Autor Thema: Die Kopfbedeckung der Frau  (Gelesen 18712 mal)

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Offline Jose

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Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #45 am: 23 September 2012, 14:54:13 »
Wie treu ist Gott, dass Er uns, besonders im 1. Korintherbrief, zu so verschiedenen Themen so klare und ausführliche Lehren gegeben hat. Das tat Gott nicht, damit wir darüber streiten und zu dem Ergebnis kommen, dass es uns nichts zu sagen hätte bzw. keine Bedeutung für uns hat.

Der 1. Korintherbrief fängt mit den Worten an: "Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi Nachahmer bin! Ich lobe euch aber, dass ihr in allem meiner gedenkt und die Überlieferungen, wie ich sie euch überliefert habe, festhaltet" 1.Kor 11,1-2. Es geht dem Apostel darum, dass wir am Wort Gottes festhalten, und aus dem Zusammenhang geht deutlich hervor, dass hier die Kopfbedeckung und auch das Haar gemeint sind. Dass der Teufel kein Gefallen daran hat, wenn Gottes Kinder sich nach Gottes Wort richten, ist selbstverständlich. Tragisch ist es aber, dass sich immer wieder Menschen finden, die auf der einen Seite treu an bestimmte Wahrheiten festhalten, aber dann andere über Bord werfen, indem sie sich der gleichen Argumente bedienen, wie die Feinde des Kreuzes. Der Herr möge uns bewahren und über diese Irrtümer die Augen öffnen.

Der Apostel Paulus hat der Gemeinde die Lehre der Kopfbedeckung so ausführlich erklärt, dass wir keine Entschuldigung haben, es abzulehnen. Wir sollen daran festhalten, werden wir wie erwähnt am Anfang des Kapitels ermahnt, und da ist es folgerichtig, wenn am Ende zu lesen ist: "Wenn es aber jemand für gut hält, streitsüchtig zu sein, so soll er wissen: wir haben eine derartige Gewohnheit nicht, auch nicht die Gemeinden Gottes" 1.Kor 11,16. Heute gibt leider viel Uneinigkeit über dieses Thema, wie über viele andere Themen leider auch, aber ich persönlich will an allem festhalten, was Gottes Wort uns verbindlich lehrt und mich nicht Irrlehren öffnen, wie die alternative Auslegung von 1. Korinther 11, 2-16 von Thomas Schirrmacher.

Gottes Segen,
José

BOB

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Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #46 am: 03 Oktober 2012, 08:24:00 »
Lieber Jose, ich freue mich über Deine Bibeltreue und daß Du Dich nicht von liberaler Bibelkritik einschüchtern läßt.
Unser HERR JESUS hat Satan mit den Worten: ES STEHT GESCHRIEBEN , abgewiesen.
Wenn ich lese, daß jemand das Wort Gewohnheit in diesem Zusammenhang(1.Kor. 11) auf die Kopfbedeckung bezieht, so fehlen ihm/ihr wichtige Deutschkenntnisse.
Das Wort Gewohnheit bezieht sich auf den Streit, die Gewohnheit des Streites gibt es in "BIBELTREUEN" Gemeinden nicht.
Klar daher, bibeltreue Christen verstehen die Bedeckung des Haares / des Kopfes bei Frauen , um DER UNSICHTBAREN WELT willen und streiten nicht darüber.
Das machen nur die Liberalen!Gruß BOB

Offline Roland

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Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #47 am: 03 Oktober 2012, 13:46:00 »
Hallo Bob,

herzlich willkommen hier im Forum Schön, dass Du Dich gleich beteiligst.
Ich freue mich auf einen geistlichen und konstruktiven Austausch.

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Pilger

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Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #48 am: 03 Oktober 2012, 15:20:06 »
Hallo Bob,
du schreibst:
Das Wort Gewohnheit bezieht sich auf den Streit, die Gewohnheit des Streites gibt es in "BIBELTREUEN" Gemeinden nicht.

Ich habe in vielen "BIBELTREUEN" mehr Streit gesehen, als in anderen, die von Dir - wenn auch ungeschrieben - als nicht bibeltreu angesehen werden.

Da sind die Häupter bedeckt und die Zunge von der Hölle entzündet.

Liebe Grüße
Pilger

Offline Jose

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Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #49 am: 03 Oktober 2012, 16:30:33 »

Lieber „BOB“,
vielen Dank für deine Worte. Ich habe sehr schwere Tage hinter mir und deine Worte waren mir heute morgen ein großer Trost. Es ist schön, wenn Gotteskinder das Wort Gottes nicht verfälschen und Gott uns bewahren kann. Leider gibt es wirklich viel Streit um viele Themen, daher meinen unzählige, man sollte mehr Liebe walten lassen und nicht alles so eng sehen.

Paulus schrieb an die Galater: "Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Wenn ihr aber einander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht voneinander verzehrt werdet!" Gal 5,14-15. Der Herr möge uns helfen, dass wir an der Wahrheit festhalten und in der Liebe zueinander, denn nur dann sind wir „Bibeltreu“.


