Autor Thema: So sehr hat Gott die Welt geliebt (Joh. 3,16)  (Gelesen 5134 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Jose

  • Benutzer
  • Beiträge: 1709
So sehr hat Gott die Welt geliebt (Joh. 3,16)
« am: 16 Juni 2012, 03:31:42 »
Als ich das erste Mal auf Johannes 3,16 hingewiesen wurde mit den Worten: "Setze für Welt deinen Namen ein", da war ich noch nicht bekehrt, aber es berührte mich sehr.

Seitdem habe ich schon oft gehört und gelesen, dass auf diese Weise Menschen auf der ganzen Welt damit konfrontiert werden, dass das Evangelium und die Liebe Gottes, für sie, d.h. für jeden einzelnen Menschen ganz persönlich gilt. "Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat" Joh 3,16. Ja, so sehr hat Gott DICH, hat ER mich geliebt. Mit dieser Auslegung habe ich, wenn ich die Bibel lese, keine Probleme.

Als ich aber erstmalig mir der Lehre konfrontiert wurde, dass Jesus nicht für alle Menschen gestorben sein soll, sondern sein Leiden und Sterben am Kreuz nur für eine auserwählte Gruppe geschah, war ich sehr irritiert. Es war es für mich sehr unverständlich.

Ich wurde wiederholt auf die Schrift von James White hingewiesen:
Verblendet durch Tradition - Ein offener Brief an Dave Hunt als Antwort auf seinen jüngsten Angriff auf die Reformation durch sein Buch „What Love is This? Calvinism’s Misrepresentation of God“ von James White .

Zitat

Johannes 3,16 frei von Tradition
Dave, ich denke, wir stimmen darin überein, dass Du glaubst, Deine Interpretation von Joh 3,16 sei der Schlüssel zu dem ganzen Streit. Beachte, dass ich sage: Deine Interpretation. Ich nehme weder an, Du würdest einsehen, dass Deine Ansicht nicht die einzig mögliche sei, wie man die Worte des Herrn Jesus verstehen kann, noch habe ich (um ehrlich zu sein) den Eindruck, dass Du Dich überhaupt darum bemüht hast, Joh 3,16 auszulegen. Es ist DeineTradition, dies auf besondere Weise zu interpretieren. Diese Tradition beinhaltet zwei wichtige Elemente:
  • die Vorstellung, dass mit „Welt“ jedes einzelne Individuum gemeint sei, so dass Gott alle Menschen gleich liebe (was zur Leugnung jeglicher Unterschiede innerhalb der Liebe Gottes führt, sogar was seine erlösende Liebe betrifft), und
  • dass der Ausdruck „jeder, der“ den Sinn beinhalte, man müsse einen Unterschied oder eine Erwählung verleugnen.
Beinahe Dein ganzes Buch beruht darauf, dass Du diese Vorstellungen als gegeben voraussetzt.

Quelle: http://www.betanien.de/verlag/material/JamesWhite1.pdf, Seite 29


Offensichtlich ist es möglich, die verfügbaren biblischen Texte, die Grundlagen für die Bibelübersetzungen, so zu "verbiegen", dass am Ende selbst ein Wort wie Johannes 3,16 missbraucht wird für die eigene Irrlehre. Dabei erkennt man nicht, dass man sich im Grunde wie die Pharisäer verhält, die sich darüber empörten, dass das Heil nun auch den Nationen gelten soll.

Frage:
Ich es wirklich so schwer, Johannes 3,16 richtig zu übersetzen und auszulegen?

Herzliche Grüße,
José

Offline Jose

  • Benutzer
  • Beiträge: 1709
So sehr hat Gott die Welt geliebt (Joh. 3,16)
« Antwort #1 am: 16 Juni 2012, 13:28:12 »
"Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat" Joh 3,14-16.

