Autor Thema: Offenbarung 22, Vers 12  (Gelesen 1438 mal)

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Ruth

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Offenbarung 22, Vers 12
« am: 14 Juli 2013, 18:53:58 »
Kurze Verständnisfrage: In Offb. 22, 12 spricht Jesus vom "Lohn". Einen Vers vorher werden sowohl die angesprochen, die das Böse tun, als auch die, die gerecht sind. Nun meine Frage: Bezieht sich hier der "Lohn" auf beide oder - so wie ich es verstehe, "nur" auf jene, die dem Willen Gottes gehorcht haben, und Werke aus Glauben erbrachten, zur Ehre des Herrn? Ich frage deshalb, weil eben in Vers 15 die Ungehorsamen "behandelt" werden, also die, die "draußen" stehen. - Da ich bei meiner Arbeit an der Offb. Vers für Vers durchgehe, komme ich hier zum ersten Mal ins Fragen, und möchte nichts schreiben, was gegen das Wort Gottes verstößt. Daher wäre ich euch dankbar, wenn ihr mir bzgl. Vers 12 auf die Sprünge helfen könntet. - Segensgrüße!

Offline Roland

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Re: Offenbarung 22, Vers 12
« Antwort #1 am: 14 Juli 2013, 20:11:16 »
Liebe Ruth,

ich verstehe Offenbarung 22,12 genauso wie Du. Ich denke, dass hier beide Gruppen angesprochen sind. Die Offenbarung spricht ja auch viel von "Werken", aber hier folgt ein zusammenfassender Ausdruck.  An Stelle von "Werken" spricht hier der HERR von dem einen "Werk", von der gesamten Lebenspraxis. Nicht das beabsichtigte oder ideologisch verklärte Leben interessiert, sondern das gelebte Leben.

Shalom
Roland
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Offline Jose

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Re: Offenbarung 22, Vers 12
« Antwort #2 am: 14 Juli 2013, 20:40:37 »
Liebe Schwester Ruth.

Die Bibelstelle lautet, wenn ich noch Vers 11 einbeziehe:
Offb 22,11-12 (Elb. 1985 und 1992)
11 Wer Unrecht tut, tue noch Unrecht, und der Unreine verunreinige sich noch, und der Gerechte übe noch Gerechtigkeit, und der Heilige heilige sich noch! 12 Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist.

Hat der Herr Lohn für die, welche Unrecht tun? Wenn wir Lohn als etwas Positives sehen, dann würde ich sagen, dass der Herr keinen Lohn hat, für die, welche Unrecht tun.

Wenn hier der Lohn = Strafe ist, dann kann ich es wohl so sehen, dass es auch "Lohn" gibt für die, welche nicht in den Himmel kommen. Ansonsten tue ich mich schwer, es zu definieren.

Wenn ich zudem an den ungerechten Knecht denke, aus dem Gleichnis der anvertrauten Talente, dann lesen ich:

Mt 25,28-29
28 Nehmt ihm nun das Talent weg, und gebt es dem, der die zehn Talente hat! 29 Denn jedem, der hat, wird gegeben und überreichlich gewährt werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst, was er hat, weggenommen werden.

Dem, der Unrecht tat, wurde selbst das, was er an "gutem" hatte, weggenommen.

Herzliche Grüße,
José

Offline Roland

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Re: Offenbarung 22, Vers 12
« Antwort #3 am: 14 Juli 2013, 21:36:35 »
Hallo José,

im Grundtext steht für "Lohn" das Wort MISTHOS.
MISTHOS hat folgendes Bedeutungsspektrum:

Lohn, Bezahlung, Ausgleich

a) in diesem Leben (z. B. Mt. 5,46)
b) Lohn des Bösen, Bestrafung (Apg. 1,18; 2. Petr. 2,13.15)
c) Belohnung, Lohn in der Ewigkeit (Matth. 5,12; 6,1)

Shalom
Roland
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Ruth

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Re: Offenbarung 22, Vers 12
« Antwort #4 am: 15 Juli 2013, 06:07:21 »
Ja, lieber Roland, ich finde es spannend, was ein einzelner Vers bei einem wachsamen Leser alles in Bewegung setzen kann. Meine Gedanken gingen direkt weiter zu den Worten über die "Talente", die ja jeder von uns anvertraut bekommt. Und auch 1. Korinther 3,9-17 sowie Matthäus 7,24-27 kamen mir in den Sinn. Alles, was wir aus der Liebe zu Jesus heraus tun, bleibt bestehen. Das ist beinahe unfaßbar und wunderbar zugleich. Wie nichtig erscheint einem doch da der Ruhm, den die Welt anstrebt und vorgegaukelt bekommt!

Die Ungehorsamen, lieber José, die hier auf Erden nach Ehre und Ruhm strebten, haben ihren "Lohn" schon von Menschen empfangen. Wie ich weiter oben schrieb, dachte ich auch - wie Du - an das Gleichnis mit den Talenten. Auch mußte ich an das Preisgericht denken, wo ja die Geretteten stehen werden, und manche eben - weil ihr Werk aus "Holz, Stroh und Heu" bestand, zwar "durchkommen", aber ob sie noch mit dem "Siegeskranz" oder einer der 5 Kronen rechnen können?;-)

Es ist für mich schon seltsam: Für keines der Kapitel aus der Offenbarung habe ich so lange gebraucht, und intensiv geforscht wie für das letzte. Wenn man die erste Seligpreisung in Offb. 1 mit der vorletzten in Offb. 22 vergleicht, fällt auf, das in der ersten vom Hören, Lesen und Bewahren die Rede ist, in der vorletzten bleibt das -> "Bewahren", auf dem ein großer Segen ruht. Und es ist wahr: Wer sich mit diesen letzten Dingen aufrichtig beschäftigt, der kann gar nicht mehr anders, als sich unbändig auf das Kommen unseres Herrn zu freuen, und ihn täglich, ja, stündlich zu erwarten. Dies zu dürfen, und geschenkt zu bekommen, ist das nicht schon reichlicher Lohn?

Habt vielen Dank für eure Gedanken zu dieser Schriftstelle. Euch eine segensreiche Woche!