Autor Thema: Die DEA, der BFP und die Kasseler Erklärung  (Gelesen 2421 mal)

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Offline Jose

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Die DEA, der BFP und die Kasseler Erklärung
« am: 30 Dezember 2012, 23:58:19 »
Hallo zusammen.

Vor einigen Wochen habe ich nachfolgende Aussage gelesen, die vermutlich geschrieben wurde im Zusammenhang mit der Kasseler Erklärung (1996). Es ist also nicht neu, aber gibt es nach 16 Jahren etwas Positives darüber zu berichten? Sind die Gemeinden des BFP treu geblieben in der Lehre?

Zitat

Viele Freunde der Deutschen Evangelischen Allianz sind über die vom Hauptvorstand der DEA und dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) veröffentlichten Erklärung überrascht. Nicht wenige äußerten ihre Freude über die neue Gemeinschaft, andere zeigten sich jedoch irritiert. Bedeutet die Vereinbarung nun einen allgemeinen Schulterschluß mit allen charismatischen Gruppierungen im Land?

Gelten biblische Bedenken, die in der Vergangenheit geäußert wurden, plötzlich nicht mehr? Um die Erklärung richtig einzuordnen, muß man zunächst sehen, daß diesem Text ein über zweijähriger Prozeß der Beratung und Gespräche vorausgegangen ist. Der Arbeitskreis für evangelikale Theologie hatte in sorgfältiger Vorarbeit für den Hauptvorstand ein Dokument erarbeitet, in dem die offenen Probleme gründlich von der Bibel her erörtert wurden. Ein entsprechender Katalog mit kritischen Fragen lag den Gesprächen mit verschiedenen charismatischen Gruppen und dem BFP zu Grunde. Dabei zeigte sich, daß mit den Repräsentanten des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden in strittigen Fragen weitgehende Übereinstimmung erzielt werden konnte. Nicht zuletzt deshalb, weil die dem BFP angehörenden Pfingstgemeinden viel aus den Fehlentwicklungen der Pfingstbewegung um die Jahrhundertwende gelernt hatten und sich von der Bibel korrigieren ließen. Mitunter haben die freikirchlichen Pfingstgemeinden heute den Eindruck, daß sich in charismatischen Gruppen ähnliche Probleme wiederholen wie jene, die sie am Anfang ihrer Geschichte durchgestanden haben. Sie sind deshalb auch im Blick auf mancherlei Erscheinungen im neocharismatischen Bereich sehr zurückhaltend. Der BFP versteht sich heute weniger als spezielle „Geistbewegung“, sonder primär als freikirchlicher Gemeindebund.

In diesem Zusammenhang ist der Auftrag der Evangelischen Allianz seit ihrer Gründung klar und eindeutig: Als Allianz wollen wir die Gemeinschaft all derer fördern, die durch den persönlichen Glauben an Jesus Christus zu einer weltweiten Gemeinde gehören. Dabei ist für die Zusammenarbeit wichtig, daß alle Beteiligten die biblische Position der Allianz, wie sie sich in unserer Glaubensbasis findet, uneingeschränkt bejahen. Diese beiden Voraussetzungen zur Gemeinschaft in der Allianz werden mit allen Konsequenzen vom BFP her erfüllt.

Allerdings muß bei dem gesamten Vorgang bewußt bleiben, daß wir als Evangelische Allianz ohnehin keine organisatorischen Zusammenschlüsse auf Kirchenebene eingehen, sondern die Gemeinschaft der einzelnen Christen im örtlichen und im überregionalen Zusammenhang suchen. Für die Zusammenarbeit mit Christen aus dem BFP bedeutet dies, daß nicht von vornherein alle ihre Mitglieder oder örtlichen Gemeinden zur Allianz gehören, sondern nur diejenigen, die auf der Grundlage der nun veröffentlichten Erklärung mit uns die Gemeinschaft suchen. Das gilt aber im Prinzip für Glieder der Pfingstgemeinden genauso wie für Baptisten, Lutheraner, Methodisten usw. Der Unterschied zur bisherigen Situation besteht allerdings darin - und das ist ein erfreulicher Schritt nach von, - daß die Mitglieder der Pfingstgemeinden seit der Unterzeichnung der nun vorliegenden gemeinsamen biblisch-theologischen Erklärung - wie die Mitglieder anderer Landes- und Freikirchen bewußt zu dieser Mitarbeit eingeladen sind.


