Autor Thema: Götzenopferfleisch essen - verboten oder erlaubt?  (Gelesen 3029 mal)

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Offline inchristus

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Götzenopferfleisch essen - verboten oder erlaubt?
« am: 25 Juli 2013, 17:26:07 »
Liebe Geschwister,
mir stellen sich folgende Fragen:

Was ist heute Götzenopferfleisch?

1Kor8 habe ich bisher so verstanden, dass der Verzehr von Götzenopferfleisch erlaubt ist. Jedoch ist die Freiheit, Götzenopferfleisch zu essen eingeschränkt, wenn dadurch ein Bruder/Schwester, der diese Erkenntnis der Freiheit nicht hat, durch meine Freiheit fällt. D.h. wenn es in dessen Augen Sünde ist, aber doch isst, weil der Bruder, der sich kein Gewissen daraus macht, isst. Und somit sündigt der Bruder/Schwester, weil sie Götzenopferfleisch essen, obwohl es in ihren Augen Sünde ist.

In Apg15,20 sollen wir uns aber mit Götzen nicht verunreinigen. Ist damit auch Götzenopferfleisch gemeint oder der Götzendienst?

Wenn ich mit meiner Auslegung von 1Kor8 richtig liege, wie stimmt es dann aber mit Off2,14 überein? "...der den Balak lehrte, einen Anstoß vor die Kinder Israels zu legen, so dass sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben." Bezieht sich hier das Götzenopfer essen, auf Israel im AT? Denn da war es ja Sünde.

Wie seht ihr das?

Liebe Grüße
Astrid
« Letzte Änderung: 25 Juli 2013, 17:54:37 von inchristus »
Denn wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen von dem HERRN; wer mich aber verfehlt, tut seiner Seele Gewalt an; alle, die mich hassen, lieben den Tod! Spr 8,35.36

Offline Roland

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Re: Götzenopferfleisch essen - verboten oder erlaubt?
« Antwort #1 am: 26 Juli 2013, 22:29:16 »
Liebe Astrid,

das sind spannende Fragen, die Du in das Forum gestellt hast.

Zitat
1Kor8 habe ich bisher so verstanden, dass der Verzehr von Götzenopferfleisch erlaubt ist. Jedoch ist die Freiheit, Götzenopferfleisch zu essen eingeschränkt, wenn dadurch ein Bruder/Schwester, der diese Erkenntnis der Freiheit nicht hat, durch meine Freiheit fällt. D.h. wenn es in dessen Augen Sünde ist, aber doch isst, weil der Bruder, der sich kein Gewissen daraus macht, isst. Und somit sündigt der Bruder/Schwester, weil sie Götzenopferfleisch essen, obwohl es in ihren Augen Sünde ist.
Ich habe 1. Korinterh 8 genauso verstanden. Wichtig ist vielleicht noch zu bedenken, dass im Altertum alles "Schlachten" ein religiöser Akt, ein "Opfern" war. Zum Zeichen dafür  wurde irgendein Stück des geschlachteten Tieres ausdrücklich einer Gottheit dargebracht und auf ihrem Altar verbrannt und alles übrige Fleisch diente dann der menschlichen Nahrung.

Die Götzen in V. 20 werden in V. 29 als Götzenopfer beschrieben (vgl. auch Apg. 21,25). Ich bin der Meinung, dass die Apostel verhindern wollten, dass die Heidenchristen ihre Freiheit ungezügelt ausnutzten, denn das könnte die Judenchristen dazu animieren, sich dieselben Freiheiten heraus zu nehmen und so ihr Gewissen zu verletzen. Deshalb schlug Jakobus vor, die Heiden sollten auf 4 heidnische Dinge verzichten, die gegen das mosaische Gesetz verstießen.

Offenbarung 2,14 beziehe ich nicht auf Israel, denn hier wird ja die christliche Gemeinde zu Pergamus angesprochen.

Indem die Heidenchristen nicht an Tempelfestmählern teilnahmen usw., erregten sie bei ihren jüdischen Geschwistern keinen Anstoß, denn in jeder Stadt gab es Juden, die sich von Christen, die sich nicht an diese Vorschriften hielten, verletzt fühlten.

