Autor Thema: Gibt es im Neuen Testament einen weiblichen Apostel?  (Gelesen 5250 mal)

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Offline Roland

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Gibt es im Neuen Testament einen weiblichen Apostel?
« am: 25 Juli 2006, 00:54:15 »
Als Beleg für diese Behauptung wird Römer 16,7 genannt. Was denkst du darüber?
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Stefan

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Re: Gibt es im Neuen Testament einen weiblichen Apostel?
« Antwort #1 am: 18 März 2007, 10:02:35 »
Ist natürlich Unsinn. Nur weil es vielleicht grammatisch möglich ist, in »Junias« sowohl eine männliche als auch aine weibliche Namensform zu lesen, wird hier von interessierter Seite eine weibliche Form vorausgesetzt, obwohl aus dem neutestamentlichen Kontext völlig zweifelsfrei die Absurdität weiblichen Apostolats erkennbar ist.

Es wird immer wieder Leute geben, die ihre vorgefaßten Meinungen nachträglich anhand der Schrift rechtfertigen wollen und hierfür Begründungen mit der Lupe suchen. Wer umgekehrt herangeht und erst liest, um sich dann eine Meinung zu bilden, wird nie auf die Idee kommen, es könne eine Apostelin gegeben haben.

Offline kenny

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Re: Gibt es im Neuen Testament einen weiblichen Apostel?
« Antwort #2 am: 20 Februar 2008, 14:34:23 »
Der Predigtdienst ist Auftrag der Männer. Im Alten Tesament erfahren wir, dass Priester Männer gewesen sind. Auch Jesus sandte zu Seinem Predigtdienst Männer aus. In den Briefen heisst es, dass Frauen in der Gemeinde zu schweigen und nicht zu lehren haben. Also kann es keinen weiblichen Apostel geben. Die Zwölf Apostel waren allesamt Männer!
Jesus ist der Allergrösste!

Ted

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Re: Gibt es im Neuen Testament einen weiblichen Apostel?
« Antwort #3 am: 21 Februar 2008, 10:38:26 »
Die von Roland zitierte Bibelstelle lautet:

Grüßet den Andronikus und den Junias, meine Gefreundeten und meine Mitgefangenen, welche sind berühmte Apostel und vor mir gewesen in Christo. (Römer 16,7)

In Luther (1545/1912/1956) steht hier ausdrücklich "den" (in Schlachter 1951/Elberfelder 1905 ohne Artikel).

Zum Namen "Junias": die Endung auf "s" deutet auf einen männlichen Vornamen hin, da Frauennamen im Lateinischen (wie auch im Griechischen und Deutschen) so gut wie immer auf einen Vokal enden. Einen weiteren Hinweis entnehme ich dem Lexikon der Vornamen: Junia, weiblicher Vorname, abgeleitet vom Monat Juni.

Schliesslich geht aus dem Gesamtzusammenhang der Bibel hervor, dass Apostel stets Männer sein mussten, auch über die 12 "Stammapostel" hinaus.

Hier schliesse ich mich der Argumentation von Stefan und Kenny an.

« Letzte Änderung: 21 Februar 2008, 10:41:19 von Ted »

Offline Roland

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Re: Gibt es im Neuen Testament einen weiblichen Apostel?
« Antwort #4 am: 22 Februar 2008, 23:53:06 »
Hallo Ted,

danke für die gute Antwort. Ich sehe es genauso wie Du.
Über die Mailingliste Bibelgriechisch hat Thomas J. einen recht interessanten Aufsatz zu der Problematik in Röm 16,7 veröffentlicht:


Rm 16,7: Grüßt Andronikus und Junias [Fn.: o.: Junia], meine Verwandten und meine Mitgefangenen. Sie sind solche, die sich auszeichnen unter den Aposteln, und waren vor mir in CHRISTUS.

Bei diesem Vers ergeben sich drei Schwierigkeiten: Ist mit Iounian ein Mann oder eine Frau gemeint? Wie muss episeemoi en tois apostolois übersetzt werden? Was bedeutet der Begriff apostolos (Apostel) an dieser Stelle?


