Autor Thema: Grundtexte für Bibelübersetzungen  (Gelesen 26582 mal)

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Offline Jose

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Grundtexte für Bibelübersetzungen
« am: 22 März 2012, 22:46:36 »
Das Thema hier habe ich eröffnet mit Verweis auf diesen Beitrag:
Zitat von: Roland
Zitat von: Jose
Mir scheint, der Grundtext von Nestle-Aland ist überhaupt nicht empfehlenswert.
Hier stimme ich Dir uneingeschränkt zu.



Die Lutherbibel beruhte vor 1912 noch vollständig auf dem Textus Receptus. 1912 wurden nur einige wenige Stellen verändert. Der eigentliche Einbruch der Textkritik erfolgte erst mit der Revision von 1956. Seitdem folgt die Lutherbibel weitgehend dem neuen Standard des textkritischen "Nestle-Aland"-Textes. Die Schlachterbibel (1905)
folgte überwiegend dem Textus Receptus und bewahrte ihn insbesondere an den geistlich wichtigen Stellen. Mit einigen Einschränkungen kann das auch von der alten Elberfelder Übersetzung (1855) gesagt werden. Die neueren Bibelübersetzungen, wie etwa die Luther-Revisionen von 1956, 1972 und 1984, die Zürcher Bibel von 1931, die Übersetzung von Hermann Menge, die Gute Nachricht, die katholische Ökumenische Einheitsübersetzung, Hoffnung für alle oder auch die revidierte Elberfelder Bibel, richten sich fast völlig nach Nestle-Aland.

Den kompletten Beitrag: hier

Ich habe nun ein kleines Problem, nämlich: Die revidierte Elberfelder ist die von mir am meisten benutzte. Sollte ich die nun ablehnen, weil die auch den Grundtext nach Nestle-Aland berücksichtigt? Wie zuverlässig ist überhaupt die Aussage:
Zitat
…richten sich fast völlig nach Nestle-Aland.
Was bedeutet es überhaupt, sich danach richten? Offensichtlich können gravierende Unterschiede entstehen, wie beispielsweise Apg. 26,28 in der Wiedererlangsübersetzung, siehe den Beitrag: hier.

Da ich mir vor einigen Monaten das Buch von Monika und Rainer Kuschmierz: "Handbuch Bibelübersetzungen - Von Luther bis zur Volxbibel", herausgegeben von R. Brockhaus, gekauft habe, werde ich mich auch damit beschäftigen.

In der Einleitung steht u.a.:
Zitat:

Um bei diesen Fragen kompetent mitreden zu können, ist ein ausgesprochenes Spezialwissen erforderlich. Die Ergebnisse der Textforschung findet man im sogenannten »textkritischen Apparat«, der in der hebräischen und griechischen Bibel im Fußnotenteil zu finden ist (für das AT: Biblia Hebraica Stuttgartensia; für das NT: Nestle-Aland oder Greek New Testament). Dort sind die wichtigsten Abweichungen verzeichnet, während die wahrscheinlich ursprüngliche Variante im Text aufgenommen wurde.

Seit einigen Jahren regt sich in konservativen christlichen Kreisen heftige Kritik gegen diese Art der Textforschung. Dabei wird die Auffassung vertreten, dass Gott sein Wort nicht nur auf vertrauenswürdige Weise geoffenbart hat, sondern dass er auch die Überlieferung begleitet und selbst für eine zuverlässige Textgrundlage gesorgt habe. Diese meinen die Vertreter dieser Ansicht im sogenannten textus receptus zu erkennen.



Es mag nun der Eindruck entstehen, als würde ich "zurückrudern", mit meinem Urteil über Nestle-Aland, aber kann es sein, dass die eigentliche Gefahr darin liegt, auf Grund der teilweise möglichen Übersetzungsmöglichkeiten, sich die zu nehmen, die besser zur eigenen Überzeugung passt und nicht NA an sich das eigentliche Problem darstellt?

Mit dem Thema muss ich mich doch ausführlicher beschäftigen.

