Autor Thema: Die biblische Taufe  (Gelesen 3045 mal)

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Offline Jose

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Die biblische Taufe
« am: 06 April 2012, 11:50:49 »
"Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird gerettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden." Mk 16,15-16


Die biblische Taufe
Als ich zum Glauben kam, in einer evangelischen Freikirche die aus der Täuferbewegung in der Reformationszeit entstand, war es keine Frage, dass die Kindertaufe nicht als biblisch anzusehen ist. Mir war es selbstverständlich, dass nachdem ich zum Glauben kam, ich mich auch taufen lassen sollte und es auch wollte.

Keine doppelte Gemeinde- oder Kirchenzugehörigkeit
Auch diese Frage wurde für mich schnell beantwortet, dass ich, nachdem ich zum Glauben gekommen war, nicht mehr in der katholischen Kirche bleiben konnte, zu der ich damals gehörte. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie ich es erkannte, aber vermutlich weil ich in der katholischen Kirche nichts gefunden hatte. Es war mir sehr schnell klar geworden, dass ich meinen Glauben in Frage gestellt hätte, d.h. ich wäre unglaubwürdig geworden, wenn ich als Christ weiterhin zur katholischen Kirche gehören würde.

Die Form der Taufe
Nach dem Vorbereitungsunterricht zur Taufe, sollte ich mit einigen anderen getauft werden. Wie sehr freute ich mich darauf. Einige Tage vor der Taufe wurde ich aber von einem Bruder einer anderen Gemeinde angesprochen, der mich darauf hinwies, dass nur die Untertauchtaufe biblisch sei. In der Gemeinde, in der ich getauft werden wollte, wurde jedoch die Besprengungstaufe an Gläubigen praktiziert.

Untertauchtaufe
Wie unruhig wurde ich. So, wie mir der Glaubensbruder die biblische Taufe erklärte und auch die Form der Taufe begründete, leuchtete es mir ein, dass die Taufe, als das Grab des alten Menschen, nicht einfach ein "beträufeln" sein kann. Auch wurde dort getauft, wo viel Wasser war, was wiederum dafür sprach, dass die Gläubigen getauft wurden, indem sie ganz unter Wasser kamen.

Menschenfurcht
Was sollte ich nun tun. Ich wurde unruhig, aber mich befiel auch Menschenfurcht. Ich wollte meine Zusage nicht zurückziehen und dachte auch nicht daran, mit dem Ältesten der ev. Freikirche darüber zu reden. Vielleicht dachte ich daran, aber ich traute mich nicht, so genau weiß ich es heute, nach 27 Jahren nicht mehr.

Falsches suchen
Was ich dann tat, kann ich niemanden empfehlen: Ich suchte in der Bibel nach Bibelstellen die mir halfen zu widerlegen, dass die Taufform unbedingt die Untertauchtaufe sein muss. Und ich fand zumindest eine Bibelstellte, die mein "unehrliches" Gewissen beruhigte.

Wie treu war Gott
Ich möchte hier jetzt nicht alles erzählen, aber ich ließ mich dann in die Gemeinde taufen, mit der Besprengungstaufe. Ruhig darüber wurde ich aber nicht. Es kam noch einiges dazu, was mir immer mehr Not bereitete, und ich erkannte, dass ich ganz treu sein muss.

Meine bitte um die biblische Taufform
Von dem Herrn wurde ich so geführt, durch den Rat eines anderen Bruders, dass ich zu dem Ältesten der Gemeinde ging und ihn nachträglich um die Untertauchtaufe bat. Er besprach es mit den anderen Predigern, lehnte aber dann ab. Allerdings stellte er mir frei, mich woanders mit der Untertauchtaufe taufen zu lassen.

Mein Gemeindeaustritt
Es verging noch eine ganze Zeit und einiges ereignete sich, so dass ich irgendwann nicht mehr in der Gemeinde bleiben konnte. In meinem weiteren Weg besuchte ich auch eine Gemeinde, wo ich getauft wurde mit der Untertauchtaufe.

Endlich Ruhe hinsichtlich der Taufe
Mein Ungehorsam hatte mir viel Not bereitet. Wie dankbar bin ich, dass Gott mich nicht einfach laufen ließ sondern mich zu Recht brachte.

