Autor Thema: Die Irrlehren der Zeugen Jehovas  (Gelesen 1128 mal)

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Offline Jose

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Die Irrlehren der Zeugen Jehovas
« am: 11 April 2015, 17:27:12 »
Heute habe ich das Bibelwort gelesen:

Offb 1,17-18 (Elb. 1985, 1992)
17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 
18 und der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Hades.

Da dachte ich an die Zeugen Jehovas, die behaupten, der Mann Jesus sei nicht auferstanden, sondern der Erzengel Michael sei dann erschienen. Das Bibelwort oben aber sagt klar aus: "und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit". Dieses Wort steht bestimmt auch in der Neue-Welt-Übersetzung der ZJ.

Paulus schreibt den Korinthern: "Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden" 1.Kor 15,17. Auch an dieses Wort muss ich oft denken. Die ZJ haben einen nichtigen Glauben. Da helfen ihnen auch all ihre Stunden im Einsatz nichts, die sie für Jehova unterwegs sind.

Persönlich
Vor einigen Tag stand ich durch Gottes Gnade an einer viel benutzten Straße und bot sichtbar die Schrift „GOTT WARTET AUF DICH“ den vorbeigehenden an. Plötzlich sah ich in einiger Entfernung eine Gruppe Frauen, die miteinander redeten. Ich erkannte sie als Zeugen Jehovas, die sich dann aufmachten, um an den Häusern zu klingen.

Auch auf sie wartet Gott. Es ist noch Gnadenzeit, auch für sie.

Offline Jose

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Die Irrlehren der Zeugen Jehovas
« Antwort #1 am: 24 April 2015, 20:33:12 »
Mein Jesus ist kein Engel

Rückblickend bin ich Gott unendlich dankbar, für all die Bewahrung, gerade und besonders in der Anfangszeit, als ich IHN suchte. Der Psalmist bezeugt: "Nahe ist der HERR allen, die ihn anrufen, allen, die ihn in Wahrheit anrufen" Ps 145,18, und in Seiner Gnade hatte Gott Sich sicherlich auch zu mir herabgeneigt, und zwar zu einem Zeitpunkt, als ich eigentlich noch nicht einmal behaupten könnte, schon Sein Kind zu sein.

In meinem Herzen war ein Suchen nach Gott, und diese und ähnliche Verheißungen in der Bibel gelten allen Menschen: "Und sucht ihr mich, so werdet ihr [mich] finden, ja, fragt ihr mit eurem ganzen Herzen nach mir, so werde ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR" Jer 29,13-14a. Das ist ein herrliches Wort und anders kann ich es mir nicht erklären, wie es kam, dass ich GOTT finden dürfte und damals den Zeugen Jehovas erwidern: „Mein Jesus ist kein Engel“, als sie mir versuchten zu erklären, dass Jesus der Erzengel Michael ist. War ER damals schon mein Jesus?

Aber warum haben eigentlich die ZJ mit dem Mensch JESUS ein Problem: Ist es, weil sie sonst doch akzeptieren müssten, dass JESUS GOTT ist? Ja, Jesus ist Gott und kein Engel. Über das Wort aus Jesaja freue ich mich so: "Nicht Bote noch Engel - er selbst hat sie gerettet. In seiner Liebe und in seinem Erbarmen hat er sie erlöst. Und er hob sie auf und trug sie alle Tage der Vorzeit" Jes 63,9 (Elb. 1985, 1992). Hier schätze ich besonders die Elberfelder-Übersetzung.

Gott war in dem Sohn und der Sohn war im Vater, und Jesus sagt: "so glaubt den Werken, wenn ihr auch mir nicht glaubt, damit ihr erkennt und versteht, dass der Vater in mir ist und ich in dem Vater!" Joh 10,38. Jesus war keine vorübergehende Erscheinung, sondern ER und der VATER sind eins.