Manche Themen und Beiträge, die ich hier in diesem Forum schreiben darf, hatte ich teilweise in anderen Foren begonnen, besonders im BiFO, im Forum des Bethanien-Verlages, und dort einige andere Meinungen kennengelernt. Gerade "Joh. 3,16" ist ein so wichtiges Bibelwort, dessen Aussage richtig verstanden werden muss, sonst fehlt uns ein tragender Baustein zum richtigen Verständnis des Evangeliums. Im BiFO bin ich verbannt, wegen meiner kritischen Beiträge zum reformierten Verständnis. Aber es geht um das richtige Verständnis des biblischen Lehre, und da ist es auch mir persönlich weiterhin wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen. Es geht mir nicht um persönliche Angriffe, denn wie gerne tausche ich mich mit anderen aus, und wie wichtig ist es, danach zu trachten, Gottes Wort richtig zu verstehen und auszuleben. Wir sind alle am Lernen und lernen von einander.

Abhandlungen, wie diese von James White, bestätigen mir, dass für viele nicht  das Bibelwort alleine, unter Leitung des Heiligen Geistes und im Kontext der ganzen Bibel, ausschlaggebend ist, sondern die menschliche Gelehrtheit oder sogar nur die Tradition und konfessionelle Bindung. Zu der Aussage von James White zu Joh. 3,16: "Manchmal kennen wir die Schriftstellen am schlechtesten, die wir am besten kennen", möchte ich wiederholen, dass wenn, um beispielsweise eine zentrale Bibelstelle im NT zu verstehen, ich dafür die altgriechische Sprache beherrschen und dazu noch Hermeneutik studieren muss, ich mich hierfür in die Abhängigkeit von menschliche Gelehrsamkeit begeben würde. Wohin das führen kann, ist mir bei dem Thema über die Grundtexte ernüchternd klar geworden: Grundtexte für Bibelübersetzungen.

White hat sicherlich manche gute Erkenntnisse, aber so wie er die Erwählung verteidigt und begründet, konnte er mich nicht überzeugen. Besonders seine Aussagen zu Johannes 3,16 waren enttäuschend. White blieb eine wahre Argumentation schuldig, weil er dabei ohne seine Sprachkenntnisse nicht auskommt. Auf Seite 12 schreibt er an Dave Hunt:
Zitat
Nur weil Du Dich nicht zu einer entsprechenden Ausbildung entschlossen hast, dank derer Du die biblischen Texte in ihren Ursprachen verstehen könntest, gibt Dir das nicht das Recht oder einen Grund, solche Leute anzuklagen, sie würden den Text der Heiligen Schrift „verändern“. An späterer Stelle dieses Briefes werde ich eine umfassende Abhandlung zu „jeder, der“ liefern und Deine Unterstellung widerlegen, ich selbst würde Joh 3,16 „verdrehen“, um darin die Bedeutung „jeder Gläubige“ zu sehen.
Solche Vorhaltungen von White an Hunt erfolgten nicht nur einmal und betrübten mich sehr, denn es sind oftmals gerade die gelehrten Theologen welche die Glaubwürdigkeit der Bibel untergraben.

Als Calvinist ist White ein Vertreter der Erwählungslehre, nur sollte man nicht versuchen, alle Aussagen der Bibel, die auf eine Erwählung hinweisen könnten, auch in diese Richtung zu pressen. Hier macht man sich wirklich schnell der Eisegese (w. Hineinlegung, d. h. einem Text eine ihm fremde Aussage unterschieben) schuldig. Besonders aufgefallen ist mir das bei seiner Aussage zu Joh. 8,43+47 (Seite 19):
Zitat
Warum versteht ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt ... Wer von Gott ist, hört die Worte Gottes. Darum hört ihr nicht, weil ihr nicht von Gott seid.
Hier die Erwählungslehre sehen zu wollen ist verkehrt., denn jeder, der nicht wiedergeboren ist, ist nicht aus Gott (siehe Joh. 3,3-6), daher "Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden" Joh 3,7. Aber auch für diese, denen Jesus zurief: "Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes. Darum hört ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid" Joh 8,47, bestand noch Hoffnung, wenn sie die Einladung Jesu annehmen würden. Wie sollte ich sonst die Worte Jesu verstehen: "Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen; und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt" Joh 5,39-40. Sie wollten nicht kommen, aber die Einladung bestand. Dazu muss sich der Mensch aber demütigen, und das fehlt ihm so schwer.