Wer ist der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden?

Zu ihm gehören ca. 400 selbständige Christengemeinden in Deutschland mit ca. 25.000 Mitgliedern. Dieser Gemeindebund ist Gastmitglied in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Zu ihm gehört u.a. der Verband Volksmission eC. In der Selbstdarstellung heißt es: „Zum Wesensmerkmal der Glieder gehört die Aktualität des Glaubens an den dreieinigen Gott der Bibel und an die Gültigkeit des Wortes Gottes sowohl im persönlichen Leben wie auch im Leben der Gemeinde. Glied eine Pfingstgemeinde wird man durch das persönliche Bekenntnis des Glaubens an Jesus Christus und durch die Taufe im Wasser nach Apostelgeschichte 2,42 und Römer 6, 3 und 4.“

Neben dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden, mit dem wir eine Erklärung verabschieden konnten, gibt es zahlreiche völlig selbständige und nicht einem größeren Verband angeschlossene pfingstlichcharismatisch orientierte Gemeinden. Wenn Sie vor Ort wissen wollen, ob die Ihnen dort begegnende pfingstlich-charismatische Gemeinschaft zum
Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden gehört und ob Sie sich deshalb an diese Erklärung hält, fragen Sie nach der Zugehörigkeit zu diesem Bund. So wie nicht alle Brüdergemeinden zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden gehören, so gehören auch nicht alle Pfingstgemeinden zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Die Übersicht zu bekommen ist leider schwierig. Wir betonen dies an dieser Stelle, weil wir leider noch nicht davon ausgehen können, daß alle pfingstkirchlichen und charismatischen Gemeinden sich einer solcher Erklärung anschließen können und wollen.

Dr. Rolf Hille
1. Vorsitzender der
Deutschen Evangelischen Allianz

Quelle: Gemeinsame Erklaerung mit dem BFP - Wort des Vorsitzenden in Evangelische Allianz



José
« Letzte Änderung: 31 Dezember 2012, 13:33:46 von Jose »

Offline Jose

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'Kasseler Erklärung' vs. 'Berliner Erklärung'
« Antwort #1 am: 31 Dezember 2012, 12:12:10 »
Wieso ich das Thema hier eröffnet habe:
Mit der Kasseler Erklärung hatte ich mich noch nicht beschäftigt. Roland erwähnte sie mal in einem anderen Thema:

Zitat von: Roland
Zitat von: Jose
bei den Missständen in Korinth, eine „Korinther Erklärung“ verfasst und die Geistesgaben abgelehnt. Der Herr vergebe Seinen Kindern diese große Sünde.
Ja, das hätten sie sicherlich gemacht. Leider wurde die sog. "Berliner Erklärung" von Brüdern erstellt, die keinen großen geistlichen Durchblick hatten. Sie beurteilten geistliche Dinge fleischlich! Dadurch ist viel Schaden im Volk GOTTES entstanden. Ich kann auch nur hoffen, dass sie nicht die Lästerung des HEILIGEN GEISTES begangen haben und dass unser HERR ihnen vergibt.
Allerdings ist die sog. "Kasseler Erklärung" auch nicht besser als die "Berliner Erklärung".

Den ganzen Beitrag siehe: hier

Ob die "Kasseler Erklärung" besser oder schlechter oder genauso so schlecht ist wie die "Berliner Erklärung" vermag ich nicht zu beurteilen. Sie scheint gemäßigter" zu sein, allerdings ist die Verführung dadurch vielleicht größer.

Gottes Segen,
José

Offline Jose

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Die 'Kasseler Erklärung'
« Antwort #2 am: 31 Dezember 2012, 12:47:14 »
Als Ergänzung noch die Gemeinsame Erklärung der DEA und des BFP.

Zitat


Gemeinsame Erklärung des Hauptvorstandes der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) und des Präsidiums des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP).

Wir sind dankbar, daß nach offenen Gesprächen zwischen Vertretern der DEA und des BFP Vertrauen gewachsen ist. Nachdem bereits auch an vielen Orten gut zusammengearbeitet wurde, veröffentlichen wir gemeinsam folgende Erklärung.

