Autor Thema: Filmserie über Calvinismuss  (Gelesen 11051 mal)

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Offline Jose

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Re: Luthers "doppelte Prädestination" und die Konkordienformel
« Antwort #30 am: 02 Februar 2014, 20:44:45 »
Lieber Roland, liebe Geschwister im Herrn Jesus.

Vorhin habe ich Wikipedia gelesen:

Zitat


De servo arbitrio (dt. „Über den geknechteten Willen“) ist eine Schrift Martin Luthers vom Dezember 1525. Sie wurde als Reaktion auf die humanistische Lehrmeinung des Niederländers Erasmus von Rotterdam, insbesondere auf die Schrift De libero arbitrio (September 1524), verfasst und gilt als einer der bedeutendsten theologischen Texte Martin Luthers.

Arbitrium ist das lateinische Wort für „Wahlvermögen“, im Unterschied zu voluntas, das den Willen als kraftvolle Gemütsregung meint.
Thema der Schrift Luthers ist die wiederholt diskutierte Fragestellung christlichen Denkens, ob der Mensch nach dem Sündenfall die Freiheit behalten habe, sich aus eigener Kraft für die göttliche Gnade zu entscheiden, oder ob diese Entscheidung selbst bereits Geschenk der Gnade sei. Mit Paulus und Augustinus und gegen die optimistische Anthropologie des Humanismus betont Luther vehement die Alleinwirksamkeit der Gnade.

Er bestritt ganz entschieden, dass der Mensch bezüglich des Willens Gottes einen freien Willen habe, also gegenüber dem, was Heil bewirkt. Über ewiges Heil oder ewige Verdammnis entscheidet allein der souveräne Wille Gottes. Da hat der Mensch keinen freien Willen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/De_servo_arbitrio


Interessant fand ich besonders, wie manche Diskussionen entstanden sind. So verstehe ich besser, dass über Luther nachgesagt wird, er hätte gegen den freien Willen des Menschen gelehrt. Dass Luther selber einen freien Willen hatte, auch um Verkehrtes zu tun, zeigt jedoch sein persönliches Fehlverhalten, insbesondere in späteren Jahren.


Auf eine andere Internetseite habe ich gelesen:

Zitat


Was hat Staupitz ihm gesagt?
Einmal hat er ihm seelsorgerlich angedeutet, dass wohl gerade er solche inneren Anfechtungen nötig habe, weil sonst bei ihm nichts gut werden würde, vor allem aber hat er ihm eines erklärt: Wenn Gott einmal an einem Menschen begonnen hat zu arbeiten, dann soll und darf er mit voller Gewissheit glauben und festhalten, er werde die Arbeit vollenden. Dafür sei er der allmächtige Gott. Er solle darum jedes Spekulieren über Gott fahren lassen: „Hebe an mit den Wunden Christi, dann sind alle Erörterungen über die Prädestination (Vorherbestimmung) erledigt.“

Das hat bei Luther durchgeschlagen. Das hat ihm geholfen. In seiner Römerbriefvorlesung finden wir später die überraschende Bemerkung: „Wenn jemand fürchtet, er sei nicht erwählt, oder Versuchungen erleidet wegen seiner Erwählung, so sage er deswegen Dank und freue sich, dass er sich fürchtet.“ Luther hatte also erfasst, dass gerade Anfechtungen ein Zeichen wahren inneren Lebens sind und der beste Beweis dafür, dass Gott den Menschen nicht verworfen hat. Er hat darum auch später jede Überlegung über den ewigen Ratschluss Gottes, ob er die einen zur Seligkeit oder die anderen zur Verdammnis bestimmt habe, grundsätzlich zurückgewiesen und sich einfach daran gehalten: Wenn Gott an mir arbeitet, dann will ich froh sein, dass ich zu ihm gehöre und er mich haben will.

Quelle: http://bezeugt.de/biographien/Luther.html


Fazit
Wir Menschen sind alle Suchende und all unser Wissen ist unvollkommen. Ich möchte nie von mir denken, ich könnte alles verstehen oder ergründen, denn schon dieser Gedanke – so scheint es mir – ist bereits verkehrt.

