Autor Thema: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?  (Gelesen 21210 mal)

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Offline Jose

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Re: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?
« Antwort #60 am: 30 November 2013, 21:01:52 »
Lieber Jörg.
Ich habe deine Argumentation verstanden, nur deine Schlussfolgerungen kann ich nicht immer ziehen.

Wenn du beispielsweise schreibst:
Zitat von: junkerjörg
Für mich ist das Evangelium aber abgeschnitten (verdreht), wenn ich als ein an Jesus Christus gläubiger Mensch durch Fehlverhalten das wieder beenden kann, was Gott angefangen hat. Dann ist Jesus nämlich nicht der Anfänger und Vollender des Glaubens.
dann beachtest du hier zu wenig den Kontext.

Ich vermute, du beziehst dich auf Hebräer 12, wo es heißt:
Hebr 12,1-3 (Schlachter 2000)
1 Da wir nun eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, so lasst uns jede Last ablegen und die Sünde, die uns so leicht umstrickt, und lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt, 2 indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat. 3 Achtet doch auf ihn, der solchen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht müde werdet und den Mut verliert!

Es ist hier eine Aufforderung, auf Jesus zu blicken und uns nicht von der Sünde umstricken zu lassen. Das ist eine Ermunterung, aber vor allem eine Ermahnung.

Daher ist auch die Ermahnung so ernst:
Hebr 12,15-17 (Schlachter 2000)
15 Und achtet darauf, dass nicht jemand die Gnade Gottes versäumt, dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwächst und Unheil anrichtet und viele durch diese befleckt werden, 16 dass nicht jemand ein Unzüchtiger oder ein gottloser Mensch sei wie Esau, der um einer Speise willen sein Erstgeburtsrecht verkaufte. 17 Denn ihr wisst, dass er nachher verworfen wurde, als er den Segen erben wollte, denn obgleich er ihn unter Tränen suchte, fand er keinen Raum zur Buße.

Jesus ist der Anfänger und Vollender des Glaubens, aber uns gilt, in der Gnade die Er dargereicht, an Ihn festzuhalten. Und es besteht die Gefahr, dass wenn wir nicht wachen, wir an diese Gnade Mangel leiden und sie versäumen.

Auch diese Aussage berücksichtigt m.E. nicht den Kontext:
Zitat von: junkerjörg
Aber Angst ist eben nicht in der Liebe - und das ist für mich das Entscheidendste wenn wir von Gnade reden und daran glauben.

1.Joh 4,16-18 (Schlachter 2000)
16 Und wir haben die Liebe erkannt und geglaubt, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen geworden, dass wir Freimütigkeit haben am Tag des Gerichts, denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat mit Strafe zu tun; wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe.

Wer sich nun fürchtet…, dieses Wort ist wahr und möge es Gott schenken, dass ich mich dann immer fürchte und es rechtzeitig erkenne, wenn ich auf verkehrte Wege gerate oder gar Sünde bei mir gefunden wird.

Du hast dich auch mit Spurgeon beschäftigt, aber auch Spurgeon war vom Calvinismus geprägt, obwohl er dennoch sehr evangelikal war. Nicht alles, was wir an Aussagen von Spurgeon lesen ist gut, daher gilt es alles zu prüfen und das Gute zu behalten. Zu Spurgeon hatte ich mal den Thread hier aufgemacht: Spurgeons Haltung zum Calvinismus.

Gottes Segen,
José

junkerjörg

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Re: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?
« Antwort #61 am: 01 Dezember 2013, 08:56:53 »
Abfall beinhaltet das völlige Verleugnen des christlichen Glaubens. Bezieht sich nur auf Ungläubige, z.B. AT: Saul; NT: Judas. Lk 8:13; 2Th 2:3; 1Tim 4:1; Hebräerbrief Kp. 3; 6; 10; 1Joh 2:18-28; Judasbrief.

In Sünde fallen = Das Fallen in eine Sünde von einem Gläubigen, z.B. AT: David; NT: Petrus. Gal 6:1; Ps 37:23-24; Sp 24:16; 1Kor 10:12.

