Autor Thema: Gemeinsame Erklärung (GE) zur Rechtfertigungslehre  (Gelesen 1162 mal)

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Offline Jose

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Gemeinsame Erklärung (GE) zur Rechtfertigungslehre
« am: 10 Mai 2012, 09:26:46 »
Vor einigen Monate wurde ich mit dem Thema konfrontiert, dass es eine Gemeinsame Erklärung (GE) zur Rechtfertigungslehre gibt zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche (siehe hierzu: Unter dem Horizont der Gnade). Ich hatte mich lange Zeit nicht mehr mit solchen Themen intensiv beschäftigt, aber in einer Diskussion über das Verständnis der Rechtfertigungslehre wurde das Thema aktuell. Menschlich gesehen mögen ökumenische Bemühungen verständlich sein, dennoch sollten die Bemühungen diesbezüglich nicht über die Gefahr hinwegtäuschen, sich damit gänzlich von dem biblischen Fundament zu entfernen und sich in höchste Gefahr zu begeben.

Wenn ich Bernhard Kaiser, dessen Ansichten ich nicht ganz teile und seine reformierte Ansicht ganz ablehne, richtig verstanden habe, steht er dem auch sehr kritisch gegenüber, siehe: Konsens oder Differenz?
Am Schluss ist zu lesen:
Zitat
Die evangelischen Kirchen erkaufen die Gemeinschaft mit der römischen Kirche, indem sie das in ihren Grundordnungen formulierte Recht verlassen. Dann aber sind sie nicht mehr Kirche der Reformation. Christen und Gemeinden, die diesen Kirchen angehören, steigen mit der Unterzeichnung der GE rechtsverbindlich um in einen anderen Zug, der nicht mehr in die von der heiligen Schrift gewiesene Richtung fährt. Authentische evangelische Kirche ist erst wieder dort, wo reformatorisch glaubende Christen und Gemeinden sich der Zuordnung zu Kirchengebilden, die auf die GE eingeschwenkt sind, entziehen und sich als reformatorische Kirche neu konstituieren, um Gottes Wort wieder rein zu verkündigen – auch um den Preis, eine Minderheitenkirche zu sein.
Das Dokument ist von März 2006. Ich gehe aber davon aus, dass es noch aktuell ist.

Ich finde es einerseits wirklich erfreulich, dass es in verschiedenen Kreisen Menschen gibt, die ernsthaft und glaubwürdig Jesus nachfolgen wollen und auch vor Gefahren deutlich warnen, aber der Feind ist sehr listig und versucht auf vielerlei Weise die Gläubigen zu täuschen. In unserer eigenen Kraft und Weisheit vermögen wir nicht zu bestehen. Wir müssen uns ganz trennen, von Gemeinden und Institutionen, die nicht auf der Grundlage der Schrift stehen. Nicht umsonst lesen wir: "Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab!, spricht der Herr. Und rührt Unreines nicht an! Und ich werde euch annehmen" 2.Kor 6,17. Das Wort sollte für uns auch zur Warnung und Anweisung dienen, hinsichtlich der Vermischungen in vielen menschlichen Einrichtungen.

Herzliche Grüße,
José

Offline Roland

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Re: Gemeinsame Erklärung (GE) zur Rechtfertigungslehre
« Antwort #1 am: 13 Mai 2012, 01:28:29 »
Hallo José,

ich finde es auch wichtig, dass zu solch einer Erklärung Gegenstimmen laut werden. Ist Kaiser nicht ein Calvinist? Ein konservativer Calvinist hat mit dieser Erklärung bestimmt Schwierigkeiten.

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Jose

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Re: Gemeinsame Erklärung (GE) zur Rechtfertigungslehre
« Antwort #2 am: 13 Mai 2012, 22:25:59 »
Zitat von: Roland
Ist Kaiser nicht ein Calvinist? Ein konservativer Calvinist hat mit dieser Erklärung bestimmt Schwierigkeiten.

Ich sehe Bernhard Kaiser auch als Calvinist, siehe auch mein Zitat von ihm im Beitrag: "Spurgeon: A defense of Calvinism". Seine Ablehnung der GE fand ich aber gut, auch wenn ich insgesamt die reformierte Theologie ablehne mit ihrem Verständnis von Gnade. Von Bernhard Kaiser bekam ich aber den Eindruck, dass er die GE und somit die Ökumene auf jeden Fall ablehnt. Ob es insgesamt so stimmt, weiß ich nicht.

Andere Calvinisten sind "großzügiger". In einem anderen Forum las ich mal den etwas allgemein formulierten Satz:

Zitat
Ich weiß aber auch, dass es schwer ist, sich letztlich von Lehrern zu „verabschieden“, die doch Gott brauchte, um mich auf den rechten Weg zu bringen bzw. zu halten – wie auch immer- letztlich immer durch Wahrheit und die kommt selbst dort vor, wo wir sie vielleicht nicht vermuten – in der katholischen Kirche.

Ich fragte zweimal nach, wie ich die Aussage verstehen soll, bekam aber von der Person keine Antwort. Da die Aussage aber im Zusammenhang mit dem Rechtfertigungs- oder sogar Gnadenverständnis kam, nahm ich an, dass eine Annäherung auf diesem Gebiet wohl über trennende Lehren hinweg hilft. Diesen Eindruck bekam ich, habe mich bislang aber weiter nicht damit beschäftigen können.

Überhaupt bekam ich mal den Eindruck, dass die RKK zum Thema Gnade oder Rechtfertigungslehre sich teilweise wohl so äußert, dass auch Calvinisten plötzlich etwas Positives in der katholischen Kirche finden.

Herzliche Grüße,
José