Autor Thema: Transplantation  (Gelesen 619 mal)

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Offline Jose

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Transplantation
« am: 23 Juli 2016, 22:16:33 »
Ein Bruder in Christo bat mich dieses Thema im Forum einzustellen. Er steht vor der Entscheidung einer Hornhauttransplantation zuzustimmen oder nicht. Dabei ist es ihm ein ernstes Anliegen zu erfahren, was die Bibel dazu sagt.

Es geht dabei natürlich auch um die Frage, ob die angewandten Todeskriterien haltbar sind und der Spender wirklich tot ist. Auch die Frage, ob nach Feststellung des Hirntodes der Organismus künstlich am Leben erhalten werden darf, um die Organentnahme bzw. die Entnahme von Körperteilen zu ermöglichen, ist eine sehr kritische Frage.

Ich stelle dieses Thema unter "Schwierige Bibelstellen", denn es werden Bibelstellen herangezogen, aber sind sie zutreffend oder willkürlich ausgelegt? Ist z.B. das Wort: "Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?" 1.Kor 6,19 eine Aussage, dass niemand aus seinem Leib etwas spenden bzw. empfangen darf? Wenn ja, dann dürften auch Knochenmarktransplantationen oder eine Nierenspende nicht sein.

Vielleicht wird jemand gedrängt sich hierzu zu äußern.

Offline Jose

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Die Bibel zur Organspende
« Antwort #1 am: 24 Juli 2016, 13:22:45 »
Achtung: Links entfernt da erwähnte Website nicht zu empfehlen! Siehe Hinweis von Roland

Als Beitrag zur Diskussion: Auf der Website „Bibelverstehen“, befindet sich auch eine Ausarbeitung zum Thema: „Die Bibel zur Organspende“. Dort wird Organspende abgelehnt und begründet.

Es gibt sicherlich viele Themen, die nicht in Klartext in der Bibel behandelt sind. Aus dem Gesamtzusammenhang der biblischen Lehre lässt sich aber vieles verstehen und einordnen. Wie ist nun die Frage bezüglich Organspende zu beantworten, und zwar aus der Sicht des Spenders wie aber auch des Empfängers?
« Letzte Änderung: 26 Juli 2016, 18:08:51 von Jose »

Offline Roland

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Re: Transplantation
« Antwort #2 am: 24 Juli 2016, 17:43:36 »
Ich sehe die Webseite "Bibelverstehen" sehr kritisch, da dort katholischer Mystizismus und Esoterik verbreitet wird. Ein Beispiel: Achtsamkeitsübungen

Was versteht man unter Achtsamkeit?

Zitat
Achtsamkeit (engl. mindfulness) kann als Form der Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit einem besonderen Wahrnehmungs- und Bewusstseins­zustand verstanden werden, als spezielle Persönlichkeitseigenschaft sowie als Methode zur Verminderung von Leiden (im weitesten Sinne). Historisch betrachtet ist „Achtsamkeit“ vor allem in der buddhistischen Lehre und Meditations­praxis zu finden. Im westlichen Kulturkreis ist das Üben von „Achtsamkeit“ insbesondere durch den Einsatz im Rahmen verschiedener Psychotherapie­methoden bekannt geworden ...
Achtsamkeit (Pali: sati, Sanskrit: sm?ti) liegt als aufmerksamkeitsbezogene Haltung den meditativen Praktiken aller buddhistischer Traditionen zu Grunde.[19] Sati beschreibt die Qualität des Geistes sich an etwas zu erinnern, etwas im Geist zu behalten, wobei samma sati, oder rechte Achtsamkeit, sich ganz bestimmter Dinge erinnert bzw. im Geist behält. Die Unterscheidung von anderen Arten der Achtsamkeit liegt in der Beifügung von "rechte" oder "richtige" Achtsamkeit. Richtig oder passend für das Erlangen des Zieles der Befreiung von Leiden und Stress. Auch wenn heute vielerlei an Achtsamkeitsübungen unter der Bezeichnung "Buddhismus" geübt und gelehrt werden, sind viele davon nicht wirklich im Einklang mit dem buddhistischen Pfad.[20][21]