In Sicherheit
Im Buch der Sprüche lesen wir: "Menschenfurcht stellt eine Falle; wer aber auf den HERRN vertraut, ist in Sicherheit" Spr 29,25. Dieses Wort und viele andere Aussagen der Schrift haben mir groß gemacht, dass ich meine Gemeinschaft mit dem Herrn durch nichts gefährden darf, denn nur bei dem Herrn bin ich in Sicherheit.

Was sind eure Erfahrungen mir der Taufe?
Vielleicht hat auch jemand anders ähnliche Erfahrungen gemacht. Wie sind eure Erfahrungen im Zusammenhang mit der Taufe?

Liebe Grüße
José


« Letzte Änderung: 06 April 2012, 19:09:51 von Jose »

Offline Jose

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Die Taufform
« Antwort #1 am: 07 April 2012, 14:42:21 »
Die Taufe Jesu
"Dann kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wehrte ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden. Und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt so sein! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da lässt er ihn." Mt 3,13-15

Ein Gehorsamsschritt
Diese Bibelstelle war eine der wichtigen Aussagen, die mir klarmachten, dass es für einen Gläubigen kein Drumherum gibt hinsichtlich der Taufe. Jesus selbst ging uns voran mit diesem Zeugnis und bestätigte damit die Notwendigkeit der Taufe. Diese Handlung sollte also für alle Gläubigen ein Anliegen sein, wenn es möglich ist. Für den Schächer am Kreuz war die Taufe nicht möglich, und es gibt sicherlich auch andere tragische Situationen, wo die Taufe nicht stattfinden kann. Aber überall dort, wo es sein kann, sollte dieser Gehorsamsschritt nicht unterlassen werden. Vor vielen Jahren war ich anwesend bei der Taufe einer alten und lieben Schwester, die bei sich Zuhause in der Badewanne getauft wurde. Das Zeugnis dieser Schwester hatte mich sehr bewegt.

Keine Kindertaufe
Ich habe gehört von Gemeinden, die im Nachhinein die Kindertaufe akzeptieren, wenn die Person zum Glauben kommt. Diese Haltung erachte ich für unbiblisch. In einem konkreten Fall war es so, dass eine gläubige Person, die aus der Landeskirche in eine Freikirche mit Täuferhintergrund aufgenommen werden wollte, darauf bestand, dass ihre Kindertaufe akzeptiert wird. Ist es nicht schlimm, auf so etwas einzugehen? Wo bleibt da die Glaubwürdigkeit?

Die Taufform
Es gibt Gemeinden, in denen die Besprengung von Gläubigen als Taufform praktiziert wird. In meinem Eröffnungsbeitrag zu diesem Thema habe ich meine persönliche Erfahrung damit erwähnt. Für mich selber habe ich kein Kompromiss gemacht, nachdem ich meinen Ungehorsam erkannt hatte. Wofür ich allerdings Verständnis habe, ist, wenn ernste Gotteskinder, welche die Besprengungstaufe als Taufe an Gläubigen empfangen haben, sich schwer tun, vielleicht nach 40 oder mehr Jahren sich mit der Untertauchtaufe taufen lassen zu müssen, ohne selbst im Glauben dahinter zu stehen.

Wie soll man sich verhalten?
Für die Gemeindeleiter ist es keine einfache Situation. Ausnahmen bilden eine Gefahr und können zu weiteren Ausnahmen verführen. Aber dies ist ein Thema, welches mich wirklich beschäftigt: Darf jemand, der gläubig getauft wurde, aber nur mit der Besprengungstaufe, in der Gemeinschaft ausgegrenzt werden?

Gottes Segen,
José

Offline Roland

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Re: Die biblische Taufe
« Antwort #2 am: 08 April 2012, 14:40:10 »
Hallo José,

ich habe ganz ähnliche Erfahrungen mit der Taufe gemacht wie Du.

Ich war bereits seit 4 Jahren wiedergeboren, bis der HERR mich auf die biblische Taufe ansprach. Bis dahin hatte ich einen relativ liberalen Standpunkt: Für mich waren bis dahin beide Formen gültig: Die unbiblische Säuglingsbesprengung und die biblische Glaubenstaufe (Untertauchen). Der HERR sprach durch Sein Wort zu mir, dass ich in diesem Punkt nicht gehorsam bin. ER belehrte mich durch Sein Wort.

