Autor Thema: Christen ohne Gemeinde?  (Gelesen 6208 mal)

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Pilger

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Christen ohne Gemeinde?
« am: 28 September 2012, 21:18:54 »
Liebe Geschwister,
erlaubt mir ein paar Fragen:
Wie steht ihr zu dem Vers aus 1.Kor.14, 26: Wenn ihr zusammenkommt, hat ein jeder etwas............ Lasset alles geschehen zur Auferbauung.
Wer prophetisch redet, erbaut die Gemeinde 1.Kor.14, 4
Bemüht euch um die Gaben, trachtet darnach dass ihr alles reichlich habt, dass die Gemeinde erbaut wird 1.Kor.14, 12
Fünfmal erwähnt der Apostel die "Gemeinde" als Ort der Ausübung.

Epheser 4 redet von den 5 Ämtern die dazu dienen, die Gläubigen zum Dienst der Auferbauung zuzurüsten.

Wir bringt ihr das alles zusammen, wenn ihr in keiner Gemeinde seid?

Liebe Grüße
Pilger
« Letzte Änderung: 30 September 2012, 14:38:14 von Pilger »

Offline Roland

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #1 am: 07 Oktober 2012, 16:14:06 »
Hallo Pilger,

viele Christen lehnen das "Vereinschristentum" ab. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht Gemeinschaft haben bzw. sich in einer Gemeinde treffen. Natürlich haben die von Dir genannten Bibelstellen auch heute ihre Berechtigung.

Allerdings stehen viele Christen vor dem Problem, dass es keine biblische Gemeinde in ihrer Nähe gibt. Hier stehen sie vor der Frage: Soll ich ungeistliche Kompromisse eingehen und mich solch einer "Kirche/Gemeinde" anschließen oder bleibe ich alleine. Wenn sich hier jemand für die zweite Variante entscheidet, habe ich großen Respekt vor dieser schwerwiegenden Entscheidung.

In Deinem Gemeindebund, dem BFP, gab es vor kurzem einige personelle Veränderungen:
Zitat
[Erzhausen (APD)]  Pastor Johannes Justus (Hannover) ist neuer Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP). Er wurde im Rahmen der 117. BFP-Bundeskonferenz in Willingen/Upland gewählt. Seine Stellvertreter sind Frank Uphoff (München) und der Vorsitzende der Volksmission, Bernhard Röckle (Geislingen). Neuer Generalsekretär ist Peter Bregy (Griesheim). Bundesschatzmeister Dr. Martin Stötzel (Bühl) wurde in seinem Amt für die nächsten fünf Jahre bestätigt. Die bisher Verantwortlichen, Präses Roman Siewert (Norddeich) und Generalsekretär Hartmut Knorr (Hamburg), hatten nicht mehr kandidiert. Quelle: http://www.eann.de/bund-freikirchlicher-pfingstgemeinden-mit-neuer-leitung/14249/

Hier ergeben sich natürlich einige Fragen. Wie kannst Du folgende Dinge mit dem Wort GOTTES vereinbaren?

- Wo ist in der Bibel die Rede von dem Amt eines Präses? (Wer war der erste Präses - Petrus etwa?)
- Br. Ulonska beispielsweise ist Alt-Präses. Wo gibt es einen Alt-Präses in der Heiligen Schrift?
- Wo ist in der Bibel die Rede von einem Generalsekretär?


Zitat
Der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden ist eine evangelische Freikirche und eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Er hat eine kongregational-synodale Struktur mit der Bundeskonferenz als zentrales Entscheidungsgremium.
- Wo findet sich eine "kongregational-synodale Struktur mit der Bundeskonferenz als zentrales Entscheidungsgremium" in der Bibel?

In den 1980er Jahren erlebte ich, wie in meiner damaligen BFP-Gemeinde (Frankfurt/Main) ein neuer "Pastor" eingesetzt wurde. Als junger Christ war ich gespannt, wie GOTT reden würde. Fastet die Gemeinde? Redet GOTT durch Geistesgaben? Soweit meine Gedanken damals. Und jetzt zur Realität: Es wurde ein Bewerber eingeladen zum "Probe-Predigen". Anschließend stimmte die "Gemeinde" demokratisch ab. Der Bewerber erhielt nicht genügend Stimmen und es wurde der nächste Bewerber zum "Probe-Predigen" eingeladen. Auch dieser Bewerber erhielt nicht genügend Stimmen. Als der 3. Bewerber zum "Probe-Predigen" eingeladen wurde, übten die Ältesten Druck auf die "Gemeinde" aus: Die Mitglieder sollten von ihrem hohen Ross heruntersteigen und ihre Ansprüche senken. Der 3. Bewerber bekam genügend Stimmen und die "Gemeinde" hatte einen neuen "Pastor".