1. Der BFP bekennt sich uneingeschränkt zur Glaubensbasis der DEA. Christen aus den freikirchlichen Pfingstgemeinden sind bereit, auf dieser biblisch-theologischen Grundlage in der DEA mitzuarbeiten und die Gemeinsamkeit des Glaubens in den Mittelpunkt zu stellen. Sie werden unterschiedliche Lehrmeinungen und spezifische Formen der Frömmigkeit innerhalb der DEA respektieren und eigene Unterschiede zu anderen Kirchen und Gemeinschaften um des gemeinsamen Zeugnisses und Dienstes willen in der Allianzarbeit zurückstellen. Das Gebet Jesu um die Einheit seiner Jünger gewinnt für uns auch angesichts der zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft wachsende Bedeutung.

2. Im Blick auf die Lehre über den Heiligen Geist und Praxis der Geistesgaben (Charismen) betonen DEA und BFP folgende Übereinstimmungen und treten für deren Verkündigung und praktische Umsetzung ein:

2.1. Wir bekennen uns zum dreieinigen Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist zugleich Gottes unverfügbares und unverdientes Geschenk an gerechtfertigte Sünder. Wir nehmen diese Gabe demütig und dankbar an.

2.2. Das grundlegende Werk des Heiligen Geistes besteht darin, daß er zur Erkenntnis der Sünde, zu echter Reue und Buße und zum rettenden Glauben an Jesus Christus führt. Der Heilige Geist verherrlicht Christus und bewirkt mit dem Wort Gottes die Wiedergeburt eines Christen. Er rüstet die Gläubigen mit Gaben aus und gibt die Kraft zum Leben in der Heiligung, wirkt die „Frucht des Geistes“ (Gal. 5,22) und bevollmächtigt zum Dienst. Diese Sicht läßt kein mehrstufiges Heilsverständnis zu.

2.3. Wir bejahen die Gnadengaben des Heiligen Geistes und die Dienste, wie sie im Neuen Testament bezeugt werden (1. Kor. 12 u. 14 und Römer 12). Diese dienen zur Erfüllung des missionarischen Auftrags, zum Bau der Gemeinde und zur persönlichen Erbauung. Die Praxis der Dienste und Gaben soll von Liebe und Demut geprägt sein. „Einer achte den andern höher als sich selbst“ (Phil 2,3; vgl. auch 1. Kor. 13 in seiner zentralen Bedeutung für die Gabenlehre).

2.4. Die Gabendienste und ihre Träger sind auf Ergänzungen und Korrektur angewiesen. Sie müssen sich am in der Bibel offenbarten Wort Gottes messen lassen. Deshalb dürfen die verschiedenen Geistesgaben (z. B. Zungenreden, Heilungen, Unterscheidung der Geister etc.) nicht höher geachtet werden als die Dienste (z. B. Lehre, Leitung, Evangelisation, Barmherzigkeit etc.)

2.4.1. Prophetie im neutestamentlichen Sinne gibt es sowohl durch vollmächtige Auslegung der Heiligen Schrift in die gegenwärtige Situation von Gemeinde und Welt hinein, als auch als geistgewirkte prophetische Rede. Alle Lehre, Weissagung und prophetische Rede ist am Wort der Schrift zu prüfen und zu beurteilen.

2.4.2. Beim Sprachengebet und der Sprachenrede wird die apostolische Ordnung nach 1. Kor. 14 verbindlich anerkannt.

2.4.3. Krankenheilungen sind freie und unverfügbare Geschenke Gottes. Sie weisen zeichenhaft auf den vollbrachten Sieg am Kreuz und auf das kommende Gottesreich hin. Da wir aber „im Glauben und nicht im Schauen“ (2. Korinther 4.18) leben, gilt es, in Verkündigung und Seelsorge neben der Bitte um Krankenheilung stets deutlich zu machen, daß Gott auch in Zeiten der Krankheit segnen und sich verherrlichen kann.

3. Wir bedauern, daß spektakuläre Erscheinungen, wie z. B. das „Ruhen im Geist“, „Lachen im Geist“, die Austreibung sogenannter „territorialer Geister“ usw. zur Verunsicherung, Verwirrung und zu Spaltungen in der Gemeinde Jesu geführt haben. Ungeachtet der unterschiedlichen Bewertungen im Einzelnen sind wir uns einig, daß, um des gemeinsamen Auftrags in der Evangelischen Allianz willen, insbesondere im Zusammenhang von Veranstaltungen, Projekten usw., die im Rahmen und in der Verantwortung der Evangelischen Allianz durchgeführt werden, solche umstrittene Inhalte keinen Raum finden.