Mögen alle, welche die Gottheit Jesu leugnen, sich fragen: Wer hätte sonst das Werk der Erlösung vollbringen können? Es war kein Mensch, auch kein Engel, sondern Gott selbst, der am Kreuz hin. Die Propheten haben es durch Weissagung verkündigt, weil der Geist Christi, der in ihnen war, darauf hindeutete, während die Engel hineinzuschauen begehren (1.Petr 1,10-12).
« Letzte Änderung: 22 Mai 2015, 21:52:22 von Jose »

Offline Jose

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Die Irrlehren der Zeugen Jehovas
« Antwort #2 am: 26 April 2015, 21:55:32 »
Mein Herr und mein Gott!

Der Jünger Thomas war nicht anwesend als Jesus den Jüngern erschien, nachdem Er aus den Toten auferstanden war. Ungläubig wollte Thomas Jesus selber sehen um zu glauben, dann aber musste er ausrufen: "Mein Herr und mein Gott!" Joh 20,28. Wie klar ist doch dieses Zeugnis.

Wenn ich dieses Wort lese muss ich oft daran denken, wie ich an Anfang meines Glaubenslebens die Bibelstelle einem ZJ vorlas um ihm zu zeigen, dass Jesus Gott ist. Seine Antwort brachte mich aber aus dem Konzept, denn er meinte, Thomas hätte reagiert wie viele andere Menschen, die „o mein Gott“ usw. sagen.

Es war vielleicht meine erste Begegnung mit dem schlimmen Gift der Bibelkritik gewesen und mit Menschen, die vorgeben die Bibel zu kennen und an der Bibel zu glauben, jedoch falsch und unaufrichtig mit dem Wort Gottes umgehen. Irrlehren entstehen nicht vorrangig dadurch, dass manche Übersetzungen nicht so genau sind, sondern letztlich weil Menschen nach den eigenen Vorstellungen leben wollen und Irrlehrer ihre eigenen Lehren mit der Bibel beweisen wollen.

Besonders tragisch finde ich, dass die Mitglieder der Gemeinschaft blindlings vieles übernehmen und zu wenig oder gar nicht hinterfragen, ob die Aussagen der Wachturmgesellschafft wirklich den Worten der Bibel standhalten. In den „Erklärungen zur Bibel © 2004 R. Brockhaus Verlag Wuppertal“ steht die kurze Erklärung: »Thomas erkennt, dass Jesus Gott ist. Sein vorheriger Unglaube wird durch dieses feste Bekenntnis ersetzt«.

Wer dieses Bekenntnis nicht hat, bleibt im Unglauben.
« Letzte Änderung: 22 Mai 2015, 21:52:46 von Jose »

Offline Jose

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Die Irrlehren der Zeugen Jehovas
« Antwort #3 am: 14 Mai 2015, 15:02:11 »
Der Auferstandene

Erscheinung des Auferstandenen vor den Jüngern
"Seht meine Hände und meine Füße, dass ich es selbst bin; betastet mich und seht! Denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr seht, dass ich habe" Lk 24,39.

Beim Lesen dieser Worte musste ich daran denken, dass es doch unmöglich ist anzunehmen, dass der „Mann“ Jesus nicht körperlich auferstanden sei. Diese Worte bezeugen doch, dass der, welcher gestorben ist auch der ist, welcher auferstanden ist. Es heißt aber auch etwas weiter: "Dann öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verständen" Lk 24,45. Diese Gnade benötigten und benötigen wir alle, besonders die, welche noch verstrickt sind in Irrlehren, z.B. in den Irrlehren der ZJ.

Im Epheserbrief finden wir wunderbare Aussagen, die keinen Sinn machen würden, wenn Jesus, der gestorben ist, nicht auch auferstanden wäre. Aber nicht umsonst ist es das Gebetsanliegen des Apostel Paulus: "Er erleuchte die Augen eures Herzens". Wir benötigen diese Erleuchtung, um zu verstehen und um zu erfassen, was uns in Jesus Christus gegeben ist, damit wir unsere Berufung verstehen, den Reichtum der uns geschenkt ist (Eph 1,18-19).

