Autor Thema: Die Wiedererlangungslehre  (Gelesen 18508 mal)

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Offline Roland

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Re: Die Wiedererlangungslehre
« Antwort #15 am: 18 März 2012, 00:18:54 »
Hallo José,

Zitat
Mir scheint, der Grundtext von Nestle-Aland ist überhaupt nicht empfehlenswert.
Hier stimme ich Dir uneingeschränkt zu.

Von der Zeit der Reformation an bis zum Ende des 19. Jahrhunderts beruhten alle protestantischen Bibelübersetzungen
wie etwa die Luther-Bibel, die ursprüngliche Zürcher Bibel, die King-James-Bibel u. a. im Neuen Testament
auf ein und demselben griechischen Text, dem sogenannten „Textus Receptus“ (etwa: „der angenommene,
von allen akzeptierte Text“), der zuerst 1516 von dem Gelehrten Erasmus von Rotterdam herausgegeben worden
war. Dieser Text war von allen Reformatoren als von Gott gegeben und zuverlässig angenommen worden. Er
wurde aber auch von Millionen gläubigen Christen verschiedener Glaubensprägung einheitlich anerkannt. So war
der Textus Receptus des Neuen Testaments für alle Gläubigen über 350 Jahre lang die unbestrittene, verläßliche
Grundlage ihres Glaubens.

Beginnend mit dem 19. Jahrhundert jedoch gewann die Wissenschaft der "Textkritik" an Einfluß bei Kirchen und
Theologen. Sie erhob den Anspruch, durch Erforschung einzelner Handschriften und Vermutungen einen „besseren“,
dem Original näheren Grundtext zu konstruieren. Dabei stützten sie sich auf einige sehr alte Handschriften
(abgekürzt HSS), die an zahlreichen Stellen vom überlieferten Text der Reformation abwichen. Einige der bekanntesten
Textkritiker des 19. Jahrhunderts sind Constantin von Tischendorf, Brooke Foss Westcott und Fenton John
Anthony Hort. Dem Textus Receptus wurden textkritische Ausgaben des griechischen NT entgegengestellt, die
zahlreiche Streichungen und Veränderungen des jahrhundertelang überlieferten Bibeltextes enthielten. Dabei gewann
im Laufe der Zeit die Ausgabe des deutschen Textkritikers Eberhard Nestle immer größere Bedeutung, die
von Erwin Nestle und dann Kurt Aland weitergeführt wurde. Heute ist die "Nestle-Aland"-Ausgabe des griechischen
NT (abgekürzt NA) der Standardtext für Theologen und Bibelgesellschaften.

Schritt für Schritt drangen die von der Textkritik verursachten Veränderungen des überlieferten Textes auch in die
Bibelausgaben ein. Mit dem Erscheinen der English Revised Version von 1881, die die Authorized Version ("King-James-Bibel") von 1611 ersetzen sollte, wurde zum ersten Mal ein von der Textkritik zusammengestellter kritischer
Grundtext des NT für eine große Bibelübersetzung zugrundegelegt. Diese Revision stieß jedoch bei den englischsprachigen Gläubigen auf wenig Anerkennung. Bis heute hat die King-James-Bibel im englischen Sprachraum eine besondere Stellung und wird von vielen bibeltreuen Gläubigen geschätzt und beibehalten.

Die Lutherbibel beruhte vor 1912 noch vollständig auf dem Textus Receptus. 1912 wurden nur einige wenige Stellen
verändert. Der eigentliche Einbruch der Textkritik erfolgte erst mit der Revision von 1956. Seitdem folgt die Lutherbibel
weitgehend dem neuen Standard des textkritischen "Nestle-Aland"-Textes. Die Schlachterbibel (1905)
folgte überwiegend dem Textus Receptus und bewahrte ihn insbesondere an den geistlich wichtigen Stellen. Mit
einigen Einschränkungen kann das auch von der alten Elberfelder Übersetzung (1855) gesagt werden. Die neueren
Bibelübersetzungen, wie etwa die Luther-Revisionen von 1956, 1972 und 1984, die Zürcher Bibel von 1931,
die Übersetzung von Hermann Menge, die Gute Nachricht, die katholische Ökumenische Einheitsübersetzung,
Hoffnung für alle oder auch die revidierte Elberfelder Bibel, richten sich fast völlig nach Nestle-Aland.