- Jetzt meine Frage: Kannst Du das demokratische Wahlrecht in einer Gemeinde biblisch belegen?
- Kannst Du mir noch zeigen, wo in der Bibel von einem Präsidium und geschäftsführenden Vorstand die Rede ist
(siehe Organigramm)?

Shalom
Roland
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Pilger

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #2 am: 07 Oktober 2012, 17:11:36 »
Lieber Roland,
Du schreibst:

- Jetzt meine Frage: Kannst Du das demokratische Wahlrecht in einer Gemeinde biblisch belegen?
- Kannst Du mir noch zeigen, wo in der Bibel von einem Präsidium und geschäftsführenden Vorstand die Rede ist (siehe Organigramm)?

Nein, ich kann deine Frage nicht beantworten, denn sie sind von der Bibel her nicht verboten, sondern wir sind auch da dem Staat gehorsam, wenn er Dinge fordert.

Natürlich braucht eine kleine Gemeinde mit 20 Personen keine solchen Ämter oder einen Vereinsstatus, aber sobald eine gewisse Größe da ist, gibt es gewisse verbindliche Strukturen.

Noch eine Anmerkung zu den Christen, die vor "schwerwiegenden Entscheidungen" stehen:
Es geht doch meistens darum, ob es eine Gemeinde gibt, in der "meine" Erkenntnis vorhanden ist. Wenn ja, gehe ich hin, wenn nein, bleibe ich weg.

Ich habe in manchen Foren mit Leuten geschrieben, die sich mit stolz "Christen ohne Gemeinde" nannten und noch glaubten, es sei biblisch.

Sie kennen keine "Geburtswehen", kein "Durchhalten", sondern Kritik.
Wieviele wollten ein "Amt" haben, beachtet werden, Dienst tun- und wenn sie nicht zum Zuge kamen, schrieen sie : geistlicher Mißbrauch.

Nein: Wo das Evangelium verkündigt wird, ist Anschluss möglich- auch wenn "meine Erkenntnis" noch nicht vorhanden ist.

Ich kann ja darum beten. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus?
Da wird kritisiert, man weiß alles besser, das hinten-herum-reden hat Hochkonjunktur.

Es geht in erster Linie um Jesus und mich in der Gemeinde, in zweiter Linie um die Geschwsiter und mein biblisches Verhalten ihnen gegenüber und dann erst um meine "Bedürfnisse".

Wo ist der Geist des Dienens, der Unterordnung und der Auferbauung der Gemeinde?

Nein,lieber Roland: Da ist mir "mein" Bfp mit seinen Strukturen - und allen Fehlern - doch lieber.

Liebe Grüße
Pilger

Offline Roland

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #3 am: 07 Oktober 2012, 18:30:53 »
Hallo Pilger,

Zitat
Nein, ich kann deine Frage nicht beantworten, denn sie sind von der Bibel her nicht verboten, sondern wir sind auch da dem Staat gehorsam, wenn er Dinge fordert.
Das bedeutet, dass Strukturen geschaffen wurden, die in der Bibel nicht zu finden sind oder anders ausgedrückt: Es wurden unbiblische Strukturen geschaffen?

Wo fordert der Staat, dass sich Gemeinden in Vereinen oder in KdöR umstrukturieren lassen?

Zitat
Natürlich braucht eine kleine Gemeinde mit 20 Personen keine solchen Ämter oder einen Vereinsstatus, aber sobald eine gewisse Größe da ist, gibt es gewisse verbindliche Strukturen.
Die Bibel berichtet folgendes über die Urgemeinde:

Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa 3 000 Seelen hinzugetan. (Apg. 2,41)

Der HERR aber tat täglich die zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden (Apg. 2,47b)

Mir ist keine BFP-Gemeinde bekannt, wo sich durch eine Predigt 3000 Menschen bekehrt und der Gemeinde hinzugetan wurden. Trotz dieses enormen Wachstums benötigten die Christen damals keinen Präses, keinen Vorstand, gründeten keinen Verein und hatten auch keine Satzung. Kannst Du Dir erklären, weshalb der BFP dies braucht, obwohl er bei weitem kein so großes Wachstum aufzuweisen hat, wie die Urgemeinde?

