Autor Thema: Sabbat  (Gelesen 2051 mal)

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Sabbat
« am: 26 November 2006, 15:10:16 »
Welcher Tag ist genau der Sabbat? Ich hörte von mehreren
Seiten die verschiedensten Meinungen. Selber meine ich, der Samstag. Wie steht es dann aber mit dem 4.Gebot (2.Mose 20/8) ?

Offline Roland

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Re: Sabbat
« Antwort #1 am: 27 November 2006, 18:06:22 »
Im jüdischen Kalender hat nur der Sabbat einen Namen; alle übrigen Wochentage werden mit ihrer Ordnungszahl bezeichnet, d.h. mit den ersten sieben Buchstaben des hebräischen Alphabets:

Aleph = 1. Wochentag = Sonntag
Beth = 2. Wochentag = Montag
Gimmel = 3. Wochentag = Dienstag
Daleth = 4. Wochentag = Mittwoch
He = 5. Wochentag = Donnerstag
Waw = 6. Wochentag = Freitag
Sajin = 7. Wochentag = Samstag = Sabbat

(Quelle: Wolfgang Ribbe - Eckart Henning / Taschenbuch für Familiengeschichtsforschung / 11. Auflage / Verlag Degener & Co. Neustadt an der Aisch)

Einige Gedanken zum Sabbatgebot:

Die Frage nach dem Sabbat kann man am besten durch eine systematische Betrachtung klären, daher ist die folgende Erklärung etwas umfangreicher und zitiert recht viele Bibelstellen.

(1) Herkunft des Sabbats – Bedeutung für das Volk Israel
Der Sabbat geht auf die Schöpfungsordnung (sechs Tage Arbeit, ein Tag Ruhe, vgl. 1.Mose 2,3) zurück, ist aber ursprünglich kein menschlicher Ruhetag.

Von Adam bis Mose ist nirgendwo im Alten Testament von der Einhaltung einer Sabbatruhe die Rede. Erst mit dem Auszug aus Ägypten gibt Gott dem Sabbat für Menschen eine besondere Bedeutung, nämlich als Erinnerung an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten (wo es für die Juden nur Arbeit ohne Ausruhen gab). In der Auflistung der Zehn Gebote gibt Gott auch gleich die Begründung für den Sabbat:

Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligest, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun noch dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Ochse noch dein Esel noch all dein Vieh noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhe wie du. Denn du sollst gedenken, dass du auch Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort ausgeführt hat mit einer mächtigen Hand und mit ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst.
5.Mose 5,12-15


Der Sabbat ist zunächst einmal ein Ruhetag für das Volk Israel und alle Menschen, die im Hoheitsgebiet des Volkes Israel leben, aber nicht für die gesamte Menschheit:

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage den Kindern Israel und sprich: Haltet meinen Sabbat; denn derselbe ist ein Zeichen zwischen mir und euch auf eure Nachkommen, dass ihr wisset, dass ich der HERR bin, der euch heiligt. Darum so haltet meinen Sabbat; denn er soll euch heilig sein. Wer ihn entheiligt, der soll des Todes sterben. Denn wer eine Arbeit da tut, des Seele soll ausgerottet werden von seinem Volk. Sechs Tage soll man arbeiten; aber am siebenten Tag ist Sabbat, die heilige Ruhe des HERRN. Wer eine Arbeit tut am Sabbattag, der soll des Todes sterben. Darum sollen die Kinder Israel den Sabbat halten, dass sie ihn auch bei ihren Nachkommen halten zum ewigen Bund. Er ist ein ewiges Zeichen zwischen mir und den Kindern Israel. Denn in sechs Tagen machte der HERR Himmel und Erde; aber am siebenten Tage ruhte er und erquickte sich.
2.Mose 31,12-17


(2) Bedeutung des Sabbats für Christen
Der Sabbat war ursprünglich ein Zeichen der Befreiung aus Ägypten, gleichzeitig aber auch ein Vor-Schatten von dem, was wir in Christus haben. Weil wir in Christus nun die Realität des Ausruhens von unseren Werken (weil wir durch Gnade gerettet sind) haben, spielen die Vor-Schatten keine bestimmende Rolle mehr in unserem Leben:

So lasset nun niemand euch Gewissen machen über Speise oder über Trank oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbate; welches ist der Schatten von dem, das zukünftig war; aber der Körper selbst ist in Christus."
Kolosser 2,16-17


