Autor Thema: Der Kurswechsel der Evangelischen Allianz  (Gelesen 1925 mal)

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Offline Roland

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Der Kurswechsel der Evangelischen Allianz
« am: 17 Dezember 2009, 00:46:23 »
In dem Interview wurde der frühere Allianzvorsitzende
Peter Strauch auch mit der Frage konfrontiert,
ob ein katholischer Bischof zur Allianz gehören könnte. Der
Allianzvorsitzende hält dies von Seiten des Bischofs her zwar für
unwahrscheinlich, spricht aber von keinerlei Vorbehalten seitens
der Allianz gegenüber dem Bischofsposten. Die Allianz würde
demnach also sogar katholische Kirchenführer mit offenen Armen
aufnehmen, wenn diese nur wollten. Bereits in einem Interview mit
der Zeitschrift "Aufatmen" hatte Peter Strauch für Offenheit gegenüber
dem Katholizismus plädiert und erklärt, die Evangelische
Allianz sei seit ihrer Gründung 1846 stets ökumenisch ausgerichtet
gewesen und man habe sich schon damals nicht gegen katholische
Christen gewandt.
Das stimmt jedoch nicht. Hans Hauzenberger
schreibt über die Anfangszeit der Allianz:
"Von allem Anfang an sahen die meisten tonangebenden Leute
in der Allianz eine Aufgabe in der Bekämpfung der römisch-katholischen
Kirche und des Anglo-Katholizismus … Der Kampf
gegen den Katholizismus wurde aber ins Programm der Allianz
aufgenommen … Aber auch aus theologischen Gründen sah
man sich durch den Katholizismus herausgefordert, der als der
"große Feind des Christentums" verstanden wird."
Peter Strauch behauptet in einem Idea-Interview: "Die Evangelische
Allianz ist theologisch weder liberaler geworden, noch hat sie sich
ihren Grundlagen in irgendeiner Weise entfernt."
Dabei müsste Strauch nur zu gut wissen, dass das Gegenteil der Fall ist, denn
abgesehen von der Öffnung gegenüber dem Katholizismus war er
selbst maßgeblich an einem bedeutenden Kurswechsel der Allianz
beteiligt: an der Kasseler Erklärung von 1996, dem Schulterschluss
zwischen Allianz einerseits und Pfingstlern und Charismatikern
anderseits. Während die Evangelische Allianz bis in die 1990er
Jahre eine klare ablehnende Überzeugung gegen charismatische
Sonderlehren hatte, begann sie 1996 gemeinsame Sache mit Charismatikern
zu machen, z. B. in der gemeinsamen Veranstaltung
des "Jesus-Tages", der bis dahin "Marsch für Jesus" hieß und den
Hintergrund charismatischer "geistlicher Kriegsführung" hatte.
Peter Strauch drückte im Januar 2000 in einem Interview mit der
pfingstlerischen Zeitschrift "Wort und Geist" seinen postmodernen
Pluralismus aus:
"Deshalb bin ich überzeugt, dass bei der Aufnahme "typischer
charismatischer Elemente" ein Defizit gefüllt wird, das gefüllt
werden muss, wenn wir als Christen ganzheitlich leben wollen."
Diese neue Einheit der Allianz mit Charismatikern und Pfingstlern
seit 1996 war ein Meilenstein im Einheitsprozess und offenbar
ein Vorreiter für die Öffnung gegenüber dem Katholizismus, denn
seitdem verhält sich die Allianz auch immer einladender gegenüber
Katholiken. Die Integration der charismatischen Bewegung,
vorangetrieben u.a. durch die "Impulstour", bereitet den Weg zum
Katholizismus. Denn die charismatische Bewegung ist mit ihrem
Mystizismus und ihrer Betonung sinnlicher Erfahrungen zu Lasten
gesunder biblischer Lehre das Bindeglied schlechthin zwischen
Evangelikalen und katholischer Kirche. Beim Umdenkprozess
Toleranz - Relativierung der Wahrheit - Postmodernismus - Humanismus
- Ökumene - freimaurerische Welteinheit wirkt die charismatische
Bewegung wie ein zündender Katalysator. Es war ein
taktisch sehr kluger Schachzug der Einheitsverfechter, vor der Vereinigung
von Evangelikalen und Katholiken zuerst eine ungestörte
Einheit zwischen Evangelikalen und Charismatikern einzurichten.