Zitat
Es geht doch meistens darum, ob es eine Gemeinde gibt, in der "meine" Erkenntnis vorhanden ist. Wenn ja, gehe ich hin, wenn nein, bleibe ich weg.
Hier unterstellst Du den Geschwistern, die die religiösen Vereine ("Gemeinden") verlassen, fleischliche Motive. Das finde ich nicht in Ordnung, weil viele Geschwister hier unter großen Gewissenskonflikten leiden. Das Wort GOTTES lehrt, dass sich Christen von unbiblischen Strukturen absondern sollen.l

Zitat
Wieviele wollten ein "Amt" haben, beachtet werden, Dienst tun- und wenn sie nicht zum Zuge kamen, schrieen sie : geistlicher Mißbrauch.
Auch hier unterstellst Du fleischliche Motive. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass geistlicher Missbrauch nicht nur in Sekten, sondern auch in den sog. "Gemeinden" üblich ist.

Zitat
Nein: Wo das Evangelium verkündigt wird, ist Anschluss möglich- auch wenn "meine Erkenntnis" noch nicht vorhanden ist.
Wird denn das Evangelium verkündigt, wenn unbiblische Strukturen vorhanden sind?

Zitat
Da wird kritisiert, man weiß alles besser, das hinten-herum-reden hat Hochkonjunktur.
Ich habe mir sagen lassen, dass so etwas auch in den religiösen Vereinen vorkommen soll.....

Zitat
Es geht in erster Linie um Jesus und mich in der Gemeinde,
Genau und wie sieht die Praxis aus? Es wird ein religiöser Verein gegründet und der wird dann "Gemeinde" genannt. Es gibt einen Vorstand, eine Satzung usw. - alles Dinge, die das Wort GOTTES nicht kennt. Wenn es den Vereinsfunktionären ("Pastoren") wirklich in erster Linie um JESUS und Seiner Gemeinde gehen würde, dann würden sie doch den HERRN befragen und das praktizieren, was in der Bibel steht.

Zitat
Nein,lieber Roland: Da ist mir "mein" Bfp mit seinen Strukturen - und allen Fehlern - doch lieber.
Das sagen alle. Wenn Katholiken auf die unbiblischen Lehren angesprochen werden, dann heißt es, dass es dennoch die Kirche Jesu Christi sei. Und man muss eben trotz aller Fehler und Unzulänglichkeiten mit der Kirche "mitleiden" usw. Dasselbe sagen die Zeugen Jehovas ("man muss eben mit den Fehlern des treuen und verständigen Sklaven mitleiden" usw.) und alle anderen religiösen Vereine.

Shalom
Roland

Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Pilger

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #4 am: 07 Oktober 2012, 19:22:22 »
Lieber Roland,

Der Apostel und Timotheus haben Älteste eingesetzt um die Gemeinde zu leiten und man wusste genau wer die Ältesten waren.

Ich merke an Deinem Beitrag und an den der "vereinslosen" Geschwister: Man kann eben auf jeder Seite vom Pferd fallen.

Da es wieder um fruchtlose Diskussion geht möchte ich damit aufhören, danke Dir aber, für Deine Mühe.

Liebe Grüße
Pilger

Offline Jose

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #5 am: 07 Oktober 2012, 20:38:47 »
Lieber „Pilger“,
zunächst möchte ich dir sagen, dass ich die Zugehörigkeit zu einer biblischen Gemeinde als etwas sehr wichtiges erachte und dem Herrn danke, dass ich seit 1987 zu einer biblischen Gemeinde gehöre.

Meine erste Gemeinde war eine Freikirche, die aber nicht zur ACK oder Ökumene gehörte. Später lernte ich, dass die Gemeinde zu einem Verband und Vereinigung mit anderen gleichnamigen Gemeinden gehörte. Leider gehörten etliche davon zur Ökumene, somit stand auch die Gemeinde, zu ich gehörte, im Ökumenischen Fahrwasser.