Die Wirksamkeit der Macht seiner Stärke
Es ist Gottes überragende Größe und Kraft, die in uns wirkt und uns zu Gotteskindern macht. Die Kraft, von der es heißt: "Die hat er in Christus wirksam werden lassen, indem er ihn aus den Toten auferweckt und zu seiner Rechten in der Himmelswelt gesetzt hat" Eph 1,20. Dieses Zeugnis über Gottes überragende Größe und Kraft wäre hinfällig, wäre Jesus, der gestorben ist, nicht auch auferstanden

Auch heißt es in dem erwähnten Wort, dass Jesus zur Rechten Gottes in der Himmelwelt sitzt. Es ist der, der als Sohn der Maria durch den Heiligen Geist gezeugt wurde, der als Mensch und Gott hier auf Erden lebte, der für uns starb und auferstand. So lesen wir auch: "Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfüllte" Eph 4,10.

Wie arm und verführt sind die Zeugen Jehovas, dass sie denken, der Mensch Jesus sei nach seinem Tod im Tod geblieben. Ich will glauben, was Gottes Wort bezeugt: "Und als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen" Joh 20,20. Wie hätten sich die Jünger freuen sollen, wäre Jesus nicht auferstanden? Wie könnte ich mich freuen?
« Letzte Änderung: 22 Mai 2015, 21:54:27 von Jose »

Offline Jose

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Die Irrlehren der Zeugen Jehovas
« Antwort #4 am: 23 Mai 2015, 15:39:18 »
Zum Thema
Jesus und der Erzengel Michael

Die untere Aussage klang am Anfang noch richtig, am Ende war es nur noch Lüge.
 

Obwohl in der Bibel keine Aussage zu finden ist, die Jesus eindeutig mit dem Erzengel Michael gleichsetzt, gibt es eine Schriftstelle, in der Jesus mit dem Amt des Erzengels in Verbindung gebracht wird. In seinem Brief an die Thessalonicher sagte der Apostel Paulus voraus: „Der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes, und die in Gemeinschaft mit Christus Verstorbenen werden zuerst auferstehen“ (1. Thessalonicher 4:16).

Ja, es gibt andere Engelgeschöpfe von hohem Rang: Seraphe und Cherube (1. Mose 3:24; Jesaja 6:2). Doch die Bibel weist auf den auferstandenen Jesus Christus als den höchsten aller Engel hin - den Erzengel Michael.

Quelle: Wachturm ONLINE-BIBLIOTHEK

Offline Jose

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Heute wirst du mit mir im Paradies sein
« Antwort #5 am: 06 Juli 2016, 22:41:59 »
 Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einem ZJ und bat ihn, die Zusage Jesu: "Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein" Lk 23,43, in seiner Bibel zu lesen und mit anderen Übersetzungen zu vergleichen. Das konnte er, da er verschiedene Bibelübersetzungen in seinem Smartphone hatte, sogleich tun. Er war überrascht, dass nur in der Neue-Welt-Übersetzung der Bibelvers anders lautet, nämlich: "Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein."
 
Ich versuchte ihm zu erklären, dass durch die Verwendung des „heute“ als Zeitpunkt der Aussage aber nicht als Zeitpunkt, wann die Verheißung in Erfüllung gehen wird, die ZJ ihre Lehre unterstützen, dass erst wenn Jesus wiederkommt die Gläubigen ins Paradies kommen werden. Das allerdings steht im Widerspruch zu den Aussagen der Bibel, dass nach dem Tod der Verstorbene sofort entweder in die Hölle oder zu Gott kommt.
 
Nun suchte kürzlich dieser ZJ wieder das Gespräch und meinte zu mir, dass es gar nicht sein könne, dass Jesus den gleichen Tag gemeint hätte, an dem der Schächer mit ihm im Paradies sein würde, den er sei doch gar nicht im Paradies gewesen, sondern tot. Darüber haben wir uns dann noch ausgetauscht und ich bat ihn, die Bibel zu lesen ohne die Beeinflussung durch die ZJ.
 