Christen halten den Sabbat genauso wenig wie den ganzen Rest des mosaischen Gesetzes. Die alttestamentlichen Sabbatregeln sind sehr scharf (z.B. Todesstrafe bei Nichteinhaltung) und sind ganz auf das Leben im Volk Israel unter Gottes direkter irdischer Herrschaft ausgerichtet. Das Gesetz Gottes wird für Christen durch und in Christus erfüllt. Christen halten nicht aus eigener Kraft ein äußerliches Gesetz, sondern der Geist Gottes lebt in uns und so hält Christus in uns das Gesetz. Wie im Alten Testament bereits angekündigt (Hosea 2,11 / Jeremia 31,31-33), ersetzt ein neuer Bund den alten (vgl. Hebräer 8,6-13). Das betrifft nicht nur die "zeremoniellen" Gebote, sondern das gesamte Gesetz einschließlich der Zehn Gebote (vgl. Hebräer 9,4). Sogar Jesus hielt den Sabbat nicht im alttestamentlichen Sinn (Johannes 5,18)

(3) Christen und das Gesetz Moses
Das mosaische Gesetz bildet eine Einheit, es gibt im Neuen Testament keine Trennung zwischen den Zehn Geboten als "moralischem" und dem übrigen "zeremoniellen" Gesetz. Es ist nicht so, dass Christen an alle Zehn Gebote als dem "zeitlosen moralischen Kern" des Gesetzes gebunden, aber vom ganzen Rest des mosaischen Gesetzes frei sind.

Begründung
Der Autor von 2.Chronik 31,3 zitiert aus dem "Gesetz des Herrn" und erwähnt Brandopfer, Sabbat, Neumond und Feste. Der Sabbat gehört offensichtlich zur Reihe der zeremoniellen Feste, obwohl seine Heiligung in den Zehn Geboten verlangt wird.

Jesus erwähnt in Matthäus 22,36-40 kein einziges der Zehn Gebote, sondern er zitiert aus dem "übrigen, zeremoniellen" Gesetz - In manchen Fällen durften Menschen den Sabbat unterlaufen (dieses Recht nahm auch Jesus als "Herr des Sabbats" oft für sich in Anspruch), z.B.: Priester, Einnahme von Jericho, Heilung, Beschneidung. Niemals aber durften Menschen ein "moralisches" Gesetz unterlaufen. Doch beide "Arten" des Gesetzes, nämlich "Du sollst nicht begehren" sowie "Du sollst den Sabbat heiligen" sind Teil der Zehn Gebote.

Im Apostelkonzil (Apostelgeschichte 15) wird den Heidenchristen das Gesetz ausdrücklich nicht auferlegt, sondern - um die Einheit mit den Judenchristen zu erhalten - nur die Enthaltung vom Götzenopferfleisch, von Blut, von erwürgten Tieren, von Unzucht. Zwei dieser Regeln entstammen den Zehn Geboten, zwei dem "übrigen" Gesetz.


(4) Heiden- und Judenchristen
Wenn Christen Teile des mosaischen Gesetzes einhalten (was besonders bei den Judenchristen der Fall war), so ist das nicht 100% konsequent. Dennoch sollen sich Heidenchristen (die ganz vom mosaischen Gesetz frei sind) und Judenchristen nicht gegenseitig verachten.

Angesichts der Frage, ob Heidenchristen wie auch die Judenchristen die Speisevorschriften halten sollen, schreibt Paulus:

Den Schwachen im Glauben nehmet auf und verwirrt die Gewissen nicht. Einer glaubt er möge allerlei essen; welcher aber schwach ist, der isst Kraut. Welcher isst, der verachte den nicht, der da nicht isst; und welcher nicht isst, der richte den nicht, der da isst; denn Gott hat ihn aufgenommen. Wer bist du, dass du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem HERRN. Er mag aber wohl aufgerichtet werden; denn Gott kann ihn wohl aufrichten. Einer hält einen Tag vor dem andern; der andere aber hält alle Tage gleich. Ein jeglicher sei in seiner Meinung gewiss. Welcher auf die Tage hält, der tut's dem HERRN; und welcher nichts darauf hält, der tut's auch dem HERRN. Welcher isst, der isst dem HERRN, denn er dankt Gott; welcher nicht isst, der isst dem HERRN nicht und dankt Gott.
Römer 14,1-6


Denn Christus hat beide vor Gott gleichgestellt, indem er Juden- wie Heidenchristen vom Gesetz befreite (Epheser 2,14-15). Auf gar keinen Fall spielt das Gesetz irgendeine Rolle für unseren Stand vor Gott (Galater 4,10-11)! Wir werden durch die Gnade Gottes vor ihm gerecht, nicht durch unsere Bemühungen, die Zehn Gebote oder sonst einen Teil des mosaischen Gesetzes zu halten (Epheser 2,8-9 / Apostelgeschichte 13,39)

(Quelle: www. nikodemus.net)
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!