Auf die Frage kommt es an …

•   Kann ein Christ verloren gehen? Ja!
•   Kann ein Christ wieder verloren gehen? Nein!
•   Kann ein Gläubiger verloren gehen? Ja!
•   Kann ein Kind Gottes verloren gehen? Nein!
•   Kann ein Kind Gottes wieder verloren gehen? Nein!
•   Kann ein Hebräer verloren gehen? Ja!
•   Kann ein Wiedergeborener verloren gehen? Nein!

LG Jörg  :)

Offline Jose

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Re: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?
« Antwort #62 am: 01 Dezember 2013, 12:43:58 »
Bezeichnender Weise lautet das Thema des Buches, das sehr empfehlenswert ist: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?.

Es geht nicht um die Haarspalterei
  • dass ein Christ nicht von neuem geboren ist, somit wie ein Namenchrist.
  • dass jeder Anhänger einer Religion ein Gläubiger ist, aber eben nicht wiedergeboren.
  • dass ein Kind Gottes nur der ist welcher von neuem geboren ist - was ja stimmt.
  • dass es im Alten Bund keine Wiedergeburt gab und somit die „Hebräer“ verloren gehen konnten.
Diese Art der Argumentation habe ich sowohl in einem calvinistischen als auch in einem „Brüderforum“ kennengelernt. Wer so mit dem Wort Gottes umgeht, kann sich vieles zusammenreimen, aber vor dem Zeugnis der Schrift kann man so nicht bestehen.

Wenn in der Bibel von Gläubigen an Christus Jesus geschrieben steht, dann sind damit von neuem geborene gemeint, von Paulus z.B. im Epheserbrief auch als Heilige bezeichnet (Eph. 1,1).

Petrus hat auch nicht unterschieden, wenn er z.B. schrieb:
1.Petr 4,15-16 (Schlachter 2000)
15 Keiner von euch soll daher als Mörder oder Dieb oder Übeltäter leiden, oder weil er sich in fremde Dinge mischt; 16 wenn er aber als Christ leidet, so soll er sich nicht schämen, sondern er soll Gott verherrlichen in dieser Sache!

Gottes Segen und Bewahrung,
José

junkerjörg

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Re: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?
« Antwort #63 am: 01 Dezember 2013, 15:47:09 »
Es geht nicht um die Haarspalterei

Nein, Haarspalterei ist etwas anderes. Diese Fragen sind biblisch zielgerichtet. Ich bin sicher daß wir in vielen Dingen einer Meinung sind. Es liegt mir fern (wie gesagt) hier nun eine unnötige Diskussion zu entfachen. Ich gehe tatsächlich in eine "Brüdergemeinde" und muss mich deshalb sicherlich nicht entschuldigen. In was für eine Gemeinde gehst du? Die Bibel unterscheidet sehr wohl zwischen Gläubigen und Neugeborenen. Irgendwo habe ich hier gelesen. daß jemand dies als Irrlehre bezeichnet!? Ist biblisch nicht haltbar. Die Bibel sagt das ja eindeutig - es gibt Gläubige, die nur einen Schein der Frömmigkeit haben (2. Timotheus 3,5, Kolosser 2,23). Solche können dann selbstredend auch wieder abfallen von dem, was sie sich selbst auferlegt haben. Sie sind nicht gekommen um zu bleiben. In 1. Johannes 2,19 steht: ''Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns. Denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben; aber es sollte offenbar werden, dass sie nicht alle von uns sind''. Aber für jeden anderen (echten) Gläubigen gelten die Aussagen der Schrift: Die Neugeborenen haben sich definitiv nicht selbst erwählt Kinder Gottes zu sein (Johannes 15,16). Wir bekehren uns, aber die Buße kommt von Gott (Römer 2,4: ''Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?''), wir erkennen, daß wir Sünder sind, aber die Einsicht dazu muss zuvor von Gott kommen, denn der natürliche Mensch kann das nicht (1. Korinther 2,14) und wir sind geistlich tot in unseren Sünden (Epheser 2,1). Wir erkennen und lieben Jesus Christus, aber nur, weil ER uns zuerst geliebt hat (1. Johannes 4,19) und weil uns Gott seinen Sohn offenbart hat (Matthäus 16,17). Und wer erwählt ist (das macht Gott durch seine Allmacht und Weisheit) der bleibt es auch. Wer zu den Auserwählten (Neugeborenen) gehört, kann nicht mehr verloren gehen (Römer 8,1 und 8, 37-39). Ich wüsste nicht, wie man das biblisch anders sehen kann - es ist eindeutig. Aber (wie gesagt) das ist kein Streitthema - eher eine persönliche Sache entsprechend dem, was in Römer 8, 14-16 steht:

"Denn alle, die durch den Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, daß ihr euch wiederum fürchten müßtet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis zusammen mit unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind.''

