Autor Thema: Was ist Sünde?  (Gelesen 5089 mal)

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Offline inchristus

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Re: Was ist Sünde?
« Antwort #15 am: 28 November 2013, 13:09:55 »
Liebe Geschwister,

in Spr18,21 steht "Tod und Leben steht in der Gewalt der Zunge, und wer sie liebt, der wird ihre Frucht essen."

Wenn man über jemanden in dessen Abwesenheit redet, obwohl es den Tatsachen entspricht, ist das Sünde? Hier meine ich nicht schändliches Reden wie Betitelungen oder Belustigungen über den anderen, sondern Tatsachenberichte. Sündigt man da?

Als Beispiel: Das Reden mit Kollegen über die schlechte Arbeitsleistung und -einstellung einer Kollegin, oder wenn ein Bruder über seine Frau klagt.

Ist das nicht Sünde, denn man redet doch hinter dessen Rücken?

Wie seht ihr das? Das ist ein ganz aktuelles Thema in meinem Leben. Bin gespannt, was ihr für eine Sichtweise hierzu habt.

Liebe Grüße
Astrid
Denn wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen von dem HERRN; wer mich aber verfehlt, tut seiner Seele Gewalt an; alle, die mich hassen, lieben den Tod! Spr 8,35.36

Offline Jose

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Re: Was ist Sünde?
« Antwort #16 am: 28 November 2013, 22:32:10 »
Nachträglich editiert

Liebe Astrid,
über jemand zu reden, der nicht anwesend ist, muss m.E. nicht unbedingt Sünde sein. In der Regel wird aber wohl zu viel miteinander über andere geredet. Da kann es auch schnell zu Missverständnissen oder Gerüchten führen, wenn nicht sogar zu Unwahrheiten. Auf diesem Gebiet ist sicherlich niemand ohne Schuld. In der Gemeinde sollte besonders gelten, dass wir füreinander beten.

Das Reden mit Kollegen über die schlechte Arbeitsleistung und Einstellung anderer Kollegen ist eine kritische Sache und kann m.W. sogar arbeitsrechtliche Folgen haben. Ob dadurch der Herr geehrt wird, ist zu bezweifeln. Und wenn ein Bruder über seine Frau klagt, so gehört es zumindest nicht in die Öffentlichkeit. Es kommt dabei aber sicherlich auch darauf an, worüber geredet wird und wie, warum und mit wem, wenn ich z.B. an seelsorgerliche Angelegenheiten denke.

Ich möchte es mehr lernen, sehr zurückhaltend zu sein, wenn es darum geht, über andere zu reden. Was mir aber mal sehr bewusst wurde ist die Gefahr, dass auch ohne über andere zu reden, man sich auch eine verkehrte Meinung bilden kann über den anderen, aufgrund unzutreffende Überlegungen bzw. Vermutungen. Auch hier dürfen wir vom Herrn Gnade und Bewahrung erbitten.

Zu dem reden über andere ist mir mal folgendes Wort groß geworden: "Dies ist die Geschichte Jakobs: Joseph war 17 Jahre alt, als er mit seinen Brüdern das Vieh hütete, und er war als Knabe bei den Söhnen Bilhas und Silpas, den Frauen seines Vaters; und Joseph brachte vor ihren Vater, was man ihnen Schlimmes nachsagte" 1. Mose 37,2. Hatte Joseph sich hier verkehrt verhalten oder hatte er eine Not auf dem Herzen, über die er nur mit seinem Vater reden konnte? Hierzu gibt es sicherlich verschiedene Auslegungen, aber ich denke nicht, dass Josef gegen seine Brüder war, sondern viel Not mit ihnen hatte und es ihn bekümmerte.

Gottes Segen,
José
« Letzte Änderung: 29 November 2013, 08:15:08 von Jose »

Offline inchristus

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Re: Was ist Sünde?
« Antwort #17 am: 02 Dezember 2013, 12:43:16 »
Liebe Geschwister, lieber José,

danke für deine Gedanken hierzu. Ich hätte mich über einen regen Austausch, gerade was die Zunge angeht, gefreut.

