Autor Thema: Musik in der Gemeinde  (Gelesen 2327 mal)

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mh-ing

  • Gast
Musik in der Gemeinde
« am: 26 Juli 2007, 17:24:56 »
Dieses Thema ist in dem Strang "Nachfolge und Heiligung" intensiv andiskutiert worden, so dass es besser ist, das Hauptthema nicht zu verlassen und hier als gesondertes Thema zu eröffnen.

In Beiträgen wurde geäußert, dass
- jede Musik weltlicher Art falsch und abzulehnen sei
- beispielsweise nur Musik mit gezupfter Gitarre, nicht aber mit Schlaggitarre in der Gemeinde zulässig sei
- die Art des Singens im AT (Psalme, David usw.) nicht auf die Gemeinde übertragen werden darf.

Meine Punkte hierzu sind:
Warum singt man denn überhaupt? Wenn es so gefährlich ist, warum spricht man nicht gemeinsam diese Liedtexte. Dann kann überhaupt kein falsches Gefühl entstehen, auch jene, die schlecht singen können, sind nicht ausgegrenzt und können sich einbringen.

Man muss nur aufpassen, dass keiner falsch in diesen Sprechgesang hinein betont, weil es sonst zusehr nach Hip-Hop klingen könnte.

Martin

Ted

  • Gast
Re: Musik in der Gemeinde
« Antwort #1 am: 26 Juli 2007, 18:44:54 »
Meine Sichtweise habe ich bereits ausführlich dargelegt in den Beiträgen im Thread "Nachfolge und Heiligung".

Hier die Links:

http://www.hauszellengemeinde.de/portal/index.php?topic=643.msg4040#msg4040
http://www.hauszellengemeinde.de/portal/index.php?topic=643.msg4064#msg4064

1. "Geistliche Musik"

Ergänzend zu dem von Michael angeführten Bibelwort,
redet untereinander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem HERRN in euren Herzen (Eph 5,19)
mit der Michael die Musik anscheinend alleine auf "Anbetung" zurückführt
(wobei allerdings auch hier schon das Wort "untereinander" gebraucht wird, also zwischenmenschlich; überdies heisst es hier "singet und spielet", also ein Hinweis auf Musikinstrumente),

möchte ich eine weitere Stelle anführen:
Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern und singt dem HERRN in eurem Herzen. (Kol 3,16)

Hier wird deutlich, dass Musik durchaus zu mehr dienen kann als alleine der Anbetung Gottes, sondern darüberhinaus als ein "Transportmittel" des Wortes Gottes zwischen den Menschen

- Verkündigung biblischer Lehren (lehret = didasco --> belehren, erziehen)

- Erinnerung an biblische Inhalte (vermahnet = noutheteo --> ins Gedächtnis rufen, Warnen, auch rügen, sanft verweisen)

- Lob Gottes vor den Menschen: Verkündigung der grossen Taten Gottes, besonders des Evangeliums (Lobgesang = hymnos --> Hymne).

Und hier verhält es sich wie mit der Sprache im allgemeinen:
ich kann meine Stimme gebrauchen, um zu predigen, zu beten, Gott zu loben, Gott anzubeten. Ich kann sie aber auch einsetzen um mich über ganz alltägliche Belange auszutauschen. Ich sehe darin nichts schlechtes.
Schlecht wäre allerdings, die Stimme zu gebrauchen um Menschen zu fluchen. Das sei ferne.

Und nochmal in Kürze bezüglich der Instrumentierung (der Vollständigkeit halber):
hier gibt lediglich das AT Auskunft, und zwar so, dass damit durchaus eine heutige Bandbesetzung mit Schlagzeug und Rhythmusgitarren abgeleitet werden kann.

Keinesfalls kann gesagt werden, dass Gott Rhythmusinstrumente wie Pauken, Trommlen, Cymbals, Tambourines verwirft.

Auch nicht bei "geistlicher" Musik.

2. "Weltliche Musik"

Michael beruft sich bei seinem Verwerfen "weltlicher" Musik auf Amos 5,23:
Tue nur weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Psalterspiel nicht hören!
Aus diesem Vers selbst ("Psalterspiel") sowie des gesamten Kontextes wird jedoch klar, worauf sich dieser Satz bezieht: nämlich auf "geistliche" Gesänge die einfach so heruntergeleiert werden, heuchlerisch und nicht von Herzen kommend. Wem fallen hier nicht sofort allgegenwärtige,  allsonntägliche Beispiele ein.

Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wohl fein hat von euch Heuchlern Jesaja geweissagt, wie geschrieben steht: «Dies Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir. Vergeblich aber ist’s, daß sie mir dienen, dieweil sie lehren solche Lehre, die nichts ist denn Menschengebot. Ihr verlasset Gottes Gebot, und haltet der Menschen Aufsätze von Krügen und Trinkgefäßen zu waschen; und desgleichen tut ihr viel. (Mk 7,6-8; Hinweis auf Jesaja! Also bereits im AT)
(Hervorhebungen von mir)

Also auch hier ist kein göttliches Verbot "weltlicher" Musik abzuleiten.

Genausowenig, wie uns verboten ist, uns über alltägliche, weltliche Themen zu unterhalten.


« Letzte Änderung: 26 Juli 2007, 19:02:34 von Ted »

offenbarung3-16

  • Gast
Re: Musik in der Gemeinde
« Antwort #2 am: 27 Juli 2007, 20:18:45 »
Also ich werde hier sicherlich nicht anfangen zu belegen, daß Gras grün ist oder daß ein Wiedergeborener keine weltliche Musik hören soll. Als nächsten muß man sich wohl noch darüber unterhalten, ob man als Gläubiger auch wirklich beten soll etc ...

mh-ing

  • Gast
Re: Musik in der Gemeinde
« Antwort #3 am: 27 Juli 2007, 22:20:08 »
Ich weiß nicht, welche Musik für Gemeinde Ted vorschwebt. Mir sind die charismatischen Lieder bekannt (komplett instrumentiert) aber auch das Singen komplett ohne Instrumenten in Gemeinden. Man kann für beides Argumente haben und finden, ob es richtig ist, sagt das aber nicht.

Ich persönlich bevorzuge ruhige, gut gemachte Musik mit Betonung entweder der Instrumente (Instrumental) oder mit guten Texten. Wichtig ist mir, dass in der Gemeinde die Musik das ist, was es sein soll: Lob Gottes, Ausdruck der inneren Einstellung und Haltung. Das ist aber je nach Mensch unterschiedlich. Mir genügt dafür ein ruhiges Lied, andere bevorzugen lebendige Lieder mit viel Begleitung. Wenn die Herzenseinstellung dazu richtig ist und man sich darüber auch in der Gemeinde vor Ort einig ist, kann beides richtig sein.

Kritisch wird für mich Musik dann, wenn ich beispielsweise nur Lieder heruntersinge, weil es im Programm der Gemeinde steht. Wenn ich diese Lieder wie ein Vater unser absinge ist das nichts, egal ob mit viel oder gar keiner Instrumentierung. Leider ist aber genau dieser Zustand der Normalzustand in fast allen Gemeinden gewesen. Lieder ohne Herz, ohne Ausdruck ohne Inhalt.

Ich habe Lieder auch viel lieber nach der Predigt als vorher gesungen, weil die Predigt (wenn sie denn ansprechend und gut war im Inhalt) letztlich die rechte Herzenseinstellung zum Singen schaffte, nicht das Singen die rechte Einstellung zur Predigt schafft. Einstimmungslieder zur Predigt sehe ich generell kritisch (egal wie diese Lieder sind). Dennoch wird es viele geben, die es genau anders herum sehen, die unbedingt vorher singen, und nach der Predigt nichts mehr wollen.

Meiner Meinung nach gibt es daher nicht die exakte Linie, wie Musik in der Gemeinde sein soll. Es gibt Muster und Vorgaben, was Musik beinhalten sollte, was bewirkt werden soll und wie die Haltung innerlich sein sollte. Man kann das aber nicht auf das Alter der Musik (nur Musik aus den früheren Erweckungsbewegungen), auf die Musikstile (keine modernen Stile) oder die Instrumente und deren Benutzung reduzieren.
Der Umstand, dass es meist mehrere Gemeinden am Ort gibt, schafft die Möglichkeit zu wählen und sich individuell das für sich Passende zu suchen. Innerhalb einer Gemeinde wäre es auch möglich, diesen unterschiedlichen Haltungen durch Wechsel in der Musikart Rechnung zu tragen.

Leichter ist es aber die abweichende Ansicht als Irrung und als verwerflich darzustellen. Mit Bibelversen lässt sich hier ganz schön tot schlagen. (auf allen Seiten)