Eines der Punkte, die mir bald als unangenehmen auffiel war das Wahlrecht, d.h. die Demokratie in der Gemeinde. Es fiel mir das erste Mal sehr schmerzlich auf, als jemand in den Vorstand gewählt wurde, der mit einer evangelischen Frau verheiratet war und die Kinder als Säuglinge taufen ließ.


Der Frage von Roland, ob du das demokratische Wahlrecht in einer Gemeinde belegen kannst, hast du beantwortet mit:
Zitat von: Pilger
Nein, ich kann deine Frage nicht beantworten, denn sie sind von der Bibel her nicht verboten, sondern wir sind auch da dem Staat gehorsam, wenn er Dinge fordert.

Diese Antwort enttäuscht mich, denn es ist nicht das erste Mal dass du in der Weise ausweichst, indem du argumentierst, es sei nicht verboten. Bist du sicher? Demokratie in der Gemeinde ist nicht gut, wenn wir z.B. an die Wahl von Saul im Alten Bund denken. Das Volk wollte Saul zum König haben und hatte Gott verworfen (1. Samuel 8,7).
 
Es ist ohnehin verkehrt, wenn du einfach schreibst, dass wir dem Staat gehorsam sein müssen, wenn er Dinge fordert. Du weißt doch selber, dass wir Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen. Denke bitte z.B. an die unregistrierten Gemeinden in kommunistischen Ländern: Warum fügen sie sich nicht dem Staat? Um nicht von weltlichen Einrichtungen beeinflusst oder gar kontrolliert zu werden.



Zitat von: Pilger
Natürlich braucht eine kleine Gemeinde mit 20 Personen keine solchen Ämter oder einen Vereinsstatus, aber sobald eine gewisse Größe da ist, gibt es gewisse verbindliche Strukturen.

Die Gemeinde braucht immer die Ämter nach Epheser 4,11 (Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten), denn das sind die biblischen Grund-Ämter, die Gott in der Gemeinde haben will. Auch in eine Gemeinde mit „20 Personen“ kann und sollte es diese Ämter geben. Weltliche Strukturen benötigen wir nur so weit wie erforderlich aber so wenig wie möglich. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir in unserem Land kein e.V. sein müssen.


Zitat von: Pilger
Da ist mir "mein" Bfp mit seinen Strukturen - und allen Fehlern - doch lieber.

Es gibt keine vollkommene Gemeinde, und menschlich gibt es überall Fehler. Wenn ich aber z.B. erlebe, dass die Gesamtzahl der offiziellen Mitglieder darüber entscheiden darf, wer als Pastor eingesetzt wird, dann kann ich nur sagen: Das kennt die Bibel nicht. Paulus schrieb z.B. an Titus: "Deswegen ließ ich dich in Kreta zurück, damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste einsetzen solltest, wie ich dir geboten hatte" Tit 1,5. Das muss nicht heißen, dass Titus sich nicht mit anderen Brüdern beraten würde, wenn möglich, aber es wurde nicht per Wahlrecht entschieden.


Enttäuscht bin ich über diese deine Aussage:
Zitat von: Pilger
Da es wieder um fruchtlose Diskussion geht möchte ich damit aufhören, danke Dir aber, für Deine Mühe.

Welche Diskussionen waren bislang „fruchtlos“? Du vertrittst manche Ansichten die du biblisch nicht belegen kannst, deswegen war für mich aber der Austausch nicht fruchtlos, sondern diente dazu, dass ich im Glauben gefestigt wurde und besser erkennen durfte, wie der Feind versucht zu verführen. Er versucht auch uns alle als seine Handlanger zu gebrauchen.

Herzliche Grüße,
José

Offline Roland

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #6 am: 07 Oktober 2012, 23:21:45 »
Lieber Pilger,

natürlich ist es wichtig und notwendig, dass Älteste in einer Gemeinde eingesetzt werden. Dagegen sagt auch niemand etwas, ganz im Gegenteil! Dazu ist es aber nicht notwendig, dass eine Gemeinde in einen Verein oder KdöR umfunktioniert wird.

