Autor Thema: Ermuntert einander  (Gelesen 1535 mal)

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Offline Jose

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Ermuntert einander
« am: 29 April 2012, 17:18:28 »
Am Anfang meines Glaubenslebens gab es eine Zeit, da wurde ich sehr angesprochen von Brüdern, die sehr ernst predigten und andere ermahnten. Ein Straßenprediger, dessen Schriften ich damals noch las, beeindruckte mich besonders.

Ich bin auch immer noch der Meinung, dass die Ermahnung unter Gläubigen und in der Gemeinde unbedingt wichtig ist, was mir allerdings im Laufe der Jahre auffiel, zumindest in meinem Umfeld, ist dass es viel mehr Ermahnung und Zurechtweisung gib, als Ermunterung und Zurechtbringung. Zuweilen bekam ich sogar den Eindruck, hinter mancher Ermahnung verbargen sich ein hartes Herz und die Unfähigkeit, mitzufühlen und zu ermuntern.

Bei einem Gottesdienste hörte ich den Prediger rufen: "Und wenn du den Willen Gottes nicht tun willst, sondern an der Sünde festhalten, dann geh doch und verlasse die Gemeinde!" Früher war ich beeindruckt von solchen kompromisslosen Aussagen, aber irgendwann fragte ich mich, ob es überhaupt nach Gotteswillen ist. Nach jenem Gottesdienst ging ich zu dem Bruder und bat ihn: "Bitte ermahne aber ermuntere auch, rufe zur Umkehr und zurück zu Jesus". Ich versuchte ihm klarzumachen, dass wir nicht sagen sollen "geh", sondern "komm", und lass dir helfen. Aus seiner Reaktion entnahm ich, dass er mich verstanden hatte und meine Worte angenommen.

Es ist wichtig zu ermahnen, die Sünde nicht zu dulden und den unbußfertigen Sünder, wenn er nicht Buße tun will, auch aus der Gemeinde auszuschließen. Aber Gottes Wort sagt uns: "Seht zu, Brüder, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei, im Abfall vom lebendigen Gott, sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es »heute« heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde!" Hebr 3,12-13. Der Feind versucht auf so vielen Wegen, die Gläubigen zu spalten, zu entmutigen und letztlich zu verhärten gegeneinander. Hier ist nach meiner Überzeugung oft der Betrug der Sünde im Spiel.

Wir haben durch das Internet viele Möglichkeiten des Austauschs. Sollte es uns nicht besonders ein Anliegen sein, einander zu ermuntern, ganz am Wort Gottes festzuhalten? Ich schreibe diese Worte nicht, um andere zu belehren, sondern weil jeder von uns Ermunterung braucht und es gehört für mich zu den traurigsten Erfahrungen, wenn Gotteskinder in Unfrieden auseinandergehen und sich nichts mehr zu sagen haben. Es sollte nicht sein, auch wenn es vielleicht nur in einem Forum ist.

Herzliche Grüße,
José

Offline Jose

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Bist du ein Solochrist?
« Antwort #1 am: 07 Juli 2012, 10:16:08 »
Die gegenseitige Ermunterung kann m.E. am Besten in einer Gemeinde praktiziert werden, und hier kommt auch die Ermahnung mit dazu, wobei wir Ermahnung nicht negativ sehen sollten.

Beim Durchschauen meiner Notizen fand ich ein Zitat, das ich irgendwo gelesen und aufgeschrieben habe. Es geht um die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde.


Eine Tanne, die ganze alleine wächst, hat wunderschöne Äste bis auf den Boden. Sie ist schön anzusehen, aber ihr Stamm ist unbrauchbar und kann höchstens als Brennmaterial verwendet werden. Tannen, die in Gemeinschaft wachsen, haben glatte Stämme, denn die unteren Äste sind abgestorben. Nur oben, wo das Licht ist, grünen sie. Nur weil sie so wachsen, sind sie von Nutzen. Ein Solochrist mag zwar einen guten Eindruck erwecken, ist aber für das Reich Gottes unbrauchbar.
Wer als Gotteskind in der Gemeinschaft lebt und wächst, ist ein Segen für Gottes Reich. Das Alte, Überflüssige und für Gottes Reich unbrauchbare stirbt mehr und mehr ab, und das, was im Licht lebt, grünt und wächst nach oben.

Herbert Klump


Ich weiß nicht, welche Glaubenshaltung Herbert Klump insgesamt vertritt, aber die obige Aussage entspricht auch meiner persönlichen Erfahrung. In einer unbiblischen Gemeinde konnte ich nicht bleiben, aber auch in einer biblischen Gemeinde sind wir alle nur Menschen und dürfen voneinander lernen und füreinander da sein, uns auch in Geduld miteinander üben. In diesem Zusammenhang spricht das Wort: "Eisen wird durch Eisen geschärft, und ein Mann schärft das Angesicht seines Nächsten" Spr 27,17, ganz besonders zu mir.

In der gläubigen Gemeinschaft dürfen wir empfangen, aber auch geben und in der konkreten Fürbitte füreinander einstehen. So dürfen wir einander zum Segen sein.

José
« Letzte Änderung: 07 Juli 2012, 10:18:34 von Jose »

Offline Jose

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Fähig einander zu ermahnen
« Antwort #2 am: 25 August 2013, 19:47:44 »
Liebe Geschwister.

Wir lesen im Römerbrief: "Ich selbst habe aber, meine Brüder, die feste Überzeugung von euch, daß auch ihr selbst voll Gütigkeit seid, erfüllt mit aller Erkenntnis und fähig, einander zu ermahnen" Röm 15,14. Aus dieser Stelle erkenne ich, dass die Ermahnung untereinander, eine wichtige Aufgabe ist, die aber in Güte geschehen soll.

Paulus selbst hat es in einer hingegeben Weise es so praktiziert, dass wir an einer Stelle von ihm lesen: "Darum wacht und denkt daran, daß ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, jeden einzelnen unter Tränen zu ermahnen" Apg 20,31. Das war ein treuer Hirte, der um die Gefahren wusste und mit welche Hingabe hat er ermahnt. Dazu sind wir alle aufgerufen, oder etwa nicht?

Wie steht es eigentlich um uns: Ermahnen wir auch in dieser Weise, weil wir vielleicht Gefahren erkennen und uns sorgen und einander helfen wollen?

Und was ist mit uns: Nehmen wir Ermahnung an, so wie es heißt: "Im Übrigen, Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch ermuntern, seid eines Sinnes, haltet Frieden! Und der Gott der Liebe und des Friedens wird mit euch sein" 2.Kor 13,11.

Herzliche Grüße,
José