Autor Thema: Vergebung und Versöhnung  (Gelesen 2014 mal)

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Offline Jose

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Vergebung und Versöhnung
« am: 17 April 2012, 23:30:30 »
In den letzten Jahren ist mir besonders wichtig geworden, dass ich die Schuld der anderen nicht wirklich beurteilen kann, wenn ich mir meiner eigenen Schuld nicht absolut bewusst bin. Im sogenannten "Vaterunser", nach dem Lukasevangelium, lesen wir: "und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns schuldig ist" Lk 11,4, und im Matthäusevangelium lesen wir: "und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben" Mt 6,12. Es ist für mich auffallend, dass Jesus unsere eigene Schuld an die erste Stelle setzt und die Vergebung unserer Schuld davon abhängig macht, dass auch wir vergeben haben. Das ist keine Kleinigkeit.

Immer wieder muss ich an die Begebenheit im Paradies denken: Adam versuchte seine Schuld auf Eva zu schieben, Eva wiederum auf die Schlange. Das ist so mit unserer Gesinnung. Daher ist meine persönliche Bitte zu Gott, wenn ich denke irgendeine Schuld bei einem Bruder oder Schwester entdeckt zu haben, Gott möge mir mein eigenes Herz zeigen und eventuell auch eigene Schuld hinsichtlich der Schuld des anderen. Dann erkenne ich mich sehr schnell auf derselben Stufe mit dem anderen, was meine Schuld vor Gott anbetrifft. Aus dieser Haltung heraus, vermag Gott uns aber dann zu gebrauchen, um ernstlich füreinander zu beten und auch in Liebe zu ermahnen.

Vielleicht haben andere Leser auch schon ähnliche Gedanken gehabt oder vielleicht sogar diesbezüglich ganz persönliche Erfahrungen gemacht. Aus Zeugnissen und eigenem Erleben habe ich gelernt, dass nicht selten eigene Schuld das Hindernis ist, um sich mit anderen zu versöhnen. Dadurch kann der Feind so viel Leid über uns und über die Gemeinde bringen.

José

Offline Jose

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Vergebungsbereitschaft
« Antwort #1 am: 21 April 2012, 16:04:36 »
Ich möchte hierzu noch hinzufügen, dass die Vergebungsbereitschaft unsererseits unerlässlich ist, lesen wir doch die Worte Jesu: "Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe" Mk 11,25. Wir dürfen keine Unversöhnlichkeit in unserem Herzen dulden. Und Paulus schreibt an einigen Stellen Ermahnungen wie diese: "Seid aber zueinander gütig, mitleidig, und vergebt einander, so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat!" Eph 4,32 oder "Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr!" Kol 3,13. Wir müssen aber sicherlich unterscheiden, zwischen unserem Vergeben und das Vergeben Gottes, wozu das Bereuen und Bekennen gehört.

Als Jesus am Kreuz ausrief: "Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun", Lk 23,34, waren seine Henker nicht schuldlos und mit Gott versöhnt. Als Stephanus unter dem Steinhagel seiner Feinde mit lauter Stimme rief: "Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!" Apg 7,60, war deswegen die Sünde seiner Feinde und besonders die Schuld des Saulus von Tarsus, der dabei stand und einwilligte in die Steinigung des Stephanus und die Kleider derer bewachte, die ihn umbrachten" (Apg 22,20), noch nicht vergeben. Aber Stephanus hatte Fürbitte für seine Feinde getan und ganz gewiss hat Gott auch dadurch an den Herzen der Feinde gewirkt. Es gibt viele Zeugnisse, von Menschen die zu Jesus fanden und bezeugten, dass sie besonders durch die Hingabe der Christen, die ihnen trotz der schlimmsten Gräueltaten Liebe erwiesen, von der Liebe Gottes überführt wurden.

Zur Vergebung in der Gemeinde möchte ich aber noch betonen, dass auch wenn wir einander vergeben, der schuldig gewordene dennoch selber um Vergebung bitten muss, um wieder Frieden mit Gott zu haben. Was die Bibelstelle anbetrifft: "Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werde!" Mt 18,15-16, so geht es hier offensichtlich um Sünde, die in der Gemeinde nicht geduldet werden darf, wenn wir das weitere konsequente Handeln betrachten.