In seiner Schrift gegen das Buch von Dave Hunt schreibt White:
Zitat
An dieser Stelle, Dave, treffen wir auf eines der schlimmsten Beispiele grauenhafter Argumentation in Deinem ganzen Buch, einschließlich ad hominem (der Versuch, die Glaubwürdigkeit einer Meinung zu untergraben), verzerrter Darstellung und einfach haarsträubend falscher Logik. Du schreibst unter dem ironischen Untertitel „Eisegetical Illusion“:
Zitat
Um seine Behauptungen zu stützen, zitiert White Calvin, auf den er sich voller Bewunderung beruft. Anscheinend (soweit dies White betrifft) ist Calvins Tyrannei über Genf, wo er viel Hochmut, Ungeduld, Lieblosigkeit und Unbarmherzigkeit gegenüber denen erwies, die es wagten, anderer Meinung als er zu sein, was sogar dazu führte, die Folter anzuwenden um zu überzeugen, kein Grund, Calvins Verständnis der und Treue zur Schrift anzuzweifeln.
Diese Art von Polemik ist einfach unverantwortlich. Für eine solche Bemerkung solltest Du Dich bei jedem entschuldigen, der sein Geld für Dein Buch aus dem Fenster geworfen hat.
Ich habe bereits aus anderen Quellen kritisches über das Verhalten Calvins in Genf gehört und dass er zumindest teilweise hart gegen Gegner der doppelten Prädestination vorging, was für mich unverständlich ist, da Jesus auch nicht so gehandelt hat. Die Reaktion von White ist allerdings verwunderlich. Soll das ein schwacher Versuch sein, Menschen davon abzuhalten, das Buch zu kaufen?

"Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat" Joh 3,16. Es bleibt meine Überzeugung, dass jeder eingeladen ist, Jesu Hände sind ausgestreckt. Wie es im Detail geschieht, dass ein Mensch von seiner Schuld überführt wird und zu Gott findet, ist das Werk des Heiligen Geistes, aber dass Gott alle Menschen liebt und keine Freude daran hat, wenn jemand verloren geht, davon bleibe ich überzeugt, denn das bezeugt die Bibel an vielen Stellen. Wozu hätte Gott die Menschen auch sonst geschaffen, wenn ER von vorneherein festgelegt haben sollte, wer gerettet wird und wer nicht. "So sehr hat Gott die Welt geliebt!", hier nicht alle Menschen zu sehen, zeugt davon, die Liebe Gottes nicht wirklich erfasst zu haben.

Liebe Grüße,
José

Eisegese: w. Hineinlegung, d. h. einem Text eine ihm fremde Aussage unterschieben.
Argumentum ad hominem: der Versuch, die Glaubwürdigkeit einer Meinung zu untergraben, indem man ihre Vertreter in ein schlechtes Licht rückt, ohne dass Sachargumente vorgebracht werden.


Offline engelsbrot

  • Benutzer
  • Beiträge: 18
Re: So sehr hat Gott die Welt geliebt (Joh. 3,16)
« Antwort #2 am: 17 Juni 2012, 00:08:12 »
...Als sie aber hingezogen waren, siehe ,da erschein ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf , nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und fliehe nach Ägypten, und bleibe dort , bis ich es dir sage, denn Herodes wird das Kindlein suchen , um es umzubringen. Er aber stand auf, nahm das Kindlein und seine Mutter des Nachts zu sich und zog hin nach Ägypten . Und er war dort bis zum Tod des Herodes , damit erfüllt würde , was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht :Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen .
Da ergrimmte Herodes sehr, als er sah, daß er von den Weisen hintergangen worden war; und er sandte hin und ließ alle Knaben töten, die in Bethlehem und seinem ganzen Gebiet waren , von zwei Jahren und darunter , nach der Zeit, die er von den Weisen genau erforscht hatte.
Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia geredet ist , der spricht : Eine Stimme ist in Rama gehört worden, Weinen und viel Wehklagen ; Rahel beweint ihre Kinder , und sie wollte sich nicht trösten lassen , weil sie nicht, mehr ,sind .