Diese Menschen sind leider so verführt und falsch belehrt. Da liegt noch vieles im Argen. Wir kamen auch auf  Henoch zu sprechen (1.Mose 5,24) und sein Kommentar dazu war, dass Henoch gestorben sei und man fand sein Leichnam nicht. Die Bibel sagt aber: "Und Henoch wandelte mit Gott; und er war nicht mehr da, denn Gott nahm ihn hinweg" 1.Mose 5,24. Und im Hebräerbrief lesen wir: "Durch Glauben wurde Henoch entrückt, so dass er den Tod nicht sah, und er wurde nicht gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; denn vor der Entrückung hat er das Zeugnis gehabt, dass er Gott wohlgefallen habe" Hebr 11,5.
 
Wir beendeten das Gespräch und ich äußerte meine Traurigkeit darüber, dass er so falsch belehrt sei, aber ich wolle doch für ihn hoffen, dass er noch aus der Irrlehre herausfindet, wie es andere auch schon erfahren durften.
 
José
« Letzte Änderung: 07 Juli 2016, 21:58:01 von Jose »

Offline Roland

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Re: Die Irrlehren der Zeugen Jehovas
« Antwort #6 am: 07 Juli 2016, 23:54:35 »
Peter Streitenberger (er moderiert eine Bibelgriechisch und -hebräisch-Liste) hat diese Stelle analysiert. Ich stelle sein Ergebnis mal hier rein:

Zitat
A) Zur Fragestellung
Das Neue Testament wurde von einem griechischen Originaltext übersetzt, in dem keine Interpunktion - d.h. Zeichensetzung - verwendet wurde. In einige Fällen bleibt daher die Frage zu klären, ob und wo ein Satz oder Gedanke endet, ob vom Schreiber ein Frage- oder Aussagesatz beabsichtigt war, und in den Übersetzungen entsprechend ein Punkt, Komma, Frage-, oder Ausrufezeichen bzw. ein Doppelpunkt zu stehen hat.
Dies ist keineswegs eine nebensächliche Haarspalterei, sondern kann insbesondere dann sogar sehr brisant werden, wenn unter Verweis auf die Zeichensetzung entscheidende theologische Folgerungen getroffen werden und sogar ganze Lehrsystem davon angeleitet werden.

Diese Problematik soll anhand von Lukas 23,43 dargestellt werden: die Übersetzung und Wortbedeutungen an sich sind hier eigentlich unstrittig, und so ist etwa nach „Schlachter 2000“ zu lesen: „Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: heute wirst du mit mir im Paradies sein!“.

Die „Neue Welt Übersetzung“ der Zeugen Jehovas übersetzt zwar analog, setzt hingegen die Interpunktion wie folgt: "Wahrlich, ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradies sein.", sodass allein aufgrund einer Verschiebung des Doppelpunktes um eine einzige Stelle ein völlig anderer Sinn vermittelt wird.
Nach dieser Variante, modifiziert „heute“ die einleitenden Worte des Herrn Jesus Christus am Kreuz genauer: „Wahrlich ich sage dir“. Der Ausdruck „Ich sage“ wird also durch die verwendete Zeitangabe näher bestimmt: Jesus will nach diesem Verständnis betonen, dass er „heute“ die nachgenannte Aussage trifft - und nicht etwa morgen oder an anderen Tagen. 