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline inchristus

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Re: Götzenopferfleisch essen - verboten oder erlaubt?
« Antwort #2 am: 27 Juli 2013, 14:10:54 »
Lieber Roland,
vielen Dank für deine Ausführungen.

Nun kommt mir aber die Überlegung: Wenn in 1Kor8 das Essen von Götzenopferfleisch erlaubt ist, sofern man an den Schwachen im Glauben nicht sündigt, warum klagt der HERR in Off2 den Verzehr von Götzenopferfleisch an? Das wäre ja ein Widerspruch zu 1Kor8.

Liebe Grüße
Astrid
Denn wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen von dem HERRN; wer mich aber verfehlt, tut seiner Seele Gewalt an; alle, die mich hassen, lieben den Tod! Spr 8,35.36

Offline Roland

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Re: Götzenopferfleisch essen - verboten oder erlaubt?
« Antwort #3 am: 27 Juli 2013, 19:11:09 »
Liebe Astrid,

danke für Deine Nachfrage.

In 1. Kor. 8 hatten wir bereits gesehen, dass irgendein Stück des geschlachteten Tieres ausdrücklich einer Gottheit dargebracht und auf ihrem Altar verbrannt wurde und alles übrige Fleisch diente dann der menschlichen Nahrung. Daher ist es für Paulus eine Gewissensfrage, ob ein Christ Fleisch zu sich nimmt.

Offenbarung 2,14: Der HERR weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Christen zu Pergamus an der

Lehre Bileams festhalten.

Bileam verführte damals Israel zum Götzendienst (der auch das Essen von Götzenopferfleisch beinhaltete) und zur Unzucht mit Heiden:

Und Israel blieb in Sittim. Und das Volk fing an zu huren mit den Töchtern Moabs; und diese luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter, und das Volk aß und beugte sich nieder vor ihren Göttern. Und Israel hängte sich an den Baal-Peor; und der Zorn JaHWeHs entbrannte wider Israel.
(4. Mose 25,1-3).

Beim Essen des Götzenopferfleisches handelt es sich in Offenbarung 2,14 um Mahlzeiten im Rahmen heidnischer Gottesdienste. Als Tischherren galten die "Götter" (= Götzen/Dämonen) selbst, die das Fleisch der ihnen geopferten Tiere spendeten. Auf diese Weise "genossen" die Teilnehmer die Gemeinschaft mit den "Göttern" (Götzen/Dämonen) (vgl. auch 1. Kor. 10,20). Es war damals schwer, sich auszuschließen, wenn Verwandtschaft oder Bekanntschaft dazu einluden. Sobald man also zu Ehren der "Götter" (Götzen/Dämonen) mitisst, gewinnt es ein negatives Vorzeichen und es heißt für die Christen: Fliehet dem Götzendienst! (1. Kor. 10,14).

Diese Mahlzeiten arteten meistens in ausschweifende und unzüchtige Gelage aus. Wichtiger ist jedoch m. E. die dahinterstehende Religiosität, die alle Kulte in der Umgebung Israels beherrschte, nämlich die "Vergötterung" der natürlichen und sinnlichen Kräfte. Das Land beispielsweise galt als Muttergöttin ("Mutter Erde"). Sie wird fruchtbar, wenn der jugendliche Himmelsgott (Baal) sie mit seinen Regengüssen besamt ("Wettergott") usw.

An all diesen Dingen nahmen Christen aus der Gemeinde zu Pergamus teil. Daher klagt der HERR völlig zu Recht den Verzehr des Götzenopferfleisches an. Ich erkenne hier keinen Widerspruch zu 1. Kor. 8, da ich vom Kontext her die Verbindung zu 1. Korinther 10, 18-21 sehe:

Seht auf das Israel nach dem Fleisch: Sind nicht die, die die Opfer essen, Teilhabende mit dem Altar? Was sage ich also? Dass ein Götze etwas sei oder dass das den Götzen Geopferte etwas sei? Sondern was die, die von den Völkern sind, opfern, opfern sie den Dämonen und nicht GOTT. Ich will nicht, dass ihr Teilhabende mit den Dämonen werdet. Ihr könnt nicht [aus dem] Becher des HERRN trinken und [aus dem] Becher der Dämonen. Ihr könnt nicht am Tisch des HERRN und am Tisch der Dämonen teilhaben.
(1. Korinther 10,18-21)

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Jose

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Re: Götzenopferfleisch essen - verboten oder erlaubt?
« Antwort #4 am: 27 Juli 2013, 19:46:44 »
Liebe Astrid,
ich sehe es auch so, wie es Roland dargelegt hat, dass Offenbarung 2,14 nichts mit 1. Korinther 8 zu tun hat. Zudem wird in der Stelle in der Offenbarung, eindeutig auf die Lehre Bileams hingewiesen.

