Autor Thema: Schwerer Rückschlag für "Erweckung" in Florida  (Gelesen 1872 mal)

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Offline Roland

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Schwerer Rückschlag für "Erweckung" in Florida
« am: 14 August 2008, 22:06:50 »



L a k e l a n d (idea) – Einen schweren Rückschlag hat die spektakuläre Erweckung in Lakeland (US-Bundesstaat Florida) erlitten. Nach rund vier Monaten muss der kanadische Evangelist Todd Bentley seinen Heilungs- und Predigtdienst aus persönlichen Gründen einstellen. Am 12. August gab seine Organisation „Fresh Fire Ministries“ (Missionswerk Frisches Feuer) bekannt, dass Bentleys Ehe mit seiner Ehefrau Shonnah in einer tiefen Krise steckt.
Das Paar hat die Trennung offiziell an seinem Wohnort in Abbotsford (Provinz British Columbia/Kanada) eingereicht; nach kanadischem Familienrecht ist eine neunmonatige Trennungszeit die Vorstufe zur Scheidung. Nach Angaben des Missionswerks sind die Belastungen durch die Auftritte des 32-jährigen Predigers vor bis zu 30.000 Gästen pro Woche in Lakeland nicht die Ursache für die Ehekrise, sie hätten aber existierende Probleme verstärkt. Bentley äußert sich nicht gegenüber Medien zu den Entwicklungen. Das Paar, das sich einer Eheberatung unterziehen will, hat zwei Töchter und einen Sohn. Die Erweckungsversammlungen in Lakeland sollen von Verantwortlichen der dortigen Ignited Church (Entbrannte Kirche), weitergeführt werden, so Hauptpastor Stephen Strader.

Totenauferweckungen nicht bestätigt
Die Erweckung mit Bentley hatte am 2. April begonnen und schnell Tausende angezogen. Etwa die Hälfte der Besucher kam von außerhalb Floridas, rund ein Drittel aus dem Ausland. Ferner verfolgten Hunderttausende weltweit die Übertragungen im Internet und im Fernsehkanal God TV. Der Sender bezifferte die Zahl der Zuschauer auf bis zu 200.000 pro Woche. Bentleys eigene Homepage zählte monatlich etwa acht Millionen Besucher. Der tätowierte und gepiercte Prediger erregte vor allem durch spektakuläre Heilungen Aufsehen. Unter anderem bläst er Menschen an oder berührt sie; einige fallen um, andere geraten in Zuckungen oder Verzückung. Obwohl angeblich Tausende Kranke aufgrund von Bentleys Wirken gesund geworden sein sollen, fand der Fernsehsender ABC (New York) keinen medizinisch überprüften Fall. Außerdem sollen laut Mitteilungen per E-Mail und Telefon außerhalb von Lakeland rund zwei Dutzend Tote auferweckt worden sein. Auch dafür gibt es, so das US-Magazin Christianity Today (Christenheit heute), keine Bestätigungen. Bentley, ein Fan von Catcher-Auftritten, soll auf der Bühne Menschen getreten und geschlagen haben, um sie zu heilen.

Kritiker werfen ihm vor, nur selten eine Bibel zur Hand zu nehmen und über Jesus Christus zu predigen. Er berufe sich oft auf einen Engel namens Emma.

Wunder kein Beweis für Erneuerung
Bentley ist auch in der charismatischen und pfingstkirchlichen Bewegung umstritten. Eine der größten Pfingstkirchen in den USA, die Assemblies of God (Versammlungen Gottes), erhielt so viele kritische Anfragen, dass sie Richtlinien zur Beurteilung von Erweckungen veröffentlichte. Darin schreibt Generalsuperintendent George O. Wood (Springfield): „Wunder sind nie ein Beweis für eine echte Erneuerung – die Treue zum Wort Gottes ist vielmehr der Test.“ Weiter meint er: „Jesus selbst sagte, dass viele in seinem Namen Wunder tun und sogar Dämonen austreiben werden, aber er kennt sie nicht.“ 

Geistliche Unreife
Scharf geht der Chefredakteur der Zeitschrift Charisma, J. Lee Grady (Lake Mary/Florida), mit den Begleiterscheinungen der Lakeland-Erweckung ins Gericht. Bentley habe es an Glaubwürdigkeit und seinen Fans an der Gabe der Unterscheidung der Geister gemangelt, schreibt er in einem Kommentar. Viele Christen seien geistlich „hungrig“ und würden dann „alles essen“, so Grady. „Viele von uns schauen sich lieber eine lautstarke Demonstration von Wundern an, statt in der Stille die Bibel zu studieren.“ Dies sei ein Zeichen geistlicher Unreife. Grady kritisiert auch, dass führende Evangelikale der USA unter Leitung des Gemeindewachstumsexperten Peter C. Wagner (Colorado Springs/Bundesstaat Colorado), Bentley am23. Juni öffentlich ordiniert hätten. Besser wäre es gewesen, so Grady, mit Bentley in einem Hinterzimmer über seine persönlichen Probleme zu sprechen.

Auftritte in England verschoben
Bentleys Auftritte in Lakeland haben auch in Europa Aufmerksamkeit erregt. Für September geplante Veranstaltungen in Birmingham (Mittelengland) wurden inzwischen auf unbestimmte Zeit verschoben. Er habe auch eine Einladung nach Deutschland, erklärte Bentley in einem Interview mit der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung (GGE) in der EKD. Im Gespräch mit Pfarrer Andreas Zwölfer (Ansbach), dem Vorsitzenden der GGE-Nordbayern, erklärte er, die Ereignisse von Lakeland dem entsprächen dem, was man in der Apostelgeschichte und in den Evangelien lese: „Hier wird nicht nur über das Reich Gottes gesprochen, es ist in Vollmacht da.“

Kopfermann: Keine Irrlehre
Pastor Wolfram Kopfermann (Hamburg), Gründer und Leiter der evangelikal-charismatischen Anskar-Kirche und ein führender Theologe der charismatischen Bewegung in Deutschland, war im Mai in Lakeland. Gegenüber idea beurteilte er die dortige Erweckung im Grundsatz positiv. Allerdings warnte er vor zu starker Emotionalität. Das Psychische dürfe das Geistliche nicht überlagern. Die Grenze zur Irrlehre sei in Lakeland aber nicht überschritten.

Kurzlebige Erweckungen
Nordamerika hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrere spektakuläre, wenngleich kurzlebige Erweckungen erlebt. In Florida bekannten ab 1995 in einer Pfingstgemeinde von Brownsville nahe Pensacola Gottesdienstbesucher ihre Sünden und erneuerten durch Buße und Seelsorge ihr Leben. Mehr als drei Millionen Christen - vor allem aus den USA, aber auch aus Übersee - informierten sich vor Ort über das Phänomen. Zehn Jahre später war die Gemeinde gespalten, auf 400 Mitglieder geschrumpft, und kämpfte um ihr Überleben. Mit ähnlichen Erscheinungen wie in Lakeland – Umfallen, Zittern, unkontrolliertem Lachen und Schreien von Zuschauern – breitete sich ab 1994 der sogenannte Toronto-Segen von der kanadischen Gemeinde Toronto Airport Christian Fellowship (Christliche Gemeinschaft am Flughafen Toronto) weltweit aus. Die als „Manifestationen des Heiligen Geistes“ bezeichneten Wirkungen zeigten sich auch in charismatischen und pfingstkirchlichen Gemeinden in Deutschland und der Schweiz. Nach wenigen Jahren ebbte die Bewegung jedoch ab.

Quelle: idea
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!