 
Dazu ist zu bemerken, dass die Theologie der „Zeugen Jehovas“ die Lehre der Vernichtung der Seele kennt und deren Unsterblichkeit bestreitet. Ebenso vertritt die Glaubensgemeinschaft der Adventisten den sog. „Seelenschlaf“.
H.J. Ronsdorf beschreibt diese Lehren wie folgt: „Weil die Seele des Menschen nicht unsterblich, sondern sterblich ist, gibt es auch kein Leben nach dem Tod. Im Tod stirbt die Seele, der ganze Mensch vergeht, jegliche Funktion – auch geistiger und seelischer Natur – erlischt. In einer Variante dieser Ansicht nennt man diesen Zustand der »Nicht-Existenz« auch Seelenschlaf, sofern es den Zustand nach dem Tod und vor der Auferstehung betrifft. Während dieses Seelenschlafes gibt es kein Bewusstsein.“ (Und die Toten leben doch, CLV-Bielefeld, 2004, S. 16)

Würde nun in Lukas 23,43 wie bei den herkömmlichen Übersetzungen interpunktiert, würde diese Auffassung unmöglich werden: Im Fall der „Schlachter 2000“ und anderen Übersetzungen wird durch die Zeichensetzung deutlich angezeigt, dass die Verheißung an den Verbrecher am Kreuz „Du wirst mit mir im Paradies sein“ von „heute“ zeitlich genauer beschrieben wird, d.h. dass der Verbrecher, der nur noch kurz zu leben hat an genau diesem Tag aufgrund seines Glaubens an Christus, die Zusage erhält, gemeinsam mit Jesus im Paradies zu sein. Das schließt in Folge ein Weiterleben der menschlichen Seele ein, bzw. widerspricht der These der Auslöschung und Vernichtung der menschlichen Existenz nach dem Tod.
Nachdem nun – wie gezeigt – ganze theologische Systeme allein von der Setzung eines einzigen Satzzeichens abhängen, soll im Folgenden beispielhaft diese Schriftstelle untersucht werden, um die Frage zu klären, ob Übersetzungen und insbesondere in diesem Fall die Interpunktion, von theologischen Vorverständnissen geleitet werden kann und darf.

B) Beobachtungen zu Lukas 23,43 und damit vergleichbaren Strukturen

 
Es ist zunächst wichtig, festzustellen, dass es Betonungen im Neuen Testament gibt, die den Zeitpunkt markieren, wann eine Aussage genau getroffen wird: Joh 13,19 "jetzt sage ich euch das, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt, dass ich es bin."
(AP' ARTI LEGW hUMIN PRO TOU GENESQAI hINA hOTAN GENHTAI PISTEUSHTE hOTI EGW EIMI - siehe Anmerkungen, Punkt 1).
Der Ausdruck „von jetzt an“ (AP' ARTI) kontrastiert den Satzteil „bevor es geschieht“ (PRO TOU GENESQAI), d.h. die besondere Betonung in dem Satz wird darauf gerichtet, dass die Aussage zu einem Zeitpunkt getroffen wird, an dem die Ereignisse noch nicht eingetreten sind. Durch die Anfangstellung im Satz und aufgrund des Kontextes zeigt sich hier eine besondere Betonung von „jetzt“ (AP' ARTI). Jesus äußert somit jetzt schon eine prophetische Feststellung, die sich in der späteren Erfüllung zur Glaubenförderung der Adressaten auswirken soll. Durch die Wortstellung und durch den Kontext in diesem Satz, aber auch – wie gezeigt werden soll - in Luk 23,43 und anderen Stellen wird also offensichtlich, ob bzw. ob keine Modifikation bei „ich sage“ (LEGW) vorliegt: In Joh 13,19 etwa haben wir ein deutliches Beispiel, in dem „ich sage“ (LEGW) durch vorangestelltes „jetzt“ (AP' ARTI) genauer bezeichnet wird.