Offb 2,14
14 Aber ich habe ein weniges gegen dich, daß du dort solche hast, die an der Lehre Bileams festhalten, der den Balak lehrte, einen Anstoß zur Sünde vor die Kinder Israels zu legen, so daß sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben.

Die Absicht Bileams war gewesen, nach meinem Verständnis, das Volk zur Untreue und zur Unzucht zu verführen, um sich wohl doch noch den Lohn Balaks zu verdienen. Und er hatte leider Erfolg, und es folgte Gericht, auch über Bileam.
 
4.Mose 31,8
8 Sie töteten auch die Könige der Midianiter zusätzlich zu den von ihnen Erschlagenen, nämlich Ewi, Rekem, Zur, Hur und Reba, fünf Könige der Midianiter; auch Bileam, den Sohn Beors, brachten sie mit dem Schwert um.

4.Mose 31,16
16 Siehe, sie haben ja in der Sache des Peor durch den Rat Bileams die Kinder Israels vom Herrn abgewandt, so daß der Gemeinde des Herrn die Plage widerfuhr!

Was aber das Essen von Götzenopferfleisch anbetrifft, - ob verboten oder erlaubt -, besonders im Kontext von 1. Korinther 8, wo es um die Schwachen geht, so finde ich auch diese Bibelstelle hilfreich:

1.Kor 10,25-28
25 Alles, was auf dem Fleischmarkt angeboten wird, das eßt, ohne um des Gewissens willen nachzuforschen; 26 denn »dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt«. 27 Und wenn jemand von den Ungläubigen euch einlädt und ihr hingehen wollt, so eßt alles, was euch vorgesetzt wird, und forscht nicht nach um des Gewissens willen. 28 Wenn aber jemand zu euch sagt: Das ist Götzenopferfleisch! - so eßt es nicht, um dessen willen, der den Hinweis gab, und um des Gewissens willen, denn »dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt«.

Für mich stellt sich in diesem Zusammenhang übrigens weniger die Frage: "Was ist heute Götzenopferfleisch?", sondern generell, wie kann ich das Gebot erfüllen: "Niemand suche das Seine, sondern das des anderen" 1.Kor 10,24. Es geht ja darum, auf die Schwache Rücksicht zu nehmen.

Herzliche Grüße,
José

Offline Peter

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Re: Götzenopferfleisch essen - verboten oder erlaubt?
« Antwort #5 am: 27 Juli 2013, 21:50:24 »
In diesem Zusammenhang erkenne ich es ebenfalls, wie du schreibst, Jose.

Zitat: " ,,, 1.Kor 10,25-28
25 Alles, was auf dem Fleischmarkt angeboten wird, das eßt, ohne um des Gewissens willen nachzuforschen; 26 denn »dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt«. 27 Und wenn jemand von den Ungläubigen euch einlädt und ihr hingehen wollt, so eßt alles, was euch vorgesetzt wird, und forscht nicht nach um des Gewissens willen. 28 Wenn aber jemand zu euch sagt: Das ist Götzenopferfleisch! - so eßt es nicht, um dessen willen, der den Hinweis gab, und um des Gewissens willen, denn »dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt«.

Für mich stellt sich in diesem Zusammenhang übrigens weniger die Frage: "Was ist heute Götzenopferfleisch?", sondern generell, wie kann ich das Gebot erfüllen: "Niemand suche das Seine, sondern das des anderen" 1.Kor 10,24. Es geht ja darum, auf die Schwache Rücksicht zu nehmen. ..."

Mit steter Aufmerksamkeit kannst du so etwas einfach nicht dauerhaft erfüllen, das muß vom Herzen kommen, in voller Sorge und Liebe zu den betreffenden Geschwistern. Nicht immer einfach, und oft sündigen wir auch darin, leider.