1. Ist mit dem gr. Form „Iounian“ (4. Fall) ein Mann (Junias) oder eine Frau (Junia) gemeint?

Das kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden, denn es hängt vom Akzent ab. Die älteren Handschriften (Majuskeln, meist datierend aus der Zeit vor dem 9. Jh.) haben aber keine Akzente. Die weibliche Form hat den Akut auf der zweiten Silbe (Iounian), die männliche den Zirkumflex auf der letzten (Iounian). Die meisten jüngeren Hss (Minuskeln, d. s. die Mss ab dem 9. Jh.) haben den Akut auf der zweiten Silbe (Iounian), also die weibliche Form ; Mss mit der männlicher Form (Zirkumflex auf der letzten Silbe) sind selten . Die lat. Vulgata aus dem 4. Jhdt. und die syrische Peschitta aus dem 5. Jhdt. deuten Iounian weiblich.
   
Grundsätzlich muss man bedenken, dass Akzente eine wackelige Grundlage sind, da die Autografen und die alten Abschriften keine Akzente setzten. Wenn die Schreiber des Hoch- und Spätmittelalters und eine Reihe von Kirchenvätern  Iounian als weiblich deuteten, ist das noch kein Beweis dafür, dass ihre Interpretation richtig war.
   
Epiphanius schrieb im 4. Jhdt., dass „Junias, dessen sich auch Paulus selbst erinnerte, Aufseher [o. Bischof] wurde in Apameias [Apamea] in Syrien“ . Gemäß Rufinus‘ lateinischer Übersetzung des Römerbriefkommentars von Origenes deutete Origenes den Namen Iounian als männlich.  Wer sich nun tatsächlich getäuscht hat, ob Chrysostomos einerseits oder ob Epiphanius und Origenes (bzw. der Origenes-Übersetzer Rufinus) andererseits, ist schwer feststellbar.
   
Weder die männliche noch die weibliche Version dieses Namens kommen in der gesamten griechischen Literatur häufig vor; ein „Junias“ wird in einer Inschrift erwähnt  und „Junia“ heißt eine Schwester des Brutus bei Plutarch . In den lateinischen Schriften ist Junia ein allgemein gebräuchlicher Name, Junias hingegen kommt nicht vor, was aber nicht viel bedeuten muss. Kommentatoren wie Nicoll, Lange, Zahn und Lenski weisen darauf hin, dass der gr. Name Iounias eine durch Kontraktion entstandene Kurzform des lat. Junianus/Junianius sein kann, wie Silas eine Kurzform von Silvanus und Amplias von Ampliatus. David Jones  meint, die Tatsache, dass man in der lat. Literatur keinen Junias findet, sei nichts Außergewöhnliches. Die Entstehung von Namen mit -as Endung anstatt der gewöhnlichen -us Endung lasse sich durch die Namensänderung erklären, die stattfand, wenn ein Sklave von seinem Herrn aufgrund besonderer Verdienste freigelassen wurde. Dann bekam nämlich der Sklave den Familiennamen seines Herrn, aber mit der Endung -as. Ein freigelassener Sklave, dessen Herr den gebräuchlichen Namen Junius hatte, würde demnach Junias heißen. Letzte Entscheidungen allerdings können nicht aufgrund des Vorkommens oder Nichtvorkommens eines Namens in anderen Schriften gemacht werden. Das Fehlen eines Junias in der lat. Literatur ist kein Argument dafür, dass es unter den römischen Christen nicht einen Mann mit diesem Namen gegeben haben kann. Auch andere gr. Namen, die im NT vorkommen, sind in der gr. und lat. Literatur einmalig.
   
Andererseits, wenn Iounian eine Frau war, erhebt sich die Frage, ob man annehmen darf, dass eine Frau (die vielleicht die Ehefrau des Andronikus war) zusammen mit Männern im selben Gefängnis saß; denn so, wie Paulus dieses hier berichtet, waren sie zusammen im Gefängnis.
   
Die Frage, ob es sich um eine Frau handelt oder um einen Mann, muss also offen gelassen werden.


2. Wie muss episeemoi en tois apostolois übersetzt werden?

Waren die Beiden „Ausgezeichnete/Angesehene unter den Aposteln“ oder „ausgezeichnet/angesehen von Seiten der Apostel“?
   
Die Übersetzung „ausgezeichnet/angesehen durch die Apostel / von Seiten der Apostel“ (also en instrumental aufgefasst) ist zwar nicht unmöglich, scheint aber etwas künstlich; Paulus hätte sich unzweideutig ausdrücken können, indem er den üblichen Begriff episeemoi hüpo toon apostoloon (ausgezeichnet durch die Apostel; [hoch] angesehen/geschätzt von den Aposteln) verwendet hätte.
   
Andererseits wird das inklusive Verständnis im Gr. oft (aber nicht ausschließlich) mit einfachem Genitiv dargestellt, z. B. in 3Makk 6,1 .
   
