Autor Thema: Bibelübersetzungen: Textgrundlage  (Gelesen 1321 mal)

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Offline Jose

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Bibelübersetzungen: Textgrundlage
« am: 13 Juli 2013, 16:22:57 »
Durch den Austausch hier im Forum - aber nicht nur -, verstand ich erst manche Aussagen im Buch: Handbuch Bibelübersetzungen - von Luther bis zur Volxbibel. R. Brockhaus Verlag. Ich füge hier einen Auszug ein, zur Information. 

Vorab möchte ich persönlich erwähnen, dass die Beurteilung, was zuverlässig ist und was nicht, sich am besten bewährt, wenn unser Leben dem Vorbild unseres Herrn Jesus Christus entspricht, und dem, was Er und die Apostel gelehrt haben.


Die Textgrundlage

Auszug aus Seite 14
Leider ist uns kein Originalbrief von Paulus erhalten geblieben. Auch das Originalmanuskript von Markus oder den anderen Evangelisten gibt es nicht mehr. Die Texte der Bibel, die uns zur Verfügung stehen, sind Abschriften von Abschriften von Abschriften.


Auszug aus Seite 14 und 15
Um jedoch so nah wie möglich an den Urtext heranzukommen (den es in dieser Form ja nicht mehr gibt; man spricht deshalb auch vom »Grundtext«, wenn man unsere hebräische oder griechische Bibel meint), gibt es den Forschungsbereich der Textkritik. Das hat nichts mit Kritik an der Autorität, Historizität oder Glaubwürdigkeit der Bibel zu tun. Wissenschaftler, die sich mit der Textkritik befassen, sortieren und vergleichen die verschiedenen Abweichungen der Manuskripte und prüfen anhand von genau festgelegten Kriterien, welche Version wohl die ursprünglichere sein könnte. Dazu gehört z.B. die Überlegung, dass ältere Texte, die zeitlich näher am Original liegen, in der Regel hochwertiger sind als jüngere Texte, die etwa aus dem Frühmittelalter stammen.


Auszug aus Seite 15
Um bei diesen Fragen kompetent mitreden zu können, ist ein ausgesprochenes Spezialwissen erforderlich. Die Ergebnisse der Textforschung findet man im sogenannten »textkritischen Apparat«, der in der hebräischen und griechischen Bibel im Fußnotenteil zu finden ist (für das AT: Biblia Hebraica Stuttgartensia; für das NT: Nestle-Aland oder Greek New Testament). Dort sind die wichtigsten Abweichungen verzeichnet, während die wahrscheinlich ursprüngliche Variante im Text aufgenommen wurde.
 
Seit einigen Jahren regt sich in konservativen christlichen Kreisen heftige Kritik gegen diese Art der Textforschung. Dabei wird die Auffassung vertreten, dass Gott sein Wort nicht nur auf vertrauenswürdige Weise geoffenbart hat, sondern dass er auch die Überlieferung begleitet und selbst für eine zuverlässige Textgrundlage gesorgt habe. Diese meinen die Vertreter dieser Ansicht im sogenannten textus receptus zu erkennen.


Auszug aus Seite 16
Aufgrund dieser Debatte gibt es auch im deutschen Sprachraum neue Bestrebungen, Bibelübersetzungen auf der Textbasis des textus receptus zu erarbeiten, weil dieser Text als der zuverlässigste angesehen wird. Ein Ergebnis solcher Bemühungen ist die Schlachter-Übersetzung aus dem Jahr 2000, der der textus receptus zugrunde liegt.

Diese Übersetzungen legen Wert darauf, dass bestimmte Bibelverse im Text stehen, die von der neueren Textforschung als nicht ursprünglich angesehen werden. So endet etwa das Vaterunser in Matthäus 6 mit den Worten: »Denn dein ist das Reich und die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.« Dieser Satzteil ist möglicherweise tatsächlich gebetet worden, in Anlehnung an 1. Chronik 29, 10f. Doch ältere Handschriften enthalten diesen Vers nicht. Erst spätere Abschriften haben ihn dem Text beigefügt. Deshalb steht er in den neueren Übersetzungen nicht im fortlaufenden Bibeltext, sondern meistens in einer Fußnote.


Quelle: Handbuch Bibelübersetzungen - von Luther bis zur Volxbibel, von Monika und Rainer Kuschmierz, R. Brockhaus Verlag Wuppertal.


Ergänzend möchte ich noch sagen, dass der Austausch darüber sicherlich wichtig ist, die Frage ist allerdings, wie das Thema in der rechten Haltung und Verantwortung vor Gott und auch vor den unerfahrenen und suchenden Menschen diskutiert wird.

