Autor Thema: Der schönste Schmuck der Frauen  (Gelesen 1401 mal)

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Offline Jose

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Der schönste Schmuck der Frauen
« am: 23 Juni 2012, 21:47:04 »
Der schönste Schmuck der Frauen

Wie eine Frau den wahren Schmuck erkannte

In einem größeren Dorf Südindiens sollte eine Abendversammlung stattfinden. Die Missionarin mit ihrer indischen Mitarbeiterin hatte vor allem Frauen und Mädchen eingeladen. Wer nur irgend konnte, hatte sich eingefunden und saß im Halbkreis um den „heiligen“ Banyanbaum. Die Sonne war eben hinter einem der wenigen Palmenhaine versunken, die dort im Süden an den kleinen Wasserläufen grünen. Der wolkenlose Himmel erglühte noch für eine Weile in feurigen Farben. Dann sank die Tropennacht hernieder und übergoss das müde Land mit dunklem Blau. Nur wenige Sterne verbreiteten ein schwaches, zitterndes Licht.

Dafür erhellten flackernde Öllampen den freien Platz um den Banyanbaum. Ihre rötlichen Flammen tauchten die Versammlung in ein gespenstisches Licht. Die gelben oder hellroten Kleider der tamulischen Frauen und Mädchen leuchteten auf, während die dunkleren Farben der grünen, blauen oder braunen Gewänder nur noch mehr im nächtlichen Dunkel versanken.

Aber ihr Schmuck blitzte und funkelte überall hervor. Da glitzerten Rubine in goldenen Ringen an Nase und Ohr; da klingelten und klimperten, so dass kein Ohr sie überhören konnte, goldene Reifen und Ringe um Arm und Fußgelenk.

Die Bewohner des Dorfes waren reich, und wer reich ist, belädt seine Frauen mit Schmuck; denn eine Frau gilt dem Hindu nur so viel, wie sie seinen Sinnen gilt. Auch die ärmeren Frauen hatten ihren Brautschmuck angelegt und die ganz armen wenigstens Messingringe umgetan. Während sie so miteinander schwatzten und, auf dem Boden hockend, sich hin und her bewegten, rasselte all das vielfache Gehänge und Gepränge an ihnen, so dass es einem kindlichen Ohr recht verlockend klingen mochte.

Wie die Ollämpchen im leisen Abendhauch unruhig flackerten, so wurde es, während die weiße Missionarin sprach, auch in der bunten Menge unter dem Banyanbaum nicht ganz still. Dann aber stand eine junge Inderin auf und legte Zeugnis ab von dem HERRN JESUS, dem sie ihr Leben hingegeben und der sie jetzt ins Land schickte, um seine Botschaft zu verkünden. Als sie den Schritt zur Taufe gewagt hatte, wurde sie ausgestoßen. Sie galt den Ihrigen als tot und durfte ihr Vaterhaus nicht mehr betreten. Aber was hatte sie dafür gewonnen!

Wer ihr ins Gesicht sah, wer ihr in die Augen blickte und ihre Stimme hörte, der ahnte etwas von der Freude eines neuen Lebens, das sie jetzt erfüllte. So stand sie denn vor diesen Frauen und Mädchen - für Indien zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ein seltsames Bild - und sprach von JESUS CHRISTUS, dem HERRN, der die Menschen frei macht aus allen Bindungen der Welt und ihrer Sünde.

Während sie so, ihrem Auftrag hingegeben, ihr Bestes aussprach und es unter dem Eindruck ihrer Worte immer stiller wurde, hörte sie plötzlich aus der Menge eine feine Kinderstimme zur Mutter sagen: „Maa, wenn ich einmal groß bin, will ich auch solch eine Schwester werden und so schönen Schmuck tragen wie sie.“

Wie die indische Schwester ihre Ansprache zu Ende gebracht hatte, wusste sie nicht mehr. Aber eines wusste sie noch, nämlich was jenes Kind über sie gesagt hatte. Das also war der Eindruck, den sie machte? Gewiss, es war nur eines Kindes Stimme. Aber vielleicht hatte das Kind nur ausgesprochen, was die anderen auch gefühlt hatten!