Gottes Segen,
José

Offline Roland

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Luther und die Prädestination
« Antwort #31 am: 02 Februar 2014, 22:06:59 »
Hallo José,

danke für die Infos und für Dein Fazit, dem ich mich uneingeschränkt anschließe.

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline gawriellatou

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #32 am: 03 Februar 2014, 09:33:45 »
Hallo Ihr Lieben,

habe gerade vor einer Woche Luthers langen, langen Sermon über den "Unfreien Willen" gelesen, der ja hier erwähnt wurde. Auf dieser Seite ist er eingestellt:

http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:l:luther:v:vom_unfreien_willen

Zitat
Luther, Martin - Vom unfreien Willen

Dem ehrwürdigen Herrn Erasmus von Rotterdam

Martinus Luther Gnade und Friede in Christus.


Unter "Autoren" kann man eine Menge Material finden. Der Bruder Andreas ist auch der Verfasser der, inzwischen "alten" website: http://gottes-kinder.de/blog/
Roland wird ihn sicher kennen.

Liebe Grüße
gawriellatou
InSeinerGnade

Johannes 3 : 3
3  Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn,
daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Pilger

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #33 am: 03 Februar 2014, 12:35:16 »
Lieber Jose,
dazu eine Stelle:

2Kor.7,1 Da wir nun diese Verheißung haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes und die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes.
Hier schon ist die Vollendung auf Erden angemahnt.
« Letzte Änderung: 03 Februar 2014, 13:53:20 von Pilger »

mordechais

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #34 am: 04 Februar 2014, 10:37:22 »
also, ich fand den einwand von jose vom 27.01. garnicht so unberechtigt ..

So einfach ist die Aussage m.E. nicht zu verstehen, denn wie können wir vorherbestimmt sein, dann, wenn wir uns zu Jesus bekehrt haben? Wenn ich in dem Moment, in dem ich von neuem geboren bin, von Gott vorherbestimmt war, dann kann es für mich nur so zu verstehen sein, dass Gott es zuvor erkannte, wie ich es bereits geschrieben habe. Allerdings argumentieren hier die Calvinisten, dass Gott nicht abwartet, wie wir uns entscheiden werden, sondern ER ist der Handelnde.

wenn man sich den passenden vers anschaut, dann steht da in der elberfelder erkannt und in der schlachter steht ersehen mit dem hinweis das das auch erkannt heißen soll ..

Röm 8,29 Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.

wenn man wiederum in der schrift nach dem wort erkannt sucht findet man z.B. einen vers im galater brief.

Gal 4,9 Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wieso wendet ihr euch wiederum den schwachen und armseligen Grundsätzen zu, denen ihr von neuem dienen wollt?

ich mein das im galater zwar gleichgesetzt wird das wenn wir ihn erkennen er uns auch erkennt, aber ich denke doch das er uns vorher erkennt.. denn es heißt ja auch ..

Joh 6,44 Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, daß ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

an dieser stelle müsste man mal ausdiskutieren ab wann und warum der vater uns zieht .. ich hatte diese diskusion schon mal mit einem bruder und wir sind zu dem schluss gekommen das er das nicht willkürlich macht, sondern auch weil er uns erkennt .. ( das wir gläubig werden, oder anders gesagt gute voraussetzungen haben letztendlich den glauben anzunehmen und auch beizubehalten, wie die liebe zur wahrheit, bußfertigkeit u.s.w. )..

auf jeden fall muss ich meine formulierung abändern, das gott diejenigen die sich für den glauben entschieden haben dazu bestimmt hat seinem sohn gleichgestaltet zu werden .. sondern es muss heißen wie es in der schrift steht .. die die gott zuvor erkannt hat, hat er auch vorherbestimmt seinem sohn gleichgestaltet zu werden ...

interessant ist an dieser stelle natürlich der galaterbrief .. diese haben gott auch erkannt und sind von ihm erkannt worden .. aber sind im begriff vom lebendigen gott abzufallen weil sie sich wieder unters gesetz begeben wollen ..