so auch des Herrn Wort, durch den Bruder Paulus:... Römer 10, 1-21 ; 11, 1-36 .




Spielte es eine Rolle ,wann, welcher Freund zu Hiob sprach ? oder war es einerlei ? 

Offline Jose

  • Benutzer
  • Beiträge: 1709
Re: So sehr hat Gott die Welt geliebt (Joh. 3,16)
« Antwort #3 am: 17 Juni 2012, 13:47:16 »
Hallo Daniel.
Zitat von: engelsbrot

so auch des Herrn Wort, durch den Bruder Paulus:... Römer 10, 1-21 ; 11, 1-36 .

Gottes ewige Liebe ergründen zu wollen, oder gar Seinen Ratschluss, wird uns Menschen nicht gelingen, daher werden wir auch ermahnt: "Welche Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen?" Röm 11,33.34. Wir sollten es auch nicht versuchen, denn wir können nur scheitern, so wie die unbußwilligen Schriftgelehrten und Pharisäer gescheitert sind. Das wurde auch die tiefere Erkenntnis des Hiob, um die er doch gerungen hatte: "»Wer ist es, der den Ratschluss verhüllt ohne Erkenntnis?« So habe ich denn meine Meinung mitgeteilt und verstand doch nichts, Dinge, die zu wunderbar für mich sind und die ich nicht kannte" Hiob 42,3. Es wird leider nicht davon berichtet, dass auch die Freunde Hiobs es erkannten.

Das Urteil Gottes war deutlich: "Mein Zorn ist entbrannt gegen dich und gegen deine beiden Freunde: Denn ihr habt über mich nicht Wahres geredet wie mein Knecht Hiob" Hiob 42,7.Und dann lesen wir auch: "Und Hiob, mein Knecht, soll für euch Fürbitte tun. Nur ihn will ich annehmen, damit ich euch nicht Schimpfliches antue. Denn ihr habt über mich nicht Wahres geredet, wie mein Knecht Hiob" Hiob 42,8. Hier erkennen wir erneut die Liebe Gottes, die doch jeden Menschen sucht, auch diese Freunde Hiobs, die wohl ihr eigenes Versagen noch nicht eingesehen hatten.


Daniel, du hast gefragt:
Zitat von: engelsbrot
Spielte es eine Rolle ,wann, welcher Freund zu Hiob sprach ? oder war es einerlei ?

Es spielt m.E. alles eine Rolle, was wir tun und wann wir es tun, und auch was wir unterlassen und warum wir es unterlassen. Die Freunde Hiobs hatten genug Gelegenheiten gehabt, über ihre falsche Herzenseinstellung Buße zu tun, sie taten es aber nicht. Der letzte der Freunde Hiobs, der sich lange zurückgehalten hatte, sich aber dann über die anderen erhob, war Elihu (siehe Hiob 32,4ff). Mir ist nicht bekannt, dass Gott auf dessen anmaßendes Auftreten überhaupt einging. Auch Elihu versagte als wahrer Tröster, weil auch er die Lage Hiobs nicht ergründen konnte, sich aber dennoch dazu hinreißen ließ, Hiob der Bosheit und Torheit anzuklagen.

Aber ich gebe dir recht: Es kommt nicht darauf an, was Menschen sagen. Aber wir können einander ermahnen und ermuntern, oder einander entmutigen. Ganz schlimm ist aber jede Verführung zur Unwahrheit, und wir müssen uns fragen, ob wir dazu schweigen können oder darauf hinweisen.