Findet sich denn keiner weiter, den dieses Thema auch beschäftigt? Das verwundert mich. Kennt ihr nicht die Befürchtung, in Worten gesündigt zu haben; die Befürchtung, dass eure Worte in Gottes Augen Lästerei sind?

Liebe Grüße
Astrid
Denn wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen von dem HERRN; wer mich aber verfehlt, tut seiner Seele Gewalt an; alle, die mich hassen, lieben den Tod! Spr 8,35.36

junkerjörg

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Re: Was ist Sünde?
« Antwort #18 am: 02 Dezember 2013, 14:32:21 »
Wir Menschen ärgern uns meist zu schnell und sind nicht selten zu voreilig mit unseren emotionalen Reaktionen auf die Worte und Taten unserer Mitmenschen. Und da dies oft so ist, verursachen wir wiederum Ärger und Streit dem gegenüber, den wir kritisierten. Es ist also keine überraschende Aussage, wenn wir im Brief des Jakobus lesen: ''Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott Recht ist'' (Jakobus 1,20). Es ist sicherlich nicht grundsätzlich verboten oder eine Sünde sich zu ärgern, aber es kann dazu werden wenn man nicht aufpasst. Wie schnell verändern sich Stimmungen und wie spontan kann sich das Gemüt verfinstern, wenn Gutes plötzlich schlecht gemacht wird? Wie krass können sich Sichtweisen ändern, die vorher kein Problem darstellten, nur weil man beleidigt und verletzt wurde? Im Epheserbrief lesen wir: ''Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen, und gebt nicht Raum dem Teufel'' (Epheser 4, 26-27). Es gibt Ehepaare, die machen abends die Augen nicht zu, bevor sie nicht alles Störende, Unbedachte, Verletzende usw. sich einander gesagt haben, um sich vor Gott in Liebe und Aufrichtigkeit zu vergeben und im Frieden einzuschlafen. Wenn unsere Zunge schneller ist als unsere Gedanken, dann kommt garantiert nichts Gutes dabei heraus. Wir sollten versuchen die Angelegenheiten, die vor uns kommen, ersteinmal still und alleine in unserem Herzen bewegen, bevor wir etwas sagen und uns von unseren Gefühlen in eine bestimmte Richtung führen lassen (Psalm 4,5). Menschlicher und unüberlegter Zorn, der sich spontan äußert, bringt meist nur ''faules Geschwätz'' hervor - das erbaut niemanden oder segnet ihn gar (Epheser 4,29). In der Bibel wird uns genau das Gegenteil empfohlen und ans Herz gelegt: ''Ihr sollt wissen, meine lieben Brüder: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. Darum legt ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen'' (Jakobus 1, 19-21).