Lieber „Pilger“, du hast an „BOB“ geschrieben:

Zitat von: Pilger
Ich habe in vielen "BIBELTREUEN" mehr Streit gesehen, als in anderen, die von Dir - wenn auch ungeschrieben - als nicht bibeltreu angesehen werden.

Das ist richtig, dass es auch dort viel Streit gibt. Leider auch entfacht von denen, die sich wehren gegen biblische Belehrung. Aber auch die „Starken“ haben zu lernen, mit den „Schwachen“ umzugehen, und hier fehlt es m.E. oft an Liebe. Haben nicht auch Barnabas und Paulus es an Liebe zueinander fehlen lassen und Paulus m.E. sogar an Liebe zu Markus? Sonst wäre es nicht zu dem Streit gekommen und man hätte sich in Liebe einigen können, unter der Leitung des Heiligen Geistes.

Die Not, die ich in unserer Zeit erkenne, ist das viele Gemeinden, die treu am Wort festhalten möchten, sich sehr wehren müssen gegen unbiblische Einflüsse. Dabei bleibt die Liebe und Sanftmut, im demütigen Umgang miteinander, oft auf der Strecke liegen, leider.

Ich möchte dir aber zusichern, lieber „Pilger“, dass ich „BIBELTREUE“ nicht an der Belehrung über das „Kopftuch“ ausmache, aber z.B. sehr wohl, ob ich die „Schützenhilfe“ von einer alternativen Auslegung zu 1. Korinther 11 benötige. Hierbei geht es mir nicht einmal primär um das Thema, sondern um das Vorgehen. Dies schreibe ich dir als Bruder im Herrn Jesus.


Herzliche Grüße,
José

Pilger

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Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #50 am: 03 Oktober 2012, 19:13:01 »
Lieber Jose,

ich bin mit Dir einig in deiner Beurteilung, was bibeltreu ist und was nicht. Vieles fällt ja dabei unter den Aspekt, dass unsere Erkenntnis ein Bruchteil aus dem Ganzen ist und dass die Auferbauung den Vorrang in allem hat.

Liebe Grüße
Pilger

Offline Jose

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Re: Bibeltreue
« Antwort #51 am: 04 Oktober 2012, 00:26:45 »
Zitat von: Pilger
Lieber Jose,

ich bin mit Dir einig in deiner Beurteilung, was bibeltreu ist und was nicht. Vieles fällt ja dabei unter den Aspekt, dass unsere Erkenntnis ein Bruchteil aus dem Ganzen ist und dass die Auferbauung den Vorrang in allem hat.

Lieber „Pilger“,
auch wenn du mit mir einig bist in der Beurteilung, was bibeltreu ist oder nicht, gestatte mir bitte, damit es keine Missverständnisse gibt, erneut zu betonen, dass ich im Zusammenhang mit Bibeltreue deine Empfehlung des Buches: „Paulus im Kampf gegen den Schleier - Eine alternative Auslegung von 1. Korinther 11, 2-16“, als alles andere als bibeltreu sehe, weil du dabei einer Argumentation bedienst, die gegen alle Bibelübersetzungen spricht.

Das schlimme daran ist, dass du dabei in Kauf nimmst, dass die, welche ohnehin die Glaubwürdigkeit der Bibel anzweifeln, von den Gläubigen selber Argumente geliefert bekommen. Deswegen betonte ich in meinem letzten Beitrag in diesem Thema, das „Vorgehen“.

Lieber Bruder, du handelst hier m.E. nicht bibeltreu, und du hast auch keine Bibelübersetzung, die deine Auslegung unterstützt.

Liebe Grüße,
José

Pilger

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Re: Das Umfeld des 1. Korintherbriefes
« Antwort #52 am: 04 Oktober 2012, 17:26:45 »
Liebe Geschwister,

um die Situation des 1.Korintherbriefes aufzuzeigen, habe ich dieses Thema eröffnet.

Unser 1. Kor.brief ist nicht der erste Brief, der zwischen dem Apostel und der Gemeinde hin und her ging.

Ja, die Kor. hatten an den Apostel schon einmal geschrieben und er hat zurückgeschrieben:
1.Kor.5, 9: ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass ihr nichts zu schaffen haben sollt mit den Unzüchtigen;
1.Kor.7,1: Wovon ihr mir geschrieben habt..................

Paulus war in den Jahren 50 bis 51 1/2 in Korinth und ich kann es nicht glauben, dass er irgendetwas vergessen hätte den Korinthern weiterzugeben, was nicht wichtig gewesen wäre und er es 3 Jahre später nachholen hätte müssen.
Alle Anfragen an den Apostel müssen daher so gedeutet werden, dass in der Zwischenzeit in der Gemeinde solche auftraten, die das Wort des Apostels verdrehten; siehe Auferstehung sei schon geschehen ect.

Deshalb fragten die Korinther im Jahr 53-54 nach, obwohl der Apostel dies alles bei seinem Aufenthalt dort geklärt hatte:
Korinth war voll mit Götzen- und daraus resultierend die Frage nach dem Götzenopferfleisch. Diese Frage aber war sicher nicht erst nach dem Besuch des Apostels akutell.

