Autor Thema: Des Teufels Dialektik  (Gelesen 2285 mal)

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Andreas

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Des Teufels Dialektik
« am: 21 Juli 2010, 00:35:07 »
Des Teufels Dialektik

Andreas Lerch 2010
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Es existiert etwas, das ich „des Teufels Dialektik“ nenne. Der Satan bringt die Menschen mit Vorliebe dazu, sich in zwei entgegengesetzte, verfeindete Lager zu organisieren. Sehr leicht erkennbar ist dies im Fall von Kriegen, während derer Völker zum Hass auf das jeweils andere Volk angestachelt werden. Aber nicht nur in Kriegen zeigt sich weltweit die immer wieder auftretende Zwei-Lager-Struktur in Gesellschaften. Eine sehr prägende politische Zwei-Lager-Struktur des 20. Jahrhunderts, die in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts fast die gesamte Weltbevölkerung unter Zugzwang setzte, sich zu einem der beiden Lager zu bekennen, war der Gegensatz Marxismus-Kapitalismus. Aber auch im Bereich der Religionen zeigen sich ähnliche Zwei-Lager-Strukturen, so z.B. zwischen Hindus und Moslems. Und ja, leider auch unter deren, die sich nach Jesus Christus nennen, herrscht des Teufels Dialektik vor. Sehr alt schon ist der Gegensatz zwischen oströmischer und weströmischer Kirche, d.h. zwischen Orthodoxen und Katholiken. Eine im Westen ungeheuer einflussreiche Lagerbildung war diejenige zwischen Protestanten und Katholiken. Innerhalb des Protestantismus gingen die Spaltungen weiter und es bildeten sich die Lager der Liberalen und der Evangelikalen. Und im 20 Jahrhundert spaltete sich der Evangelikalismus wiederum in die entgegengesetzten Lager der konservativen Evangelikalen und der Pfingstler/Charismatiker.

Lagersysteme solcher Art sind zunächst einmal geprägt vom Hass der Mitglieder eines Lagers auf das jeweilig andere Lager. Dieser Hass ist auch identitätsbildend: „Wir“ sind „wir“ und „die“ sind „die“. Und „wir“ gehören zusammen schon deshalb, weil wir ganz bestimmt nicht zu „denen“ gehören. Und wir sind gut, weil wir so ganz anders sind als „die“.

Für den Teufel ist neben dem freigesetzten Hass gerade diese identitätsstiftende Kraft von Zwei-Lager-Systemen von größtem Interesse. Denn wenig kann Menschen so sehr von der Erkenntnis der Wahrheit abhalten, als mit Verstand und Gefühl, mit dem Herzen in einem Zwei-Lager-System festzusitzen, bei dem beide Lager Lügen anhängen. Und der Teufel bildet immer Zwei-Lager-Systeme, bei denen er beide Seiten kontrolliert. Beide Seiten bekämpfen sich, greifen die jeweils andere Seite an und kritisieren sie. Dabei ist die Kritik an der anderen Seite meistens berechtigt und Angriffspunkte sind auch leicht zu finden, da schließlich beide Seiten vielfach Lügen anhängen. Doch die Kritik kommt von „denen“, und was von „denen“ kommt, wird im anderen Lager nicht angenommen. Im Gegenteil, es entwickelt sich schnell zu einem Test der Loyalität innerhalb eines Lagers, an den eigenen Glaubenssätzen festzuhalten und sie zu verteidigen, entgegen der Kritik der anderen Seite. Auch und gerade wenn sie berechtigt ist. Kommen nun in jemandem, der zu einem Lager in einem solchen Zwei-Lager-System gehört, leise Zweifel bezüglich eines der Glaubenssätze und Praktiken, die das eigene Lager vertritt, auf und er lässt diese Zweifel in sich zu und äußert sie sogar laut, so wird er schnell als Verräter gebrandmarkt. Im anhaltenden Fall wird er verstoßen werden – und möglicher Weise alle Freunde, den Beruf, den Ehepartner, auf jeden Fall aber die emotionale Heimat verlieren. Und deshalb unterdrücken die meisten solche Zweifel, wenn sie in ihnen aufsteigen. Außerdem sind die anderen schlecht, wir sehen ja ihre Fehler und Verbrechen! Und schließlich glauben das alle anderen in unserem Lager der Guten auch. Da kann es ja nicht falsch sein.

Und so sind sie gefangen.

Manchmal werden bei einem, der zu einem Lager in einem Zwei-Lager-System gehört, die Zweifel so laut, dass er sie nicht mehr unterdrücken kann. Er fühlt sich unglücklich und allein. Vorsichtig beginnt er, die Kritik des anderen Lagers wahrzunnehmen: Die haben ja Recht! Warum habe ich das Übel in unserem Lager nie so gesehen? Er liest immer mehr, hört sich immer mehr an und fasst am Ende einen Entschluss: Ich bin betrogen und getäuscht worden! Es ist ja erschreckend, wie verlogen unser Lager ist! Die ganze Zeit waren „wir“ die Bösen und „die“ die Guten! Ich werde ins andere Lager gehen und mich ihnen anschließen. Und wie es immer ist in Zwei-Lager-Systemen, wird er als Überläufer im anderen Lager mit offenen Armen empfangen. Er wird gefeiert , findet Beachtung und schnell neue Freunde. Immer und immer wieder wird er gefragt und darf er erzählen, wie schlimm es im anderen Lager ist. Nur eins darf er nicht: Die Lügen im Lager seiner neuen Heimat ansprechen. Täte er das, so verlöre er seine neuen Freunde alle wieder und würde als Störenfried verstoßen. So lernt er wegzuschauen, seiner neuen Heimat loyal zu sein und sie aggressiv gegen das andere Lager zu verteidigen. Er weiß schließlich wie übel das andere Lager ist. Und außerdem: Wo sollte er sonst hin?