Zitat
Hat man dazu gelernt?
Ich fürchte nein.

Zitat
Es handelt sich hier ja auch nicht wirklich um den Grundtext
Ja, völlig richtig. Aber es gibt viele Christen, die dies anders sehen.

Shalom
Roland

Quelle: Ebertshäuser, Rudolf: Der überlieferte Text des Neuen Testaments und die heutigen Bibelübersetzungen, 3. Aufl., Leonberg 2005
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Esther

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Re: Die Wiedererlangungslehre
« Antwort #16 am: 20 April 2015, 16:17:19 »
Ich habe mehrere Bibelübersetzungen: Menge, Bruns, Elberfelder, Konkordantes NT, Luther, Schlachter, Neue Welt Übersetzung der Zeugen Jehovas und auch die Wiedererlangungsübersetzung. Die Wiedererlangungsübersetzung finde ich am genauesten, am allerbesten und sehr reich. Warum wohl?  Das kann man in der Einleitungserklärung von Witness Lee finden. Diese Übersetzung zieht andere maßgebliche Übersetzungen mit ein zum Vergleich, versucht die beste Ausdrucksweise und Genauigkeit darzulegen. Es kommt nicht nur auf ein angemessenes Beherrschen der griechischen Sprache, sonders auf ein richtiges Verständnis der göttlichen Offenbarung im Wort Gottes an. Diese Übersetzung gründet sich auf das Verständnis der Offenbarung der Gläubigen , dass heißt. auf das Licht, dass sie empfingen und dieses Verständnis ist ständig vorangeschritten. Die Vollendung dieses Verständnisses bildet die Basis dieser Übersetzung mit ihren begleitenden Fußnoten. Daher kann man diese Übersetzung die "Kristallisation des Verständnisses der göttlichen Offenbarung" genannt werden, welche die Heiligen in den letzten 2000Jahren überall auf der Welt erreicht haben.
Um die Bibel richtig zu verstehen, muss der Herr den Verstand öffnen,(Lukas 24:45) weil die Bibel eine Einheit ist. Sonst kommen die merkwürtigsten Ideen heraus und das Ergebnis ist: die Christen trennen sich, Spaltung über Spaltung, Sekten, Irrlehre usw.

Offline Jose

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Re: Die Wiedererlangungslehre
« Antwort #17 am: 21 April 2015, 18:14:23 »
Hallo Esther,
schön, dass du im Forum schreibst.

Du hast ja eine Menge Bibelübersetzungen. Hast du dich auch mit den Irrlehren beschäftigt? ZJ benötigen z.B. ihr NWÜ, damit sie ihre falschen Lehren belegen können.

Hast du dich auch mit den falschen Lehren der Anhänger der Wiedererlangungslehre beschäftigt? Ich kann mir vorstellen, dass falsche Erkenntnisse und falsches Verständnis auch in der Übersetzung eingeflossen sind.

Zitat
Es kommt nicht nur auf ein angemessenes Beherrschen der griechischen Sprache, sonders auf ein richtiges Verständnis der göttlichen Offenbarung im Wort Gottes an.

Wenn eine Richtung von sich behauptet, das richtige Verständnis zu haben, betrachte ich das immer mit großer Vorsicht. Das würde ja bedeuten, dass alle anderen kein richtiges Verständnis der göttlichen Offenbarung im Wort Gottes gehabt haben

Zitat
Um die Bibel richtig zu verstehen, muss der Herr den Verstand öffnen,(Lukas 24:45) weil die Bibel eine Einheit ist. Sonst kommen die merkwürtigsten Ideen heraus und das Ergebnis ist: die Christen trennen sich, Spaltung über Spaltung, Sekten, Irrlehre usw.