José

Offline Roland

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Re: Grundtexte für Bibelübersetzungen
« Antwort #1 am: 08 April 2012, 22:21:17 »
Hallo José,

Zitat
Die revidierte Elberfelder ist die von mir am meisten benutzte. Sollte ich die nun ablehnen, weil die auch den Grundtext nach Nestle-Aland berücksichtigt?
Nein, denn die Qualität der Übersetzung ist gut. Allerdings würde ich parallel zur REÜ noch eine Bibelübersetzung lesen, die den T. R. als Grundlage hat. Um es auf den Punkt zu bringen: Die REÜ ist eine gute Übersetzung, aber sie ist nicht vollständig. Insgesamt ist der NA-Text um 2.886 Wörter kürzer als der TR. Das würde einer Bibel entsprechen, bei der der 1. und der 2. Petrusbief fehlt. (Zahlenangaben nach D. A. Waite, Defending the King James Bible, Bible for Today, Collingswood, N.J. 2. Aufl. 1996, S. 41-42).

Zitat
Wie zuverlässig ist überhaupt die Aussage:
Äußerst zuverlässig. Meines Wissens haben deutschsprachige Bibeln nur

LÜ 1545,
LÜ1912 (mit Abstrichen),
Jantzen (NT),
Genfer Studienbibel,
Schlachter 2000

den NA nicht als Textgrundlage. Eine Zwischenstellung nehmen die Schlachterbibel 1905/51 und die unrevidierte Elberfelder Bibel 1871/1905 ein (von Exoten wie die Dabhar-"Übersetzung" einmal abgesehen).

Zitat
Offensichtlich können gravierende Unterschiede entstehen, wie beispielsweise Apg. 26,28 in der Wiedererlangsübersetzung
Die Unterschiede können entstehen, da der NA (wie auch der TR) eine Handschriftensammlung darstellt. Aus "wissenschaftlicher" Sicht kann meine eine bestimmte Lesart (also eine bestimmte Handschrift) den anderen vorziehen. Da hier nicht einheitlich vorgegangen wird, können sich hier Bibelübersetzungen unterscheiden (obwohl sie den gleichen Grundtext haben, wie z. B. den NA). Aus "wissenschaftlicher" Sicht ist es legitim, wie die Übersetzer der Wiedererlangungsübersetzung bei Apg. 26,28 vorgegangen sind.
Ich beurteile eine solche Vorgehensweise als äußerst kritisch, da sich jeder Übersetzer sich seinen "eigenen Grundtext" erstellen kann.

Zitat
aber kann es sein, dass die eigentliche Gefahr darin liegt, auf Grund der teilweise möglichen Übersetzungsmöglichkeiten, sich die zu nehmen, die besser zur eigenen Überzeugung passt
Du hast das Problem exakt beschrieben. Allerdings betrachte ich den NA dennoch als äußerst problematisch. Ich kann mir nur wünschen, dass Bibelübersetzer den Mut haben, gegen den Mainstream zu schwimmen und den TR als Textgrundlage zu nehmen.

Shalom
Roland
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Offline Jose

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Textus Receptus (TR) !?
« Antwort #2 am: 09 April 2012, 19:57:36 »
Zitat von: Roland
Die REÜ ist eine gute Übersetzung, aber sie ist nicht vollständig. Insgesamt ist der NA-Text um 2.886 Wörter kürzer als der TR. Das würde einer Bibel entsprechen, bei der der 1. und der 2. Petrusbief fehlt. (Zahlenangaben nach D. A. Waite, Defending the King James Bible, Bible for Today, Collingswood, N.J. 2. Aufl. 1996, S. 41-42).

Diese Aussage ist den Verantwortlichen der REÜ sicherlich nicht unbekannt. m.W. lautet die Gegenargumentation, dass der Textus Receptus auch Texte verwendet, die nicht in allen Handschriften enthalten sind. Somit wäre nicht die REÜ unvollständig, sondern der textus receptus, nach dem jetzigen Erkenntnisstand, wäre nicht zuverlässig.

Aus dem bereits erwähnten Buch: "Handbuch Bibelübersetzungen - Von Luther bis zur Volxbibel":
Zitat

Das z.B. Konstantin von Tischendorf etliche Jahre nach der Festlegung des textus receptus im Sinaikloster griechische Abschriften des NT fand, die deutlich älter sind als die Vorlagen des textus receptus, wird von den Befürwortern des textus receptus als Argument nicht ernst genommen.

Ich gehe davon aus, dass diese Aussage nicht ganz falsch ist, bin aber überzeugt, dass auch die Befürworter des textus receptus ihre Haltung rechtfertigen können.