Gal. 5,4  Ihr seid losgetrennt von Christus, die ihr durchs Gesetz gerecht werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen!

der schluss daraus ist für mich, das man aus dem prozess zur gleichgestaltung jesu christi wieder aussteigen kann .. er ist nicht endgültig ..

seid ihr da meiner meinung !?

« Letzte Änderung: 04 Februar 2014, 10:41:47 von mordechais »

mordechais

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #35 am: 04 Februar 2014, 21:10:20 »
Wenn ich in dem Moment, in dem ich von neuem geboren bin, von Gott vorherbestimmt war, dann kann es für mich nur so zu verstehen sein, dass Gott es zuvor erkannte, wie ich es bereits geschrieben habe.

bei dem zitat muss ich leider wiedersprechen .. denn das vorherbestimmt bezieht sich nicht auf das wiedergeboren werden, sondern auf das jesu christi gleichgestaltet werden .. das sind zwei verschiedenen dinge ..

im moment seh ich noch dringenden bedarf für mich und auch für den film, den begriff " von gott erkannt oder ersehen zu werden " zu definieren .. anscheinend gehen die meinungen darüber hier auseinander und leider ist mir das im augenblick auch nicht ganz klar ..

ich find auch wichtig, genau wie jose, den begriff prädestination zu definieren .. bin auch beeindruckt von rolands umfangreichen historischen kenntnissen .. aber mir raucht bei der definition nur der kopf .. ich versteh da nur bahnhof ..  und als erfahrener verkäufer bin ich auch der meinung das die definition für den film so auch nichts taugt .. einfache verständliche worte mit der man rein den begriff prädestination umschreibt würde ich besser finden .. also was calvinisten genau darunter versehen .. den historischen hintergrund von der entwicklung dieses begriffs kann man dann gerne in einem anderen teil abhandeln ..

mordechais

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #36 am: 06 Februar 2014, 20:33:15 »
ich wollt mal fragen ob vieleicht interesse besteht das ganze mal zusammen auf skype oder paltalk zu besprechen .. da kann man das gut zusammen durchgehen .. würde das gerne mit roland, jose und auch dem pilger machen ..

shalom
franco

Offline Jose

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #37 am: 06 Februar 2014, 21:04:18 »
Lieber Franco,
auf deine Nachfrage möchte ich zunächst etwas zurückhaltend reagieren. Nicht als grundsätzliche Ablehnung, aber doch als Überlegung, ob es der sinnvollerer Weg ist, da wir uns auch zeitlich abstimmen müssten usw. und es mir nicht so einfach möglich ist.

Deine nachfolgende Aussage bzw. das Thema beschäftigt mich schon lange, und ich meine, dass ein Austausch darüber gut wäre.

Joh 6,44 Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, daß ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

an dieser stelle müsste man mal ausdiskutieren ab wann und warum der vater uns zieht .. ich hatte diese diskusion schon mal mit einem bruder und wir sind zu dem schluss gekommen das er das nicht willkürlich macht, sondern auch weil er uns erkennt .. ( das wir gläubig werden, oder anders gesagt gute voraussetzungen haben letztendlich den glauben anzunehmen und auch beizubehalten, wie die liebe zur wahrheit, bußfertigkeit u.s.w. )..

Gerade das falsche Verständnis über dieses "Ziehen" ist ein Kernpunkt der calvinistischen Irrlehre, daher sollten wir m.E. sehr darauf achten, darüber ein biblisches Verständnis zu haben, zumindest eine Überzeugung zu haben, die nicht den klaren Aussagen der Bibel widerspricht.