In der Gemeinde war es üblich, dass nach dem Gottesdienst ein Liebesmahl (= gemeinschaftliches Essen) eingenommen wurde. Die Geschwister saßen an verschiedenen Tischen im Gemeinderaum. Ich erlebte oft, dass an dem Tisch, an dem ich saß, immer wieder das Thema "Taufe" angesprochen wurde. Hier benutzte der Herr die Geschwister, um mich zu ermahnen. Nur die Geschwister wussten nichts davon.

Durch das Reden des HERRN war mir bewusst, dass die Säuglingsbesprengung diametral der biblischen Taufe gegenübersteht. Ich sprach mit dem Gemeindeleiter und wurde mit einem anderen Bruder in einem See biblisch getauft (dies war vor ca. 30 Jahren).

Auch ich hatte Menschenfurcht. Meinen Eltern erzählte ich nichts davon. Ich stamme aus der röm.-kath. "Kirche" und Du kennst ja sicherlich das Lied "Fest soll mein Taufbund stehen". Mein himmlischer Vater wies mich darauf hin, dass die Taufe ein öffentliches Zeugnis ist. Auch in diesem Punkt wollte ich dem HERRN gehorsam sein. An einem sonnigen Sonntagnachmittag saßen wir draußen bei Kaffee und Kuchen. Ich nutzte die Gelegenheit und zeigte meinen Eltern Fotos von meiner Taufe. Auf die Frage, was ich denn in dem See mache, antwortete ich, dass ich getauft wurde. Plötzlich war es mit der guten Stimmung vorbei. Aber ich konnte meinen Eltern Zeugnis geben, weshalb ich getauft wurde. Leider hielten sie die kath. Säuglingsbesprengung für die einzig gültige "Taufe".

Später konnte ich es mit meinem Gewissen nicht verantworten und trat aus der kath. "Kirche" aus.

Shalom
Roland

Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Jose

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Der Reformierte Glaube und die Taufe
« Antwort #3 am: 09 April 2012, 22:01:20 »
Als ich mich mit dem Calvinismus beschäftigte wurde ich auch mit Ron Hanko konfrontiert, einem Vertreter des Reformierten Glaubens. Erschrocken bin ich darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit die Irrlehre der Kindertaufe als biblisch hingestellt wird.

Zitat:

Die Kindertaufe
Der Reformierte Glaube folgt der Praxis der Taufe der Kinder von Gläubigen. Diese ist die konsequente Praxis von Reformierten Gläubigen seit den Tagen von Johannes Calvin gewesen. Diese Taufe basiert auf die Wahrheit des Bundes Gottes – in der Linie der Generationen von Gläubigen aufgerichtet. Nicht alle getauften werden errettet (Esau, der das Zeichen der Beschneidung empfang, wurde nicht errettet - Rom. 9:13). Aber da Gott seinen Bund in der Linie der Generationen aufrichtet (I Mose 1:17; Apostlg. 2:39) empfangen die Kinder auch das Zeichen des Bundes und der Gerechtigkeit, die durch den Glauben ist. Dies entspricht auch der Praxis der Apostel, die Gläubigen und ihre Häuser tauften (Apg. 16:15; I Kor. 1:16; Apg. 11:14; 16:31).

Quelle: http://www.cprf.co.uk/languages/german_whatisreformedfaith.htm


Menschliche Lehre
Es ist offensichtlich, dass die Argumentation oben nicht auf der Bibel basiert, sondern die Bibel passend zur eigenen Überzeugung interpretiert wird, vermischt mit weiteren Lehren, die in der Bibel keine Grundlage haben. Dass die Praxis der Kindertaufe im reformierten Glauben hier so deutlich mit Bezug auf Calvin erwähnt wird sollte alle ermahnen, die noch an der Kindertaufe hängen, ernst zu prüfen, ob ihre Überzeugung wirklich auf der Bibel basiert oder auf menschliche Lehre, sei es durch Calvin, Luther oder wer auch immer.

Die Frage der Taufe ist nicht zweitrangig
Um Missverstände vorzubeugen möchte ich klarstellen, dass es mir nicht darum geht, denen die von der Kindertaufe noch überzeugt sind, den Glauben abzusprechen, den es ist Gott, der unsere Herzen kennt und viele sind falsch belehrt. Allerdings wundere ich mich sehr darüber, dass gerade die Lehre der Taufe, die für das Gemeindeleben so entscheidend ist, bis heute von vielen in ihrer Bedeutung noch nicht richtig erkannt wurde bzw. als zweitrangig angesehen wird. Auch darin wird unser Gehorsam zu Gott gemessen, ob wir Gott mehr gehorchen als Menschen.