Zitat von: Roland
Ich kann mir nur wünschen, dass Bibelübersetzer den Mut haben, gegen den Mainstream zu schwimmen und den TR als Textgrundlage zu nehmen.
Mit deinem Anliegen stehst du sicherlich nicht alleine da, Roland. Mit der Thematik wurde ich aus verschiedenen Gründen konfrontiert, auch deswegen, weil in meinem Bekanntenkreis einige Befürworter des textus receptus sind bzw. der Neue Luther Bibel.

Vor einiger Zeit wurde aus der Neue Luther Bibel vorgelesen, und ich blieb an Johannes 1,9 hängen: "Das war das wahrhaftige Licht, das jeden Menschen, der in die Welt kommt, erleuchtet". Die REÜ erwähnt diese Übersetzungsmöglichkeit auch in eine Fußnote, verwendet aber die Variante: "Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet" Joh 1,9. Mit der verwendeten Form in der Neue Luther konnte ich mich nicht anfreunden.

Ich zitiere noch eine Aussage aus dem Buch: "Handbuch Bibelübersetzungen - Von Luther bis zur Volxbibel":
Zitat

Um keine Missverständnisse entstehen zu lassen: Es geht bei dieser Debatte um etwa zwei Prozent des gesamten Bibeltextes, die fraglich sind und die aufgrund der nach 1633 gefundenen Manuskripte zur Diskussion stehen.


Ist es nicht unsere Verantwortung, die Glaubwürdigkeit der Bibel anhand der gefundenen Handschriften zu überprüfen und zu bestätigen?

Gottes Segen,
José

Offline Roland

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Re: Grundtexte für Bibelübersetzungen
« Antwort #3 am: 13 April 2012, 18:06:48 »
Hallo José,

Zitat
m.W. lautet die Gegenargumentation, dass der Textus Receptus auch Texte verwendet, die nicht in allen Handschriften enthalten sind. Somit wäre nicht die REÜ unvollständig, sondern der textus receptus, nach dem jetzigen Erkenntnisstand, wäre nicht zuverlässig.
Das ist nicht ganz richtig, denn die Texte sind lediglich nicht in den korrupten alexandrinischen Hss. nicht vorhanden. Ich zitiere hier Wilbur N. Pickering. Er ist, was die Textforschung angelangt, ein Experte:

Zitat
Einen Text in einer Sprache, die man nicht versteht, von Hand abzuschreiben, ist eine mühevolle Aufgabe – da ist es beinahe unmöglich, eine perfekte Kopie herzustellen. Betrachten wir z.B. P66. Dieses Papyrusmanuskript ist wahrscheinlich das älteste (ca. 200 n. Chr.) noch vorhandene Manuskript des Neuen Testamentes (alle Manuskripte, wenn auch noch so klein, eingerechnet). Es ist eine der schlechtesten Abschriften, die wir besitzen und weist durchschnittlich etwa zwei Fehler pro Vers auf – viele davon sind offensichtliche Fehler, dumme Fehler, unsinnige Fehler. Ich behaupte bedenkenlos, dass die Person, die P66 herstellte, nicht Griechisch konnte. Hätte jener Kopist den Text verstanden, wären die Anzahl und die Art von Fehlern, die er machte, nicht vorgekommen   .......
Im vierten Jahrhundert muss das Niveau des Beherrschens der griechischen Sprache in Ägypten stark gesunken gewesen sein; und gerade im vierten Jahrhundert entstanden zwei höchst wichtige, üblicherweise dem Alexandrinischen Texttyp zugeschriebene Zeugen. Der Pergament-Codex „B“ (Vaticanus) und der Codex „Aleph“ (Sinaiticus) werden dem vierten Jahrhundert zugeschrieben und allgemein als in Ägypten hergestellt betrachtet. In den Evangelien allein differieren diese zwei Manuskripte über 3.000 Mal. (Diese Zahl schließt kleinere Fehler wie Rechtschreibung nicht ein, auch nicht Varianten bestimmter Synonyme.) Nun erfordert einfache Logik die Schlussfolgerung, dass entweder das eine
oder das andere 3.000 Mal (und mehr) falsch sein muss – das heißt, dass diese zwei untereinander allein in den Evangelien über 3.000 Fehler aufweisen! Quelle: Pickering, Wilbur N.: Der Alexandrinische Texttyp unter der Lupe o. Jg., (übersetzt von Thomas Jettel)
Der P66, Sinaiticus und der Vaticanus gehören beispielsweise nicht zum Textus Receptus.