Die Fragestellung in Bezug auf Luk 23,43 lautet analog: ist der modifizierende Bezug von „heute“ zum vorangehenden „ich sage“ und soll der Zeitpunkt der Aussage wie in Joh 13,19 dadurch betont werden, oder zum anschließenden „Du wirst sein“ zu sehen ? Der entscheidende Faktor zur Beurteilung ist zunächst die Stellung von „heute“ (SHMERON) in Bezug auf „Wahrlich ich sage Dir“ (AMHN LEGW SOI) – dazu muss der griechische Grundtext des Satzes angeführt werdenum die innere Struktur des Satzes zu erkennen:
Luk 23,43 "KAI EIPEN AUTW hO IHSOUS AMHN LEGW SOI SHMERON MET' EMOU ESH EN TW PARADEISW"

Jesus leitet ja wichtige und bedeutsame Aussagen oft mit "Wahrlich ich sage Dir/Euch" (AMEN LEGW + Dativ) ein - oft gefolgt vom sog. hOTI-Recitativum (z.B. Luk 18,29; 21,32 etc.), oder aber auch ohne hOTI (Mark 8,12;9,41;10,15;Luk 18,17; Joh 3,3;3,5). In beiden Fällen kann man einen Doppelpunkt setzen - der mit LEGW eingeleitete Inhalt schließt sich jeweils daraufhin an (siehe Anmerkungen, Punkt 4). Adverbien (wie etwa „heute“) oder andere modifizierende Ausdrücke, die nachfolgen, werden hier nicht auf „Wahrlich, ich sage“ (AMHN LEGW) bezogen und die Interpunktion ist somit klar (siehe Anmerkungen, Punkt 2).
Eine nahezu identische Satzstruktur wie Luk 23,43 weist Mark 14:30 auf: „Und Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen!“. „AMHN LEGW SOI hOTI SU SHMERON” (das hOTI-Recitativum könnte hier auch ohne Einfluss auf die Zeichensetzung oder den Sinn fehlen). Das nachgestellte SHMERON beschreibt also nicht „wahrlich, ich sage dir“ näher, sondern den nachfolgenden Satzinhalt.

Dies kann zudem auch am Beispiel von "von nun an", "künftig" (AP' ARTI), wenn es nach „ich sage“ (LEGW) stehend vorkommt dargestellt werden:
Joh 1,51 "wahrlich, ich sage euch: Künftig werdet ihr den Himmel offen sehen"
„AMHN LEGW hUMIN AP' ARTI OYESQE TON OURANON ANEWGOTA“:
Elbf 1905: "Wahrlich, ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Himmel geöffnet sehen"
Eine Wiedergabe mit "ich sage euch künftig: ihr werdet den Himmel offen sehen" wäre absurd.
Ein deutliches Kontrast-Beispiel (EP' ALHQEIAS vor und nach LEGW) zeigt, wie bzw. wie „ich sage“ (LEGW) nicht modifiziert wird:
a) Davor:
Luk 4,24 "In Wahrheit aber sage ich euch: Es waren viele Witwen in den Tagen Elias in Israel". „EP' ALHQEIAS DE LEGW hUMIN POLLAI CHRAI HSAN EN TAIS hHMERAIS HLIOU EN TW ISRAHL“.
b) Danach:
- Luk 22,59 "ein anderer bekräftige und sprach: Wahrhaftig, der war auch mit ihm".
Und natürlich nicht: "ein anderer bekräftige und sprach wahrhaftig: der war auch mit ihm".
 „ALLOS TIS DIISCURIZETO LEGWN EP' ALHQEIAS KAI hOUTOS MET' AUTOU HN“
- Apg 10,34"da tat Petrus den Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht". „ANOIXAS DE PETROS TO STOMA EIPEN EP' ALHQEIAS KATALAMBANOMAI hOTI OUK ESTIN PROSWPOLHPTHS hO QEOS“
Natürlich wäre folgende Wiedergabe nicht möglich: "da tat Petrus den Mund auf und sprach wahrhaftig: ich erfahre nun, das Gott die Person nicht ansieht" (vgl. auch Mark 12,32)

 
Zusammenfassend kann behauptet werden, dass Lukas 23,43 eine von den 74 formelhaften Idioms ist, die Jesus üblicherweise in den Evangelien verwendet. Die hier und an anderen Stellen von Jesus gewöhnlich verwendete Einleitung lautet „Wahrlich ich sage Dir/Euch“ bzw. „Ich sage Dir/Euch“ und nicht „Wahrlich ich sage Dir/Euch heute:“.
Es gibt kein Beispiel im GNT, dass das Idiom „Wahrlich ich sage“ (AMHN LEGW) wie auch immer modifiziert wird, wenn das/der Bezugswort/-ausdruck nach (!) nachfolgend im Satz steht. Die Satzstellung von „heute“ (SHMERON) ist also entscheidend. 