Du schreibst:
Zitat
Der Apostel und Timotheus haben Älteste eingesetzt um die Gemeinde zu leiten
Das ist richtig und biblisch! Wie läuft es aber heute in den religiösen Vereinen? Die Mitglieder wählen demokratisch ihre Ältesten selbst! Erkennst Du den Unterschied? In der Heiligen Schrift wurden die Ältesten von den Aposteln eingesetzt. Heute wählen die Vereinsmitglieder ihre "Ältesten". Dies führt zu den skurrilsten Entwicklungen. Br. Ulonska erwähnte in einer Predigt, dass ein Kandidat für das Ältestenamt die Vereinsmitglieder bestochen hatte, damit sie ihm ihre Stimme geben. In anderen Gemeinden ist es dazu geben, dass die Kandidaten einen "amerikanischen Wahlkampf" geführt haben (mit allem Drum und Dran). Wenn das System falsch und unbiblisch ist, braucht man sich nicht über solche Auswüchse nicht zu wundern.

Vielleicht sollten wir uns den geistlichen Hintergrund näher anschauen:

Einen wichtigen Schlüsseltext dazu finden wir m. E. in 1. Sam. 8: Die von Gott gesetzten Strukturen erschienen den Israeliten unzureichend. Sie wollten einen König, der vor ihnen herziehe. Dabei haben sie völlig übersehen, daß sie diesen König bereits hatten: GOTT selbst wollte ihnen vorangehen, sofern sie in seinen Wegen blieben. Aber sie wollten doch eine greifbarere Lösung (1. Sam. 8, 19f):

Und das Volk weigerte sich, auf die Stimme Samuels zu hören; und sie sprachen: Nein, sondern ein König soll über uns sein, damit auch wir seien wie alle Nationen, und daß unser König uns richte und vor uns her ausziehe und unsere Kriege führe.

GOTT jedoch nimmt dieses Ansinnen persönlich (1. Sam. 8, 7):

Und JaHWeH sprach zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen; denn nicht Dich haben sie verworfen, sondern Mich haben sie verworfen, daß ich nicht König über sie sein soll.

Was nun folgt, ist eine lange Geschichte des Wechsels zwischen Abfall und notdürftiger Wiederherstellung, die wir in den Büchern der Könige und der Chronik im Wechsel immer und immer wieder nachlesen können: Gefiel es dem König, in GOTTES Wegen zu wandeln, betrug sich auch das Volk leidlich; neigte er dem Götzendienst zu, verfiel auch die Mehrheit des Volkes den Götzen.

Diese traurigen Prinzipien wirken auch in der neutestamentlichen Gemeinde. Der Wunsch nach einem Frontmann, der vor dem Volk steht "wie bei den Nationen" ist ungebrochen, ob dieser nun "König" oder "Pastor" heißt. So werden weltliche Leiterschaftsprinzipen in die Gemeinde eingeschleppt, GOTT wird als König verworfen. Man benötigt Sein Wirken nicht mehr, wird man doch vom "Pastor" mit allem versorgt, was man geistlich zu benötigen meint.

Und auch die Auswirkungen sind die gleichen: Wenn der Präceptor z.B. einer Irrlehre erliegt, wird er den größten Teil der Versammlung damit anstecken, weil die Möglichkeit der Korrektur durch seine Mitbrüder weitestgehend ausgehebelt ist. Auch die pastoralen Netzwerke, die die Hauptamtlichen untereinander verbinden und den Korrekturmangel korrigieren sollen, schaffen hier keine Abhilfe: Häufig sind sie überregional (was nebenher die Verkirchlichung fördert); aber auch das regional begrenzte Pastorenfrühstück kann diese Aufgabe nicht wahrnehmen. Nur eine Bruderschaft von Mündigen, die gemeinsam und gleichberechtigt einer Versammlung vorsteht, kann sich gegenseitig zurechtweisen.
So richtig finster wird es jedoch dann, wenn die Obersten neben ihrem Gehalt auch noch eine besondere Mittlerposition zwischen Gott und ihren Schafen, einen Priesterstatus also, beanspruchen: Dann ist der neutestamentliche Boden endgültig verlassen. Wer sich in diesem Sinne als Priester versteht, wird zum Anti-Christus, zu einem Anstatt-Christus, denn er beansprucht eine Position, die CHRISTUS bereits ausfüllt. Daß diese Anti-Christusse in großer Menge auftreten, davor  warnt uns schon der Apostel Johannes (1. Joh. 2, 18).