Und so bleibt er gefangen.


« Letzte Änderung: 24 Juli 2010, 00:20:16 von Andreas »

Ted

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Re: Des Teufels Dialektik
« Antwort #1 am: 21 Juli 2010, 00:52:03 »
Gut durchschaut. Aus diesem Grunde bin ich auch in keinem der weltlichen Lager mehr. Ich habe die Fehlerhaftigkeit dieser menschlichen Konstrukte gesehen und habe mich davon distanziert. Um zum Leib Christi zu gehören bedarf es keiner Zugehörigkeit zu weltlichen Organisationen und auch keiner Unterschrift. Das einzig Irrtumslose in der grossen weiten "christlichen" Landschaft ist die Bibel, das Wort Gottes. Dass ich damit viele "Freunde" verloren habe ist selbstverständlich, das hat der Herr Jesus Christus an vielen Stellen vorhergesagt. Könnte es sein, dass ich mit meinem "Kirchen"austritt aus dem im vorigen Beitrag geschilderten Teufelskreis ausgebrochen bin?

Andreas

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Re: Des Teufels Dialektik
« Antwort #2 am: 21 Juli 2010, 17:50:14 »
Könnte es sein, dass ich mit meinem "Kirchen"austritt aus dem im vorigen Beitrag geschilderten Teufelskreis ausgebrochen bin?

Das war mit Sicherheit ein wichtiger Schritt dazu, Ted! Natürlich hat man damit noch nicht automatisch alles „Lagerdenken“ überwunden, ich musste mich seitdem auch noch selbst oft überprüfen, wo ich noch in Gedanken und Gefühlen an einem der Lager festhänge, wo ich z.B. einfach noch viele Bibelinterpretationen eines der Lager akzeptiere, ohne sie jemals wirklich intensiv überprüft zu haben. Es ist eine große Herausforderung, diesem Teufelskreis wirklich ganz zu entfliehen, es braucht eine große Liebe zur Wahrheit.

Ted

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Re: Des Teufels Dialektik
« Antwort #3 am: 22 Juli 2010, 00:20:46 »
Hallo Andreas,

da ich nicht wirklich in einem dieser [christlichen] Lager war, ich war eben nur von Geburt an in der evLK eingetragen und vielmehr über weltliche Irrwege [Esoterik, New Age] gegangen bin, bis ich zum Herrn Jesus Christus finden durfte, habe ich diesbezüglich auch keine tieferen Bindungen an eines dieser Lager. Ich habe durch Predigten und Lesen der Bibel zur Wahrheit [Jesus Christus] gefunden, und so habe ich praktisch von Anfang an einzig die Bibel zum Massstab für mein Glaubensleben gehabt. Wohl bin ich eine zeitlang in christlichen Kreisen der evLK gelaufen, doch die Widersprüche [zur Bibel] in grundsätzlichen Fragen wie insbesondere die Taufe (warum eigentlich Fragen? die Bibel spricht doch eine klare Sprache) trieben mich auch daraus weg. So erkannte ich eines Tages, dass ich im Sinne der Bibel nicht getauft war, Jesus dies doch aber will, also liess ich mich taufen - aufgrund meines Glaubens und meines Bibelverständnisses. Und ich habe erfahren, dass die Taufe nicht etwa nur ein "Gehorsamsschritt" ist, sondern vielmehr ein ungeheures Segensgeschenk Jesu an mich.

So weit so gut.

Was mich an Deinem Eingangsbeitrag so angesprochen und zu einem Kommentar gereizt hat, ist Deine Ausführung über die Wirkungsweise des teufels, Parteiungen zu bilden. Das ist mir vor Jahren schon deutlich geworden in der ebenfalls von Dir angesprochenen Dialektik Kommunismus/Kapitalismus. Anscheinend gegensätzlich, wird doch aber beides von den Freimaurern/Illuminaten gesteuert, wobei diese beiden "Lager", gegeneinander gehetzt, einem übergeordneten Plan dienen. So auch z.B. Amsel Rothschild, der im 1. Weltkrieg kräftig Profit machte, indem er die gegnerischen Lager mit Kriegsausrüstung belieferte. Das ist bis heute noch so. Der Plan steht, nur die Namen ändern sich...

Der Plan, das ist Unordnung, Chaos, Abhängigkeit, Unterwerfung, Gebundenheit, Tod. Das ist der Plan dessen, von dem Jesus sagt, er sei der Mörder von Anfang an, der die Menschen gefangen in Sünde hält.

Es gibt nur einen Weg aus dieser Gebundenheit herauszukommen an das Licht der Wahrheit, zum Leben, und das ist Jesus Christus. Jesus Christus ist gekommen, um die Werke satan's zunichte zu machen und Gebundene, Sünder selig zu machen.