Oder die Frage: ledig oder verheiratet? war vom Apostel klar schon bei seinem Aufenthalt geklärt worden, aber in der Zwischenzeit wurde von Irrlehrern in Frage gestellt.

Oder die Frage nach der Auferstehung oder der Totentaufe........

In den Briefen zwischen dem jetzigen 1. und 2. Kor.brief sind viele Fragen gestellt und beantwortet worden, die wir heute nur noch "zwischen den Zeilen lesen können".

Jetzt denkt sicher mancher: Das ist nichts Neues, das wissen wir schon.

Dann ist es gut.

Liebe Grüße
Pilger



Offline Jose

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Re: Das Umfeld des 1. Korintherbriefes
« Antwort #53 am: 04 Oktober 2012, 21:56:35 »
Lieber „Pilger“,
wolltest du ein neues Thema eröffnen und hast dich dann doch dazu entschieden, im Thema: „Die Kopfbedeckung der Frau“ weiterzuschreiben?
 
Zitat von: Pilger
um die Situation des 1.Korintherbriefes aufzuzeigen, habe ich dieses Thema eröffnet.

Du schreibst dann weiter:
Zitat von: Pilger
In den Briefen zwischen dem jetzigen 1. und 2. Kor.brief sind viele Fragen gestellt und beantwortet worden, die wir heute nur noch "zwischen den Zeilen lesen können".

Sicherlich ist nicht alles in den Briefen geschrieben und bestimmt sind auch nicht alle Briefe im NT enthalten, aber ich muss doch festhalten, dass wir nicht dazu berechtigt sind, „zwischen den Zeilen zu lesen“ und daraus eigene Lehren zu entwickeln oder biblische Lehren zu verwerfen.

Ich bitte dich, überdenke doch dein Vorgehen, ob es sich um das Ägypterevangelium (Apokryphe) handelt, um die erwähnte alternative Auslegung zum Schleier und auch zur Kopfbedeckung und zum langen Haar der Frauen handelt, oder auch um das Thema „Männerkleidung“. Es ist nur ein Thema, und doch bedienst du dich von Argumenten, die keine Grundlage in der Bibel haben.


In einem anderen Thema hast du geschrieben:

Zitat von: Pilger
Ich kenne alle leitenden Brüder unseres Bundes und ihre Treue zum Wort Gottes, das ja aus mehr besteht als aus dem Thema Kopfbedeckung.

Darf ich fragen, wie viele dieser Brüder Frauen haben mit langen Haaren, ungeschminkt und die keine Hosen tragen? Und bedeckt sich eine der Schwestern das Haupt beim Beten oder Weissagen? Ich frage nach, weil wir oftmals geneigt sind, unsere Überzeugung nach unserem Umfeld zu richten und ich persönlich keine Erklärung habe, warum du dich in diesem Thema so verhältst.

Es geht nicht gegen dich, es geht um die Wahrheit und um die rechte Gesinnung, um die wir alle ringen müssen, wenn der Heilige Geist uns in aller Wahrheit leiten soll.


Herzliche Grüße,
José

Pilger

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Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #54 am: 05 Oktober 2012, 12:58:06 »
Lieber Jose,
mit "zwischen den zeilen lesen" meinte ich natürlich die Fragen, die Korinth an den Apostel stellte.

Diese Fragen können wir aus den Antworten des Apostels erkennen.

Ich kenne die Frauen der Brüder und habe sie als voll Heiligen Geistes kennengelernt -ohne Kopftuch, mit Hosen und geschminkt. :)

Ich wollte mit meinen Aussagen nur darauf hinweisen, dass wir in der Beurteilung von Personen nach dem Äußeren sehr vorsichtig sein müssen (ich weiß Du bist es) und dass wir kein Urteil fällen dürfen nur weil sie nicht so aussehen wie wir glauben es aus der Schrift "verlangen" zu müssen.

Wenn ich da an Diskussionen in anderen Foren denke, wo man Frauen, die nicht so waren wie man es wünschte mit unflätigen Ausdrücken belegt hat.

Liebe Grüße
Pilger

Offline Jose

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Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #55 am: 06 Oktober 2012, 09:42:44 »
Lieber „Pilger“,
vielen Dank für deine Ehrlichkeit.

Zitat von: Pilger
Ich kenne die Frauen der Brüder und habe sie als voll Heiligen Geistes kennengelernt -ohne Kopftuch, mit Hosen und geschminkt.

Schön, wenn die Schwestern voll Heiligen Geistes sind – der Herr weiß es. Wir alle sollen danach trachten, voll Heiligen Geistes zu sein, aber auch das Wort Gottes mit seinem ganzen Reichtum in unseren Herzen wohnen zu lassen. Hier sind die Gotteskinder leider oft nicht treu und im Wandel nicht Gehorsam.

