Autor Thema: Watchman Nee  (Gelesen 541 mal)

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Offline Roland

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Re: Watchman Nee
« Antwort #15 am: 26 August 2017, 20:31:38 »
Nachstehend kopiere ich einen Kommentar von Dr. theol. Bernt Knauber zum Thema "Watchman Nee". Den Original-Kommentar findest Du hier

Liebe Geschwister,

erlauben Sie mir ein paar persönliche Anmerkungen zu Watchman Nee.

Die Antwort auf die Frage, wie Nee zur Brüderbewegung stand, muss wohl lauten: Ambivalent. Denn beides ist richtig; Seine vielfache Hochschätzung und sein Vergleich mit Laodizea, was ihre weitere Entwicklung anbetrifft. Nees kirchengeschichtliche Auslegung der Sendschreiben ist ohne Frage hochinteressant, aber gewiss auch fragwürdig. Und ich persönlich bin sicher: Watchman Nee wusste das. Er kannte seine geistlichen Grenzen und hat diese auch durchblicken lassen.

Und doch war er nicht nur ein begnadeter Missionar, sondern auch ein großartiger Exeget. Welch eine geistliche Weite und gleichzeitige Sensibilität für jedes kleine geistliche und menschliche Detail! Und dass er seinen Glauben mit seiner 20 jährigen Gefangenschaft besiegelt hat, kann nur allerhöchsten Respekt abnötigen. Ein Jammer, dass wir kein überliefertes Statement mehr aus der kurzen Zeit nach seiner Freilassung besitzen.

Für mich war „Freiheit für den Geist“ das erste christliche Buch, das mir in die Hände fiel – und eine Offenbarung. Allerdings hat die ebenfalls etwas extreme Zerbruchslehre mich nach einigen Jahren so nicht mehr überzeugt und Nee hat ja auch selbst Abstand davon genommen. Aber, wie schön, Watchman hatte eine noch größere Offenbarung für mich parat: Die Lehre von der einen Gemeinde am Ort. Wieder eine biblisch-geistliche Schau von höchster Konsequenz, diesmal für das christliche Ganze!

Jedoch: überall, wo es nur Frei- oder Kongregationskirchen (Denominationen) gibt, dürfen wir neu anfangen? Was, wenn nur eine Freikirche existiert? Was genau kennzeichnet die Ortsgemeinde? Und was soll mit den anderen geschehen? Sollen die anderen Gläubigen wirklich alle zu uns kommen, wie, soweit ich sehe, nicht Watchman Nee lehrte, sondern Witness Lee. Warum genau sollten sie das tun? Warum nicht wir zu ihnen?

Zusammenkommen sollten wir um des christlichen Zeugnisses, um der Macht der Liebe willen, die für die Welt sichtbar werden soll. Indem wir zusammen sind und bleiben zeigt sich, dass das Evangelium kein leeres Gerede ist, sondern tatsächlich funktioniert. Vergebung funktioniert, die Geistesgaben spielen zusammen – es zeigt sich die Wirklichkeit Christi selbst in seinem „Leib“.

Watchman Nee aber war nun einmal Mystiker. Er war so beseelt von dem „Christus in uns“, dass der andere zentrale biblische Gedanke – Christus als Gemeinde – im Vergleich dazu zu kurz kommt. Wir haben von Nee keine durchgängig christologisch-pneumatologische Begründung der Gemeinde - die man von ihm aber auch schwerlich verlangen konnte. Ohne diese Begründung aber wird die Forderung der Einheit unverständlich.

Das heißt, Nees Lehre von der Ortsgemeinde hängt ein wenig in der Luft und wird dort auch zu einer gern genommenen Zielscheibe. Sie bedarf einer biblischen Weiterführung. Was uns weiterhelfen würde, wäre die Wiederentdeckung der Gemeinde als dem gegenwärtigen Christus. So, wie Paulus dies sah, und sie als das verbindliche Wirkungsfeld des Heiligen Geistes gelehrt hat (1.Kor,12; Eph.4).

Bei Nee ist diese Dimension nur angedeutet. Und bei Witness Lee geht es zwar viel um „Wiedererlangung“, letztlich aber nicht um die Wiedererlangung Christi als Gemeinde. Dieser letzte Schritt fehlt noch, und nur von ihm aus wird klar, warum es keine Unzahl von „Gemeinden“ am Ort geben darf.

Nee jedoch war es, der klar erkannt hat, was das Gegenteil der Christuswirklichkeit ist. Eben dass die Denominationen damit nicht in Einklang zu bringen sind und zur Buße gerufen werden müssen. Sie müssen aber auch klar gelehrt werden, worum es bei der Einheit geht. Denn würden sie die volle geistliche Bedeutung der Kirche verstehen und ausleben wollen, dann würden sie mit Begeisterung auch ihre sichtbare, zeugnishafte Einheit suchen.

Die „Ortsgemeinde“ ist von daher das richtige, biblische Prinzip, auch wenn sie sich schon zu Zeiten der Bibel in Hauskreisen versammelt hat. Sie aber einfach auszurufen – nach dem Motto: „Wir sind es jetzt!“ – war der falsche, vorschnelle Weg und die „Ortsgemeinden“ (gibt es sie denn noch?) sollten sich trauen, sich an dieser Stelle zu korrigieren.

Unserer geistlichen Einheit und Intaktheit ist gedient, wenn wir den einen Leib Christi - um der Wirklichkeit des Herrn willen - mit voller Konsequenz erstreben. Die Gemeinde ist ohne Frage zu wichtig, um uns mit dem status quo zufrieden zu geben. Die erste richtige Konsequenz aber ist, es auszuhalten, dass auch wir es eben - noch - nicht sind und uns darum auch nicht so nennen. Und genau das haben die Brüder ja anfänglich auch richtig gemacht.

Mit den besten Grüßen
Bernt Knauber
Besser ein Patient CHRISTI als ein Doktor der Theologie!

Offline Roland

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« Antwort #16 am: 30 Oktober 2017, 17:05:44 »
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