Zitat
Ist es nicht unsere Verantwortung, die Glaubwürdigkeit der Bibel anhand der gefundenen Handschriften zu überprüfen und zu bestätigen?
Ist es wirklich unsere Verantwortung, die Glaubwürdigkeit der Bibel zur überprüfen und zu bestätigen? Oder ist es nicht vielmehr unsere Verantwortung, unsere Glaubwürdigkeit anhand der Bibel zu überprüfen? Nicht wir sollen die Bibel überprüfen, sondern die Bibel soll uns überprüfen!

Shalom
Roland
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Offline Jose

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Re: Grundtexte für Bibelübersetzungen (Glaubwürdigkeit der Bibel)
« Antwort #4 am: 14 April 2012, 11:08:19 »
Zitat von: Roland
Zitat
Ist es nicht unsere Verantwortung, die Glaubwürdigkeit der Bibel anhand der gefundenen Handschriften zu überprüfen und zu bestätigen?
Ist es wirklich unsere Verantwortung, die Glaubwürdigkeit der Bibel zur überprüfen und zu bestätigen? Oder ist es nicht vielmehr unsere Verantwortung, unsere Glaubwürdigkeit anhand der Bibel zu überprüfen?

Danke, dass du auf meine missverständliche Aussage hingewiesen hast, Roland. Es geht natürlich nicht darum, die Glaubwürdigkeit der Bibel zu überprüfen sondern der Bibelübersetzungen, darum auch dieser Thread: "Grundtexte für Bibelübersetzungen".

Persönlich bin ich noch nicht davon überzeugt, dass der textus receptus die beste Grundlage ist, wie bereits erwähnt. Mit der Elberfelderübersetzung komme ich bislang sehr gut zurecht. Meine erste Bibel war eine Luther, ich denke von 1984, dann wechselte ich zur unrevidierten Elberfelderübersetzung und verwende nun sehr gerne die revidierte Ausgabe.


Du hast in einem Beitrag geschrieben:
Zitat von: Roland
Die REÜ ist eine gute Übersetzung, aber sie ist nicht vollständig. Insgesamt ist der NA-Text um 2.886 Wörter kürzer als der TR. Das würde einer Bibel entsprechen, bei der der 1. und der 2. Petrusbief fehlt. (Zahlenangaben nach D. A. Waite, Defending the King James Bible, Bible for Today, Collingswood, N.J. 2. Aufl. 1996, S. 41-42).

Ist dir eine Zusammenstellung bekannt, aus der die angeblich zu unrecht fehlenden Bibeltexte hervorgehen? Wäre hilfreich.

Herzliche Grüße,
José

Offline Roland

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Re: Grundtexte für Bibelübersetzungen
« Antwort #5 am: 15 April 2012, 22:45:56 »
Hallo José,

eine Zusammenstellung der fehlenden/veränderten Bibelstellen findest Du hier und hier. Beim zweiten Link kannst Du Dir eine pdf-Datei downloaden, die 300 Veränderungen im NT aufführt.

Vergleich doch einmal die Bibelstellen, die in beiden Links angegeben sind, mit der REÜ.

Shalom
Roland

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Offline Roland

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Re: Grundtexte für Bibelübersetzungen
« Antwort #6 am: 22 April 2012, 15:44:05 »
Hallo José,

ich überlege gerade, ob wir einen Thread über "Bibelübersetzungen" erstellen sollten. In diesem Thread können wir dann alle Infos, die uns zu den einzelnen Bibelübersetzungen vorliegen, zusammentragen.

Wie denkst Du darüber?

Shalom
Roland
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Offline Jose

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Hallo Roland.
Ich habe mich etwas eingelesen. Gerade der zweite Link, durch die tabellarische Gegenüberstellung, ist eine sehr gute Vergleichshilfe. Ich habe einige Bibelstellen verglichen und festgestellt, dass die REÜ oftmals in einer Fußnote auf andere Übersetzungsmöglichkeiten verweist. Was ich interessant fand sind Feststellungen wie bei Markus 6,11, dass ein Teil des Verses weggelassen wurde. Der Zusatz, mit dem Hinweis auf Sodom und Gomorra, ist in MK 6,11 nicht enthalten, aber z.B. in Matthäus 10,15.