Liebe Grüße!
Jörg  :)
« Letzte Änderung: 01 Dezember 2013, 15:53:23 von junkerjörg »

Offline Jose

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Re: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?
« Antwort #64 am: 01 Dezember 2013, 16:37:01 »
Hallo Jörg.
Zu deine Frage: Ich gehöre zu einer Gemeinde, die eher als Pfingstgemeinde bezeichnet wird. Ich sehe mich allerdings nicht als Pfingstler.

José

Offline Jose

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Re: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?
« Antwort #65 am: 02 Dezember 2013, 21:30:22 »
Zitat von: junkerjörg
Nein, Haarspalterei ist etwas anderes. Diese Fragen sind biblisch zielgerichtet. Ich bin sicher daß wir in vielen Dingen einer Meinung sind. Es liegt mir fern (wie gesagt) hier nun eine unnötige Diskussion zu entfachen.

Das stimmt, Haarspalterei trifft hier nicht ganz zu, wenn unterschieden wird zwischen Gläubigen aus dem Alten Bund und Wiedergeborenen aus dem Neuen Bund, sowie zwischen Christen und Wiedergeborenen.

Aber der Kernpunkt ist doch, dass gewisse Differenzierung nur deswegen benötigt werden, um eine gewisse ideologische Überzeugung belegen zu können. Wenn von neuem geborene diesen Stand nicht mehr verlassen können und vom Glauben abfallen, wer sind dann die, von denen die Bibel schreibt, dass sie vom Glauben abfallen oder im Glauben Schiffbruch erleiden? Hier wird die Differenzierung gefährlich und eigen. Es passt dann eher in das Thema: Ideologische Interpretation der Bibel. Bestimmte Überzeugungen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Hier wird auch sehr schnell den Vorbildern aus dem Alten Bund Unrecht getan.

Es gibt viele Themen, worüber sich die Gläubigen einig sind und die Gotteskindschaft ist - Lob und Dank - nicht primär von unseren Leermeinungen abhängig, wenn sie nicht heilsnotwendig sind. Aber unser Wandel und Zeugnis ist doch sehr von dem abhängig, was wir an lehrmässigen Überzeugungen haben.

Es liegt mir nicht am Diskutieren, aber die einen meinen, der Mensch sei zu schlecht, um überhaupt nach Erlösung Verlangen zu haben, andere lehnen es ab, dass der Mensch das Heilsangebot Gottes ablehnen kann, wenn Gott einen Mensch retten will. Dabei will Gott doch jeden Menschen retten. Das sind für mich keine Kleinigkeiten, sondern grundlegende Erkenntnis Gottes.

Für mich ist ein Christ jemand, in dem Jesus Christus lebt und der von neuem geboren wurde. Ein solcher darf Christ genannt werden. Solche können vom Christus wieder abgetrennt werden und aus der Gnade fallen, somit verloren gehen, wenn sie nicht Buße tun. Das lehrt die Bibel und das ist der Gegenstand des Buches, um welches es hier geht.

Herzliche Grüße,
José

junkerjörg

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Re: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?
« Antwort #66 am: 03 Dezember 2013, 11:25:17 »
Wenn von neuem geborene diesen Stand nicht mehr verlassen können und vom Glauben abfallen, wer sind dann die, von denen die Bibel schreibt, dass sie vom Glauben abfallen oder im Glauben Schiffbruch erleiden? Hier wird die Differenzierung gefährlich und eigen.

