Autor Thema: Religionsunterricht  (Gelesen 1530 mal)

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Religionsunterricht
« am: 26 Dezember 2006, 21:19:13 »
Wo finde ich etwas über Babylon und Babylioner

Offline Roland

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Re: Religionsunterricht
« Antwort #1 am: 02 Januar 2007, 00:10:34 »

Babylon

    1. Name und Geschichte

    2. Die Stadt unter Nebukadnezar II.

    3. Die Tempel und der Babylonische Turm

    Vgl. die Nebenkarte »Babylon« auf Karte 3
   
1. Die bisher älteste Erwähnung von B. enthält ein Jahresname der Dynastie von Akkade (ð Babylonien: I) um 2290 v. Chr.. Der Name wurde von den Babyloniern schon damals als Bab-ilim »Gottespforte« verstanden, was aber eine Volksetymologie sein dürfte; Babilla (so oft vor 2000 geschrieben) ist ein vorsemitischer Name (I. Gelb, Or 25, 1956, 105). Gen 11, 9 deutet die hebr. Namensform Babel nach hebr. balal als »Verwirrung«. Andere Namensformen sind griech. Babylôn, altpers. Babirus. B. war vor 1900 v. Chr. ein unbedeutender Ort und wurde erst durch ð Hammurapi Landeshauptstadt. Über den Umfang und die wichtigsten Bauten B.s im 2. Jt. konnten die deutschen Ausgrabungen unter R. Koldewey (1899-1917) wegen ungünstiger Bedingungen fast nichts mehr ermitteln. Mit nur kurzen Unterbrechungen blieb B. die Hauptstadt des Landes bzw. später der Provinz Babylonien bis zur Zeit Alexanders d. Gr., der B. zur Reichshauptstadt machen wollte. Erst mit der Gründung von Seleucia durch Seleukos I. begann der Verfall, der unter der Partherherrschaft rasch fortschritt. Kleinere Siedlungen zwischen den Ruinen, z. T. von Christen und Juden bewohnt, bestanden noch bis zu der um 1000 n. Chr. erfolgten Gründung der unmittelbar südlich benachbarten Stadt Hille. Einer der Ruinenhügel heißt noch heute Babil. Zugleich Landesname wurde B. erst unter den Persern, im AT entsprechend in nachexilischer Zeit. Für Juden und Christen wurde B. später der Inbegriff entarteten Götzendienstes und wird im NT in Apk 17 ff. zum Decknamen für Rom bzw. die Stadt des ð Antichrist (: I).
   
2. Die Ausgrabungen (: II) haben uns in der Hauptsache mit der Glanzzeit B.s unter Nebukadnezar II. (Nbk.) und seinen Nachfolgern bekannt gemacht. Die Fläche des von der mindestens 15 km langen äußeren Stadtmauer umschlossenen Gebietes ist nicht mehr genau bestimmbar; mit 12 qkm oder mehr dürfte sie etwa der Roms in der Kaiserzeit entsprochen haben. Bebaut war natürlich nur ein Teil dieses Gebietes. Die Einwohnerzahl (kaum unter 100000) ist daher schwer abzuschätzen. Das erst von Nbk. zur Stadt geschlagene Gebiet zwischen der von ihm angelegten dreifachen Außenmauer (3 bzw. 8 bzw 7 m stark; Höhe unbekannt) und der inneren Mauer ist größtenteils noch nicht ausgegraben. In der Nordecke lag am Euphrat ein großer Palast des Königs von noch unbekannten Ausmaßen (heute Hügel Babil, s. Karte 3 B 5 [»1« = Burg]). Die meist zweifache innere Ummauerung wurde nach der völligen Zerstörung B.s durch Sanherib 689 von Asarhaddon nach 681 z. T. auf alten Fundamenten wieder aufgebaut und in der Folgezeit verstärkt. Er gibt als Länge die runde Zahl von 14400 Ellen (ca. 7300 m) an; nach der Ausgrabung ist sie etwa 8100 m lang und umschließt ein Rechteck von fast 4 qkm, das der Euphrat durchfloß. Eine 6 m breite Brücke verband beide Stadtteile. Die Altstadt mit den meisten Monumentalbauten lag am Ostufer. An ihrem Nordrand lag der Palast (heute Kasr) mit dem alten Südteil, der sog. Südburg, innerhalb des Innenmauerringes, während die erst von Nbk. erbauten neuen Teile (Hauptbau und Nordbau) außerhalb der Mauer daran anschlossen. Vollständig ausgegraben wurde nur der gewaltige, fünfteilige Südbau (Fläche über 4 ha) mit dem glasurziegelgeschmückten Thronsaal und in der Nordostecke einer Terrassenanlage auf 14 Gewölbebögen, vermutlich den »hängenden Gärten der Semiramis« der Griechen. Die Paläste lagen an der Westseite der großen Prozessionsstraße, die vom Marduktempel (s. Karte 3 B 5 [»3«]) zum Ischtartor führte. Dieses z. T. noch 12 m hoch anstehende Prachttor war über und über mit farbigen Ziegelreliefs (Löwen, Drachen usw.) geschmückt. Die anderen Stadttore sind nicht ausgegraben. Von der Wohnstadt wurden nur einige Häuserblocks aufgedeckt (Hügel Merkes) sowie ein griechisches Theater.
   