Gottes Segen,
José

Offline Jose

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Re: Die biblische Taufe
« Antwort #4 am: 10 April 2012, 15:05:19 »
Verschiedene Meinungen
Zuweilen wird argumentiert, dass es in der Bibel keine systematischen Abhandlungen über ein Thema, wie zum Beispiel Taufe oder Trinität gibt, und daher über das richtige Verständnis oft hart gerungen wurde. Ich kann einerseits die Überlegung nachvollziehen und möchte niemand die Aufrichtigkeit absprechen, andererseits sehe ich keine Veranlassung, verschiedene Meinungen und Überzeugungen nebeneinander stehen zu lassen. In Gesprächen mit Ungläubigen fällt auch immer wieder der Vorwurf: Es glaubt doch jeder was er will und alle berufen sich auf die Bibel.

Der eigene Wille
Beim Suchen nach der rechten Erkenntnis ist unser Wille sehr mitbeteiligt, weil manche Auswirkungen des Gehorsams sehr weitreichend sind. Wo nach der Wahrheit des Evangeliums aufrichtig gesucht wird, versucht Satan auch Streit und Angst zu entfachen und dies führt oft dazu, dass man nicht wirklich vorbehaltlos sich mit dem Wort auseinandersetzt. Viele hören dabei auf viele Meinungen und werden oftmals verunsichert.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte
Gott hat uns in Seinem Wort, gerade wenn es um entscheidende Glaubensfragen geht, nicht im Unklaren gelassen. Der Psalmist sagt: "Eine Leuchte für meinen Fuß ist dein Wort, ein Licht für meinen Pfad" Ps 119,105, wenn wir uns mit Gottes Wort aufrichtig beschäftigen, so werden wir auch einen beleuchteten Weg vor uns sehen.

Wer darf getauft werden?
In der Apostelgeschichte lesen wir: "Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder?" Apg 2,37. Die Menschen hatten die Botschaft aufrichtig gehört, Gott hatte ihre Herzen geöffnet, sie erkannten ihre Sünden und ihren verlorenen Zustand. Dann fragten sie: Was sollen wir tun? Das ist ein so wichtiges Merkmal derer, die sich wirklich als verloren erkannt haben und fern von Gott, dass sie fragen: "Was muss ich tun?" Hier folgte dann die Antwort des Apostels: Petrus aber sprach zu ihnen: "Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden!" Apg 2,38. Danach lesen wir aber noch, und das sollten wir nicht übersehen: "Und mit vielen anderen Worten legte er Zeugnis ab und ermahnte sie und sagte: Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!" Apg 2,40. Gerade dieses Wort ist mir so richtig große geworden, diese "weitere" Unterweisung, als Grundlage für die persönliche Entscheidung, denn man muss wissen, um was es geht, wenn man sich taufen lassen will. Erst dann lesen wir: "Die nun sein Wort aufnahmen, ließen sich taufen; und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan" Apg 2,41.

Was hindert, getauft zu werden?
Bei der Bekehrung des Kämmerers von Äthiopien lesen wir: Als sie aber auf dem Weg fortzogen, kamen sie an ein Wasser. Und der Kämmerer spricht: Siehe, da ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden? Apg 8,36. Es gibt Handschriften die fügen hier hinzu: "Philippus aber sprach zu ihm: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, ist es erlaubt. Er aber antwortete und sprach: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist." Wir sehen also, dass ohne den persönlichen Glauben niemand getauft werden darf. Diese zusätzliche Aussage in einigen Handschriften ist hilfreich, die Notwendigkeit des persönlichen Glaubens ist aber auch sonst durch das Zeugnis der Schrift bestätigt.

Die Taufe von Säuglingen ist unbiblisch
Wenn ich diese Bibelworte lese, habe ich keine offenen Fragen, ob die Taufe von Säuglingen biblisch ist. Die Taufe von Säuglingen ist nicht biblisch und auch der Versuch, die Taufe mit dem Bund der Beschneidung in Verbindung zu bringen, kann vor dem Zeugnis der Schrift nicht bestehen, denn wir stehen nicht mehr im Alten Bund und auch nicht mehr unter dem Gesetz.