Zwei Lehrreden des Buddha, das Anapanasati Sutta (über die Achtsamkeit beim Atmen) und vor allem das Satipatthana Sutta (über die Grundlagen der Achtsamkeit; inhaltsgleich Mah?satipatth?na Sutta) in der Majjhima Nikaya der Suttapitaka, beschreiben die Achtsamkeit und ihre Praxis. Die "vier Grundlagen der Achtsamkeit" sind nach dem Satipatthana Sutta

    die Achtsamkeit auf den Körper
    die Achtsamkeit auf die Gefühle/Empfindungen (Bewertung als wohl, weh oder weder-wohl-noch-weh)
    die Achtsamkeit auf den Geist (dessen aktueller Zustand bzw. Veränderungen des Zustands, z. B. abgelenkt, konzentriert, verwirrt)
    die Achtsamkeit auf die Geistesobjekte (d.h. alle äußeren und inneren Objekte/Dinge, die im Moment wahrgenommen werden).[22]

Die Achtsamkeitsmeditation wird im Buddhismus auch als Vipassana bezeichnet. Sie kann abgegrenzt werden von der konzentrativen Meditation (Samatha), welche die Grundlage der Achtsamkeitsmeditation darstellt.

Achtsamkeit ist das 7. Glied des Edlen Achtfachen Pfades, der erste Punkt der Sieben Faktoren des Erwachens sowie die dritte Fähigkeit der insgesamt Fünf Fähigkeiten: Vertrauen, Energie, Achtsamkeit, Sammlung, Weisheit.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Achtsamkeit

Daher würde ich von den Ausarbeitungen auf dieser Homepage Abstand nehmen.
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Offline Jose

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Re: Transplantation
« Antwort #3 am: 24 Juli 2016, 19:07:32 »
Zitat
Daher würde ich von den Ausarbeitungen auf dieser Homepage Abstand nehmen.

Danke für den Hinweis und wichtige Empfehlung, Roland. Kann man als Diskussionsbeitrag die Aussagen zur “Organspende“ stehen lassen? Ansonsten kann das ganze Thema gelöscht werden.

Bei dem Thema zur Organspende oder Organtransplantation stehe ich derzeit auf dem Standpunkt, dass jeder persönlich darüber entscheiden muss, ob darüber Frieden im Herzen vor Gott vorhanden ist. Menschen können heute etwas empfehlen und in einigen Jahren genau das Gegenteil tun, weil sie es anders erkennen durften oder selber betroffen waren und plötzlich anders darüber dachten. Von der Bibel her kenne ich keine eindeutige Aussage. Am Ende landet man sonst Lehren wie die der ZJ, wo das Verbot Blut zu essen mit der Bluttransfusion gleichgesetzt wurde.

Achtung: Link entfernt da erwähnte Website nicht zu empfehlen! Siehe Hinweis von Roland
« Letzte Änderung: 26 Juli 2016, 18:10:15 von Jose »

Offline Roland

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Re: Transplantation
« Antwort #4 am: 24 Juli 2016, 20:36:41 »
Hallo José,

ich wüde das Thema stehen lassen, da sicherlich der eine oder andere Christ sich diese Frage gestellt hat. Ich denke, dass wir hier auch zu einem guten und schriftgemäßen Ergebnis gekommen sind. Du hast es treffend formuliert:

Zitat
Bei dem Thema zur Organspende oder Organtransplantation stehe ich derzeit auf dem Standpunkt, dass jeder persönlich darüber entscheiden muss, ob darüber Frieden im Herzen vor Gott vorhanden ist.

Ich sehe es genauso, denn ich kann in der Heiligen Schrift weder ein Pro noch ein Contra in Bezug auf Organspende erkennen. Es ist daher eine individuelle Entscheidung.

Den Gedanken an die Blutirrlehre der Z.J. hatte ich auch. Man könnte argumentieren, dass im Blut sich die Seele befindet und daher jede Bluttransfusion ablehnen. Die Argumentation der Zeugen ist nicht stichhaltig, aber man kann leicht auf diesen Irrweg abirren. Die Bluttransfusion hat viele Menschenleben gerettet. Ich persönlich habe daher auch keine Einwände gegen eine Bluttransfusion (bin aber froh, dass ich bisher keine benötigt habe).

Wenn Bluttransfusionen ok sind, wo zieht man dann die Grenze? Wie sieht es mit Knochenmarktransplantion usw. aus?

Ich denke, dass jeder nach seinem Gewissen handeln sollte. M.E. gibt es hier kein "richtig" oder "falsch" im objektiven Sinne.