3. Die Zahl der Tempel im B. Nbk.s ist unbekannt. Die kleineren lagen in verschiedenen Stadtteilen; vier von ihnen wurden freigelegt, die Ninurta und den Göttinnen Ninmach, Gula und Ischtar von Akkade (Merkes) geweiht waren. Der Tempelbezirk des Stadtgottes Marduk ist besonders stark zerstört und nicht vollständig ausgegraben; mit 20-30 ha Fläche übertraf er alle anderen Tempelanlagen Babyloniens bei weitem. Im Mittelpunkt des Südteils lag der Tieftempel Esa(n)gila mit dem Gottesbild, nördlich anschließend der weitaus größere heilige Bezirk von Etemenanki (s. Karte 3 B 5 [»2«]) mit dem Hochtempel. Während Esa(n)gila schon 50 Jahre vor Hammurapi erstmalig erwähnt ist, wird Etemenanki zuerst 680 von Asarhaddon genannt, der den Wiederaufbau des Turms (Zikkurrat) »wie früher« berichtet. Wann er zuerst errichtet wurde, verrät keine Inschrift; doch ist nach Analogie der Hochtempel anderer Städte ein höheres Alter zu vermuten. Die Erzählung vom Turm zu Babel in Gen 11, 1-9 zeigt wohl, daß ein älterer Bauplan nicht zu Ende geführt werden konnte, so daß zur Zeit des ð Jahwisten um 900 der Bau schon länger unvollendet dalag. Vielleicht war er damals schon viel größer als alle anderen Hochtempel-Stufenterrassen geplant, was als Überheblichkeit ausgelegt wurde. Das von Asarhaddon angegebene Grundflächenmaß von 180×180 Ellen wurde durch die Ausgrabung bestätigt (91,50 m Seitenlänge); vollendet hat den Bau erst Nbk. Herodot bzw. seine Gewährsleute kannten den Tempel um 460 herum noch in gutem Zustand; wenig später dürfte der Verfall begonnen haben. Heute ist so wenig erhalten, daß die Grabung nur den Grundriß der untersten Stufe mit der dreiteiligen Freitreppenanlage ermitteln konnte. Für eine Rekonstruktion sind Herodots Angaben wichtig, vor allem aber eine keilschriftliche Beschreibung von Esa(n)gila und Etemenanki mit vielen Maßangaben, die freilich vieles nicht sagt und anderes nur recht unklar. Die (nur von den 3 größten Pyramiden Ägyptens übertroffene) Gesamthöhe entsprach danach der Seitenlänge. Gut 3/4 dieser Höhe entfiel auf die 5 Kolossalstufen der Terrasse, davon 33,60 m auf die unterste. Der Hochtempel mit dem Außenmaß 24,50×22,95 m enthielt außer der bildlosen Zella für Marduk mit einem großen Bett für die Gottesbraut und einem überdachten Hof noch 6 Kulträume für 7 weitere Götter. Ein Treppenhaus führte in das Obergeschoß (6 m hoch), das 7. des ganzen Baus, das nur einen Wach- (und Beobachtungs-?)raum enthielt. Herodots Beschreibung weicht hiervon mehrfach ab; statt 7 Stufen nennt sie 8. Die modernen Rekonstruktionszeichnungen sind demgemäß in wichtigen Einzelheiten noch recht verschieden. Die Erzählung in Gen 11 hat seit dem Mittelalter viele Maler zu phantastischen Turmbaubildern angeregt.

Shalom
Roland

[Quelle:  RGG Bd. 1, S. 808 ff.]
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!