In diesem Zusammenhang habe ich in einem anderen Thema den Beitrag geschrieben: Schmuck, Schminke, Eitelkeit. Gerade die Ermahnung des Apostel Paulus, dass wir uns nicht dieser Welt gleichstellen sollen, zeigt uns sehr deutlich, dass diese Gefahr ernst ist. Daher das Thema: Seid nicht gleichförmig dieser Welt.

Es geht mir nicht darum, Menschen nach dem Äußeren zu beurteilen - und ich freue mich, dass du es mir auch abnimmst. Aber es geht mir sehr wohl darum, dass wir das weltliche und eitle Wesen ablegen sollen. Meine Feststellung ist, dass wenn wir nicht treu sind, in dem was der Herr uns gezeigt hat, wir dann verblendet werden und unfähig, in bestimmten Lehren in der Erkenntnis zu wachsen. Dann aber steigt die Gefahr, in anderen Lehren auch anfällig zu werden.

Darum bleibt es bei mir dabei: Die biblische Belehrung über die Kopfbedeckung ist eindeutig, alle deine Argumente dagegen sind nicht biblisch nachweisbar. Der Austausch ist aber für mich hilfreich, weil ich dadurch erkennen darf, dass nichts unversucht gelassen wird, um gegen Gottes Wort auf verschiedene Weise zu argumentieren.

Was mich traurig macht, ist dass viele es offensichtlich selber nicht mehr merken, dass ihre Argumentationsweise die Glaubwürdigkeit der Bibel untergräbt. Da wäre es ehrlicher zu sagen: Wir wollen dies nicht oder sehen es als nicht mehr gültig für unsere Zeit.

Herzliche Grüße,
José

Pilger

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Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #56 am: 06 Oktober 2012, 17:20:27 »
Lieber Jose,

es gibt nun einfach einmal Dinge im NT die "heller" werden, wenn man den Hintergrund kennt, warum so geschrieben wurde.

Ich will es an einem
Beispiel versuchen aufzuzeigen:
Titus 1,6: Der Aufseher (Bischof) soll der Mann einer Frau sein.
Die orthodoxe Kirche läßt ihre Bischöfe heiraten, die Priester dagegen nicht.
Das ist purer Buchstabenglaube, denn der Sinn ist ein ganz anderer:

Was Paulus unter der Regel, ein Ältester dürfe nur der Mann einer Frau sein, gemeint haben kann, ergibt sich aus den Zuständen des damaligen öffentlichen Lebens mit Deutlichkeit. Sie ist weder auf Vielweiberei, die ja auch damals schon als unerlaubt galt, noch auf eine zweite Ehe nach dem Tod der ersten Frau zu beziehen, sondern kennzeichnet solche Verhältnisse, welche sich aus der damaligen Sitte, sowie aus den leichten Scheidungsmöglichkeiten ergaben. Es gab eine Ehe auf Zeit ohne Ehekontrakt, eine Ehe auf Probe, die nach Belieben ohne weitere Förmlichkeiten wieder aufgehoben werden konnte. Bei einer eingegangen Ehe war die Scheidung schwierigerer, aber in der Hauptsache auch nur eine Geldfrage. Wenn der Mann oder die Frau die mit der Scheidung verbundenen Verpflichtungen betreffs Vermögensherausgabe und Alimentation leisten konnte, so war die Herbeiführung der Scheidung auch bei solchen Ehen leicht zu bewerkstelligen. Vgl. die Samariterin mit ihren sechs Männern Johannes 4, die geschichtlich ja zur Genüge bekannten leichtfertigen Scheidungen und Wiederverheiratungen in oberen Klassen der römischen Gesellschaft im Zeitalter des Apostels und die Vorschriften des Apostels in 1.Korinther 7,10-15. So gab es überall gerade unter den Angesehenen, die äußerlich sich am meisten zur Bestellung als Gemeindeleiter zu empfehlen schienen, solche Männer, die mehrere lebende Frauen hatten: die zeitweilige wie deren Vorgängerinnen. Sowohl die sittliche Minderwertigkeit, von der leichtfertige Ehescheidungen immer ein Beweis sind, wie die verwickelten gesellschaftlichen, sozialen und häuslichen Verhältnisse, in die solche Männer geraten, machen sie zur Bestellung als Älteste oder Diakone aber untauglich. Auch ihre Kinder müssen in einer engen Beziehung zur christlichen Gemeinde stehen. Wenn auch noch nicht getauft, müssen sie doch dem Heilserlaß zugetan sein, um nicht den Vater in missliche, seine Autorität in der Gemeinde untergrabende Zwangslagen zu bringen.

Das ist nur ein Beispiel, wie man Dinge versucht in unsere Zeit hineinzupressen, die aber eindeutig in die vergangene Zeit gehören.
Umgekehrt ist natürlich das Zölibat in der kath.Kirche genauso Unsinn, obwohl Paulus schreibt:
Ich wollte es wären alle wie ich (nämlich ledig).