Was die Evangelien anbetrifft ist es für mich deutlicher geworden, dass der Vorwurf, die REÜ hätte viele Texte unterschlagen, so nicht wirklich stimmt. Der Vorwurf erweckt den Eindruck, als ob in der REÜ vieles fehlen würde, was zu unserer Belehrung wichtig ist. Das stimmt m.E. gar nicht.

Was die anderen Schriften anbetrifft, Vergleiche wie: "… aber für Gott lebt in Christus Jesus, unserem Herrn! (Römer 6,11) oder: "So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind, die nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist (Römer 8,1), wirken schlimmer, da die unterstrichenen Aussagen fehlen, aber hier handelt es sich nicht um Aussagen die insgesamt fehlen, sondern sie stehen an anderen Stellen, wenn wir z.B. Römer 8 weiterlesen, z.B. ab Vers 12. Ich frage mich nun, ob hier der TR einfach etwas großzügiger war und richtige Aussagen aus anderen Stellen einfach an mehreren Stellen hinzugefügt hat.

Somit wage ich zu sagen, dass der textus receptus kein Mehrinhalt an biblischer Lehre enthält. Sollte dir oder einem anderen Leser wirklich etwas Wichtiges aufgefallen sein, würde ich mich über einen entsprechenden Hinweis sehr freuen.

Das Thema ist sehr schwerwiegend, gerade was die Verantwortung der Herausgeber anbetrifft. Bei der Wiedererlangungsübersetzung des LSM wird z.B. auch auf NA verwiesen, die Übersetzung kann ich aber niemand empfehlen. Welche Grundlage die Neue-Welt-Übersetzung der ZJ verwendet, weiß ich nicht, aber die kann erst recht nicht empfohlen werden und schon gar nicht mit der Schlachter- oder Elberfelderübersetzung verglichen werden.


Vielen Dank für deine Mühe und Hilfe, Roland.

Herzliche Grüße,
José

Offline Jose

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Re: Grundtexte für Bibelübersetzungen
« Antwort #8 am: 22 April 2012, 15:55:19 »
Zitat von: Roland
ich überlege gerade, ob wir einen Thread über "Bibelübersetzungen" erstellen sollten. In diesem Thread können wir dann alle Infos, die uns zu den einzelnen Bibelübersetzungen vorliegen, zusammentragen.

Hallo Roland,
Darüber hatte ich auch schon nachgedacht, wollte es sogar selber mal angelegen. Einen algemeinen Thread "Bibelübersetzungen" würde aber vielleicht schnell unübersichtlich werden. Ich würde lieber einen Thread für jede Bibelübersetzung vorziehen.

Danke und herzliche Grüße,
José

Sabine777

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Re: Grundtexte für Bibelübersetzungen
« Antwort #9 am: 25 April 2012, 13:32:56 »

Offline Jose

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Re: Grundtexte für Bibelübersetzungen
« Antwort #10 am: 06 Mai 2012, 20:27:16 »
Zitat von: Roland
eine Zusammenstellung der fehlenden/veränderten Bibelstellen findest Du hier und hier. Beim zweiten Link kannst Du Dir eine pdf-Datei downloaden, die 300 Veränderungen im NT aufführt.

Hallo Roland.

Hier eine "Antwort auf die 300 angeblich falschen Übersetzungen in der Nestle-Aland Ausgabe gegenüber dem Textus Receptus (TR) von Ebertshäuser", aus dem Grundtexte-Forum: hier. Den in der Antwort erwähnten Artikel über den textus receptus befindet sich: hier.

Für mich bleibt das Thema außerordentlich schwierig. Ich bin froh, mich mit dem Thema beschäftigen zu können und will es weiterhin tun, erkenne aber auch, dass ohne die Leitung des Heiligen Geistes es nicht gelingen kann, hier zum rechten Umgang zu gelangen.

Die vielen Möglichkeiten der verschiedenen Lesarten, sei es im Griechischen oder in den gefundenen Handschriften, bedeuten eine große Gefahr für jeden, der nicht unter der Salbung des Heiligen Geistes steht. Darum möchte ich besonders darum bitten, dass die Verheißung der Schrift Erfüllung finde: "Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und habt alle das Wissen" 1.Joh 2,20. Ich erkenne hier die Verheißung Gottes, Seine Kinder in alle Wahrheit leiten zu wollen.

Liebe Grüße,
José

Offline Jose

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Die Rev. Elberfelder Bibel auf dem Prüfstand
« Antwort #11 am: 06 Mai 2012, 20:52:24 »
Danke Sabine, für deinen Tipp.