José

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Erst die Vergebung, dann der Dienst
« Antwort #2 am: 26 Juni 2012, 13:50:36 »
Die folgende Andacht von D. L. Moody habe ich heute  gelesen.

Erst die Vergebung, dann der Dienst
Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
Epheser 4, 32


Als wir in Chicago wohnten, wollte ich einmal mit einem Geschäftsmann zu Mittag essen. Er kam mit einiger Verspätung. Ich fragte ihn: »Was ist passiert? Ich dachte, Sie kommen direkt nach dem Mittagstermin.«

Der Mann nannte mir den Namen eines anderen bekannten Chicagoer Geschäftsmanns und sagte: »Vor einem halben Jahr hatte ich ein Problem mit diesem Mann, und ich konnte nicht zu Mittag essen, bevor ich nicht zu ihm gegangen war und ihn um Vergebung gebeten hatte.«

Solche Dinge passierten in Chicago öfter, und sie waren einer der Gründe dafür, daß unsere Arbeit in dieser Stadt so viele Früchte trug. Machen wir uns die Einstellung dieses Mannes zu eigen, wo wir auch sind. Wenn es einen Menschen gibt, dem du vergeben oder den du um Vergebung bitten solltest, dann geh zu ihm und erledige das, jetzt sofort! Einige protestieren jetzt vielleicht: »Aber der wird mir nie vergeben!« Egal, geh hin und bitte um Vergebung.

Ich kann meinen Mitmenschen nicht zwingen, mir zu vergeben, aber ich kann ihm vergeben. In unseren Herzen sollte nichts als Liebe sein. Wenn die anderen uns hassen und ihr Herz voll vom Feuer der Hölle ist, wollen wir ihnen trotzdem vergeben. Wir können unsere Mitmenschen lieben, egal, ob sie uns lieben oder nicht. Wenn wir mit Gott im Reinen sind (aber erst dann), wird er selber durch uns reden und uns benutzen.

Zum Nachdenken
Wie leicht oder schwer fällt es dir, andere um Vergebung zu bitten? Und wie bereitwillig vergibst du anderen? Was meinst du: Warum fordert Gott uns in seinem Wort so oft zum Vergeben auf?


Dwight L. Moody - Aus Moodys Schatzkammer - Verlag C. M. Fliß



Mich beschäftigt zurzeit ein Mann, bei dem ich die Überzeugung gewonnen habe, ihm gegenüber falsch reagiert und auch verletzt zu haben. Danach hatte ich zwar bereits einige längere Gespräche mit ihm, aber es ging mir doch mehr darum, mein Handeln zu erklären und zu rechtfertigen. Mir ist klar geworden, ich muß deutlich um Vergebung bitten.

José

« Letzte Änderung: 27 Juni 2012, 07:35:58 von Jose »

Offline Jose

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Der Schuldschein ist gelöscht
« Antwort #3 am: 27 August 2012, 20:56:39 »
In der Bibel lesen wir das kostbare Wort: "Er hat den Schuldschein gegen uns gelöscht, den in Satzungen bestehenden, der gegen uns war, und ihn auch aus unserer Mitte fortgeschafft, indem er ihn ans Kreuz nagelte" Kol 2,14. Wie dankbar dürfen wir dafür sein, dass der Herr unseren Schuldschein, denn wir nie hätten begleichen können, „zerrissen“ hat!

Bei der Einleitung zu einer Gebetsversammlung fragte ein Bruder: »Halten wir noch „Schuldscheine“ fest, die wir anderen, die an uns schuldig geworden sind, vorhalten wollen?« Die Ermahnung war ernst und auch der Hinweis: »Am Ende werden wir so nicht vor Gott bestehen können. Beabsichtigen wir etwa die Schuld des anderen Gott vorzuhalten und damit unsere eigene Schuld zu rechtfertigen?« Es war deutlich, denn Gott wird uns nach unserer eigenen Schuld fragen.

Mich haben diese Worte sehr bewegt, weil ich über viele Jahre unter einem Bruder zu leiden hatte, der sich mit mir wohl schwer tat und meinte, mich oft tadeln zu müssen. Es war für mich eine schwere Schule.