Gottes Segen,
José

Offline Jose

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Ernst G. Maier: Die Entstehung der Kindertaufe
« Antwort #5 am: 06 Mai 2012, 17:36:21 »
Auf der Internetseite der EFG-Hohenstaufenstr.de finden sich Diverse Dokumente von Ernst G. Maier (gest. 1994) über die Taufe.

Zitat


Ernst G. Maier schrieb eine sehr ausführliche 4-teilige Serie über die Taufe. Im ersten Artikel beleuchte er anhand von neutestamentlichen Bibelstellen das Wesen der Taufe im Neuen Testament. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß das Neue Testament nur die Taufe von Gläubigen kennt.

Der zweite Artikel beschäftigt sich mit der Entstehung der Kindertaufe im Laufe der Kirchengeschichte. Anhand von Zitaten von Kirchenvätern weist Maier darauf hin, daß die Kindertaufe erst im 5. Jh. allgemeine Praxis wurde. Wie es zur Kindertaufe gekommen ist, läßt sich in der Kirchengeschichte sehr gut nachweisen.

Während der Reformation kam es leider nicht zu einer Erneuerung der Taufpraxis, sondern man blieb in der Tradition und dem Sakramentalismus verhaftet. Es gelang Luther nicht, zur biblischen Taufpraxis zurückzukehren, sondern er behielt die biblisch nicht belegbare Kindertaufe bei. Dieser Thematik widmet sich der dritte Artikel.

Welche Position die Kirchen in Deutschland (EKD) heute zur Taufe bzw. Säuglingstaufe einnehmen, ist Thema des letzten Artikels.



Die Aufklärungsarbeit erfolgte vor bereits einigen Jahren, Die Diskussion ist im Grundsatz allgemein bekannt und die Frage ist nach wie vor: Wieso haben viele, denen ich den Glauben nicht abspreche, noch nicht den Mut gefunden, dem Wort Gottes ganz gehorsam zu sein?


Bitte beachten:
Der Hinweis auf die Webseite der EFG bedeutet für mich nicht, dass ich mit allem einverstanden bin, was dort als Inhalte vorhanden ist, und doch finde ich es ermunternd, voneinander zu lernen.


José

Offline Jose

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Re: Die biblische Taufe
« Antwort #6 am: 17 Mai 2012, 19:50:54 »
Im Buch "Jonathan Paul - Leben und Werk" las ich heute ein Zeugnis im Zusammenhang mit der Taufe.

Zitat

Jeder sei seiner Meinung gewiß…

"Es kam damals ein gläubiger Lehrer zu mir und sagte, er sei innerlich wegen seiner Kindertaufe beunruhigt und fühle sich in seinem Gewissen gebunden, sich als Erwachsener taufen zu lassen. Er wollte von mir hören, warum ich in meinem Pfarramt verbleiben könnte, obgleich ich Kinder zu taufen hätte. Ich habe ihm dann auch gesagt, wie ich innerlich vor Gott zu dieser Frage stand. Er erwiderte jedoch, er könne meinem Standpunkt für sich nicht gelten lassen. Daraufhin sagte ich ihm: 'Ei, mein lieber Bruder, dann rate ich Ihnen dringend: Lassen Sie sich doch ja taufen, wenn Sie sich innerlich dazu gedrungen wissen.' Er erwiderte: 'Ich könnte meine Stelle verlieren, wenn ich das tue.' Ich musste ihm sagen: 'Sie werden stets ein schwacher Mann bleiben, wenn Sie nicht dem gehorsam werden, was Sie als Gottes Willen für sich erkennen.' - Als ich ihn nach einiger Zeit wieder traf und mit ihm sprach, sagte er mir: 'Jetzt habe ich, was ich tun will. Ich will mich taufen lassen, aber ich will damit warten, bis ich pensioniert bin…' Ach, er wurde später pensioniert, hat sich dann auch taufen lassen, blieb aber ein schwacher Mann, obschon er ein wertvolles Werkzeug in Gottes Hand hätte werden können."