Auf der Internetseite Bibelvergleich.at ist zu lesen:
Zitat
Überlegt euch welche Bibel ihr für euer Bibelstudium nehmt. Denn Bibel ist nicht gleich Bibel. Denn einige Bibel sind nicht immer vollständig übersetzt. Als Beispiel: die Elberfelder Übersetzung aus 1985 hat ca.30000 Wörter(!!) weniger als die Schlachter 2000, einfach weil manchmal ganze Verse ausgelassen wurden.

Hier wird zwar zum Vergleich aufgerufen, aber zugleich Position bezogen. Wie soll man unvoreingenommen vergleichen, wenn eine Entscheidung und Empfehlung vorweg genommen wird, nämlich für auf den textus receptus aufbauende Übersetzungen? Mich beschäftigen solche Aussagen sehr, denn die für mich darin enthaltene Aussage ist sehr schwerwiegend. Kann ich nun mit gutem Gewissen die rev. Elberfelder Übersetzung weiterhin lesen, obwohl darin angeblich ca. 30000 Wörter - diese Aussage ist auch noch mit zwei Ausrufezeichen hervorgehoben - weniger enthalten sind als in der Schlachterübersetzung?


Ich habe zuvor bereits geschrieben:
Zitat
Somit wage ich zu sagen, dass der textus receptus kein Mehrinhalt an biblischer Lehre enthält. Sollte dir oder einem anderen Leser wirklich etwas Wichtiges aufgefallen sein, würde ich mich über einen entsprechenden Hinweis sehr freuen.

Den ganzen Beitrag siehe: hier

Was mir aber überhaupt wichtig ist zu betonen, ist die Tatsache, dass die richtige biblische Belehrung nicht von einer Luther 1912, einer Schlachter 2000 oder die Rev. Elberfelder abhängt (Bibeln von Sekten werden gar nicht betrachtet), sondern von der Ehrfurcht vor Gott und das aufrichtige suchen in der Schrift. Das sollten wir nicht aus den Augen und aus dem Herzen verlieren.

José

Offline Roland

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Re: Grundtexte für Bibelübersetzungen
« Antwort #12 am: 12 August 2012, 17:56:52 »
Hallo Jose,

Zitat
Hier wird zwar zum Vergleich aufgerufen, aber zugleich Position bezogen. Wie soll man unvoreingenommen vergleichen, wenn eine Entscheidung und Empfehlung vorweg genommen wird, nämlich für auf den textus receptus aufbauende Übersetzungen?
Für mich ist dies kein Widerspruch. Ich denke, dass man durchaus zu einem Vergleich aufrufen und gleichzeitig seine Position darstellen kann.

Ich finde, dass die Webseite gut ist und wichtige Informationen bereitstellt.

Zitat
Kann ich nun mit gutem Gewissen die rev. Elberfelder Übersetzung weiterhin lesen, obwohl darin angeblich ca. 30000 Wörter - diese Aussage ist auch noch mit zwei Ausrufezeichen hervorgehoben - weniger enthalten sind als in der Schlachterübersetzung?
Auch wenn dies nur eine rhetorische Frage ist - ich finde sie dennoch wichtig? In dem Fall der rev. EÜ sollte man sich bewusst machen, dass man eine "Bibel light" in den Händen hält. Die Übersetzung ist zwar qualitativ gut - aber eben nicht vollständig.

Zitat
Was mir aber überhaupt wichtig ist zu betonen, ist die Tatsache, dass die richtige biblische Belehrung nicht von einer Luther 1912, einer Schlachter 2000 oder die Rev. Elberfelder abhängt (Bibeln von Sekten werden gar nicht betrachtet), sondern von der Ehrfurcht vor Gott und das aufrichtige suchen in der Schrift. Das sollten wir nicht aus den Augen und aus dem Herzen verlieren.
Hier kann ich Dir uneingeschränkt zustimmen. Entscheidend ist die Herzenshaltung des Lesers. Optimal ist es, wenn die Herzenshaltung stimmt und das gesamte Wort GOTTES gelesen wird.