Liebe Grüße
Pilger

Offline Roland

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Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #57 am: 06 Oktober 2012, 22:25:14 »
Hallo Pilger,

Zitat
Hier ist die Quelle für die Transliteration:
http://www.scripture4all.org/
Danke für Deine Antwort. Entschuldige bitte, dass ich erst jetzt antworten kann. Ich finde, dass "scripture4all" ein hervorragendes Programm ist und ich benutze es auch gerne. So gut die Interlinearübersetzungen auch sind - sie haben einen entscheidenden Nachteil: sie berücksichtigen nicht die Grammatik. Bei "scripture4all" kommt hinzu, dass keine Satzzeichen vewendet werden. Nachstehend siehst du einen Screenshot der Textquellenbibel (Interlinearübesetzung wie "scripture4all" nur mit deutscher Übersetzung und mit Satzzeichen). Beide berufen sich auf denselben Grundtext (Textus Receptus), was das vergleichen der Stellen vereinfacht.

Wir können daher konstatieren, dass die zusammengesetzte Negation OUDE auch ohne ´`H am Satzanfang als Fragepartikel (vgl. Markus 12,10; Lukas 6,3; 23,40) fungiert. Dies bestätigt auch die Seite "scripture4all" auf der rechten Seite (ich vermute, dass dieser Vers  aus der KJV zitiert wurde):

Doth not even nature itself teach you, that, if a man have long hair, it is a shame unto him?
Quelle: http://www.scripture4all.org/OnlineInterlinear/NTpdf/1co11.pdf

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Roland

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Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #58 am: 07 Oktober 2012, 01:50:28 »
Hallo Pilger,

ich möchte noch etwas zum Buch von Dr. Schirrmacher schreiben. Du hast folgendes gepostet:
Zitat
ich lese 1.Kor.11 nach dem Frage und Antwortprinzip.
Das Buch ist von Dr. Schirrmacher und meiner Meinung nach die beste Ausarbeitung über dieses Thema:
Die Korinther haben geschrieben - Paulus hat geantwortet.
Quelle: Beitrag # 16

Schirrmachers Hauptthese besteht in der Annahme, dass es sich bei einem großen Teil des Textes (Verse 4-9 bzw. 10) um Aussagen der Korinther handle, die Paulus ironisch widerlegen würde, was er durch eine ungewöhnliche Übersetzung (wie Du schon erwähnt hast) der Verse 13-15 untermauert:

Zitat
Urteilt bei euch selbst! Es ist anständig, dass eine Frau unverhüllt zu Gott betet! Die Natur lehrt euch nicht, dass, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Schande für ihn ist, wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist.

Wir haben bereits festgestellt, dass er damit praktisch das Gegenteil von dem sagt, was der Bibelleser an dieser Stelle gewöhnlich vorfindet.

Im 4. Kapitel versucht er, seine Hauptthese, die Zitattheorie, zu beweisen und diskutiert schließlich noch einige andere "Frauentexte" des Neuen Testaments. Zweimal listet er eine optisch imposante Reihe von Vertretern der Zitattheorie auf (beim zweiten Mal in Bezug auf 1. Korinther 14,34-36). Allerdings kommt die Zahl dadurch zustande, dass fast jeder Autor mehrmals erwähnt wird. Auch sich selbst führt der Verfasser in der ersten Liste dreimal auf. Bemerkenswert finde ich, dass sich unter den neun Anhängern der Zitattheorie vier Frauen finden.

Nun ist die Übersetzung der Verse 13-15 formal zwar so möglich, wird aber weder von einer bekannten Bibelübersetzung, noch von einem Herausgeber eines wissenschaftlich bearbeiteten griechischen Neuen Testaments, vor allem aber nicht durch den Kontext unterstützt (siehe meinen Beitrag oben). Der ganze Zusammenhang spricht eigentlich gegen eine Wiedergabe der Verse als Aussagesätze ("Es ist anständig, dass eine Frau unverhüllt zu Gott betet!"), es sei denn, man setzt die vom Verfasser vertretene Zitattheorie voraus.

Schirrmacher ist nicht der Erfinder der Zitattheorie. In chronologischer Reihenfolge sind weitere Vertreter der Zitattheorie zu nennen:

- John Lightfood. Horae hebraicae et talmudicae in Evangelia, Acta Apostolorum, in quaedam capita Epistolae ad Romanos et in Epistulam primam ad Corinthios. Leipzig 1675
- Katharine Bushnell. God's Word to Women. Selbstverlag: Oakland (CA,USA), o.J. (und einige andere Werke)
- Jessie Penn-Lewis. The Magna Charta of Woman. The Overcomer Book Room: Bournemouth (GB), 1919 (und einige andere Werke)
- Paul Petry. "Das verschleierte Haupt: Der Schlüssel zu 1.Korinther 11,3- 16, richtige Teilung und richtige Übersetzung dieses Abschnitts". Licht und Leben (Gladbeckl/Essen) 67 ( 1956) 52-54.
- J.C. Hurd The Origin of 1 Corinthians. Seabury. New York, 1965. S.163.
Ich erwähne jetzt nur noch weitere Namen: Ernestine von Trott zu Solz, Ralph Woodrow, E.Phipps, Alan Padgett,  Thomas P. Shoemaker.