Quelle: Jonathan Paul, von Pfarrer Dr. Ernst Giese, Marburg. 2. Auflage, neubearbeitet - 1965


Ich kenne die Haltung von Pastor Paul zur Glaubenstaufe noch nicht, aber offensichtlich konnte er dennoch weiterhin die Kindertaufe praktizieren. Was mich aber angesprochen hat war die klare Aussage, dass wenn uns Gott etwas als Seinen Willen zeigt, wie z.B. hier die Glaubenstaufe, wir gehorchen müssen, wenn wir im Glauben wachsen wollen.

Gerade im Zusammenhang mit der Taufe bin ich überzeugt, gibt es viele Gläubige, die aus Rücksichtnahme zu Angehörigen an der Kindertaufe festhalten. Persönlich halte ich es so, dass ich weder an Festlichkeiten zur Kindertaufe oder Kommunion bzw. Konfirmation teilnehme. Ich käme mir dabei so vor, als würde ich meinen Glauben verleugnen.

Es gab sicherlich Zeiten, in denen gläubige Menschen und auch Pastoren, mit aufrichtigem Herzen die Kinder tauften und auch an der Konfirmation festhielten, und zwar aus Glaubensgründen und Mangel an Erkenntnis. In unseren Tagen dürften aber mehr die Form und die Tradition im Vordergrund stehen, und auch die fehlende Belehrung.

Wie sagte Jonathan Paul: "Sie werden stets ein schwacher Mann bleiben, wenn Sie nicht dem gehorsam werden, was Sie als Gottes Willen für sich erkennen." Mögen wir es beherzigen in allen Gebieten unseres Lebens, wenn es gilt, Gottes Willen zu tun.

Gottes Segen wünschend,
José

Offline Jose

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Re: Die biblische Taufe (Vorsicht vor falsche Belehrung)
« Antwort #7 am: 26 Mai 2012, 00:09:25 »
Wenn wir uns mit dem Thema der Taufe beschäftigen, dann sollten wir sehr vorsichtig sein, wem wir unser Vertrauen schenken. Was ich absolut ablehnen muss, ist die Belehrung Calvins, die im Institutio zu lesen ist, zum Thema Taufe im 4. Buch, ab dem 15. Kapitel.

Dort lesen wir z.B.:

Zitat

IV,15,1
Die Taufe ist ein Zeichen der Einweihung, durch das wir in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen werden, um in Christus eingeleibt und damit zu den Kindern Gottes gerechnet zu werden.


Sehr verwundert bin ich über massive Aussagen gegen die, welche von der Glaubenstaufe überzeugt sind, zu lesen sind, z.B. hier:

Zitat

IV,16,10

Jetzt wollen wir die Beweisgründe erörtern, mit denen gewisse rasende Tiere unaufhörlich gegen diese heilige Einrichtung Gottes anrennen. Zunächst: da sie wohl merken, wie sie durch die Ähnlichkeit von Taufe und Beschneidung über alle Maßen ins Gedränge und in die Enge geraten, so geben sie sich Mühe, diese beiden Zeichen durch einen großen Gegensatz voneinander loszutrennen, damit es nur ja den Anschein gewinnt, daß das eine mit dem anderen nichts gemein hätte. Sie behaupten nämlich, es würden hier (erstens) verschiedene Dinge bezeichnet, der Bund sei (zweitens) ein völlig anderer, und (drittens) auch der Ausdruck „Kinder“ sei nicht in gleichem Sinne gebraucht.

a) Wenn sie nun aber jene erste Behauptung zu beweisen trachten, so wenden sie vor, die Beschneidung sei ein Zeichen der Abtötung, nicht aber der

b) Und wenn es gilt, die Verschiedenheit des Bundes zu verteidigen – in was für barbarischer Verwegenheit zerreißen und verderben sie dann die Schrift! Das geschieht nicht etwa an einer einzigen Stelle, sondern so, daß sie nichts heil und unversehrt lassen! Die Juden schildern sie uns nämlich als dermaßen fleischlich, daß sie mehr dem Vieh gleichen als den Menschen. Sie erklären eben, der Bund, der mit den Juden geschlossen worden sei, gehe nicht über das zeitliche Leben hinaus, und die Verheißungen, die ihnen zuteil geworden wären, bezögen sich bloß auf gegenwärtige und leibliche Güter. Was würde, wenn sich diese Lehre durchsetzte, anders übrigbleiben, als daß das jüdische Volk eine Zeitlang durch Gottes Wohltat gesättigt worden sei – nicht anders, als man eine Sauherde im Roben mästet –, um dann schließlich im ewigen Verderben zugrunde zu gehen? Denn wenn wir die Beschneidung und die mit ihr verbundenen Verheißungen anführen, dann antworten sie sogleich, die Beschneidung sei ein unter dem Buchstaben stehendes Zeichen (literale signum), und ihre Verheißungen seien fleischlich gewesen.


