Multireligiöse Regeln

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Multireligiöse Vorstellungen und Regeln der röm.-kath. Kirche


2308kIn seiner Euphorie für Religionen und seinem Anspruch vermag der derzeitige Papst offensichtlich nicht mehr zwischen Christen und Anhängern nichtchristlicher Religionen zu unterscheiden. Beim Angelus am 23. Februar 2003 in Rom redete Johannes Paul II. denn auch unterschiedslos von »Brüdern und Schwestern anderer Religionen«, was nach dem biblischen Befund unmöglich ist, weil Brüder und Schwestern sich nur auf Christen beziehen kann, und auch damit nicht richtig wird, wenn es der Papst vertritt. Er sagte: »Die Christen teilen die jahrtausendealte Praxis des Fastens mit vielen Brüdern und Schwestern anderer Religionen, die durch sie allen Hochmut ablegen und bereitwillig von Gott die größten und notwendigsten Gaben annehmen wollen, unter ihnen vor allem das Geschenk des Friedens.« Damit geht er allerdings davon aus, alle, ob Christ , ob Jud’ ob Hottentott’, glaubten an denselben Gott, was zwar völlig verkehrt ist, womit seine Aussage von »vielen Brüdern und Schwestern anderer Religionen« zwar eine gewisse Logik enthält, aber grundlegend verkehrt bleibt, weil sie von einer falschen Voraussetzung ausgeht. Aufgrund seiner – gewiss falschen – Voraussetzung konnte der Papst dann auch fast gleichzeitig von der Notwendigkeit einer Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und dem Islam am Beginn des dritten Jahrtausends sprechen, ohne allem Anschein nach auch nur zu fragen, ob von islamischer Seite überhaupt Bereitschaft dafür vorhanden ist; und er konnte – ebenfalls fast gleichzeitig – bei einer Audienz für Mitglieder einer interreligiösen Delegation aus Indonesien den Appell an alle Menschen guten Willens richten, gemeinsam eine brüderliche, versöhnte und solidarische Menschheit aufzubauen. Weder ein drohender noch ein realer Krieg dürfe Christen, Muslime, Buddhisten, Hindus und Vertreter anderer Religionen entfremden, sagte Johannes Paul II. 


Angesichts solcher Signale aus Rom ist es nur konsequent, dass – wiederum fast gleichzeitig – von der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz multireligiöse Regeln aufgestellt werden. Diesen zufolge können Katholiken mit Juden und Muslimen religiöse Feiern abhalten und beten. Sie verzichten dabei auf gemeinsame Gebetstexte und auf gemeinsam gesprochene Gebete. Das ist die Regel, die die Deutsche Bischofskonferenz in »Leitlinien für multireligiöse Feiern von Christen, Juden und Muslimen« aufstellt (vgl. auch Informationsbrief Nr.
 217, April 2003, Seite 21 f., »Verdrängen multireligiöse Feiern den christlichen Gottesdienst?«). An Erscheinungen dieser Art wird ersichtlich: der (Un)Geist von Assisi hat sich durchgesetzt und ist allgegenwärtig.

(Quellen: L’Osservatore Romano, Nr. 9. 28. Februar 2003, S. 1 + 2; Südwestpresse , 1. März 2003, S. 2)