Das ist durchaus wahr, dass ohne Gottes Hilfe es kein klares Verständnis Seines Wortes geben kann. Aber die Spaltungen haben nicht nur mit dem Verständnis des Wortes zu tun, sondern vielmehr mit der erforderlichen und oftmals fehlenden Demut, dem Wort Gottes Gehorsam zu sein. Spaltungen gab es, als Jesus unterwegs war und lehrte und auch als die Apostel lehrten.

Gottes Segen,
José

Offline Esther

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Re: Die Wiedererlangungslehre
« Antwort #18 am: 27 April 2015, 11:29:11 »
Hallo Jose,                                                                                                                                                                                        ich spreche immer mal wieder mit Zeugen Jehovas, weil ich ihre Lehre etwas kenne und hoffe sehr, jemanden zu finden, der nicht völlig festgefahren ist und für den die Hoffnung besteht,  die dämonischen Lehren fallen zu lassen. Mir wird es manchmal schlecht, wenn ich die Fälschungen entdecke. So werden die betrogen. Bis jetzt war niemand bereit, ein anderes Verständnis anzunehmen. Ich habe diese Bibel auch nur, weil ich sehen will, was sie lesen.
Bei der Wiedererlangungsübersetzung ist es anders. Ich empfange da viel Licht und Hilfe und vergleiche die Worte mit anderen Übersetzungen. Von den drei genauesten Übersetzungen Konkordante Wiedergabe, Elberfelder von 1985 und Menge ist die Wiedererlangungsübersetzung die beste. Mit den Lehren der Wiedererlangung habe ich mich auch auseinandergesetzt und kann bis jetzt nichts falsches finden.
Gottes reichen Segen auch für dich.
Esther

Offline Esther

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Re: Die Wiedererlangungslehre
« Antwort #19 am: 28 April 2015, 11:13:30 »
Hallo Jose,
ich will dir mal einige Bibelverse geben, damit du selbst siehst, dass die WEÜ Gottes Wort nicht verfälscht, sondern klarer macht.
Johannes 1:14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben Seine Herrlichkeit angeschaut......                    Die Elberfelder Ü. schreibt :  wohnte,  die Luther B. schreibt:  wohnte, die anderen auch, außer dem Konkordanten NT. Es schreibt:  Das Wort ward Fleisch und "zeltete" unter uns........... Die WEÜ schreibt:   stiftshüttete unter uns.....Diese Begriffe kennen wir vom AT, wo Mose die Stiftshütte, das Zelt Gottes aufrichtete nach dem Muster, das er auf dem Berge sah. Bevor die Stiftshütte aufgerichtet wurde, wohnte Gott nur im Himmel. Durch die Stiftshütte hatte Er sich eine bewegliche Wohnung auf der Erde geschaffen. Die Schekina Herrlichkeit war da usw. Du kennst die Geschichte.
Jetzt wird dieser Begriff "stiftshüttete oder zeltete" auf die Fleischwerdung der Wortes Gottes, das Christus ist bezogen. Das macht deutlich, dass Jesus Christus die Erfüllung des AT Bildes von der materiellen Stiftshütte ist und auch des Tempels ist. Die Stiftshütte war vor dem Tempel.  Schon diese  Betonung, Erwähnung im NT ist fantastisch. Erst Joh. 1:14 dann Joh. 2:19-21.  In Joh. 2:19-21 sagt der Herr: ....Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich Ihn aufrichten. Dann sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und Du willst ihn  in drei Tagen aufrichten?  Er sprach aber über den Tempel Seines Leibes. Kol.2:9  denn in Ihm (Christus) wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Jesus Christus ist somit die Wirklichkeit der Stiftshütte und die Wirklichkeit des Tempel, Gottes befestigte Wohnung.   Deswegen ist die WEÜ in diesem Punkt an genauesten.
Johannes 1:18 Niemand hat Gott jemals gesehen; der in des Vaters Schoß ist, der hat (ihn) kundgemacht.  Elberf.Ü. + Luther. Menge schreibt:  der an des Vaters Brust liegt. KonkordantesNT. schreibt: der an des Vaters Busen ist. WEÜ: der in der Brust des Vaters ist.  Dies ist am klarsten. Der Herr sagt doch: Ich bin im Vater und der Vater ist in mir.Joh. 14:10.  Dies zeigt die enge Beziehung des Sohnes zum Vater. Er hat alles was der Vater wollte, ist, usw. zum Ausdruck gebracht und getan. Johannes hatte auch eine enge Beziehung zum Herrn. Aber er konnte sich nur an die Brust des Herrn legen. Das ist ein guter Platz. Den sollten wir auch suchen um alles zu hören, was Er zu sagen hat.
Noch eine bedeutende und wichtige Stelle.
Offenbarung 1:1  Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss, und indem er sie durch seinen Engel sandte, hat er sie seinem Knechte Johannes kundgetan. Elberf. Ü. + Luther + Konk.NT.  Menge schreibt:    Offenbarung Jesu Christi...........hat er durch die Sendung seines Engels seinem Knechte Johannes durch Zeichen kundgetan. Neue Welt Ü. ............ in Zeichen seinem Sklaven Johannes dar.  WEÜ  Die Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gegeben hat, um Seinen Sklaven zu zeigen, was schnell geschehen muss; und Er hat es durch Zeichen kundgetan, indem Er es durch Seinen Engel zu Seinem Sklaven Johannes sandte.
Die meisten Übersetzungen lassen den Zusatz:     durch Zeichen weg. Das ist aber sehr schlecht und es ergibt sich dadurch ein anderes Verständnis. Die erwähnten Dinge in der Offenbarung sind fast alles Dinge mit einer geistlichen Bedeutung, sie sind nicht materiell. z.B. der Leuchter, Babylon die Große, das Neue Jerusalem usw. Weil dieser Zusatz fehlt, glauben die meisten Christen, dass es eine himmlische Villa gibt, in der wir mal sein werden. Der Herr braucht die 2000Jahre um sie zu bauen und wenn Er wiederkommt, bringt Er uns dahinein.  Das ist eine Irrlehre. Das NJ ist die Vollendung des Planes, des Willen Gottes. 