Als ich mich mit dem Calvinismus beschäftigte wurde ich auch immer wieder auf das Institutio hingewiesen mit der Aufforderung, wenn ich darin etwas Unbiblisches fände, es zu erwähnen. Einmal wurde mir von einem Reformierten bestätigt, dass Calvin sein Verständnis von der Taufe nicht überzeugend biblisch begründet hat. Dieses Eingeständnis schätzte ich hoch ein, aber was für Konsequenzen ziehen wir daraus? Wer in einem Thema wie die Taufe keine klare Erkenntnis hat, und sich so hochmütig verhält, soll ich ihm bei anderen, vielleicht viel wichtigeren Themen, Vertrauen schenken?

Wenn man bedenkt, wie Calvin über die herzog, die für die Glaubenstaufe waren, muss man sich nicht wundern, dass die sogenannten "Wiedertäufer" so schwer verfolgt wurden. Schon die Art und Weise wie er, und ich denke auch Luther, die sogenannten "Wiedertäufer" verfolgte, zeugt m.E. davon, dass sie zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr unter der Leitung des Heiligen Geistes standen. Pastor Paul hat, siehe meine letzte Antwort, da ganz anders gehandelt. Darin offenbart sich auch, wessen Geisteskinder wir sind.

José

Offline Jose

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Bist du getauft?
« Antwort #8 am: 16 Juli 2012, 10:29:10 »
Bruder, Schwester: Bist du getauft?
Damit meine ich nicht, ob du als Kind getauft wurdest, sondern ob du auf Grund deines persönlichen Glaubens.

Erst vor einigen Tagen habe ich mit jemand gesprochen, der überzeugend bezeugte, sich innerhalb der evangelischen Kirche bewusst für Jesus entschieden zu haben. Dann erzählte er weiter, dass er die Not in der Kirche sehr deutlich erkennt und daher gegen die Kindertaufe ist, weil der Glaube doch eine persönliche Entscheidung ist, die der persönlichen Hinwendung und Bekehrung zu Jesus folgt. Getauft werden sollen aber nur die, welche Glauben.

Ich freute mich, über dieses freimütige Zeugnis. Dann erzählte er weiter, dass er für sich aber, nicht die Notwendigkeit erkannt hätte, sich erneut taufen zu lassen. Ich musste für mich denken, dass die biblische Taufe keine Wiederholung der Taufe ist, sondern, dass die Kindertaufe ungültig ist, aber ich erkannte, dass das Thema den Mann bereits sehr beschäftigt, vielleicht sogar belastet. Er hatte aus freien Stücken darüber erzählt.

Wie viele Gläubige Menschen gibt es, die im Grunde erkannt haben, dass die Kindertaufe falsch ist. Sie versuchen sich aber zu rechtfertigen, indem sie die Kindertaufe im Nachhinein für gültig erklären, nachdem sie zum Glauben kamen. Nach meiner Überzeugung ist das ein gefährliches Vorgehen und leider unterstützt man dadurch andere, weiterhin an dem falschen Brauch der Kindertaufe festzuhalten.

Wenn du also noch nicht getauft bist, dann suche eine Gemeinde, wo du dich biblisch taufen lassen kannst, eine Gemeinde aber, die auch biblisch steht. Achte aber auch darauf, ob die Untertauchtaufe praktiziert wird, denn die biblische Taufe ist die Taufe eines gläubigen Menschen und wird durch das Untertauchen des Täuflings praktiziert. Die Taufe ist das Grab des alten Menschen.

Die Not in unserer Zeit, und das seit Jahrhunderten, kommt daher, weil sich zu wenige aufgemacht haben, den biblischen Weg zu gehen und auch hinsichtlich der Taufe ganz gehorsam zu sein. Wir dürfen nicht nach der Meinung anderer fragen, sondern ganz persönlich dem Vorbild Jesu folgen.

Liebe Grüße,
José