Ich musste mich, beim hören der Andacht, nun ernstlich fragen, ob ich noch einen „Schuldbrief“ dem Bruder gegenüber, oder anderen Brüdern gegenüber, in meiner Hand festhalte. So war es mir ein Anliegen, im Gebet den Herrn zu bitten: „Herr, wenn ich noch die Schuld anderer an mir als Anklage festhalte, bitte hilf mir, zu vergeben und zu vergessen, wie auch du mir vergeben hast“. Auch hier schenkt der Herr den Sieg. Lob und Dank sein Ihm dafür.

José

Ruth

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Re: Vergebung und Versöhnung
« Antwort #4 am: 22 August 2013, 07:27:10 »
Hallo José,

Du schreibst:
Zitat von: Jose
In den letzten Jahren ist mir besonders wichtig geworden, dass ich die Schuld der anderen nicht wirklich beurteilen kann, wenn ich mir meiner eigenen Schuld nicht absolut bewusst bin.

Was bedeutet für Dich in diesem Zusammenhang "absolut"? Und wie setzt Du Deine Erkenntnis im Alltag um?

Zitat von: Jose
"Beabsichtigen wir etwa die Schuld des anderen Gott vorzuhalten und damit unsere eigene Schuld zu rechtfertigen?

Welche Antwort hast Du für Dich darauf gefunden?

Freundliche Grüße.

Offline Jose

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Re: Vergebung und Versöhnung
« Antwort #5 am: 22 August 2013, 17:03:41 »
Hallo Ruth,
um auf deine Frage einzugehen.

Ich versuche z.B. im Alltag solche Aussagen nicht mehr persönlich zu nehmen, wie von dir heute Morgen in einem anderen Thread geschrieben:

…kippst Du Schlamm über die, die es aufdecken und zudem bekunden, daß sie nicht bereit sind, Dir und Deinen Ausführungen in diesem Forum auch nur im mindesten zu vertrauen…

Den ganzen Beitrag siehe: hier

Mit freundlichen Grüßen,
José

Ruth

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Re: Vergebung und Versöhnung
« Antwort #6 am: 22 August 2013, 17:50:39 »
Hallo José,

Zitat von: Jose
So erkenne ich darin deine – gestatte mir die Offenheit -, etwas heuchlerische Art, zu provozieren. Auch dein Auftreten ist voll von eigener Selbstüberschätzung. Gewiss hast du auch bei dir in der Gemeinde Menschen, mit denen du dich etwas schwer tust.

Ich verlinke mal zu dem, von Dir angeführten Thread, damit sich der Leser ein Gesamtbild von der Diskussion machen kann.

http://www.hauszellengemeinde.de/portal/index.php?topic=1398.msg9650;topicseen#msg9650

Du schriebst mal im Forum, es hätte Dich jemand als Heuchler bezeichnet. -

Beabsichtigst Du die Schuld von anderen Gott vorzuhalten und damit Deine eigene Schuld zu rechtfertigen? 

Freundliche Grüße.

Offline Jose

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Re: Vergebung und Versöhnung
« Antwort #7 am: 22 August 2013, 18:41:45 »
Hallo Ruth.
Ich habe deine letzte Antwort nicht ganz verstanden.

Aber zu der Frage:
Zitat von: Ruth
Beabsichtigst Du die Schuld von anderen Gott vorzuhalten und damit Deine eigene Schuld zu rechtfertigen?

Ich denke, das können wir alle von Natur gut. Es ist aber immer wieder wichtig zu lernen, auch wenn andere an uns verkehrt handeln, dennoch zu vergeben und nicht nachzutragen.

In einem Fall habe ich es im Herzen lange getragen, dass ein anderer, der an mir schuldig wurde, sich nie entschuldigt hatte. Bis ich erkannte, dass ich für die Schuld der anderen nichts kann, aber ich muss bereit sein zu vergeben und zu vergessen. Wenn Gott mir, aber das gilt sicherlich für uns alle, meine Ganze Schuld vorhalten würde, wie schlimm würde es um mich, - würde es um uns -, stehen.

Mit freundlichen Grüßen,
José