Herzliche Grüße,
José

mordechais

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #38 am: 06 Februar 2014, 22:35:46 »
absolut .. is mir auch sehr wichtig das wir das mit dem " ziehen des vaters " im biblischen sinn klären .. soweit ich das überblicke gibt es da nicht viele verse die das genauer auf den punkt bringen .. im moment fällt mir keiner ein, außer ebend die davon reden das der vater uns erkannt hat .. aber bin natürlich für verbesserungen und kritik offen ..

mir würden natürlich viele beispiele einfallen wie der vater mich gezogen hat .. aber das wird dann auch schnell erfahrungstheologie .. deswegen möcht ich mich damit zurückhalten ..

nunja .. das mit dem besprechen würd vieles vereinfachen .. und extrem beschleunigen .. man könnrte gleich mehrere verse abarbeiten  .. bei dem tempo hier mit hin und her schreiben, könnte das wohlmöglich zu lange dauern .. man ist sich ja auch oft uneins oder redet aneinander vorbei .. dann dauert das oft tage bis man ne antwort bekommt oder selber antworten kann ..

wie gesagt, ich hab im märz 2 wochen urlaub. und ich kann den film nur dann machen, weil ich auch viel arbeite .. son film ist ein ziemlich langer und zeitraubender und auch kräftezerrender prozess .. ich seh das schon auf mich zukommen das ich das dann doch alleine und mit durchbeten zusammenbasteln muss .. und ich hab da nunmal noch ein paar ungereimtheiten .. einige verse davon hast du ja auch schon erwähnt ..

ich denke das das irgendwie auch ohne besprechung geht .. aber dennoch wär mir das ganz lieb .. also wenn jemand lust und zeit hat .. immer gern .. bis anfang märz jedenfalls ..

Offline Jose

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #39 am: 07 Februar 2014, 20:20:43 »
Lieber Franco,
vielleicht kannst du ja einen kurzen Umriss hier veröffentlichen, stichwortartig, um zu zeigen, was du genau aussagen willst. Oder du kannst es auch als P.N. schicken, falls du es noch nicht hier veröffentlichen willst. Ich habe verstanden, dass deine Begegnung mit dem Calvinismus dich sehr ereifert hat, etwas dagegen zu schreiben und es in einem Film darzustellen. Wenn ich dabei unterstützen kann, das Filmskript etwas durchzulesen, tue ich es gerne.

Als ich mit dem Calvinismus konfrontiert wurde und insbesondere mit der Aussage, dass der Mensch von sich aus überhaupt nicht zu Gott kommen kann, wurde mir besonders die Bibelstelle vorgehalten: "Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht" Joh 6,44a. Was an der Betonung dieses Wortes sehr kritisch war, ist die Verbindung zur Lehre der doppelten Prädestination, nämlich, dass Gott nicht alle Menschen erretten will. Hier muss man von will reden, denn wenn niemand zu Jesus kommen kann, es sei denn, dass der Vater es will, dann wäre Gott der Urheber der doppelten Prädestination. Hier wurde es aber sehr kritisch, denn dann würde die Aussage Jesu nicht stimmen: "Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat" Joh 3,16. Zu meiner Verwunderung wurde ich hier mit der seltsamen Argumentation konfrontiert, dass mit Welt nicht alle Menschen gemeint sind, sondern nur die Auserwählten. Damit aber, war ein aufrichtiger biblischer Austausch auf der Grundlage des Wortes nicht mehr möglich, weil schon erkennbar war, dass alle Bibelstellen, welche das selbstkonstruierte theologische Denkgebäude ins Wanken bringen könnten, umgedeutet werden. Darauf liegt aber keinen Segen, sondern es ist Verführung.

Auch die Bibelstelle wurde umgedeutet:
1.Tim 2,1-6 (Elb. 1985, 1992)
1Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, 2 für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. 3 Dies ist gut und angenehm vor unserem Retter-Gott, 4 welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 5 Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, 6 der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis zur rechten Zeit.

Die Aussage, dass Gott will, dass alle Menschen gerettet werden, wurde umgedeutet, dass damit nicht gemeint sein kann, dass Gott es wirklich will, sonst könnte ER es ja tun, da IHM nichts unmöglich ist. So aber wird auch diese Bibelstelle und die klare Aussage, dass Gott alle Menschen zu Sich ziehen möchte, untergraben. Übrigens habe ich von den ZJ gelesen, dass sie 1. Tim. 2,4 auch so verstehen, dass mit alle nicht alle gemeint sind, sondern die einer bestimmten Art. Damit sind sie ebenfalls in der Falle gelandet, sich für etwas Besseres zu halten, nämlich zu der Schar, die Gott wirklich erretten möchte.

