Autor Thema: Spurgeon - Verborgene Sünden  (Gelesen 1047 mal)

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Offline Mikki

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Spurgeon - Verborgene Sünden
« am: 16 Mai 2017, 20:12:13 »
Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Fehler.
Ps. 19,10

Selbstgerechtigkeit hat ihren Ursprung teils in dem Stolz, teils und hauptsächlich in der Unwissenheit des Menschen über das göttliche Gesetz. Die Menschen kennen wenig oder gar nicht den erschreckenden Charakter des göttlichen Gesetzes, darum halten sie sich törichter Weise selbst für gerecht. Sie kennen die hohe Geistigkeit und die strenge Genauigkeit des Gesetzes nicht, sonst würden sie andere und weisere Begriffe haben. Laßt es sie nur einmal recht einsehen, wie genau es das Gesetz nimmt mit den Gedanken, wie es jede Bewegung des inneren Menschen richtet, und es wird keine einzige Kreatur unter dem Himmel wagen, sich selbst für gerecht zu halten vor Gott, wenn sie die eigenen Taten und Gedanken ansieht. Laßt es dem Menschen nur klar werden, wie genau und wie unendlich gerecht das Gesetz ist, und seine Selbstgerechtigkeit wird in nichts zusammenfallen - er wird sie als einen unreinen Lappen ansehen, während er sie vorher für ein kostbares Gewand hielt. David, der Gottes Gesetz erkannte und in dem neunzehnten Psalm dasselbe gepriesen hat, wurde veranlaßt, über die Vortrefflichkeit dieses Gesetzes nachzudenken und den Gedanken auszusprechen: „Wer kann merken, wie oft er fehlet?“ und dann zu beten: „Vergib mir meine verborgenen Fehler.“

Die römische Kirche hat im 15. Jahrhundert das Gebot aufgestellt, daß jeder Gläubige alle seine Sünden einmal jährlich dem Priester bekennen soll, und sie hat die Erklärung beigesteuert, daß, wer dieses Gebot nicht erfülle, keine Sündenvergebung zu hoffen habe. Was kann abgeschmackter sein als dieses Gebot? Kann denn der Mensch seine Sünden so leicht angeben, wie er seine Finger zählen kann? Wenn ein Mensch alle die Sünden, die er nur in einer Stunde begeht, aufzählen und dann erst Vergebung erlangen sollte, so käme kein Einziger in den Himmel - denn es gibt eine solche ungeheure Masse von Sünden, die wir nicht kennen, die dennoch genauso Sünde sind wie die, die uns bekannt sind und die wir zu bekennen in der Lage sind. Wenn wir Augen hätten wie Gott, wie anders würden wir von uns selbst denken? Die Sünden, die wir sehen und bekennen, sind wie die Musterproben vom Getreide, die ein Bauer zum Markt bringt, während er die volle Kornkammer zu Hause läßt. Wir bemerken und entdecken nur eine kleine Zahl von Sünden, verglichen mit denen, die uns selbst verborgen sind und von unseren Mitmenschen nicht beobachtet werden. Wir begehen in einer Stunde viele tausend Sünden, über die unser Gewissen uns keine Vorwürfe macht, weil wir ihre Häßlichkeit nie erkannt und weil wir über das göttliche Gesetz nie recht nachgedacht haben. Aber Sünde ist Sünde, ob wir sie sehen oder nicht; sie ist doch in Wahrheit Sünde, obwohl sie vor Gott nicht so groß ist, wie wenn sie mit Wissen und Willen begangen worden wäre, - denn das Wissen und der Wille vermehrt das Wesen der Sünde. Laßt uns daher nach allen unseren Sündenbekenntnissen beten: „Herr, ich habe alles bekannt, was ich weiß, aber ich muß noch hinzusetzen: vergib mir auch meine verborgenen Fehler.“

Quelle glaubensstimme.de und weiterlesen hier
1. Timotheus 1, 5

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