Selbstverpflichtung zur Toleranz
Wer heute die politisch korrekte Allianz-Gesinnung vertritt, darf
aber nichts mehr gegen Charismatiker, Katholiken und ihre Lehrauffassungen
sagen. Die Allianz möchte, dass alle sich "zur Förderung
der Einheit unter den Christen" verpflichten und verteilt auf
der Einheits-Impulstour eine entsprechende Verpflichtung an alle
Besucher. Darin heißt es u.a.:
"Weil die Vielfalt des Leibes Christi den Reichtum der Gaben
Gottes widerspiegelt, werde ich auch anderen Traditionen und
Frömmigkeitsstilen respektvoll begegnen …
Weil ich das gleichgültige Nichtbeachten und Herabsetzen
anderer Christen als Sünde erkenne, werde ich mich nicht daran
beteiligen, sondern sie achten, wertschätzen und in Konfl iktfällen
möglichst das Gespräch mit ihnen suchen."
Diese Verpfl ichtung spiegelt keine biblische Haltung, sondern
die neue Toleranz des Postmodernismus wider. Es ist zwar
Auslegungssache, was unter "Nichtbeachten und Herabsetzen" verstanden
wird, aber in der Praxis wird dadurch letztlich auch berechtigtes
und notwendiges Aufdecken von Falsch- und Irrlehren als
"Sünde" deklariert. Wo die Bibel uns zum Ermahnen, Korrigieren,
Warnen und Absondern auffordert, wo sie warnt: "Ein wenig
Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig" (Gal 5,9; 1Kor 5,6) und
damit den Einfluss von tolerierter Unmoral und falscher Lehre
verhindert, dort urteilt diese Selbstverpflichtung: "Sünde!"
Gottfried Meskemper schrieb in einem Leserbrief an Idea über
die Selbstverpflichtung:
"Die "Verpflichtungs-Erklärung" sollte man besser "Maulkorb"
nennen … Die Erklärung beinhaltet kein Bibelwort, keine Position,
keinen Gebetsaufruf; sie ist profillos … Das hat alles nichts
mit Gottes Wort und unserem missionarischen Auftrag zu tun,
die Verlorenen zu retten … Da ist von Traditionen, Frömmigkeitsstilen,
Wertschätzung, Gaben und Fähigkeiten die Rede,
aber nicht von einer Warnung vor Sekten, falscher Theologie
oder evangelikaler Spaßgesellschaft."
Dass berechtigte Kritik tatsächlich als verwerfliches "Nichtbeachten
und Herabsetzen" beurteilt und dadurch ausgeschaltet
wird, sei durch ein Beispiel belegt: Das beliebte Internet-Forum
"Jesus.de" des Bundes-Verlages (Witten) filtert über eine "schwarze
Liste" bestimmte Beiträge von Teilnehmern heraus. Wenn ein
Forum-Teilnehmer auf eine andere Internetseite verweisen will
und dazu einen so genannten "Link" schreibt, wird dieser Link
anhand dieser "schwarzen Liste" überprüft und gelöscht, wenn
er auf apologetische, aufklärende Artikel hinweist. Somit wird
der Hinweis den anderen Forumsteilnehmern vorenthalten. Zu
den herausgefilterten Internetseiten gehört auch die des Betanien
Verlags. Die Moderatoren begründeten dies auf Nachfrage mit der
pauschalen Aussage, dass die Artikel auf der Betanien-Internetseite
"nicht hilfreich" seien und dort Charismatiker und Katholiken
"verunglimpft" würden. Besonders stieß man sich daran, dass
in einem Betanien-Artikel in Frage gestellt wurde, ob der Papst
wiedergeboren sei. Diese Aussage kann bei "Jesus.de" schlecht
geduldet werden, da der Bundes-Verlag auch einen überzeugten
Katholiken als Forum-Moderator engagiert hat.
Der Impulstour-Selbstverpflichtung zufolge sollen die Sonderlehren
der einzelnen Denominationen nicht korrigiert werden,
sondern man soll sie als Ausdruck des "Reichtums der Gaben Gottes"
betrachten. Ebenso verglich Peter Strauch in seinem Hauptvortrag
der Impulstour die vielfältigen Glieder des Leibes Christi
mit den vielfältigen verschiedenen Kirchen. Das geht jedoch weit
an der biblischen Wahrheit vorbei. Die Vielfalt am wahren Leib
Christi besteht nicht in den vielfältigen unbiblischen Lehren und
Traditionen, sondern in den vielfältigen einzelnen Gläubigen und
ihren geistlichen Gaben.
Nach Allianz-Ansicht sollen die "vielfältigen" Denominationen
und Gruppierungen auch mit ihren jeweiligen Falschlehren
bestehen bleiben, Hauptsache, sie vereinen sich auf einer höheren
Einheits-Instanz auf Grundlage eines Minimalkonsenses. Weitergehende
lehrmäßige Abweichungen werden einem fragwürdigen
"Dialog" oder einfach der neuen Toleranz anbefohlen. Im Gegensatz
zu den Reformatoren, die entschieden für die ganze Wahrheit
der Bibel eintraten und sich um jeden Preis von Irrlehre distanzierten,
kämpft die Allianz nicht zuerst für die biblische Wahrheit,
sondern setzt die Priorität auf Einheit.
Oft wird die Auffassung, verschiedene Lehren und Denominationen
seien eine wünschenswerte "Vielfalt in der Einheit", mit
dem "Bunte-Blumenwiese-Modell" zu rechtfertigen versucht: Die
Denominationen seien wie verschiedene bunte Blumen auf einer
Wiese, die diese besonders schön mache, und daher sei die Vielfalt
der Konfessionen durchaus Gottes Wille.
Dieses "Bunte-Blumenwiese-Modell" und seine Konsequenz
kam auf der Impulstour in einem Sketch mit Eva-Maria Admiral
und Eric Wehrlin zum Ausdruck: Die vereinten Christen wurden
scherzhaft "Freiluthbaptanglokathogelen" genannt. Auch wenn das
nicht ernst gemeint war, vermittelt es doch einen Grundgedanken
des Allianz-Modells: Alle Denominationen haben ihre Existenzberechtigung,
und anstatt diese aufzugeben und sich schlicht und
einfach "Christen" zu nennen, muss - um allen gerecht zu werden
- ein Monstrum an Wortkonstruktion erfunden werden - obwohl
doch allein der biblische Name "Christen" ausreichen würde.
Genau wie der "Freiluthbaptanglokatholizismus" wäre eine Einheit
nach Allianz-Verständnis ein Monstrum, in dem Christus gar nicht
vorkommt, aber der Katholizismus gutheißend integriert ist.
Das "Bunte-Blumenwiese-Modell" ist das Gemeinde- und Einheitsverständnis
der Allianz. Sie sieht verschiedene Denominationen
als Reichtum und Unterschiede, die man "feiern" soll, wie Rudolf
Westerheide, Referent der Allianz, es in Aufatmen schrieb.
Der Katholizismus kann in diesem Modell nichts anderes sein als
eine weitere willkommene Blume auf der Wiese. Das ist kein Glaube
an die eine Wahrheit Gottes, sondern postmoderner Pluralismus.
Hans-Werner Deppe