C) Der Kontext
Der Grund, warum Jesus Christus hier nachdrücklich (AMHN) und betonend (emphatisch aufgrund der Anfangstellung von SHMERON innerhalb der Verheißung) auf "heute" hinweist, liegt wohl im Akzent, der im Vorsatz eingeführt wurde, da dort der Schächer auf ein künftiges (!) Ereignis (deutlich durch die Verwendung der temporalen Konjunktion "zur Zeit, wenn" bzw.  hOTAN) verwiesen hat: Luk 23,42 "Und er sprach zu Jesus: Herr, gedenke an mich, wenn (hOTAN) du in deiner Königsherrschaft kommst!".
Zu diesem künftigen Anlass (d.h. "das Kommen Christi im Reich") soll sich Jesus Christus an den Schächer zurückerinnern, woraufhin Jesus Christus mit (noch) "heute" kontrastiert. Das Paradies ist in diesem Vers nicht mit der kommenden Königsherrschaft Christi gleichzusetzen, sondern ist ein bereits gegenwärtiger Ort (vgl. 2Kor 12,4 i.V.m. Luk 19,11), daher kann sie „heute“ auf den Eingang zu diesem Ort noch am selben Tag beziehen.
Würde die Interpunktion in V.43 anzeigen sollen, dass Jesus „heute“ die nachgenannte Aussage trifft, würde dies dem dadurch eingeleiteten Kontext nicht gerecht. Zudem wäre es überflüssig zu betonen, dass Jesus die Aussage gerade „heute“ trifft – es gibt dazu ja keine anderen sinnvollen Alternativen wie „morgen“, „gestern“.
Der Schächer wird also nicht an einem unbestimmten künftigen Zeitpunkt bei Christus sein, sondern noch am selben Tag der Kreuzigung – „heute“ (im Gegensatz zu einer zukünftigen Erfüllung) ist somit Teil der Verheißung, die Christus dem Verbrecher zuspricht.
D) Ergebnis
Wenn "heute" sich auf den Ausdruck „Wahrlich ich sage Dir“ (AMHN LEGW SOI) beziehen würde, müsste „heute“ (SHMERON) vorangestellt sein (es wurden dazu einige Beispiele gegeben) - in Luk 23,44 steht SHMERON aber nach diesem festen Ausdruck.

Die Interpunktion, der alle bekannten Übersetzungen gefolgt sind, ist somit richtig und sinnvoll. Daher ist abschließend an folgender Interpunktion festzuhalten: "Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein!", d.h. SHMERON modifiziert „Du wirst sein“ (ESH). Dem Schächer wird also kurz vor dessen Tod versprochen, noch am selben Tag (SHMERON) mit Christus im Paradies zu sein. Diese Interpunktion wird auch vom Kontext von Luk 23,44 getragen.

Gerade bei einer sog. Tendenzübersetzung wie der „Guten Nachricht Bibel“ sind zahlreiche - an dieser Stelle nur exemplarisch dargestellt – Einwirkungen theologischen Vorverständnisses auf den Übersetzungstext festzustellen (u.a. Joh 1,1ff). Somit bestimmt leider die Theologie den Text des Neuen Testamentes und nicht die Heilige Schrift die Lehre. Die Aufrechterhaltung der in Luk 23,44 nicht angebrachten Interpunktion muss somit zur Rechtfertigung gewisser Lehren – hier die Auslöschung der menschlichen Seele nach dem Tod - dienen (siehe Anmerkungen, Punkt 3 und 5).