Gottes Segen für dich
Esther

Offline Jose

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Re: Die Wiedererlangungslehre
« Antwort #20 am: 28 April 2015, 18:29:08 »
Hallo Esther,
danke für deine Beispiele zur Genauigkeit der Wiedererlangungs-Übersetzung. Ich habe parallel, in einem Bereich den Roland später eingerichtet hat, ein Thema unter tendenziöse Bibelübersetzungen angelegt. Dazu zähle ich auch die Wiedererlangungs-Übersetzung.

Das ist natürlich negativ und ich weiß, dass du es nicht so siehst, aber ich möchte mich gerne mit dir und anderen weiterhin darüber austauschen.

Gottes Segen wünsche ich dir,
José

Offline inchristus

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Re: Die Wiedererlangungslehre
« Antwort #21 am: 28 April 2015, 19:06:39 »
Hallo Esther,
für mein Bibelstudium würde mich mal interessieren, wie die WEÜ 2The2,2-1 sowie Heb10,25 übersetzt. Dabei geht es mir speziell um das Wort "episynagoge" strong 1997, welches wohl nur zweimal im NT vorkommen soll, eben in diesen beiden genannten Versen.

Liebe Grüße
Astrid
« Letzte Änderung: 28 April 2015, 19:08:23 von inchristus »
Denn wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen von dem HERRN; wer mich aber verfehlt, tut seiner Seele Gewalt an; alle, die mich hassen, lieben den Tod! Spr 8,35.36

Offline Jose

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Re: Die Wiedererlangungslehre
« Antwort #22 am: 29 April 2015, 00:10:57 »
Hallo Esther,
es ist gut, dass du es so schreibst:

Zitat
Hallo Jose,
ich will dir mal einige Bibelverse geben, damit du selbst siehst, dass die WEÜ Gottes Wort nicht verfälscht, sondern klarer macht.

Vielleicht habe ich mich nicht richtig ausgedrückt, aber mein Anliegen ist nicht, zu behaupten, dass Gottes Wort verfälscht wird, sondern dass alternative Übersetzungsmöglichkeiten zu sehr im Einklang mit dem eigenen Verständnis erfolgen.