Auszug aus: Erich Brüning / Hans-Werner Deppe / Lothar Gassmann:
PROJEKT EINHEIT. ROM, ÖKUMENE UND DIE EVANGELIKALEN,
Oerlinghausen 2004, 142 Seiten, 6,50 Euro
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

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Re: Der Kurswechsel der Evangelischen Allianz
« Antwort #1 am: 03 November 2010, 00:47:20 »
Die Allianz hat natürlich das Problem, das sehr unterschiedlichen Kirchen, Gemeinschaften, Werke, Gesellschaften und Einrichtungen unter einen Hut wollen. Und daß z.B. die EKD keine mit der DEA verbundene Kirche ist, aber auf der Ortsebene kräftig mitmischt. Und obwohl offiziell an den Erklärungen (Sola scriptura, Allein durch Gnade, Irrtumslosigkeit der Schrift usw.) festgehalten wird, befindet sie sich gerade an diesen Punkten in verlustreichen Rückzugsgefechten, so daß m.M.n. die fast letzte Bastion erreicht ist.
Denn der Einfluß der liberalen Theologie kann in diesem riesigen Geflecht kaum aufgehalten werden, geschweige denn können regelmäßig alle verbundenen Werke auf ihre noch vorhandene Bibeltreue überprüft werden. Das führt dann eben dazu, daß man sich gemeinsam mit den Muslimen Gedanken über die Religionsfreiheit in Deutschland macht, die Einflüsse der Emerging Church völlig unterschätzt oder die katholischen Irrlehren nicht mehr als solche gebrandmarkt werden.
Insofern sollten wir für Einsicht und Weisheit bei den Verantwortlichen beten, daß diese Einflüsse zurückgedrängt werden.
Oder daß sich die DEA von solchen Vereinen distanziert. Aber ich befürchte, daß der Dammbruch nicht mehr aufgehalten werden kann und sich der Sauerteig der falsch verstandenen Toleranz am Ende durchsetzt.
Jesus spricht: "Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen!"