Naja, es stimmt, daß eine gewisse Spannung gegeben ist und wir diese auch aushalten müssen. Aber zu behaupten, daß ein von oben neugeborener Mensch diesen geschenkten Stand durch Fahrlässigkeit (oder weil Gott es sich anders überlegt hat) wieder verlieren kann ist ebenso gefährlich und eigen und aus meinem Verständnis heraus auch nicht gemäß den Aussagen und Verheißungen in der Bibel. Daß wir manches nicht verstehen, ergreifen und erkennen können mag ja sein, aber dann können wir nicht einfach sagen, daß einer, der an ewige Heilssicherheit glaubt und dies biblisch vertritt, ein Irrlehrer ist. Das geht nicht. Es ist allein Gottes Macht die den Gläubigen zur Seligkeit bewahrt, nichts anderes (1. Petrus 1, 3-8).

David schreibt in Psalm 37, 28-29: ''Denn der Herr hat das Recht lieb und verläßt seine Getreuen nicht; sie werden ewiglich bewahrt, aber der Same der Gottlosen wird ausgerottet. Die Gerechten werden das Land erben und für immer darin wohnen''. Diese Gerechtigkeit hat den Gläubigen allein Jesus Christus verliehen, keine Eigenleistung, kein Durchhaltevermögen und kein Gesetz. Paulus schreibt in Römer 3, 25-28: ''Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, [das wirksam wird] durch den Glauben an sein Blut, um seine Gerechtigkeit zu erweisen, weil er die Sünden ungestraft ließ, die zuvor geschehen waren, als Gott Zurückhaltung übte, um seine Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit zu erweisen, damit er selbst gerecht sei und zugleich den rechtfertige, der aus dem Glauben an Jesus ist. Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen! Durch welches Gesetz? Das der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens! So kommen wir nun zu dem Schluss, daß der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes''.

Man kann auch am Glauben Schiffbruch erleiden (1. Timotheus 1,19) und als Christ ein erbärmliches (unfruchtbares) Leben führen, was dazu führt, daß wir Schaden erleiden und womöglich nur wie durch's Feuer hindurch gerettet werden? Es sollte auch nicht unsere Einstellung sein als Christ, Gott Schande zu machen und am geistlichen Leben kein wirkliches Interesse zu zeigen. Denn dann sind wir auch leichte Beute für sämtliche Irrlehren (Epheser 4,14) und satanischer Mächte (1. Petrus 5,8). Es gibt eine Errettung (die viele theoretisch wissen) und eine Erkenntnis der Errettung (die Gott schenken muss). Ebenso gibt es Menschen, die sind fromm und von neuem geboren (1. Petrus 1,23) und auch solche, die haben nur einen Schein der Frömmigkeit, weil sie nie über das Stadium des Kopfwissens und der Religiosität hinaus gekommen sind (2. Timotheus 3,5). Es gibt Sünde und Erkenntnis der Sünde (Römer 3,20).

In Römer 8, 32-34 steht: "Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt''. Wer ''glaubt'' und gleichzeitig die Kraft dahinter verleugnet, also im Grunde nicht an deren Wirksamkeit glaubt, macht Gott zum Lügner und somit die Vergebung der Sünden zu einem Muster ohne Wert. Aber das ist das Evangelium ganz und gar nicht - es ist eine Kraft Gottes und der HERR ist hier, ER allein macht gerecht - wer will (kann) also verdammen?

Liebe Grüße!
Jörg  :)

Offline Jose

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Re: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?
« Antwort #67 am: 05 Dezember 2013, 21:12:38 »
Zitat von: junkerjörg
Aber zu behaupten, daß ein von oben neugeborener Mensch diesen geschenkten Stand durch Fahrlässigkeit (oder weil Gott es sich anders überlegt hat) wieder verlieren kann ist ebenso gefährlich und eigen und aus meinem Verständnis heraus auch nicht gemäß den Aussagen und Verheißungen in der Bibel.

Wir müssen hierüber nicht diskutieren, aber es geschieht nicht durch Fahrlässigkeit, sondern durch ein unbußfertiges Herz. Es kann z.B. die Folge sein, von einer neu aufflammenden Liebe zur Welt, der man sich immer mehr öffnet, wie bei Demas (2. Tim. 4,10). Ohne Richter sein zu wollen, kann ich nur hoffen, dass Demas wieder Buße getan hat und sich nicht immer mehr von Gott wieder abgewandt hat. Die Ewigkeit wird es zeigen.