Wer zu langsam hört, der legt vielleicht jedes Wort dann auch auf ''die Goldwaage''? Wer zu schnell redet, überlegt möglicherweise nicht lange genug, was er da immer so alles von sich gibt? Wer zu schnell zornig wird, der macht wahrscheinlich so ziemlich alles verkehrt und verursacht bei sich selbst und anderen nur Unfrieden, Hass, Verletzung und schlechte Gefühle. Zudem ist so ein Verhalten auch eine Einladung an den Teufel hier kräftig mitzumischen. Jesus war und ist sanftmütig und von Herzen demütig (Matthäus 11,29) aber auch ihm war so etwas wie Ärger und Zorn nicht unbekannt wie man bei der Begebenheit im Tempel (Die sogenannte ''Tempelreinigung'') in Jerusalem sieht. Der HERR stieß die Tische der Geldwechsler und der Taubenhändler um, weil sie aus dem Bethaus eine Räuberhöhle machten (Matthäus 21,13). Ich behaupte aber, daß nur Jesus die Sicht, Sensibilität und Kompetenz hatte, den Frevel und die Respektlosigkeit so wahrzunehmen und zu erkennen, wie sie sich dort darstellte. Wir tappen oft im Dunkeln und wissen manchmal gar nicht warum wir uns eigentlich aufregen? Jesus war ja der HERR des Tempels und keiner hatte so eine Liebe zum Vater im Himmel wie der Sohn Gottes. Wenn wir uns einander kennen, dann wissen wir auch, wie wir miteinander umgehen sollten und dürfen Rücksicht üben, wo es nötig ist. Jeder hat seine eigenen Empfindlichkeiten und auch Schwächen. Und wo wir uns einander die Worte der Bibel sagen, so sollen wir diese mit Sanftmut aufnehmen, denn der Segen Gottes ruht darauf. Aber wir sollen es auch nicht so wie die Freunde Hiobs machen, die Zusammenhänge aus Gottes Worten herauszogen und auf Hiob projezierten, ohne daß dies der Sache gerecht geworden wäre (Hiob 32, 2-3: ''Aber Elihu, der Sohn Barachels des Busiters, aus dem Geschlecht Ram, ward zornig. Er ward zornig über Hiob, weil er sich selber für gerechter hielt als Gott. Auch ward er zornig über seine drei Freunde, weil sie keine Antwort fanden und doch Hiob verdammten''. Wie wir wissen, musste Hiob für seine drei Freunde Fürbitte leisten, weil sie sich vor Gott versündigt hatten mit ihren unbedachten, falsch plazierten Worten. Machen wir es nicht so.

Liebe Grüße!
Jörg  :D

Offline Jose

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Unsere Worte
« Antwort #19 am: 02 Dezember 2013, 22:12:46 »
Zitat von: inchristus
Ich hätte mich über einen regen Austausch, gerade was die Zunge angeht, gefreut.

Vorhin musste ich auch an manchem Austausch denken, z.B. hier im Forum. Es war nicht die „Zunge“ sondern unsere geschriebenen Worte. Aber es ist auch nicht besser. Gerade im Internet, wenn etwas geschrieben wurde, wie schnell kann es verbreitet werden.

Und wie schnell können wir Menschen mit unseren geschrieben Worten genauso verletzen. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es in christlichen Foren oftmals sehr schlimm zugeht. Ist das nicht ein trauriges Zeugnis? Aber wie oft bin ich auch schon schuldig geworden, vielleicht sogar ohne es zu wissen.

Hier reden wir nicht miteinander, aber wir schreiben und „reden“ so auch miteinander durch unsere Worte. Sind unsere Worte, unsere Sätze, solche, von denen die Schrift sagt: "Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt; ihr sollt wissen, wie ihr jedem Einzelnen antworten sollt!" Kol 4,6. So schrieb es der Apostel Pauls an die Kolosser.

Und im Epheserbrief lesen wir die Worte: "Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern nur eins, das gut ist zur notwendigen Erbauung, damit es den Hörenden Gnade gebe!" Eph 4,29. Da haben wir alle noch zu lernen, aber auf die Beweggründe unseres Herzes kommt es unbedingt auch an.

In einem anderen Forum meinte mal jemand, sinngemäß, dass es Unsinn sei zu denken, dass jeder einzelner Mensch Gott Rechenschaft ablegen werde für alle seine Taten. Mir fiel ein, dass Jesus sagt: "Ich sage euch aber, dass die Menschen von jedem unnützen Wort, das sie reden werden, Rechenschaft geben müssen am Tag des Gerichts" Mt 12,36. So antwortete ich auch, dass wir sogar für jedes unnütze Wort Rechenschaft ablegen werden.

Wir müssen nicht alles verstehen, aber Gott ist allmächtig. Wohl uns, wenn in unserem Leben das Blut Jesu alles zudeckt und reinigt, was verkehrt und sündig war. Es ist besser, hier nichts geheim zu halten, als im Gericht alles offenbart zu sehen.

Gottes Segen!
José