Ich gebe Roland Recht, der bereits vor längerer Zeit geschrieben hat:
Ich denke, dass es keine Bibelübersetzung gibt, die völlig "neutral" ist, d. h. es wird immer wieder Lehre in den übersetzten Text hineininterpretiert.
Die Summe solcher Fälle macht dann m.E. das eigentliche tendenziöse aus.


Was ich aber hier noch erneut erwähnen möchte, ist dass die Irrlehren von Witness Lee doch beachtet werden müssen, siehe hier. Vielleicht hat sich schon jemand mit diesen Lehren beschäftigt.

Gottes Segen,
José
« Letzte Änderung: 29 April 2015, 23:25:15 von Jose »

Offline Jose

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Die Wiedererlangungslehre (2. Kor. 5,20)
« Antwort #23 am: 30 April 2015, 00:29:55 »
Ein anderes Verständnis, welches ich falsch finde, ist das Verständnis zu 2. Kor. 5,20, als ob es sich hier um einen Aufruf an Gläubige handeln würde. So meinte jemand, der sehr überzeugt von der WEÜ war, dass 2. Kor. 5,20 keine Aufforderung an Ungläubige war, sich mit Gott versöhnen zu lassen, sondern an die Gläubigen.

Ich füge hier einen Teil der Erläuterung zu 2. Kor. 5,20 ein (Quelle):
Zitat
In the preceding verse it was the world that was reconciled to God; in this verse it is the believers, who have already been reconciled to God and are to be reconciled further to God. This clearly indicates that two steps are required for men to be fully reconciled to God.

Das kann ich so nicht sehen und wiederspricht m.E. auch dem allgemeinen Verständnis der Bibelstelle: "So sind wir nun Gesandte an Christi statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!" 2.Kor 5,20. Ich verstehe es so, dass alle Gotteskinder Botschafter an Christi statt sind und aufgerufen sind, die Botschaft in die Welt hineinzutragen: „Lasst euch versöhnen mit Gott“. Gott wirkt an den Herzen, aber die Menschen müssen das Heil annehmen und sich mit Gott versöhnen lassen.

Diese Umdeutung von 2. Kor. 5,20 und, wie bereits erwähnt, die Umdeutung von Apg. 26, 27.28, ruft in mir die Frage auf, ob im Verständnis der Anhänger der Wiedererlangungslehre sich „calvinistisches“ Gedankengut befindet hinsichtlich der Errettung und des Ausharrens im Glauben.

Die eigene Auslegung von Apg. 26, 27.28 durch die WEÜ sagt im Grunde aus, dass Agrippa gar nicht so tief angesprochen war und dass es nicht in seiner Hand lag, das Heil anzunehmen.

Für diejenigen, welche die WEÜ lesen, ist es sicherlich hilfreich, noch andere Übersetzungen regelmäßig zu gebrauchen aber auch darauf zu achten, ob Konflikte mit der eigenen Lehre entstehen.

Gottes Segen,
José

Nachtrag am 01/05/2015:
Teil der Erklärung eingefügt mit Quellenangabe.
« Letzte Änderung: 01 Mai 2015, 16:44:20 von Jose »

Offline Jose

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Die Wiedererlangungslehre (1. Joh. 3,15)
« Antwort #24 am: 30 April 2015, 21:56:58 »
In der WEÜ habe ich in 1. Joh. 3, im 15. Vers das Wort bleibend nicht gefunden. Hat es auch mit dem verwendeten Grundtext zu tun oder mit der eigenen Lehre? Wie steht es in Nestle-Aland Ausgabe 28: hier.

Die Erklärung dazu fand ich alarmierend (Quelle):
Zitat
A believer who has eternal life but does not abide in the Lord and let the Lord, who is the eternal life, abide and work in him might hate a brother and commit other sins occasionally. But this would not be habitual.
Mit meinen Englischkenntnissen verstehe ich es so, dass ein geretteter, in dem ewiges Leben ist, wenn er nicht immer im Verbindung mit dem Herrn bleibt, auch mal gelegentlich den Bruder hassen oder andere Sünden begehen kann, aber das sei nicht ein bleibender Zustand.