Gottes Segen,
José

Offline Jose

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Re: Bibelübersetzungen: Textgrundlage
« Antwort #1 am: 04 September 2016, 11:39:57 »
Auch an dieser Stelle der Hinweis auf ein interessantes Thema, zurückliegend von Astrid eröffnet: textus receptus - Nestle Aland und ihre Schwachstellen.

Offline Mikki

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Re: Bibelübersetzungen: Textgrundlage
« Antwort #2 am: 29 April 2017, 10:57:04 »
Hallo!

Könnt Ihr bitte einmal etwas zur Bibel Übersetzung nach Hans Bruns sagen? TR? Ist sie annehmbar?

Gruß

Offline Jose

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Re: Bibelübersetzungen: Textgrundlage
« Antwort #3 am: 29 April 2017, 15:06:11 »
Am Anfang meines Glaubenslebens wurde mir eine Bruns Bibelübersetzung geschenkt, aber die habe ich nicht lange genutzt für Bibelstudium und sie jemanden geschenkt, der eine leicht verständliche Bibel gebraucht hat. Wenn ich mich recht erinnere, haben mich besonders die Erklärungen gestört.

Auf die-bibel.de findest du einige hilfreiche Angaben:

Zitat

Bruns

Die Bibel neu übersetzt und erklärt von Hans Bruns. Brunnen Verlag, Gießen, Basel 1962; neu gestaltete Ausgabe 1993 als 11. Auflage unter dem Titel: Die Bibel mit Erklärungen; 14. Auflage 2005. Erstausgabe NT 1959, gründliche Revision des NT in der 13. Auflage 1973, letzte Verbesserungen der Gesamtausgabe 8. Auflage 1981, durchgesehen 1993.

1. Umfang: AT ohne Spätschriften, NT.

2. Grundtext: AT Biblia Hebraica; NT Nestle mit willkürlicher Auswahl von Lesarten.

3. Sprachstil: Traditionelle Bibelsprache mit modernen Einsprengseln. Flüssige Diktion.

4. Übersetzungstyp: Philologische Übersetzung mit erklärenden Verdeutlichungen, zum Teil in Klammern.

5. Namensschreibung: Evangelische Tradition.

6. Kommentierung: Knappe Einleitungen mit vorsichtigem Bezug auf historische Forschungsergebnisse; Erklärungen zu den Textabschnitten, mehr erbaulich als informativ.

7. Verweisstellen: Wenige Verweisstellen am Ende der Abschnitte, ohne Zuordnung zu einem bestimmten Vers. Hier auch synoptische Parallelen in den Evangelien (f steht für ff = »und die folgenden Verse«).

9. Zielgruppe: Erweckte Christen, die mit der Bibel leben wollen.

10. Gesamturteil: Die am leichtesten verständliche unter den wörtlichen Übersetzungen der Gesamtbibel. In Text und Erklärungen (trotz Verbesserungen seit der Erstausgabe) mancherlei Fehler.



In dem im Eröffnungsbeitrag erwähnten Handbuch Bibelübersetzungen steht:

Zitat

Bruns selbst nannte seine Übersetzung »Übertragung«, weil sie bewusst frei formuliert ist. Auf jeden Bibelabschnitt folgen einige Erklärungen von Bruns, die vor allem darauf zielen, den Leser persönlich anzusprechen und die Bibel ins Leben zu übertragen. Sowohl im Text als auch in den Erklärungen zeigt sich das starke evangelistische Interesse von Bruns. Die Sprache ist einfach und gut verständlich.

Insgesamt ist der Bibeltext heute noch flüssig und gut lesbar. Allerdings zeigen sich eine Reihe von exegetischen und sprachlichen Ungenauigkeiten.


Fazit
Trotz leichter Schwächen ist die Bruns-Bibel immer noch eine ansprechende Übersetzung; die Anmerkungen sind eine Mischung aus Bibelkommentar und evangelisch-erbaulicher Auslegung. Zusammen mit einer Wortgetreueren Übersetzung ist die Bruns-Bibel eine Bereicherung beim persönlichen Bibellesen.



Ich hoffe, diese Information hilft dir.

Offline Mikki

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Re: Bibelübersetzungen: Textgrundlage
« Antwort #4 am: 30 April 2017, 18:31:58 »
Ja, vielen Dank für Deine ausführliche Erläuterung.
Die Erklärungen passen für mich, allerdings nicht unbedingt für's regelmässige Studium der Bibel. Ausserdem tu ich mir bissl schwer mit der freien Übersetzung.

Für's Studium verwende ich die Schlachter 2000, eher zum nachschlagen die Luther 84