So sehr hat Gott die Welt geliebt (Joh. 3,16) …, wer in diese Liebe nur eine vor Grundlegung der ausgewählte Schar sieht und dass Jesus nur für diese gestorben ist, der vergisst, dass Gott gerecht ist und am ENDE niemand wird sagen können, die GNADE hätte nicht ihm gegolten. Die Schrift bezeugt es eindeutig, dass Gott jeden liebt und erretten möchte.

José
« Letzte Änderung: 17 Juni 2012, 15:03:03 von Jose »

Offline Jose

  • Benutzer
  • Beiträge: 1709
Re: So sehr hat Gott die Welt geliebt (Joh. 3,16)
« Antwort #4 am: 17 Juni 2012, 14:13:32 »
Beim lesen der gestrigen Andacht im Kalender "Die Gute Saat", musste ich erneut staunen, über Gottes unergründliche Liebe.


Wenn jemand den Herrn Jesus Christus nicht lieb hat, der sei verflucht . 1. Korinther 16,22

John Flavel (1627-1691) aus England hielt einmal eine sehr ergreifende Ansprache über dieses Bibelwort. Eindringlich legte Flavel dar, was es bedeutete, "von Gott selbst mit einem bitteren und schweren Fluch verflucht zu sein". Wie seine Zuhörer stand auch Flavel selbst tief unter dem Eindruck dieser Warnung. Und am Ende der Predigt zögerte er tief bewegt, als er der Gemeinde den Segen Gottes wünschen wollte, "weil doch jeder Anwesende, der den Herrn Jesus Christus nicht liebt, verflucht sei".
Unter den Zuhörern war auch Luke Short, ein junger Bursche von ungefähr 15 Jahren. Er hörte die Botschaft, aber sie hatte damals keine Auswirkungen auf sein Leben. Bald danach ging er zur See; später wanderte er nach Amerika aus. Er wurde Farmer und war jahrzehntelang bis ins hohe Alter auf seinen Feldern tätig.
Eines Tages wanderten seine Gedanken bei der Feldarbeit zurück in die Jugendzeit. Die verschiedensten Ereignisse kamen ihm in den Sinn. Wie ein Blitz überfiel ihn plötzlich auch die Erinnerung an diese ganz besondere Predigt; und jetzt ließ ihn der eine Gedanke nicht mehr los: Verflucht ist jeder, der den Herrn Jesus Christus nicht lieb hat.
Nach 85 Jahren entfaltete dieses Bibelwort bei dem nun Hundertjährigen seine volle Kraft. Er fühlte seine Sünden; er erkannte, dass er den Sohn Gottes nicht geliebt hatte und noch unter dem Fluch stand. Und der Sünden-Erkenntnis folgte das Sünden-Bekenntnis: Er bekannte Gott die Schuld seines Lebens und fand Vergebung und Frieden.
Gott gab ihm noch einige weitere Jahre auf der Erde. Und in diesen Jahren lebte Luke Short für alle sichtbar mit Gott und für Gott.


Quelle: Die Gute Saat, 16. Juni 2012

Auch das obige Zeugnis lässt mich erahnen, wie sehr Gott uns liebt, verstehen, bzw. ergründen, kann ich es aber nicht.

War Gott ihm, Luke, erst nach 85 Jahren wieder begegnet? Ich denke nicht, denn wir werden oft durch unser Gewissen an unsere Versäumnisse erinnert und bereits die Unruhe in unseren Herzen mahnt uns darüber, dass uns der Friede mit Gott noch fehlt. Luke hätte auch hier, die vielleicht letzte Einladung Gottes ausschlagen können. Vielleicht wäre es dann endgültig zu spät gewesen.

Persönlich möchte ich die Hoffnung für niemanden aufgeben und daran festhalten, dass Gott prinzipiell "nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen" 2.Petr 3,9b, auch wenn irgendwann die Gnadenzeit doch abgelaufen sein wird.