Maranatha
Roland

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Offline Andreas

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Re: Transplantation
« Antwort #5 am: 22 November 2016, 09:17:36 »
Vorweg, ich lese seit Jahren viele der Beiträge und Artikel und finde es gut das es so eine biblisch orientierte Seite gibt.
Als Christ und Krankenpfleger möchte ich etwas zum Thema Organtransplantation sowie Organentnahme sagen. Jegliche Organspende setzt vorraus, das ich einen Lebendspender habe. Einem Toten die Organe zu entnehmen macht keinen Sinn,da die Organe dann auch tot weil nicht mehr durchblutet sind. Daher sind die Ärzte in den USA schon in den 60er Jahren auf die Idee gekommen, den Hirntod einzuführen, um dieses Problem welches auch ethischer Natur ist zu umgehen. Die meisten Kirchen in der BRD sind hier  humanistisch eingeknickt und folgen diesem krummen Weg. Hier ein Link zu einem sehr guten Vortrag eines christlichen Mediziners, der früher maßgeblich an der Organtransplantation der medizinischen Hochschule Hanover beteiligt war,bis Gott ihm die Augen öffnete:
„Organspende – Akt der Nächstenliebe oder Gewaltakt am Sterbenden?“
Referent:
Dr. med. Peter Beck
http://www.efk-riedlingen.de/vortrag/24.04.13_Dr.Beck_Vortragsabend._Organspende_-_Akt_der_Naechstenliebe_oder_Gewaltakt_am_Sterbenden.mp3

Mit brüderlichen Grüßen Andreas Rönnau

Offline Roland

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Re: Transplantation
« Antwort #6 am: 23 November 2016, 19:29:43 »
Hallo Andreas,

herzlich willkommen hier im Forum und vor allem: Gnade und Friede im HERRN JESUS CHRISTUS! Ich freue mich auf einen guten und geistlichen Austausch mit Dir.

Besten Dank für Deine Infos und den Link. Ich muss gestehen, dass ich mit mit diesem Thema noch nicht intensiv auseinandergesetzt habe.

Wie stehst Du zu Bluttransfusionen und Knochenmarktransplantationen?

Maranatha
Roland
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Offline Jose

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Re: Transplantation
« Antwort #7 am: 28 November 2016, 20:35:02 »
Hallo Andreas.
Ein sehr interessanter und aufklärender Vortrag. Ich kann es sehr gut verstehen, wenn Dr. Beck ausführt, dass ein Hirntoter ein sterbender aber kein toter Mensch ist. Der Hinweis auf Gottes Wort, dass das Leben im Blut ist (3. Mose 17,14) und nicht im Hirn, ist auch sehr zutreffend. Somit, solange das Blut fließt, ist Leben vorhanden.

Der Vortrag hat sehr gründlich die Problematik der Organspende aufgezeigt und insbesondere die fragwürdige Festlegung des Hirntodes sachlich aufgedeckt. Dass es kein einheitlicher Standard ist war mir nicht bekannt.

Aus dem Vortrag habe ich für mich gelernt, dass die Organentnahme aus einem sterbenden Menschen nicht richtig ist vor Gott. Ob die Verwendung von menschlichen Teilen nach dem Tod des Menschen ebenfalls verkehrt ist vor Gott, konnte ich noch nicht erkennen, obwohl Dr. Beck im Vortrag Andeutungen machte.

Was ich nicht ganz teilen kann, ist, dass ein Patient, der auf eine Transplantation wartet, möglicherweise das Gebot übertritt „du sollst nicht begehren deines nächsten…“ (2. Mose 20,17). Generell kann ich es nicht so sehen, außer dort, wo wegen des Organhandels Menschen ausgebeutet werden, d.h. gedrängt zur Organspende, oder ihnen gegen ihren Willen z.B. eine Niere entnommen wird.

Dr. Beck hat nach meinem Verständnis insgesamt die Transplantationsmedizin in Frage gestellt, auch wo es sich nicht um die Entnahme aus einem Sterbenden handelt. Auch eine freiwillige Nierenspende wäre demnach nicht richtig, da der Mensch „unversehrt“ bei der Wiederkunft Jesu sein soll (1. Thess. 5,23). Dieser Argumentation konnte ich nicht folgen.

Ist eine Bluttransfusion, eine Knochenmarktransplantation oder eine Nierenspende verkehrt? Ist z.B. eine Hornhauttransplantation verkehrt? Ich habe gelesen, es setzt voraus, dass die Hornhaut zeitnah dem Verstorbenen entnommen wird. Aus diesem Grund sollte eine Entnahmezeit von 12-18 Stunden nach dem Tod eingehalten werden.

Es bleiben m.E. Fragen offen, aber der Vortrag ist wirklich sehr zu empfehlen, und auch die Fragen & Antworten danach, wo manche Themen noch genauer angesprochen werden.
 
Gottes Segen,
José
« Letzte Änderung: 29 November 2016, 18:15:22 von Jose »