Habe ich es richtig verstanden und besteht Grund zur Annahme, dass Witness Lee die Lehre der Unverlierbarkeit des Heils (UdH) gelehrt hat?

Gottes Segen,
José

Nachtrag am 01/05/2015:
Teil der Erklärung eingefügt mit Quellenangabe.
« Letzte Änderung: 01 Mai 2015, 16:52:22 von Jose »

Offline Esther

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Re: Die Wiedererlangungslehre
« Antwort #25 am: 01 Mai 2015, 16:04:10 »
Hallo inchristus,
ich gebe dir mal die Verse von       2.Thess. 2:1-2                                                                                                                           Wir bitten euch nun, Brüder, was das Kommen unseres Herrn Jesus Christus und unser Versammeltwerden zu Ihm betrifft,
dass ihr euch nicht so schnell in eurem Verstand erschüttern lasst, weder durch einen Geist, noch durch ein Wort noch durch einen Brief, als käme er von uns, mit der Behauptung, dass der Tag des Herrn gekommen sei.
Hebräer 10:25
indem wir unser eigenes Zusammenkommen nicht verlassen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermahnen; und dies umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht.
Wie gefällt dir die Ausdrucksweise? Es geht wohl um das Wort Versammeltwerden.
Gottes Segen wünsche ich dir.
Esther

Offline Esther

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Re: Die Wiedererlangungslehre
« Antwort #26 am: 01 Mai 2015, 17:25:19 »
Hallo Jose,
auf Seite 1335 in der WEÜ steht:     Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder, und ihr wisst, dass kein Mörder ewiges Leben  bleibend  in sich hat.
Eigentlich gibt es gar keine Wiedererlangslehre, sondern eine Wiedererlangung. Die Wiedererlangung begann eigentlich mit Martin Luther. Er bekam das Licht über die Rechtfertigung durch den Glauben. In jedem Jahrhundert hat Gott Menschen gehabt, denen Er wichtige Dinge zeigte. Eines nach dem anderen. Das Licht wurde immer heller. Der Heilige Geist und die Bibel sind immer eine Einheit.
Wiedererlangung bedeutet, es war mal etwas da und es ging verloren.  Durch die Wiedererlangung werden die Wahrheiten und die Erfahrungen von Christus in mir wieder zurückgewonnen. Witness Lee hat immer gesagt, er steht auf den Schultern derjenigen, die vor ihm waren und wir werden auf seinen Schultern stehen. Deswegen gibt es auch die Hinweise auf andere Geschwister. Die Wiedererlangung hat den ganzen Reichtum des Wortes zusammengefasst und der Herr geht ständig weiter.
Kurz gesagt, die Wiedererlangung ist keine Bewegung sondern das gegenwärtige Vorangehen Gottes. Christus ist der Ursprung der Wiedererlangung.
Die Bibelstelle 2.Korinther 5:19+20
Im vorhergehenden Vers war es die Welt, die mit Gott versöhnt wurde; in diesem Vers sind es die Gläubigen, die bereits mit Gott versöhnt worden sind und noch weiter mit Gott versöhnt werden müssen. Dies weist eindeutig darauf hin, dass zwei Schritte erforderlich sind, damit Menschen völlig mit Gott versöhnt sein können. Der erste Schritt besteht darin, Sünder von der Sünde wegzubringen und mit Gott zu versöhnen. Zu diesem Zweck starb Christus für unsere Sünden.(1.Kor 15:3) damit sie von Gott vergeben werden können. Dies ist der objektive Aspekt des Todes Christi. In diesem Aspekt trug Er unsere Sünden ans Kreuz, damit sie von Gott für uns gerichtet würden. Der zweite Schritt besteht darin, die Gläubigen, die ein natürliches Leben führen vom Fleisch wegzubringen und mit Gott zu versöhnen. Zu diesem Zweck starb Christus für uns-die Personen- damit wir Ihm im Auferstehungsleben leben können(VV.14-15) Dies ist der subjektive Aspekt des Todes Christi. In diesem Aspekt wurde Er für uns zur Sünde gemacht, um von Gott gerichtet und weggetan zu werden, damit wir in Ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden. Durch diese beiden Aspekte Seines Todes hat Er Gottes auserwähltes Volk völlig mit Gott versöhnt. Diese beiden Schritte der Versöhnung werden durch die beiden Vorhänge der Stiftshütte dargestellt. Ein Sünder, der aufgrund der Versöhnung durch das sühnende Blut zu Gott gebracht worden war, ging in das Heiligtum hinein, indem er durch den ersten Vorhang ging(2.Mose26:37) Dies versinnbildlicht den ersten Schritt der Versöhnung. Der zweite Vorhang(2.Mose26:31-35,  Hebr. 9:3) trennte ihn immer noch von Gott, der im Allerheiligsten war. Dieser Vorhang musste zerrissen werden, damit der Sünder zu Gott in das Allerheiligste gebracht werden konnte. Dies ist der zweite Schritt der Versöhnung. Die Gläubigen in Korinth waren mit Gott versöhnt worden, indem sie durch den ersten Vorhang hindurchgegangen und ins Heiligtum eingetreten waren. Doch sie lebten immer noch im Fleisch. Um ins Allerheiligste zu gehen und mit Gott in ihrem Geist zu leben(1.Kor. 6:17) mussten sie durch den zweiten Vorhang hindurchgehen, der bereits zerrissen worden war(Mt.27:51; Heb.10:20) Das Ziel dieses Briefes war es, sie dorthin zu bringen, damit sie Menschen im Geist(1.Kor.2:15), Menschen im Allerheiligsten seien. Dies meinte der Apostel als er sagte: "Lasst euch mit Gott versöhnen" So stellte er sie gereift  in Christus dar(Kol. 1:28)
Lobe den Herrn!
Es grüßt
Esther