Sie versuchte, diese Stimme zum Schweigen zu bringen: „Gibt es in Indien eine einzige Frau ganz ohne Schmuck? Wenn eine Frau wagte, sich ihres Schmuckes zu entäußern, so würde sie gleich einem Nichts. Wenn ich täte, was jene Stimme mir sagt, jene Stimme in mir, die durch das Wort eines Kindes geweckt wurde - wenn ich meinen Schmuck dahingäbe, dann würde ich verachtet, würde wie eine Verstoßene erscheinen.“ Doch die Stimme erklang immer wieder.

Sie versuchte es mit Gründen der Vernunft: „Habe ich denn nicht genug geopfert und aufgegeben? Habe ich nicht meine Heimat verlassen? Soll ich jetzt auch noch meine Frauenwürde opfern? Soll ich mich zu einem Gespött erniedrigen in den Augen der Frauen, denen ich dienen möchte?“ Doch die Stimme ließ sich nicht zum Schweigen bringen.

Sie versuchte, sich jetzt mit frommen Gedanken zu helfen. „Hat GOTT nicht auch das Gold erschaffen? Will GOTT nicht auch, dass Seine Kinder sich freuen? Ich nehme diese Dinge doch aus Seiner Hand, danke Ihm dafür und will sie nur zu Seiner Ehre tragen.“ Doch die Stimme meldete sich in ihrem Inneren immer wieder.

Ihr eifriges Selbstgespräch war nur ein Zeichen ihrer inneren Unsicherheit. Ein Wort war in ihr Gewissen gefallen, eine Stimme hatte sie getroffen, und sie konnte diese Nacht keine Ruhe finden. Hinter der Kinderstimme erhob sich eine andere Stimme, vernahm sie die Worte, die der Apostel von der Christenfrau gesprochen und die sie solange geflissentlich überhört hatte: „Ihr Schmuck soll nicht auswendig sein mit Haarflechten und Goldumhängen oder kostbaren Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens unverrückt mit sanftem und stillem Geiste: das ist köstlich vor GOTT“ (1. Tim. 2, 9).

Ihr Blick wurde auf ihr eigenes Herz gerichtet. Und da erkannte sie eine letzte Eitelkeit: ein Verlangen, Eindruck zu machen, wenn sie so vor den Hindufrauen stand. Sie wurde unsicher, und all ihre Gründe fielen von ihr ab.

Und als sie von neuem die Augen erhob, sah sie im Geist das Kreuz auf Golgatha und an dem Kreuz den HERRN JESUS, wie Er im Todesleiden Sein heiliges Blut vergoss. Sie sah die Dornenkrone als den einzigen Schmuck am Leibe des Gekreuzigten, und als was für einen Schmuck! Sie sah den einen HEILIGEN und Sündlosen den qualvollsten Tod erleiden für uns, die Menschen der Sünde, und auch für sie. Da vernahm sie vom Kreuz herab eine tiefe, schwere Frage: „Das tat Ich für dich; was tust du für Mich?“

Ihr Entschluss war gefasst. Sie ging zur Missionarin und übergab ihr all ihren Schmuck, sie solle ihn verkaufen und das Geld für die Arbeit verwenden. Der Bann war gebrochen, die indische Schwester war frei geworden für den Dienst.

Zu jener einen Inderin traten bald noch andere Frauen und Mädchen des Landes. Ein ernstes Ringen um das Opfer des Schmuckes brach an. Aber der Sieg wurde errungen. Die Gemeinschaft wurde rein und somit erst recht zubereitet zum Dienst. Damit erwuchs eine Glaubens- und Lebensgemeinschaft, die als ihre Aufgabe erkannte, den Tempeln ihre Mädchen abzuringen und andere davor zu bewahren, dass sie „den Göttern“ geweiht würden, um ihr Leben als Tempeldirnen zu verbringen.

Quelle unbekannt