Es ist dabei immer wieder zu beobachten, daß der Wunsch einiger Leiter, über andere zu herrschen, seine Entsprechung findet in der großen Mehrheit derer, die lieber ihre Mündigkeit aufgeben als ihre Bequemlichkeit. Die Initiative zur Installation des Königtums in Israel ist nicht von Shaul ausgegangen, sondern vom Volk. Sehr wichtig ist für die geistliche Beurteilung, daß es hier eine Wechselwirkung gibt. Zugespitzt könnte man sagen: Verführung ist nicht möglich ohne solche, die sich verführen lassen wollen.

Was hat das jetzt mit uns zu tun?

Den neutestamentlichen Bezug zu dem, was hier am Beispiel Sauls prophetisch vorerklärt wird, stellt Paulus im ersten Korintherbrief her (1. Kor. 1, 12ff). Auch unter den Korinthern gab es solche, die nichts sehnlicher wünschten, als dass jemand vor ihnen herziehe — und wenn schon kein König, dann doch wenigstens ein Lehrer. Und so begannen einige, sich dem Apollos zugehörig zu rechnen, andere dem Paulos oder dem Kephas. Indem sie sich also beispielsweise "apollische" Christen nannten, wurden sie zur ersten Denomination. Paulus verwehrt ihnen dies und wirft ihnen vor, in ihrer fleischlichen Gesinnung den Leib des CHRISTUS zu zerteilen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die Denomination nach einer Person oder einer Lehre benannt ist. Ob sich nun jemand apollisch, pfingstlerisch (z. B. BFP), baptistisch oder freikirchlich nennt — alle denkbaren Benennungen verlassen den Grund, den die Schrift hier abgegrenzt hat. Legal sind lediglich lokale, regionale Bezeichnungen: Die "Gemeinde zu Korinth" ist legitim, die

Gemeinde im Hause des Nymphas (Kol. 4, 15)

ist eine erlaubte Ortsbezeichnung, während "Die Gemeinde des Nymphas" schon eine Denomination wäre, die nicht mehr auf dem Grund des Wortes GOTTES steht.

Es geht dabei nicht einfach um Kritik an irgendwelchen nebensächlichen theologischen oder lebenspraktischen Details, sondern um einen grundsätzlichen Konstruktionsfehler der Denominationen, die dem Bauplan GOTTES für die Gemeinde nicht gerecht werden können. Wir alle wissen, daß die ersten Gemeinden voller haarsträubender Fehler waren. Es geht hier auch nicht um Vollkommenheit im Sinne einer vollständigen und richtigen Erkenntnis. Wir wissen, dass unser Erkennen stückweise und damit unvollständig ist. Es geht darum, daß es illegal ist, sich innerhalb des Reiches GOTTES seine eigenen Fürstentümer abzugrenzen. In der Welt würde man dies als Hochverrat bezeichnen, und kein König, der etwas auf sich hält, duldet so etwas.

Deshalb ist es wichtig, die Aussagen der Heiligen Schrift zu beachten, was den Bau der Gemeinde betrifft. Mit unbiblischen Methoden, Marketingstrategien usw. werden wir hier nie den Willen GOTTES erfüllen.

Br. Richard Krüger (BFP) brachte es einmal auf den Punkt:

In der Gemeinde gibt es keine Demokratie, sondern ausschließlich Theokratie!

Möge der HERR uns schenken, dass dies Realität wird und kein Lippenbekenntnis bleibt.

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Jose

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #7 am: 08 Oktober 2012, 08:54:55 »
Zu dem Thema hier möchte ich noch hinzufügen, dass die Not unserer Zeit ist, dass es i.d.R. Gemeinden am eigenen Ort gibt, diese aber nicht die Erwartungen anhand der Schrift erfüllen. Wir sollten uns aber nicht davor scheuen, uns einer biblischen Versammlung anzuschließen, die vielleicht etwas entfernt liegt. Aktuell befindet sich meine Gemeinde in 10 km Entfernung, vor 20 Jahren war mein nächster Versammlungsort noch 45 km entfernt. Auch das kann sich im Laufe der Zeit ändern.

Und auch wenn manche bereits negative Erfahrungen mit Gemeinden gemacht haben, sollten wir nicht aufgeben, sondern den Herrn bitten, uns in eine biblische Gemeinde zu führen. Er kann und will es schenken.