Offline Jose

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Re: Die Wiedererlangungslehre (1. Joh. 3,15)
« Antwort #27 am: 01 Mai 2015, 18:05:02 »
Hallo Esther,
und danke für die Korrektur:

Zitat von: Esther
auf Seite 1335 in der WEÜ steht:     Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder, und ihr wisst, dass kein Mörder ewiges Leben  bleibend  in sich hat.
Das Wort bleibend = abiding ist also in der Übersetzung. Hatte ich vorher zwar gelesen, aber dann doch nicht richtig verstanden.

Wie verstehst du aber in dem Zusammenhang die Erklärung dazu von Witness Lee? Kann ein Gotteskind den Bruder hassen und so das ewige Leben verlieren?

Ich habe das Thema hier „Die Wiedererlangungslehre“ genannt, weil es von Witness Lee Lehren gibt die als Erklärungen in der Wiedererlangungsübersetzung enthalten sind.

Gottes Segen,
José

Offline inchristus

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Re: Die Wiedererlangungslehre
« Antwort #28 am: 01 Mai 2015, 18:36:08 »
Liebe Esther,

es mag dir jetzt bestimmt nicht gefallen...

In dem was du schreibst, erkennt man schon, dass du von den vielen Bibelübersetzungen, die du hast, dich eigentlich von der WEÜ prägen lässt in deinem geistlichen Verständnis und dir von W. Lees unzähligen Fußnoten das Wort so erklären lässt, wie es zu verstehen ist und damit fließt seine Lehre mit ein. 'Witness Lee hat die Fussnoten, basierend auf seinem Studium der Bibel über mehr als 50 Jahren und der ausgezeichnetsten christlichen Schriften aller Jahrhunderte, geschrieben.' Quelle: http://www.biblesforeurope.org/de/fragen-und-antworten-2

Du zitierst ja auch gern W. Lee. In dem Forum wurden einige Irrlehren von Herrn Lee erwähnt. Gibt dir das denn nicht zu denken? Oder stimmst du mit seinen Lehren überein? http://www.hauszellengemeinde.de/portal/index.php?topic=1163.msg6952#msg6952

Viele Übersetzungen zu haben für das eigene Bibelstudium, ist wunderbar. Aber ich meine zu erkennen, dass du dich von der WEÜ lehren lässt.

