in dein Tameion hinein und schließe die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen (Krypta).
Was ist das Tameion?
Das Tameion = Kammer ist die Vorratskammer, der versteckte, geheime Raum, das innerste Gemach, weil der Vorrat vor Dieben und wilden Tieren gesichert sein muß. Diese Vorratskammer ist die einzige Stube im palästinischen Bauernhaus, die man verschließen kann. Auch besitzt sie kein Fenster. Sie ist also in doppelter Weise geeignet, den Sinn des »Verborgenen« zu veranschaulichen, und zwar insofern, als niemand weder hineingehen, noch hineinsehen kann. - Wie fein wird hiermit von Jesus das Wesen des Gebets im Unterschied zum Gebet des Pharisäers charakterisiert! Wie oft suchte Jesus selbst zum Gebet die Einsamkeit der Nacht auf.
Das Gebetskämmerlein, von dem Jesus spricht, kann aber auch als Einsamkeit mitten im Lärm der Welt und mitten unter den Menschen sein. Aber nur dann, wenn man sich zunächst nach Jesu Rat in heiliger Gewohnheit zum Gebet in die Kammer zurückzieht.

Die Apostelgeschichte enthält Beispiele äußerst gesegneter, apostolischer Gebetsgemeinschaften (Apg 1,14; Apg 1,24; Apg 2,46ff.; Apg 4,24ff.; Apg 5,12; Apg 12,5; Apg 13,3). Das Lied der Erlösten in Off 14,3 ist ein gesungenes Gebet des Lobpreises, so wie auch die Engel und die Ältesten dort gemeinsam beten(Mt 19,1ff.). Wichtig ist eine weitere Überlegung: Jesus selbst nahm am Gottesdienst der Synagoge weiterhin teil, die Apostel sogar noch an den Gottesdiensten im Tempel (Apg 3,1). Noch entscheidender ist die Tatsache, dass Jesus auf das gemeinsame Gebet größte Verheißungen gelegt hat, so z. B. Mt 18,19ff. Wir finden also, dass Gebetsgemeinschaft und gottesdienstliche Versammlungen nicht nur erlaubt, sondern geradezu gefördert werden. Wie ist demnach Mt 6,5ff. zu verstehen? Erstens: Es bleibt durch Jesus verurteilt, dass wir durch unser Gebet die Aufmerksamkeit und den Ruhm bei Menschen suchen. Zweitens ist das persönliche Gebet "unter vier Augen", nämlich zwischen dem Vater und dem Jünger allein, unabdingbar. Wir brauchen dieses persönliche Reden mit dem Vater allein in der Stille. Jünger beten also einsam und gemeinsam.
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!