Lass es mich einmal anders ausdrücken: Nestle-Aland hat für das Neue Testament 138020 Worte, der Text, den ich lese (Robinson-Pierpont 2005) hingegen 140155 Wörter, d.h. Nestle-Aland hat nur 98,5% an Textsubstanz und es fehlen 1,5 Prozent an Text, der mir jedoch sehr wichtig ist. Nicht einberechnet habe ich, dass Nestle-Aland den Markusschluss für falsch hält und ebenso die Perikope der Ehebrecherin. Das würde den Unterschied noch um einiges größer machen.

Die handwerkliche Übersetzungsarbeit der Rev. Elberfelder als einer wörtlichen Übersetzung schätze ich, wie bereits erwähnt, durchaus. Ich halte sie jedoch für nicht für das Vorlesen in den Gemeinden geeignet, da ich Nestle-Aland, deren Textgrundlage, für unvereinbar mit dem halte, was ich glaube. Wenn ich die Rev. Elberfelder verwenden würde, müsste ich ganze Verse nachtragen und korrigieren und ergänzen ohne Ende. Dies halte ich nicht für zielführend, auch wenn - wie gesagt - die Übersetzung selbst o.k. ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Nestle-Aland Grammatikfehler für richtig hält. Das sind keine bloßen Abweichungen der Standardgrammatik. Ein Beispiel: Offb 1,4, wo NA liest: "APO hO WN". EinBruder im HERRN hat Zugang zur gesamten elektronisch erfassten griechischen Literatur. Er hat diese per Computer komplett danach abgesucht, ob nach der Präposition APO ein Nominativ, wie NA liest, vorkommt. Die Antwort ist eindeutig nein. Warum soll ich eine unzureichend belegte Lesart, die zweifellos ein klarer Grammatikfehler ist, für echt halten? Das hat auch nichts damit zu tun, dass Johannes evtl. nicht sehr gebildet war. "APO hO WN" ist schlecht bezeugt und falsch, hat daher in einer Grundtextausgabe nicht zu suchen.

Shalom
Roland
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Jose

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Re: Grundtexte für Bibelübersetzungen
« Antwort #13 am: 12 August 2012, 20:56:10 »
Hallo Roland.
Vielen Dank für deine Antwort.

Ist in deinem Beitrag auch die Antwort hierzu enthalten:
 
Hier eine "Antwort auf die 300 angeblich falschen Übersetzungen in der Nestle-Aland Ausgabe gegenüber dem Textus Receptus (TR) von Ebertshäuser", aus dem Grundtexte-Forum: hier. Den in der Antwort erwähnten Artikel über den textus receptus befindet sich: hier.


Liebe Grüße,
José

Offline Jose

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Gibt es nur einen einzigen Textus Receptus?
« Antwort #14 am: 15 August 2012, 10:39:57 »
Zitat von: Roland
Ich kann mir nur wünschen, dass Bibelübersetzer den Mut haben, gegen den Mainstream zu schwimmen und den TR als Textgrundlage zu nehmen.

Den ganzen Beitrag siehe: hier


Ich möchte in diesem Zusammenhang, die Frage, die in diesem Artikel aus dem Grundtexte-Forum erwähnt wird, auch konkret stellen: Gibt es nur einen einzigen Textus Receptus?. Die Frage finde ich gerechtfertigt und sollte in Zusammenhang mit der Diskussion hier auch erwähnt werden.


Und welche Auswirkungen kann konkret diese Aussage auf der Internetseite http://www.bibelvergleich.at/ haben:
Zitat
Ich persönlich bevorzuge als Bibelübersetzung die Luther 1912, Schlachter 2000 & die NT Übersetzung vom Herbert Jantzen weil diese aus dem Textus-receptus bzw. aus der dem Mehrheitstext übersetzt worden sind.

Was ist der Mehrheitstext?
Wenn ich mir die Information in Wikipedia anschaue, dann scheint hier einiges an Spielraum möglich zu sein.

Zitat

Mehrheitstext und Textus receptus

Einige relativ junge Handschriften des Mehrheitstextes aus dem 12. Jahrhundert bildeten auch die Hauptgrundlage für die griechische Bibelausgabe von Erasmus von Rotterdam im Jahr 1516. Diese Ausgabe wurde im Jahr 1633 durch die Herausgeber des Neudruckes als Textus receptus bezeichnet. Der Textus receptus ist also nicht identisch mit dem Mehrheitstext, beruht jedoch auf der gleichen Tradition. Je nach Edition unterscheidet sich der Textus receptus vom Mehrheitstext in bis zu 2000 Lesarten.

Quelle: Mehrheitstext - Wikipedia


José