Wenn du SEINEN Geist hast, liebe Esther, dann lass' dich doch bitte von IHM in die Schrift leiten gemäß 1Joh2,27; damit du in IHM bleibst!

Liebe Grüße
Astrid
« Letzte Änderung: 01 Mai 2015, 19:12:48 von inchristus »
Denn wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen von dem HERRN; wer mich aber verfehlt, tut seiner Seele Gewalt an; alle, die mich hassen, lieben den Tod! Spr 8,35.36

Offline Jose

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Re: Die Wiedererlangungslehre (2. Kor. 5,20)
« Antwort #29 am: 01 Mai 2015, 18:43:35 »
Hallo Esther und danke auch für diese Erklärung:

Zitat von: Esther
Die Gläubigen in Korinth waren mit Gott versöhnt worden, indem sie durch den ersten Vorhang hindurchgegangen und ins Heiligtum eingetreten waren. Doch sie lebten immer noch im Fleisch. Um ins Allerheiligste zu gehen und mit Gott in ihrem Geist zu leben(1.Kor. 6:17) mussten sie durch den zweiten Vorhang hindurchgehen, der bereits zerrissen worden war(Mt.27:51; Heb.10:20) Das Ziel dieses Briefes war es, sie dorthin zu bringen, damit sie Menschen im Geist(1.Kor.2:15), Menschen im Allerheiligsten seien. Dies meinte der Apostel als er sagte: "Lasst euch mit Gott versöhnen" So stellte er sie gereift  in Christus dar(Kol. 1:28)

Viele Christen leben so, dass man den Eindruck haben könnte, sie stehen kaum in Gemeinschaft mit Gott, also kaum in das „Allerheiligste“ eindringen. Hier muss sich aber sicherlich jeder selbst prüfen. Nicht nachvollziehen kann ich hier aber die Verwendung von 2. Kor. 5,20. Das hat doch mit „Lasst euch versöhnen mit Gott“ nichts zu tun, sondern es geht doch um das wandeln im Geist, wachsen im Glauben und in der Heiligung.

Waren die Gläubigen in Korinth erst durch den „ersten Vorhang“ hindurchgegangen?
Paulus schreibt im 1. Korintherbrief: "Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus: In ihm seid ihr in allem reich gemacht worden, in allem Wort und aller Erkenntnis, wie denn das Zeugnis des Christus unter euch gefestigt worden ist" 1.Kor 1,4-6.

Im neuen Bund haben wir als Gotteskinder freien Zugang zum Gnadenthron.
Jedes Gotteskind hat von diesem Recht Gebrauch gemacht. Wir haben zwar alle noch viel zu Lernen, aber als Gotteskinder sind wir versöhnt mit Gott, denn wir lesen auch: "Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir im Glauben auch Zugang erhalten haben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns aufgrund der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes" Röm 5,1-2.

In den „Erklärungen zur Bibel (Elberfelderübersetzung) © 2004 R. Brockhaus Verlag Wuppertal“ steht zu 2. Kor. 5,20:

Jesus mußte durch seinen Tod nicht den zornigen Gott versöhnen, sondern Gott versöhnte durch Christus die Menschen, die ihn ablehnten und seine Feinde waren, mit sich selbst. Gott hat seinen Sohn hingegeben, weil er die Menschen liebt und mit ihnen in Gemeinschaft und Frieden leben will. Durch den Kreuzestod Jesu für die Sünden aller Menschen hat Gott selbst die Versöhnung vollbracht und zugleich Menschen beauftragt, diese Versöhnung als gute Nachricht für alle Menschen zu verkündigen (als Gesandte zu wirken). Er bittet sie durch seine Gesandten, die vollbrachte Versöhnung für sich anzunehmen, damit sie in ihrem Leben wirksam wird. Gott hat die tödliche Macht unserer Sünde auf Jesus geladen, der selbst ohne Sünde war, damit die, die an ihn glauben, zu neuen Menschen werden, die durch Gott und vor ihm gerecht sind (V. 21).

Das ist auch mein Verständnis.

Gottes Segen,
José