Es sind viele Jahre her, ziemlich am Anfang meines Glaubenslebens, da sprach ich mit einem Bruder über eine Person die mir sehr am Herzen lag. Ich war sehr in Sorge um ihr Seelenheil, weil sie den Ruf Jesu "Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen!" Mt 11,28a, nicht zu erfassen vermochte. Damals antwortete der Bruder, sie sei eben vielleicht nicht erwählt. Ich wunderte mich über diese Aussage, wagte aber nicht zu fragen, was er damit meinte, verstand es auch nicht. Die Aussage wurde mir aber eine Last auf dem Herzen, denn nach allem was ich bis dahin - und rückblickend bis heute, aus dem Wort Gottes verstanden habe -, hat Gott alle Menschen zum Heil erwählt, die Hölle wurde nicht für die Menschen geschaffen.

So sehr hat Gott die Welt geliebt…

José
« Letzte Änderung: 18 Juni 2012, 08:29:34 von Jose »

Offline Jose

  • Benutzer
  • Beiträge: 1709
Blitzableiter (Joh. 3,16)
« Antwort #5 am: 20 Juni 2012, 21:44:38 »
Dieses Video auf Sermon-Online hat mich sehr beeindruckt: Blitzableiter. Zum direkten Download: hier (Dateigröße: 26 MB)

"Denn kaum wird jemand für einen Gerechten sterben; denn für den Gütigen möchte vielleicht jemand auch zu sterben wagen. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist" Röm. 5,7-8.

"Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!" 2. Kor. 9,15.
« Letzte Änderung: 07 März 2015, 12:08:05 von Jose »

Offline Jose

  • Benutzer
  • Beiträge: 1709
Damit alle Menschen gerettet werden
« Antwort #6 am: 09 Juli 2012, 21:33:55 »
Vor etlichen Jahren wurden meine Frau und ich zu einem Konzert der Stuttgarter Hymnus-Chorknaben eingeladen. Einleitend hielt der damalige EKD-Ratsvorsitzende Huber eine Rede. Von der Rede blieb mir nur in Erinnerung, dass er Johannes 3,16 so zitierte: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gabt, damit alle gerettet werden". Ich fragte mich, warum er die Bedingung: "damit alle, die an Ihn glauben", nicht erwähnt hatte. Wollte er niemand kränken, wollte er damit sagen, dass alle gerettet werden können?

Es ist verkehrt zu denken, dass alle Menschen automatisch gerechtfertigt sind und gerettet werden, ob sie an Jesus glauben oder nicht, weil die Bibel es nicht so lehrt. Die Bibel lehrt uns: "Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat" Joh 3,16. Wir dürfen die Bedingung nicht unerwähnt lassen.

In Vers 17 lesen wir weiter: "Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde" Joh 3,17. Hier lesen wir, wie Jesus so klar bezeugt, dass Gott die Welt retten möchte, aber nur die gerettet werden, welche an Ihn glauben. Mich hat heute die Frage sehr beschäftigt, was Jesus wohl auf die Frage geantwortet hätte, ob Gott Ihn für jeden Menschen gab und ob Er für jeden Menschen sterben würde. Meine Überzeugung ist, dass Jesus gekommen ist, um für jeden Menschen zu sterben, damit jeder die Möglichkeit hat, sich retten zu lassen. Hat Er es nicht in dem Gebet zum Ausdruck gebracht: "Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun" Lk 23,34. Sein Herz war von Retterliebe erfüllt, nicht von richtenden Absichten.

Lesen wir es nicht oft in der Bibel? Im Kapitel 12 sagte Jesus: "Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe; und wenn jemand meine Worte hört und nicht befolgt, so richte ich ihn nicht, denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette" Joh 12,46-47. Gott möchte niemand "dahingeben", ER hat keine Freude am Tod des Sünders. Auch Jesus nicht.