Jesus hat gesagt: "Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen" Joh 12,32. Wer könnte daran zweifeln, dass Jesus es so gemeint hat und für alle Menschen gestorben ist. Oder wer kann wirklich behaupten, dass der Vater nur eine bestimmte Schar erretten möchte, die ER bereits vorbestimmt hat, so dass letztlich niemand etwas dazu kann, ob er sich von Gott ziehen lässt oder nicht. Denn das wäre die Konsequenz. Der Mensch hätte keine Verantwortung vor Gott, wenn der Calvinismus Recht hätte.

Es ist mir nicht möglich alles zu verstehen, dazu ist mein Verstand zu klein. Aber wenn ich lese: "Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen"Apg 17,30a, sollte ich dann denken, dass es gar nicht Gottes Wille ist, dass alle Menschen die gleiche Möglichkeit haben, sich zu bekehren und gerettet zu werden? So habe ich es mal von einem Calvinisten gelesen, der geschrieben hat, dass wir das Evangelium allen Menschen verkündigen sollen, und wenn die es hören, zu den Auserwählten gehören, werden sie sich auch bekehren. Auf dieser Weise kann man sicherlich die Souveränität Gottes wieder betonen und sagen: "so liegt es nun nicht an dem Wollenden, auch nicht an dem Laufenden, sondern an dem sich erbarmenden Gott" Röm 9,16, aber Gott will Sich doch über alle Erbarmen, wenn nur die Menschen dieses Erbarmen erkennen würden und die Liebeshand Gottes ergreifen würden, solange es noch Gnadenzeit ist. "Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet?" Röm 2,4.

Gottes Segen,
José

Offline Roland

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #40 am: 08 Februar 2014, 14:32:25 »
Hallo gawriellatou,

den Andreas kenne ich nicht persönlich, aber ich habe einiges von seiner geistlichen Einstellung mitbekommen.

Shalom
Roland
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Offline Roland

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #41 am: 08 Februar 2014, 15:32:50 »
Hallo Franco,

Zitat
der schluss daraus ist für mich, das man aus dem prozess zur gleichgestaltung jesu christi wieder aussteigen kann .. er ist nicht endgültig ..

seid ihr da meiner meinung !?
Deine Schlussfolgerung ist völlig korrekt. Christen können im Extremfall zu Nichtchristen werden; die Bibel bezeichnet diesen Vorgang als Apostasie (Abfall). Diese Wahrheit leugnet der Calvinismus.

Zitat
..  und als erfahrener verkäufer bin ich auch der meinung das die definition für den film so auch nichts taugt .. einfache verständliche worte mit der man rein den begriff prädestination umschreibt würde ich besser finden .. also was calvinisten genau darunter versehen .. den historischen hintergrund von der entwicklung dieses begriffs kann man dann gerne in einem anderen teil abhandeln ..
Mir geht es bei der Definition der Begriffe weniger um den Film, sondern mehr um den Austausch hier im Forum. Die Kommunikation ist recht schwierig, wenn wir Begriffe benutzen, die wir mit unterschiedlichem Inhalt "füllen". Daher ist es gut, wenn die Diskutanten erklären, was sie genau unter dem Begriff verstehen.
Ich gehe davon aus, dass Du mit Deinem Film den Leuten nichts verkaufen, sondern über den Calvinismus aufkären möchtest. Als erfahrener Verkäufer verwendest Du wahrscheinlich die "KUSS-Methode" ("Kurz und sehr simpel). Wenn Du "KUSS" verwendest, besteht die Gefahr, dass die Calvis Deinen Film zerreißen (z. B. wenn Dein Film eine Kommentar-Funktion hat), weil Du angeblich die Dinge verkürzt, ungenau und damit verfälscht darstellst. Zu welchen Mitteln Leute greifen, um ihre theologische Position zu rechtfertigen, kannst Du ja auch hier im Gästebuch oder im Forum nachlesen.