Wir können nicht alle Ermahnungen der Schrift ignorieren, weil wir wunderbare Verheißungen haben. Wenn wir all die Aussagen in der Bibel bedenken und daran festhalten wollen, dass ein Gotteskind ewig sicher ist, selbst wenn es zurück in die Welt geht und sich von Gott lossagt, dann bleibt am Ende nur eine Überlegung möglich: Dass wenn jemand tatsächlich vom Glauben abfällt, er oder sie nie von neuem geboren waren. Diese Überlegung erscheint mir aber zu einfach.

Hebr 2,1 (Schlachter 2000)
Darum sollten wir desto mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa abgleiten.

Der Herr vermag uns zu bewahren und will uns bewahren, aber den freien Willen nimmt Er uns nicht. Gott zwingt uns nicht zur Herzensumkehr, und Er hält uns auch nicht fest gegen unseren eigenen Willen. Es liegt mir fern, Gottes Allmacht und Souveränität in Frage zu stellen, oder an Seine Liebe und Langmut zu zweifeln. Aber Seine Güte dürfen wir nicht verachten.

Beim Schreiben dieses Beitrages wurde ich an einen anderen Beitrag erinnert: Lasst auch uns mit Ausharren laufen (Hebr. 12,1.2)

Liebe Grüße,
José
« Letzte Änderung: 05 Dezember 2013, 21:41:02 von Jose »

junkerjörg

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Re: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?
« Antwort #68 am: 06 Dezember 2013, 08:46:50 »
Wir können nicht alle Ermahnungen der Schrift ignorieren, weil wir wunderbare Verheißungen haben. Wenn wir all die Aussagen in der Bibel bedenken und daran festhalten wollen, dass ein Gotteskind ewig sicher ist, selbst wenn es zurück in die Welt geht und sich von Gott lossagt, dann bleibt am Ende nur eine Überlegung möglich: Dass wenn jemand tatsächlich vom Glauben abfällt, er oder sie nie von neuem geboren waren. Diese Überlegung erscheint mir aber zu einfach.

Das mit der Ignoranz ist richtig. Das meinte ich ja auch, als ich sagte, daß man von rechts oder von links vom Pferd fallen kann. Es ist mehr eine Frage der ewigen Konsequenz. Wenn ich als Christ mich so sehr von der Welt wieder einwickeln lasse, daß es meinen Überzeugungen nicht gut tut, die Nachfolge blockiert und behindert - was ist dann? Wenn ich aber z.B. auch als Christ durch einen Schicksalsschlag seelisch zusammenbreche und meines Lebens nicht mehr froh werde (Depressionen habe) und der Glaube so mehr zur Last als zur Freude wird - was ist dann? Ewig verloren? Chance verpasst? Dumm gelaufen? Das ist dann auch zu einfach. Es gibt auch die biblische Begebenheit wo ein Gemeindemitglied eine Beziehung zu seiner Stiefmutter hatte. Man kann auch sterben aufgrund einer Sünde, und dennoch gerettet sein. So geschehen in 1. Korinther 5, 1-5 wo Paulus diesem in eine schlimme Sünde gefallenen Gläubigen zu verstehen gibt, daß er sein irdisches Leben eingebüßt hat, entsprechend ''... soll dieser Mensch dem Satan übergeben werden zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn''.

Das war also keine Sünde die unverzeihlich war, aber eben eine irdische und sofortige Konsequenz nach sich zog. Möglicherweise auch zum Schutz vor einem selbst. Wenn das Verhalten eines Christen im eigenen (weiteren) Leben mehr Schaden würde (sich und anderen) als helfen, und Aussicht auf Besserung und Heilung nicht gegeben wäre, dann wird die Sünde zum Tod Realität. So hart wie es sich anhört, auch hier würde der leibliche Tod so einem Menschen letztlich zum Guten mitwirken (Römer 8,28). In einem Kommentar war zu lesen: ''Wenn Gott in seinen Regierungswegen den leiblichen Tod eines Gläubigen beschlossen hat, dürfen und sollten wir nicht um eine Verlängerung seines Lebens bitten. Das schließt nicht aus, dass wir für den Betreffenden in allgemeinere Weise beten könnten. Bitten, dass die Person diese Zucht aus der Hand Gottes annehmen kann, in Frieden heimgehen darf, Gott in diesen besonderen Umständen die Ehre gibt und so weiter, sind sicher möglich''. Für manche ist es dann tatsächlich so, daß sie ''im Frieden'' einschlafen durften, auch wenn der Grund dafür weniger erfreulich war.