José

Offline Jose

  • Benutzer
  • Beiträge: 1709
Wen dürstet, der komme
« Antwort #7 am: 19 Oktober 2012, 11:23:01 »
Als ich die gestrige Andacht im Kalender "Die Gute Saat" las und über vieles nachdachte, wurde mein Herz erfüllt mit Dank und Anbetung, aber auch betrübt darüber, dass so viele sich schwer tun damit, Buße zu tun und von Herzen Jesus zu suchen.


Wen dürstet, der komme. Offenbarung 22,17

Drei Saisonarbeiter aus Italien trafen sich bei der Heimkehr aus der Schweiz auf dem Gotthard-Pass. Sie hatten gerade ihre Arbeitssaison beendet. "Dieses Jahr war mein bestes", erklärte der erste. "Ich war Zimmerkellner im ,Imperial` und habe ein hübsches Sümmchen verdient. Noch ein solches Jahr, und ich brauche nicht mehr als Kellner zu arbeiten." 

Auch der zweite konnte von einer guten Saison berichten. - "Und wie war deine?", wandten sich die beiden an den dritten. Der erzählte: "Ich habe im ,Berghotel` einen kranken Gast gepflegt, der nicht ins Krankenhaus wollte. Als sein Ende kam, klagte er: ,Ist denn wirklich niemand da, der einen Sterbenden trösten kann?` Schließlich ergriff er meine Hand und bat: ,Bitte, junger Mann, sagen Sie mir irgendein Wort des Trostes, ein Wort der Glaubenszuversicht!` 

Mir brach der Schweiß aus; vor Verlegenheit konnte ich kein Wort sagen. Da fiel mir ein, dass unten in meinem Koffer noch die Bibel meiner Mutter lag. Ich las dem Mann einige Verse daraus vor, die meine Mutter angestrichen hatte. Dabei kam ich auch an den Spruch: ,So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.` 
Da hob der Sterbende seine Hände und wiederholte die einzelnen Worte. Und auf einmal war er wie verwandelt. Seine Seelenangst war völlig verschwunden, und sein Gesicht strahlte vor Freude. Mühsam brachte er noch heraus: ,Ich danke Ihnen - nun habe ich ewiges Leben und gehe in den Himmel zu Jesus.` 

Seit diesem Erlebnis lese ich selbst täglich in der Bibel. So habe ich ebenfalls Jesus als meinen Heiland gefunden und bin froh und glücklich geworden. Darum sage auch ich: ,Dieses Jahr war mein bestes!`"


Quelle: Die Gute Saat, 18. Oktober 2012

Wie oft „klopft“ Gott an Herzenstüren, auf wie viel Wegen kommt uns Gott entgegen und wie weichen IHM aus? Ich bin sicher, dass auch dem Sterbenden, in Kalenderblatt oben, vieles bekannt war. Ich hörte aber jemand mal sagen: „Der weiteste Weg ist der von dem Kopf zu dem Herzen“. Ja, wir wissen vieles, aber unsere verderbte Gesinnung hindert uns, zu verstehen, was Gott uns in Jesus erworben hat und uns schenken möchte.

Im neuen Testament lesen wir: "Denn Gott, der gesagt hat: »Aus Finsternis wird Licht leuchten!«, er ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi" 2.Kor 4,6. Jener Sterbende durfte es noch erfassen, durfte es noch erleben, dass es in seinem Herzen Licht wurde. Warum erst so spät? Diese Frage dürfen sich besonders die stellen, die eine Entscheidung für Jesus auf die “lange Bank“ schieben obwohl sie im tiefsten Grunde des Herzens wissen, dass es sich lohnt, Jesus nachzufolgen.

Zwei meiner leiblichen Geschwister haben sich mal unterhalten und einer sagte zum anderen: „Schau dir den José an: Der Mann ist glücklich!“, dennoch haben sich beide noch nicht bekehrt, obwohl sie sehen - bei all meinen Fehlern - dass ich in Jesus etwas habe, was sie nicht besitzen.

Herzliche Grüße,
José