Zitat
ich wollt mal fragen ob vieleicht interesse besteht das ganze mal zusammen auf skype oder paltalk zu besprechen .. da kann man das gut zusammen durchgehen ..
Wir können gerne zusammen skypen.

Zitat
aber das wird dann auch schnell erfahrungstheologie .. deswegen möcht ich mich damit zurückhalten ..
Ich finde, dass im Forum auch Platz für "Erfahrungstheologie" ist, da unser GOTT lebendig und wahrhaftig ist und daher ist es logisch, dass wir auch Erfahrungen mit IHM machen.

Shalom
Roland
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Offline Roland

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Erwählung/Auserwählung
« Antwort #42 am: 08 Februar 2014, 17:19:39 »
Die Evangelien berichten, dass die Berufung der Jünger auf das erwählende Handeln JESU zurück geht. Mit der Erwählung/Auserwählung der Jünger koinzidiert die Berufung zu Aposteln (z. B. Apg. 9, 15). Als erwählt werden diejenigen bezeichnet, die zum eschatologischen Gottesreich berufen sind (z. B. Matth. 22, 14; 24, 22 ff.; Markus 13, 20 ff.; Lukas 18, 7; Römer 8, 29 ff.).

Wo Paulus von Erwählung spricht, steht die Erwählung der Gemeinde im Vordergrund; die EKKLESIA besteht aus den Erwählten. Nach Epheser 1, 4 hat sie GOTT schon vor Grundlegung der Welt nach dem Ratschluss Seines Willens zuvor ersehen. Das besagt, dass das Heil in CHRISTUS einen ewigen Grund hat.

Theologiegeschichtlich:

Augustinus hat erstmals in der Theologiegeschichte die Lehre von der Gnade, der Erwählung und Prädestination (Vorherbestimmung) in die Mitte theologischen Denkens gerückt. Die Gnade wirkt nach ihm unwiderstehlich, sie ist an keine Bedingungen geknüpft, sondern ergeht unbedingt, sie ist als freie Gnade reines Geschenk. Er lehrt eine doppelte Prädestination: Aus der "Masse der Verdammnis" (massa perditionis) reißt Gott die Erwählten heraus, (de corr.et grat 13,39), die er "vorherbestimmt hat zur Gnade", während er einen anderen Teil der Menschheit "gerechterweise zur Strafe vorherbestimmt hat" (enchir. 100), gerechterweise, weil ja im Grunde alle Menschen die Verdammnis verdient haben und er die Verdammten ihrer selbstverschuldeten Verdammnis überläßt. Auf die Frage, warum GOTT nicht alle erwählt, sondern einen Teil verdammt habe, gibt Augustinus die Antwort: "Warum sonst, als weil er es so gewollt hat. Warum hat er es aber gewollt? Mensch, wer bist du, daß du Gott zur Rede stellen willst?" (Epist. ad. Rom. 186,23).

Im allgemeinen wurde die Prädestinationslehre Augustins vollkommen umgedeutet. Die "Vorherbestimmung" und "Verwerfung" wurde mit dem "Vorherwissen" GOTTES gleichgesetzt, der menschliches Verhalten voraussieht (so etwa Petrus Lombardus, sent. libr. IV dist. 40).

Die Prädestination wurde von Luther und von Melanchthon, vor allem aber von Zwingli und Calvin erneut im Anschluss an Augustinus "wiederentdeckt". Zwingli, der die doppelte Prädestination lehrt, antwortet auf die Frage, wieso die Verworfenen deswegen verdammt werden, weil sie nichts Gutes tun, obschon sie doch gar nichts Gutes tun können: "Lies Matth. 7,18f. Wenn Du nun nicht gute Frucht bringst, so ist es ein Zeichen, daß Du ein böser Baum bist!" (20. Art. der Auslegung der Schlußreden).

Calvin meint: "Gott hat in seinem ewigen und unwandelbaren Ratschluß ein für allemal festgesetzt, welche er einst zum Heil annehmen und welche er andererseits dem Verderben anheimgeben will." Wichtig ist auch ihm, wie Zwingli, dass der HERR seine Auserwählten "kenntlich macht", ebenso wie er den Verworfenen durch "Zeichen" ihren Ausschluß vom Heil und der Heiligung zu erkennen gibt (Institutio III 21,7).