4. Das Präsidium Freikirchlicher Pfingstgemeinden und der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz sind bereit, bei sich ergebenden Schwierigkeiten in der praktischen Zusammenarbeit auf örtlicher oder regionaler Ebene an klärenden Gesprächen mitzuwirken.

Deutsche Evangelische Allianz e. V.
Stuttgart, den 1. Juli 1996

Dr. Rolf Hille, 1. Vorsitzender
Peter Strauch, 2. Vorsitzender
Hartmut Steeb, Generalsekretär
Christoph Morgner, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes


Quelle: Gemeinsame Erklärung: DEA und BFP


Vieles, was in der Erklärung gelistet ist, dürfte ein Entgegenkommen der DEA sein, mich wundern einige der Aussagen. Wie siehe es heute aus und was bedeutet genau: "Der BFP bekennt sich uneingeschränkt zur Glaubensbasis der DEA". Ist die Glaubensbasis der evangelischen Allianz biblisch?

Es ist sicherlich unser aller Bestreben alles anhand der Schrift zu prüfen. Persönlich bemühe ich mich darum, nicht einseitig zu sein in meiner Beurteilung. Meine Überzeugung ist, dass wir alle Schuld tragen an den ganzen Auseinandersetzungen. Wir sind alle dafür verantwortlich, treu zu sein in dem, was uns der Herr offenbart hat.

"Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht" Lk 16,10. Der Herr schenke uns Gnade, treu zu sein und gehorsam Seinem Wort.

Gottes reichen Segen wünschend,
José
« Letzte Änderung: 31 Dezember 2012, 13:41:29 von Jose »

Offline Jose

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Die 'Kasseler Erklärung' und die 'ökumenische Bewusstseinsbildung'
« Antwort #3 am: 11 August 2013, 12:01:51 »
Erneut musste ich an die "Kasseler Erklärung" denken - siehe vorherigen Beitrag -, und an die einleitende Aussage:
Zitat
Wir sind dankbar, daß nach offenen Gesprächen zwischen Vertretern der DEA und des BFP Vertrauen gewachsen ist. Nachdem bereits auch an vielen Orten gut zusammengearbeitet wurde, veröffentlichen wir gemeinsam folgende Erklärung.

Ist es nicht so, dass wir hier schon die Auswirkungen der ökumenischen Bewusstseinsbildung erkennen, wie ich in einem anderen Thread als #8 geschrieben habe:
Zitat
Im ökumenischen Dialog unserer Zeit ist es eher aber wohl so, dass weniger um das rechte Verständnis der biblischen Lehre gerungen wird, sondern mehr darum, trotz eindeutig unterschiedliche Lehre, sich nicht auszugrenzen sondern dennoch einander anzunehmen und Gemeinschaft zu haben. Das ist nicht biblisch, sondern das ist Verführung.

Vielleicht sehe ich es zu negativ, aber insgesamt sehe ich alle ökumenischen Aktivitäten sehr kritisch und erkenne den Trend, die Treue zum Wort Gottes immer mehr aufzugeben.

Herzliche Grüße,
José

Offline Peter

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Re: Die DEA, der BFP und die Kasseler Erklärung
« Antwort #4 am: 11 August 2013, 15:10:54 »
Liebe Geschwister,

Wenn schon ein kleines Stückchen Sauerteig(!) den ganzen Teig verdirbt, so ist es mehr als folgerichtig, wenn das ganze Schlamassel Ökumene, das sind die vielen Spaltungen mit ihren vielen stolzen Namen, in einem Teig der Irrungen und Götzendienste aufquellt, der dann vom Herrn ausgekehrt werden wird, und den Hunden draußen vorgeworfen werden wird!

Was für die Welt wie ein " endlich Besinnen auf Gemeinsamkeiten" aussehen wird, ist das Hinführen zum Großen Tag Gottes, das sich Aufblähen und `Hinsetzen auf den Thron Gottes`, die Einheitsreligion unter der Führung des Falschen Propheten.
So in etwa...

Liebe Grüße,
Peter