Alles in allem ist es jedoch naheliegend, en lokal („in, bei, unter“) aufzufassen: „angesehen [o.: berühmt; ausgezeichnet] unter/bei den Aposteln“. Bei der Übersetzung „unter“ bleibt offen, ob sich die „Ausgezeichneten/Angesehenen“ innerhalb der Gruppe der Apostel befinden oder außerhalb. Eine inklusiven Deutung ist nicht zwingend, d. h., „unter den Aposteln“ nötigt keineswegs zur Annahme, dass Andronikus und Junia selber zu der Schar jener Apostel gerechnet werden. Wenn sie „unter den Aposteln“ angesehen und geschätzt sind, müssen sie selber nicht notwendigerweise zur Gruppe der Apostel zählen. Einen ähnlichen Fall finden wir in 2Kr 2,15, wo Paulus schreibt: „wir sind ein angenehmer Duft Christi für Gott … unter denen, die ins Verderben gehen (en tois appollümenois)“. Paulus ist nicht eingeschlossen in die Gruppe der Verlorenen, unter der er ein Duft Christi ist.
   
Paulus kann daher in Rm 16,7 einfach sagen wollen: Andronikus und Junia sind Ausgezeichnete/Angesehene – nicht nur bei/unter den Heiligen allgemein, sondern vor allem bei/unter den Aposteln; unter ihnen werden sie hoch geschätzt, sind sie angesehen, ausgezeichnet.
   
Eine TLG (Thesaurus Linguae Graecae) -Suche nach dem Begriff episeemos in der gesamten griechischen Literatur hat gezeigt, dass das dem episeemos folgende en oft den Bereich anzeigt, wo das Ausgezeichnetsein/Ansehen besteht.  Dieses bestätigt die oben angegebene Übersetzung von Rm 16,7. Mit en tois apostolois scheint der Bereich angezeigt zu sein, wo das Ansehen/Ausgezeichnetsein bestand, nämlich „unter/bei den Aposteln“.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Daniel B. Wallace: Auch dann, wenn en mit Dativ Plural im Sinne von „unter“ verwendet wird, bedeutet das nicht notwendigerweise, dass Andronikus und Junia zur Gruppe der Apostel gehören.“


3. Was bedeutet der Begriff apostolos an dieser Stelle?

Das Wort apostolos (Sendbote; Gesandter) wird im NT in verschiedenem Sinne gebraucht. Jesus bestellte die Zwölf als seine ersten Sendboten. Paulus wurde ebenfalls direkt vom Herrn als besonderer Sendbote bestellt (Ga 1; 2Kr 12,12). Auch Jakobus scheint eine besondere Stellung innegehabt zu haben (1Kr 15,7; Ga 1,19). Diese waren fundamentlegende Apostel (Eph 2,20; 3,5), gleichsam Apostel erster Qualität, ersten Ranges; sie empfingen ihre Botschaft direkt vom Herrn. Aber das Neue Testament begrenzt den Begriff Apostel nicht auf sie. Andere wie Barnabas (Ag 14,4; vgl. Ga 2,8.9.), Silas und Timotheus (Ag 17,1.4; 1Th 1,1.2; vgl. 2,6.7.) und Titus (Tt 1,5; 3,12) werden in einem weiteren Sinne „Apostel“ genannt Sie hatten nicht dieselbe Qualität und Autorität, übten aber eine ähnliche Tätigkeit wie die fundamentlegenden Apostel aus. Sie waren Evangelisten und Lehrer, wiesen neuen Gruppen den Weg, reisten als Lehrer umher. Ihre Tätigkeit war eine leitende, aber nicht auf den Ort bezogen. Man kann diese Gruppe auch als „missionarische Lehrer“ bezeichnen. Da der Dienst von Frauen nicht ein leitender sondern ein unterstützender war, war es selbstverständlich, dass es keine weiblichen Apostel gab.

In 2Kr 8,23 und Php 2,25 wird der Begriff apostoloi sehr allgemein verwendet: Ausgesandte zu einem bestimmten Zweck. Diese Bedeutung scheidet jedoch für Rm 16,7 aus, da dort von einer bestimmten, offensichtlich bedeutenden, Gruppe von an mehreren Orten bekannten und anerkannten „apostoloi“ die Rede ist.
 