Es ist wichtig, dass alle Gläubigen danach trachten, zu einer biblischen Gemeinde zu gehören und eine geistliche Heimat zu haben. Wenn ich Apg. 14,23 lese: "Als sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste gewählt hatten, beteten sie mit Fasten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren", und dann, wie bereits erwähnt, z.B. noch Tit 1,5 beachte: "Deswegen ließ ich dich in Kreta zurück, damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste einsetzen solltest, wie ich dir geboten hatte.", dann erkenne ich hierin das große Anliegen der Aposteln, die zum Glauben gekommenen ganz klar in die Struktur einer Gemeinde einzubinden.

Allerdings, es gibt so viel Not in vielen Gemeinden, dass es nicht einfach ist, eine geistliche Heimat, eine biblische Gemeinde zu finden. Möge es der Herr schenken, dass alle verantwortlichen Ältesten danach trachten, in Liebe und in der Wahrheit zusammenzukommen. Dann wird es auch leichter für alle suchenden Menschen, eine biblische Gemeinde zu finden. Dies ist aktuell alles andere als einfach, was auch beim Austausch in den Foren deutlich wird. Das ist sicherlich ein Grund, warum es viele Christen ohne Gemeinde gibt.

Herzliche Grüße,
José

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« Letzte Änderung: 08 Oktober 2012, 18:52:40 von Jose »

Offline Jose

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Gehört der BFP zur Ökumene?
« Antwort #8 am: 08 Oktober 2012, 18:46:09 »
Zitat von: Pilger
Wir bringt ihr das alles zusammen, wenn ihr in keiner Gemeinde seid?

Lieber „Pilger“,
ich finde das Thema sehr wichtig und finde es auch sehr bedauerlich, dass es Christen gibt, die sich nirgends anschließen wollen. Selbst mit Hauskreisen, die von manchen als „Gemeinde im Haus“ gesehen werden, bin ich persönlich nicht ganz einverstanden. Wir sehen gerade im NT das sich die Gläubigen hin und her in den Häusern versammelten, aber die Gläubigen in den Häusern waren nicht die Gemeinde. Also geht es darum eine biblische Gemeinde zu finden.

Allerdings, wenn ich mir die Antworten von Roland zum BFP überdenke, wenn ich mir auch den Austausch mit dir und manche Punkte überdenke, dann muss ich persönlich sagen: Wenn es in meiner Nähe nur eine Gemeinde im Verbund des BFP gäbe, dann würde ich lieber alleine bleiben und den Herrn bitten, mich zu bewahren und mit anderen Gläubigen zusammen zu bringen. Ich würde den Herrn bitten, mich in eine biblische Gemeinde zu führen.

Eine Frage hätte ich noch an dich:
Auf der Webseite des ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland) ist auch der BFP (Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Deutschland) gelistet. Gehörst du bzw. gehört deine Gemeinde zur Ökumene?

Herzliche Grüße,
José

Pilger

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #9 am: 08 Oktober 2012, 19:21:42 »
Lieber Jose,
ich persönlich bin im Ruhestand und habe bei der Entscheidung der Mitgliedschaft des BFP zur ACK abgelehnt.

Zu Deinen Bemerkungen, lieber gar keine Gemeinde als eine BFP Gemeinde, möchte ich mich nicht äußern, ich finde die Haltung höchst bedauerlich, aber respekktiere sie.

Ich möchte dies Thema damit beenden von meiner Seite.

Liebe Grüße
Pilger

Offline Roland

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #10 am: 08 Oktober 2012, 19:47:41 »
Lieber Pilger,

ich freue mich zu lesen, dass Du seinerzeit die Mitgliedschaft des BFP in der ACK abgelehnt hast. Das war eine gute Entscheidung.

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Jose

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #11 am: 08 Oktober 2012, 19:51:49 »
Zitat von: Pilger
Lieber Jose,
ich persönlich bin im Ruhestand und habe bei der Entscheidung der Mitgliedschaft des BFP zur ACK abgelehnt.

Danke für deine Ehrlichkeit, lieber „Pilger“.
Ich wünsche dir viel Gnade im Ruhestand und auch die Kraft und Weisheit, dort wo sich dir die Möglichkeit ergibt, auf die Gefahren der Ökumene hinzuweisen.