Zur Zitattheorie möchte ich zu bedenken geben: Hätte Paulus ab 11,4-10 die falsche Meinung der Korinther zitiert, hätte er es mit irgendwelchen Worten eingeleitet.
Karl-Heinz Vanheiden schrieb dazu:

"Dass Paulus die Verse 4-9 als Meinung der Korinther zitiert, geht aus dem Text selbst in keiner Weise hervor, im Gegenteil: Es ist viel sinnvoller anzunehmen, dass die Aussagen des Paulus von V. 3-5 noch unter der Aussage 'Ich will aber, dass ihr wisst!' stehen, und anschließend von ihm begründet werden, denn jeder der folgenden Verse bis einschließlich V. 12 beginnt mit 'denn', 'darum' oder 'dennoch'. Die Meinung des Verfassers, dass in V. 10 bzw. 11 plötzlich wieder die Argumentation des Paulus beginne, ist in diesem Zusammenhang nicht einsichtig zu machen. Außerdem hat Paulus das Gedankengut der Korinther sonst immer klar kenntlich gemacht und dann jeweils eine deutliche Widerlegung angefügt.
Zum Beispiel Kapitel 1,11f: 'Es ist mir ... bekannt geworden, ... dass Streitigkeiten unter euch sind. Ich meine aber dies ...'. Kapitel 7,1: 'Was aber das betrifft, wovon ihr mir geschrieben habt, so ist es gut ...'.
Kapitel 8,1: " Was aber das Götzenopferfleisch betrifft, so wissen wir ...".
Kapitel 15,12: 'Wenn aber gepredigt wird, dass Christus aus den Toten auferweckt sei, wie sagen einige unter euch, dass es keine Auferstehung der Toten gebe?'
Im 11. Kapitel jedoch lässt der Text selbst in keiner Hinsicht erkennen, dass Paulus hier die Korinther zitiert."


Zur Kenntnisnahme die These von Thomas Schirrmacher, der zu folgender These gelangt ist:
 
Zitat
Die These des vorliegenden Buches ist es, daß die Ko­rinther aus der biblischen Lehre, daß der Mann das Haupt der Frau ist (1. Kor. 11,3), die falschen Schlüsse zogen, nämlich daß die Frau beim Beten verschleiert sein müsse (1. Kor. 11,4-6), dem Mann das Verschleiern jedoch verbo­ten sei (1. Kor. 11,7) und die Ehefrau zwar für den Ehe­mann, nicht aber der Ehemann für die Ehefrau dasei (1. Kor. 11,8-9). Paulus stellt nach dieser These die Posi­tion der Korinther dar, führt sie ad ab­surdum (1. Kor. 11,4-9), widerspricht ihr (1. Kor. 11,10-15) und be­gründet am Ende, warum eine Ver­schleierung der Frau nicht zu Gottes für alle Gemein­den verbindli­chen Gebo­ten gehört. Wer den biblischen Wesensunter­schied von Mann und Frau lehrt (1Kor 11,3), darf dar­aus nicht Schlüsse ziehen, die vergessen lassen, welche Bedeutung die Frau für den Mann hat, und daß der "Mann ohne die Frau" (1. Kor. 11,11) genauso wenig etwas ist wie umgekehrt. (Quelle: "Paulus im Kampf gegen den Schleier", VTR, S. 13).

Dazu einige Bemerkungen:
KATA KEFALHS ECWN heißt dennoch "auf dem Kopf haben". Das bestätigt Bauer und andere Lexika sowie praktisch alle Bibelübersetzungen (Ausnahme: "Dabhar"). Wenn man ein Tuch auf dem Kopf hat, muss es irgendwo auf der Seite herunterhängen, das ist selbstverständlich.

Man darf aber die Kopfbedeckung nicht mit dem Schleier verwechseln. Es handelt sich um zwei verschiedene Dinge. Der Schleier ist um das Gesicht herum "geworfen" (PERIBALLEIN), die Kopfbedeckung ist auf dem Haupt als solchem und hängt irgend einer Weise "herab" (KATA).

Paulus spricht weder für noch gegen den Schleier. (Es handelt sich in 1. Kor. 11 auch nicht um einen "Kampf gegen den Schleier".) Paulus spricht aber klar für eine Kopfbedeckung der Frau beim Beten und Weissagen und dafür, dass der Mann seinen Kopf  dabei unbedeckt halten soll.

Die V. 14 - 15 sind ein zusätzliches Argument des Apostels, das seine vorhergehende Ausführung bekräftigen soll: Das (übliche und von Gott her wohl deutlich gewollte) lange Haar ist der Frau anstelle eines Schleiers gegeben (und daher ist ein Schleier als solcher hinfällig). Aber gerade das Haar als Schleier deutet in die gleiche Richtung wie das Gebot der Kopfbedeckung, die ja symbolischen Wert hat.
 