Mose hat einen Menschen getötet, David hat Ehebruch begangen und dafür gesorgt, daß der betrogene Ehemann stirbt, Paulus hat die Gemeinde bis aufs Blut verfolgt, Petrus hat Jesus verleugnet etc. Das alles wurde ihnen vergeben, wenn sie auch die Konsequenzen davon zu tragen hatten. Es war keine Sünde zum Tod. William McDonald hat dazu folgendes geschrieben: ''Eine letzte Erklärung könnte sein, daß es sich hier um die Sünde des Abfalls handelt, und wir glauben, daß diese Erklärung am besten in den Zusammenhang paßt. Ein Abgefallener ist jemand, der die großen Wahrheiten des christlichen Glaubens gehört hat, intellektuell überzeugt worden ist, daß Jesus der Christus ist, sich sogar zum Christentum bekennt, obwohl er niemals wirklich gerettet worden ist. Nachdem er das Gute des Christentums geschmeckt hat, wendet er sich vollkommen davon ab und weist den Herrn Jesus Christus von sich. In Hebräer 6 lesen wir, daß dies die Sünde ist, die zum Tod führt. Diejenigen, die diese Sünde begehen, haben keinen Ausweg mehr, weil sie »für sich den Sohn Gottes wieder gekreuzigt und dem Spott ausgesetzt haben«''. Es geht also darum, ob jemand von neuem geboren ist (was etwas anderes darstellt als intelektuell überzeugt zu sein) oder eben nicht. Daran hängt es letztlich. In Markus 3, 28-29 steht: ''Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden sollen den Menschenkindern vergeben werden, auch die Lästerungen, womit sie lästern; wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, der hat in Ewigkeit keine Vergebung, sondern er ist einem ewigen Gericht verfallen''.

Liebe Grüße!
Jörg  :)
« Letzte Änderung: 06 Dezember 2013, 08:51:11 von junkerjörg »

Offline Jose

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Re: Kann ein Christ zu einem Nichtchristen werden?
« Antwort #69 am: 06 Dezember 2013, 11:54:10 »
Zitat von: junkerjörg
Wenn ich aber z.B. auch als Christ durch einen Schicksalsschlag seelisch zusammenbreche und meines Lebens nicht mehr froh werde (Depressionen habe) und der Glaube so mehr zur Last als zur Freude wird - was ist dann? Ewig verloren? Chance verpasst? Dumm gelaufen? Das ist dann auch zu einfach.

Das ist m.E. ein sehr wichtiger Hinweis, aber wir sollten unterscheiden. Menschen, die in Anfechtung und Not durch schwere Prüfungen gehen, müssen gesondert betrachtet werden. In der Seelsorge gibt es dazu sicherlich die unterschiedlichsten Erfahrungen. Und gerade Menschen, welche unter Depressionen leiden, sehen sich oft als schuldig vor Gott an oder vielleicht sogar als solche, die noch nie wirklich gläubig waren. So sagte ein alter Bruder zu jemand, der gerade durch schwere Depressionen ging und sich schwer damit tat, sich noch als Gotteskind zu sehen, dass er gerade eine schwere Depression habe, aber er sei doch ein Gotteskind. Als die Zeit der Prüfung vorbei war, durfte das Gotteskind es auch wieder freudig erfassen. Trost und Ermunterung helfen so jemand, die schwere Zeit besser zu überstehen und nicht mutlos zu werden.

Was aber 1. Korinther 5, 1-5 anbetrifft, so gibt dazu den Thread: hier. So einfach ist das Thema m.E. nicht.

Liebe Grüße,
José