1986 trat ich aus meiner damaligen Gemeinde aus, und zwar sehr traurig, weil ich dort viele liebe Geschwister hatte. Aber ich konnte es nicht länger verantworten. Ich trat aus, ohne zu wissen wohin ich sollte. Der Herr hat aber Gnade geschenkt, eine Gemeinde zu finden. Es ging mir nie darum, ohne Gemeinde zu sein, aber mir ging es darum, mich nicht in das Fahrwasser der Ökumene zu begeben. Auch hierin tragen wir Verantwortung füreinander, wir sollen kein falsches Vorbild abgeben.

Vielleicht sind wir etwas vom Thema abgekommen, aber ich hoffe, es wurde etwas klar, warum viele ein aufrichtiges Problem haben, sich einer Gemeinde anzuschließen.

Liebe Grüße,
José

Offline Roland

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #12 am: 08 Oktober 2012, 20:10:46 »
Lieber José,

Hintergrundinformationen zur ACK-Mitgliedschaft des BFP findest Du hier.

Eine Aussage von Dir habe ich nicht verstanden:
Zitat
Wir sehen gerade im NT das sich die Gläubigen hin und her in den Häusern versammelten, aber die Gläubigen in den Häusern waren nicht die Gemeinde.
Ich bin der Ansicht, dass das Neue Testament bestätigt, dass die Gläubigen in den Häusern als Gemeinde versammelt haben:

Grüßt Priscilla und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus, die für mein Leben ihren eigenen Hals hingehalten haben, denen nicht allein ich dankbar bin, sondern auch alle Gemeinden der Heiden; grüßt auch die Gemeinde in ihrem Haus! (Römer 16,3-5a)

Es grüßen euch die Gemeinden in [der Provinz] Asia. Es grüßen euch vielmals im Herrn Aquila und Priscilla samt der Gemeinde in ihrem Haus.[/b] (1. Korinther 16,19)

Grüßt die Brüder in Laodizea und den Nymphas und die Gemeinde in seinem Haus.

Shalom
Roland
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Offline Jose

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #13 am: 08 Oktober 2012, 20:36:14 »
Zitat von: Roland
Eine Aussage von Dir habe ich nicht verstanden:
Zitat von: Jose
Wir sehen gerade im NT das sich die Gläubigen hin und her in den Häusern versammelten, aber die Gläubigen in den Häusern waren nicht die Gemeinde.
Ich bin der Ansicht, dass das Neue Testament bestätigt, dass die Gläubigen in den Häusern als Gemeinde versammelt haben

Lieber Roland,
die erwähnten Bibelworte machen deutlich, wie es zum Missverständnis kam. Mir ging es darum aufzuzeigen, dass es im Urchristentum keine eigenständigen Ortsgemeinden gab, sondern alle die gleiche Lehre der Apostel hatten, so auch die Gläubigen, die sich hin und her in den Häusern versammelten. Denke bitte an die 3000 oder die 5000 die hinzugetan wurden: Sie wurden alle zur Gemeinde hinzugetan und haben sich nicht in den Häusern als Gemeinde „verselbstständigt“, sonst hätten die Aposteln ihnen gar nicht in Autorität schreiben können.

Wir haben heute das Problem, dass die verschiedenen Gemeinden zu selbständig sind in der Lehre, selbst dann wenn es sich, dem Ursprung nach, um gleichnamige Gemeinden handelt. Auch Hausgemeinden sollten sich nicht grundsätzlich als eigenständige Gemeinde sehen, sondern sollten zu einer Gemeinde gehören die sich über viele Gläubige in vielen Häusern und vielleicht sogar Ortsgemeinden erstreckt, siehe die Sendschreiben.

Ich hoffe, ich konnte das Missverständnis etwas aufklären. Danke auch noch für den Link zur ACK-Mitgliedschaft des BFP.

Liebe Grüße,
José

Bernd68

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Re: Christen ohne Gemeinde?
« Antwort #14 am: 24 Dezember 2012, 17:11:57 »
Zitat von: Pilger
Wir bringt ihr das alles zusammen, wenn ihr in keiner Gemeinde seid?

Ich setze mich nicht unter Druck ... ab und an prophezeie ich mir selbst. ;D