Die -›Bekenntnisschriften der luth. Reformation kennen nur eine Prädestination zum Heil, nicht zum Unheil, Prädestination und E. sind identisch (1577 Konkordienformel Art. 11).

Die röm.-kath. Kirche hat im Trienter Konzil in der sechsten Sitzung 1547 die doppelte Prädestination verworfen, ebenso wie Papst Innozenz X. 1653 in Abwehr des Jansenismus, einer innerkath., augustinisch orientierten Bewegung. Durch die Dordrechter Synode 1618-1619 wurde der ref. Christenheit die calvinistische Prädestinationslehre gegen die holländischen Remonstranten oder Arminianer, die sie bestritten, lehramtlich fixiert.

Calvin spricht von einem dreifachen Nutzen der E.s- und Prädestinationslehre: Gewißheit, Demut und Dankbarkeit (Institutio III 21,1). Auf jeden Fall aktiviert das Erwählungssbewusstsein den Menschen in enormem Ausmaß, muß er doch die Erwählung durch gute Werke ausweisen (Syllogismus practicus). Wirtschaft und Industrie prosperierten nicht zufällig gerade in calvinistischen Ländern der früheren Neuzeit wie Holland, England, Nordamerika, der Schweiz und bei den franz. Hugenotten. Der Religionsphilosoph E. Troeltsch meinte sogar: "Es ist schon so: Erwählung, Gnade, Prädestination, Auslese ist alles ... Gnade und Erwählung sind das Geheimnis und Wesen der Geschichte" (Der Historismus und seine Probleme, 1922, 101).


Problemstellung:

M. E. wurde die ewige Erwählung als Element der Prädestination instrumentalisiert. Zunächst sind weder die Begriffe "Erwählung/Auserwählung" und "Prädestination" identisch noch einander subsumierbar, so dass etwa Erwählung den positiven Zweig der "göttlichen" Prädestination darstellen würde, dem logisch die Verwerfung gegenübersteht.

Ich bin der Meinung, dass die Prädestination ein philosophisch-spekulatives Phänomen darstellt, dessen Intentionen dem biblischen Zeugnis von der Erwählung inkongruent ist. Wo immer diese religiös-spekulativen Kategorien und Denkzwänge in die christliche Lehre eindrangen, verdunkelten sie das Kernstück des Evangeliums von GOTTES gnädigem Handeln in JESUS CHRISTUS, wie es die Dogmen- und Theologiegeschichte bezeugt.


"Kuss-Definition":

Erwählung/Auserwählung erfolgt vor aller Zeit (z. B. Jer. 1,5; Eph. 1,4; 2. Thess. 2,13) und schließt stets den Dienst ein. Die Bibel kennt nur eine Erwählung, die mit dem Auftrag verbunden ist, eine bestimmte Aufgabe auszuführen.

Shalom
Roland

Quellen:
Pöhlmann, H. G.: Erwählung (theologiegeschichtlich), in: Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde
RGG, Aufl. 3
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline inchristus

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #43 am: 09 Februar 2014, 16:05:07 »
Liebe José,

du hast geschrieben, dass die Calvinisten ein falsches Verständnis von dem Ziehen des Vaters haben.

Was verstehst du unter dem "Ziehen des Vaters"?

Liebe Grüße
Astrid
Denn wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen von dem HERRN; wer mich aber verfehlt, tut seiner Seele Gewalt an; alle, die mich hassen, lieben den Tod! Spr 8,35.36

Offline Roland

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Re: Filmserie über Calvinismuss
« Antwort #44 am: 09 Februar 2014, 20:55:46 »
Hallo Franco,

Zitat
Auf jeden Fall aktiviert das Erwählungssbewusstsein den Menschen in enormem Ausmaß, muss er doch die Erwählung durch gute Werke ausweisen (Syllogismus practicus).
Wäre das nicht ein wichtiges Thema für Dein Filmprojekt: Der Zusammenhang zwischen Calvinismus und Werksgerechtigkeit?

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!