Zu V. 13: Die Frau soll eine EXOUSIA auf dem Haupt haben, ja - in Form einer (wohl stofflichen) Bedeckung. Die Ehefrau hat nicht Vollmacht über den Ehemann, der ja ihr Haupt ist; sie soll / darf also nicht unabhängig vom Mann handeln (AUQENTEIN), 1. Tim. 2,12), auch dann nicht (!), wenn sie eine Bedeckung auf dem Haupt trägt.
 
Der Grund, warum sich die Frau beim Beten bedecken soll, wird eindeutig gesagt: V. 10. - wegen der Engel. Diese können nicht die Herzenshaltung sehen, sehr wohl aber anhand von den Symbolen der Bedeckung/Nichtbedeckung sehen, wie in GOTTES wiederhergestellter Heilsgemeinschaft die Schöpfungsordnung wiederhergestellt ist. Die Engel selber wissen, was es heißt, sich zu unterordnen und sich in GOTTES Gegenwart zu bedecken (Jesaja 6). Sie wissen auch, dass es mal Engel gab, die sich nicht unterordneten. Paulus erwähnt in 1. Kor. 4, dass die Engel an der Gemeinde und den Dienern CHRISTI etwas schauen (THEATRON, 1. Kor. 4,9), s. auch in Eph. 3,10.
 
Man gerät auf eine falsche Fährte, wenn man meint, das KATA sei ein Hinweis darauf, dass Paulus mit der Bedeckung den Schleier meine. Der Schleier ist das Haar, nicht die Bedeckung!
Ich bitte Dich, KATA KEFALHS ECWN zu überdenken.
 
Und: Warum sollte die Sitte von V. 16 nicht die in Korinth begonnene nicht gutzuheißende sein, die er in V. 13 erwähnt: nämlich, dass Frauen begannen, unbedeckt zu GOTT zu beten - eine Sitte, die sich offensichtlich recht stark verbreitet, wie man heute feststellen kann.

Ich halte die Zitattheorie für äußerst bedenklich, da "unbeliebte" Bibelverse als unbiblische Zitate deklariert werden können und genau in das Gegenteil verkehrt werden. Die Darbysten beispielsweise wenden eine ähnliche Methode an, um sich der Bibelverse zu entledigen, die nicht in ihr Gedankengebäude passen: Sie behaupten einfach, dass es  sich bei diesen Versen um eine Allegorie handelt. Dann werden diese Bibelverse vergeistigt und sie haben keine praktische Bedeutung mehr. Eine andere Methode der Darbysten ist es, diese Bibelverse in eine andere "Haushaltung" zu verfrachten. Auch dann haben sie keine Bedeutung mehr für die Christen. Egal ob Zitattheorie, Allegorie oder "Haushaltung" (Dispensationalismus) - ich halte diese exegetischen "Hilfsmittel" für ein Gotteskind nicht für angemessen. Christen sollten das Wort GOTTES mit einer ehrfürchtigen Haltung lesen und nicht von vornherein, bestimmte Bibelstellen ins Gegenteil verkehren oder für ungültig erklären.
 

Zu Dr. Schirrmacher:

Er übersetzt 1. Kor. 11 wie folgt:
Zitat
(10) Darum soll die Frau Vollmacht über ihr Haupt haben, wegen der Engel.

"Ihr" ist Ergänzung Schirrmachers. Der Text hat es nicht. Schirrmacher braucht das Pronomen aber, denn er kann nicht übersetzen: "Die Frau soll Vollmacht über das Haupt haben". Übersetzt man traditionell ist das Pronomen nicht nötig, da es klar ist, worum es geht.
Gerade wegen der Engel soll die Frau ihr Haupt bedecken. Die Autorität, die die Frau auf dem Haupt hat, wurde von Paulus vorher deutlich beschrieben. Man muss nicht „Zeichen“ ergänzen. Der Kontext macht es klar, dass es um eine Sichtbarmachung der Vollmacht geht. Die Vollmacht ist die Bedeckung, nicht das Haar.
Wegen der Engel: Schirrmachers These geht nicht auf. Denn gerade wegen der Engel ist es wichtig, ihre Unterordnung zu zeigen, nicht sich über ihr Haupt – den Mann – zu herrschen.
Schirrmachers These steht im Gegensatz zu 1. Tim. 2. Dort ist klar gesagt, dass die Frau nicht Vollmacht (Autorität) über den Mann ausüben darf. Das Haupt der Frau ist der Mann.
 
Zitat
(11) Denn schließlich ist im Herrn weder die Frau ohne den Mann noch der Mann ohne die Frau.

"Denn" ist eine Ergänzung Schirrmachers. Der Text hat es nicht. Auch hier merkt man die Willkür.  Das PLHN ("allerdings", "jedoch") ist ausgleichend von Paulus und passt in der traditionellen Übersetzung ausgezeichnet.

