Vom Versagen der Kirche
- Details
- Category: Protestantismus
- Published on Sunday, 12 February 2012 02:08
- Written by Roland Odenwald
- Hits: 100
Verfasser: Paul Taine (1903 - 1987)
Wenn ich im folgenden von Kirche spreche, dann meine ich die im allgemeinen von den heutigen Menschen unter diesem Ausdruck verstandenen Organisationen. Angesichts der von Paulus beschriebenen Verheißungen, die in jedem wiedergeborenen Christen erfüllt sein müssten, drängt sich die Frage auf: Warum sieht man das alles nicht in dem Leben der Menschen, die sich Kinder GOTTES durch die Erneuerung des HEILIGEN GEISTES zu sein behaupten? Sie lesen die Bibel und lassen doch die Realität dieser Verheißungen oft so kläglich vermissen. Und doch ist diese Kraft im Leben wirklicher Gotteskinder, die bereit sind, den Weg mit GOTT zu gehen, auch heute in derselben Weise wirksam, wie si in der Bibel geschildert sind. Nur müssen sie gewillt sein, den ganzen Weg mit GOTT zu gehen und ihn in sich wirken zu lassen, Sünde mit Seinem Hass zu hassen und Sünder mit Seiner Liebe zu lieben.
Paulus gibt in den ersten Versen des 12. Kapitels des Römberbriefes klare Hinweise, was GOTT von einem Christen erwartet:
So ermahne ich euch nun..., bringt eure leiber als ein lebendiges, heiliges und GOTT wohlgefälliges Opfer dar. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Gestaltet eure Lebensführung nicht nach der Weise dieser Welt, sondern wandelt euch unm durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr ein sicheres urteil darüber gewinnt, welches der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille GOTTES ist
(Römer 12,1.2)
Hier erklärt Paulus, was die vernünftige Forderung GOTTES an einen Christen ist - hier wird nicht etwas Besonderes, sondern das ganz Naheliegende verlangt. Paulus verwendet hier das Wort LOGIKOS, was dem deutschen Wort "logisch" entspricht. Und das Wörtchen NOUN, das am Anfang mit "so" übersetzt ist, stellt eine Verbindung zu dem Vorhergesagten her, also zum Kapitel 11. Dort erklärt Paulus, dass die Juden als Volk versagen mussten, damit das Heil den Heiden zuteil werden könne, und dieses - dass Heil der Heiden - soll wiederum die Juden zur Nacheiferung reizen. Die den Heiden gezeigte Barmherzigkeit sollte die Barmherzigkeit GOTTES den Juden gegenüber zur Folge haben (Römer 11,11.30.31).
Das also war das Paulus offenbarte Geheimnis, die unergründlichen Wege GOTTES. Israel musste straucheln, damit den Heiden das Heil gebracht werde, und die Heiden sollten nun den Juden das heil in einer solchen Weise vorleben, dass diese zur Nacheiferung gereizt würden. Hat da die Kirche nicht auf der ganzen Linie versagt? Das Wörtchen "so", mit dem das 12. Kapitel eingeleitet wird, könnte besser mit "deshalb" übersetzt werden - um diese Aufgabe, die Juden zur Nacheiferung zu reizen, zu erfüllen, deshalb müssten die Heiden als logische Folge ein erneuertes heiliges Leben im vollendeten Willen GOTTES führen. Nicht nach der Weise und in der Gemeinschaft mit der Welt.
Wenn die Kirche wirklich das geworden wäre, eine Gemeinschaft aus der Welt herausgerufener, geheiligter Menschen, erfüllt mit der Liebe und der Barmherzigkeit GOTTES, dann wäre auch die Kraft GOTTES in ihr wirksam geworden. Es hätte keinen Judenhass und keine Judenverfolgungen gegeben - und die ganze Welt würde das Christentum mit anderen Augen betrachten.
Quelle: "Seht den Feigenbaum", Februar 2012, S.10