Abschließend bleibt mit H.J. Ronsdorf festzuhalten: „Der Heiland starb an diesem Tag und übergab Seinen Geist in die Hände des Vaters. Der Verbrecher starb kurz nach Ihm. Als der Herr starb, ging Er in das Paradies, und der Verbrecher folgte ihm dorthin als begnadigter Sünder.“ (Und die Toten leben doch, CLV-Bielefeld, 2004, S. 65)


Anmerkungen:
 
1)Der Grundtext wurden nach den Ausgaben des TR bzw. des MT nach Hodges-Farstad bzw. Robinson-Pierpont-Textes zitiert. Zur Erklärung des verwendeten griechischen Zeichensatz siehe: www.streitenberger.com. Auf den Rückgriff auf den Grundtext kann nicht verzichtet werden, da dies zur  sinnvollen Darlegung notwendig erscheint. 

2) John Gill schreibt zu Luk 23,43: „Some would remove the stop, and place it after "today", and read the words thus, "I say unto thee today"; as if Christ only signified the time when he said this, and not when the thief should be with him in paradise; which, besides it being senseless, and impertinent, and only contrived to serve an hypothesis, is not agreeably to Christ's usual way of speaking, and contrary to all copies and versions.” (Gill, John.  Exposition of the Entire Bible.  Electronic E-Sword Files.  E-Sword copyright 2000 - 2003 Rick Meyers.)

3) Zur Verteidigung der alternativen Interpunktion führen Zeugen Jehovas an:
Luke's account shows that an evildoer, being executed alongside Jesus Christ, spoke words in Jesus' defense and requested that Jesus remember him when he 'got into his kingdom.' Jesus' reply was: "Truly I tell you today, You will be with me in Paradise." (Lu 23:39-43) The punctuation shown in the rendering of these words must, of course, depend on the translator's understanding of the sense of Jesus' words, since no punctuation was used in the original Greek text. Punctuation in the modern style did not become common until about the ninth century C.E. Whereas many translations place a comma before the word "today" and thereby give the impression that the evildoer entered Paradise that same day, there is nothing in the rest of the Scriptures to support this. Jesus himself was dead and in the tomb until the third day and was then resurrected as "the firstfruits" of the resurrection. (Ac 10:40; 1Co 15:20; Col 1:18) He ascended to heaven 40 days later.-Joh 20:17; Ac 1:1-3, 9. The evidence is, therefore, that Jesus' use of the word "today" was not to give the time of the evildoer's being in Paradise but, rather, to call attention to the time in which the promise was being made and during which the evildoer had shown a measure of faith in Jesus. It was a day when Jesus had been rejected and condemned by the highest-ranking religious leaders of his own people and was thereafter sentenced to die by Roman authority. He had become an object of scorn and ridicule. So the wrongdoer alongside him had shown a notable quality and commendable heart attitude in not going along with the crowd but, rather, speaking out in Jesus' behalf and expressing belief in his coming Kingship. Recognizing that the emphasis is correctly placed on the time of the promise's being made rather than on the time of its fulfillment, other translations, such as those in English by Rotherham and Lamsa, those in German by Reinhardt and W. Michaelis, as well as the Curetonian Syriac of the fifth century C.E., rendered the text in a form similar to the reading of the New World Translation, quoted herein  (Anonym, Insight on the Scriptures. 2 Volunes. Brooklyn, NY:  Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc)

4) “Amen is used one hundred times in the Gospels....It is always the first word of the formulaic expression "Amen I say to you," and it is always and only spoken by Jesus, apparently to emphasize the significance of the words he is about to speak.  No other person - apostle or prophet - of the early church felt at liberty to follow his example by making use of this very formula” (Green, Joel B., and McKnight, Scot, eds. 1992. Dictionary of Jesus and the Gospels.  Downers Grove, IL: Intervarsity,S.7)
5) Die Lehre der Auslöschung der Seele gerät mit zahlreichen Schriftstellen in Konflikt: Joh 11,25ff; Phil 1,23; Luk 16; Offb 6,9ff; Offb 20,10 u.v.a.
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!