Zitat
(13) Urteilt bei euch selbst! Es ist anständig, daß eine Frau unverhüllt zu Gott betet!
Das "Urteilt bei euch selbst:" kann schlecht alleine stehenbleiben. Gemäß Schirrmacher setzt Paulus dann gleich fort und gibt sein eigenes Urteil.
Das PREPON ESTIN ("Es ist geziemend/entsprechend") verlangt einen Bezug. Bei Schirrmachers These fehlt er, deshalb übersetzt er lieber "anständig" als "geziemend". Aber auch das "Es ist anständig" steht gleichsam in der Luft. Von Anstand war nicht die Rede; sondern von Unterordnung und Hauptsein.
(NB: Ich habe keine einzige deutsche [außer "Dabhar"] oder englische Übersetzung gefunden, die es so hat, wie Schirrmacher vorschlägt. Das ist zwar kein zwingendes Argument dagegen, sollte aber schon zu denken geben.)
 
Zitat
(14) Die Natur lehrt euch nicht, daß, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Schande für ihn ist,
Doch! Die Natur lehrt es sehr wohl. Man muss aber bedenken, von welcher PHYSIS Paulus spricht. Nicht notwendigerweise von der äußeren. Es gibt aber auch eine innere. GOTT legte es so vor, dass der Mann kurzes Haar haben soll. Schirrmacher schafft mit seiner willkürlichen Übersetzung, die den Kontext zu wenig beachtet, einen Widerspruch innerhalb der biblischen Lehre über das Haupthaar von Mann und Frau und über die grundsätzliche äußerliche Unterscheidung von Mann und Frau. Ein Mann, der sein Haar lang wachsen lässt, wirkt fraulich. Langes Haar ist Frauenhaar: Offenbarung 9,8:
Und sie hatten Haar wie Frauenhaar.

Nach dem Mehrheitstext lautet der Vers so, wie Du im Anhang lesen kannst.

Das ETA (deutsch: "Oder…?")  am Anfang des Satzes wird gut bezeugt. (A 2 Dc 1 69 76 131 209 218 424 489 927 945 999 1244 1245 1315 1319 1448 1505 1573 1628 1646 1735 1768 1876 1900 1962 2400 2495 MT TR)
Es darf daher nicht weggelassen werden. Es deutet eine Frage an.
Wird der Satz als Frage formuliert, stimmt er mit der üblichen Lehre des AT und NT überein (Unterscheidung der Geschlechter durch gewisse Äußerlichkeiten, wozu der Haarwuchs am Haupt und – beim Mann – um den Mund herum gehört).
 
Zitat
(15) wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist! Denn das Haar ist ihr anstelle eines Schleiers gegeben.
Nach Schirrmacher lautet der ganze Satz also:
Zitat
[Die Natur lehrt euch nicht, daß,] wenn eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist! Denn das Haar ist ihr anstelle eines Schleiers gegeben.
Ist es das lange Haar für die Frau keine Ehre (DOXA = "Herrlichkeit", "Pracht")? Ist es also keine Schande, wenn eine Frau sich das Haar kurz schert (so dass sie dann wie ein Mann aussieht)? Ist das wirklich das, was der Apostel hier lehrt?
 
Weiter geht Schirrmacher fehl, indem er nicht zwischen "Bedeckung" (KATA KEPHALEE ECHEIN) und "Umwurf/Schleier" (PERIBOLAION) unterscheidet.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Schleier-Frage war nicht die Frage, die Christen von Korinth umtrieb. Es geht spezifisch um eine Handlung beim Beten und Weissagen, nicht um das ständige Tragen eines Schleiers.
 
Richtig übersetzt sollte 1. Kor. 11,14-15 lauten:
(14) Oder lehrt euch nicht die Natur selbst, dass, wenn ein Mann langes Haar [trägt], es eine Unehre für ihn ist? 
(15) aber wenn eine Frau langes Haar [trägt], es eine Herrlichkeit für sie ist? --- weil das lange Haar ihr als eine umhüllende [Bekleidung] gegeben ist.
   
Paulus differenziert zwischen "etwas auf dem Haupt haben" und "Schleier"
 
V. 16 bezieht sich auf eine Sitte der Korinther, eine die sich inzwischen eingebürgert hatte, die er aber nicht gutheißt. Welche? Die, von der er in V. 13 gesprochen hatte (denn die V. 14.15 sind ein Einschub): die Sitte, dass eine Frau unbedeckt zu GOTT bete.

Nachdem in den V. 2-12 gegebenen Argumenten sollten die Korinther so weit sein, sich selbst ein Urteil zu bilden, ob es angebracht sei, dass eine Frau unbedeckt zu GOTT betet.

Manche Ausleger meinen, Paulus spräche von der Sitte, nicht streitsüchtig zu sein. Jeder soll tun wie er möchte, nur streiten solle man in so einer Frage nicht. Damit würde er seine eben dargelegte Argumentation durchstreichen. Auch sollte Paulus nicht betonen müssen, dass er und seine Mitarbeiter nicht streitsüchtig sind. Dass Paulus sich nicht zankt, darf vorausgesetzt werden. Ein Knecht GOTTES soll nicht zanken.

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

BOB

  • Gast
Re: Die Kopfbedeckung der Frau
« Antwort #59 am: 09 Oktober 2012, 10:55:39 »
Danke für diese ausführliche Antwort, die man gut verstehen und nachvollziehen kann.Gruß BOB