In welchem Sinne nun wird der Begriff apostolos in Rm 16,7 verwendet? Auffällig ist, dass Paulus sich selber nicht mit einschloss. Er schrieb nicht „uns Aposteln“. Das deutet darauf hin, dass er „Apostel“ im weiteren Sinne des Wortes verstand. Nun hatten aber im Neuen Testament jene „Apostel“ (ob im engeren oder im weiteren Sinne verstanden) eine gewisse Vollmacht in der Gestaltung von neuen Gemeinden. Sie waren Missionare und Lehrer. Sie lehrten die neuen Gruppen von Christen, wiesen ihnen den Weg in der Gestaltung ihrer Gemeinschaft, besuchten sie und unterwiesen sie. Eine derartige autoritative Stellung und Funktion war im NT für eine Frau nicht vorgesehen. (Vgl. 1Tm 2 u.3; 1Kr 11 u. 14; Eph 5,22-33.)
   
Johannes Chrysostomus fasste Iounian als weiblichen Namen auf. In seinem Kommentar zu Rm 16,7 heißt es: „Ja, ein Apostel zu sein ist etwas Großes; aber sogar ausgezeichnet/angesehen zu sein unter ihnen – bedenke, welch großes Lob das ist! Ausgezeichnete/Angesehene waren sie aufgrund der Werke und des Verhaltens [o.: der Ausführung]. Ja, wie groß ist die Weisheit dieser Frau, dass sie sogar des Titels [o.: der Anrede] eines Apostels würdig geachtet wurde.”  Chrysostomos fasste (a) Iounian als Frau und (b) „unter den Aposteln“ inklusiv auf; den Titel „Apostel“ erhielt sie in Chrysostomos‘ Augen aufgrund besonderer Verdienste. Woher er das gewusst haben will, wissen wir nicht. Ein autoritativer Apostel wurde man im NT jedoch nicht aufgrund besonderer Verdienste, sondern durch Berufung Jesu Christi. Chrysostomos‘ Auffassung vom Apostelwesen scheint der Lehre des NT in dieser Hinsicht etwas zu widersprechen. Ein apostolos, ob im engeren und weiteren Sinne verstanden, hatte immer auch leitende Funktion. Ein Apostel war im NT immer auch überörtlicher Lehrer, Verkündiger, geistlicher Vater. Was ihn vom örtlichen Leiter unterschied, war seine Beweglichkeit, aber Leiter war er immer. Und Leiter waren männlichen Geschlechts, ob sie nun Älteste/Aufseher/Hirten/Vorsteher oder Apostel/reisende Lehrer waren. Daher kann das Chrysostomos-Zitat gewiss nicht als Argument dafür verwendet werden, dass es im NT Frauen gab, die eine autoritative Stellung über Männern innehatten.


Schluss:

Der Handschriftenbefund und die griechische Form des Wortes Iounian ist nicht eindeutig genug, um zu entscheiden, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Namen handelt. Wenn der Satz „Sie sind solche, die sich auszeichnen unter den Aposteln“ bedeuten soll, dass sie selber zur Schar der Apostel gehörten (was aber nicht bewiesen werden kann), dann kann mit Iounian nicht eine Frau gemeint sein, da Frauen im NT nicht apostelartige bzw. hirtenmäßige leitende Funktionen innehatten. Wenn der Satz „Sie sind solche, die sich auszeichnen unter den Aposteln“ bedeuten sollte, dass sie selber nicht zu den Aposteln gehörten, sondern lediglich bei/unter ihnen hoch geschätzt und angesehen waren, kann mit Iounian natürlich auch eine weibliche Person gemeint sein.
     
In keinem Fall kann Rm 16,7 als Bestätigung für die (dem NT sonst fremde) Auffassung herangezogen werden, dass eine Frau eine autoritative (oder leitende) Stellung und Funktion im Volk Gottes innehaben kann.

« Letzte Änderung: 23 Februar 2008, 00:00:58 von Roland »
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline kenny

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Re: Gibt es im Neuen Testament einen weiblichen Apostel?
« Antwort #5 am: 18 April 2009, 11:37:16 »
Frauen ist nach der Bibel (vgl. Briefe von Paulus) die Lehre verboten; sie sollen in der Gemeinde schweigen. Damit können sie keine Apostel sein.
Jesus ist der Allergrösste!

BOB

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Re: Gibt es im Neuen Testament einen weiblichen Apostel?
« Antwort #6 am: 22 Oktober 2012, 10:35:33 »
Ist der Name inge ein Frauenname?
Nicht unbedingt, denn in Schweden ist es ein Männername!
Frauen heissen Inger!
Auch in Spanien und Südam.Ländern ist Maria oft für Männer ein Name.
Daher ist es unwichtig ob Junias oder Junia, hier wurde richtig erkannt, daß es KEINE Frauenapostel gab.