Sehnsucht durch Verzauberung
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- Category: Ökumenismus
- Published on Saturday, 17 December 2011 00:07
- Written by Roland Odenwald
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Im September visitierte Benedikt XVI. seine deutsche Heimat und machte dabei in Berlin, Erfurt und Freiburg Station. Anlässlich dieses Ereignisses erschien kurz zuvor eine Publikation mit dem Titel: "Lieber Bruder in Rom! Ein evangelischer Brief an den Papst". Verlegt wurde dieselbe von Droemer/Knauer und als Herausgeber fungiert ein Dominik Klenk, seines Zeichens Prior der ökumenischen Kommunität Offensive Junger Christen. Der lässt darin sechzehn Repräsentanten des Protestantismus ihre Stimme erheben, die mehr oder weniger Popularität genießen. Der Reigen reicht von Günther Beckstein als stellvertretendem Präses der EKD Synode über etliche Theologieprofessoren bis zu einigen namhaften Evangelikalen. Und da ist nicht nur Pfarrer Ulrich Parzany als Hauptredner von "Pro-Christ" mit von der Partie, sondern auch Roland Werner als Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes Deutschland. Ebenso Frau Christine Schirrmacher in ihrer Funktion als "wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz". Selbst Martin Dreyer, "Jesus-Freaks" Begründer und Initiator der Volxbibel, darf seine Vorstellungen bezüglich des Mannes aus Rom artikulieren. Drei der Genannten sprechen den Papst mit "Lieber Bruder Benedikt" an, Martin Dreyer gar mit "Heiliger Vater." Christine Schirrmacher dankt den Katholiken für eine Gebetsinitiative für bedrängte Christen. Roland Werner wünscht sich Gemeinsamkeit des missionarischen Auftrags zur Evangelisation. Ulrich Parzany bläst ins selbe Horn und formuliert: "Ich hätte nie gedacht, dass ich als evangelischer Christ einmal den Papst bitten würde, die Evangelisation in Europa stärker voranzutreiben. Aber nachdem die Gegner des Evangeliums keine konfessionellen Unterschiede machen, mag ich mich nicht mehr innerhalb
der Christenheit durch Abgrenzung definieren".
Prediger Johannes Pflaum ließ dem Autor dieses Beitrages daraufhin einen "Offenen Brief" mit der Anrede "Sehr geehrter, lieber Bruder Parzany" zukommen. Angesichts der bückelnden Anbiederung an den fälschlichen "Stellvertreter Christi" nimmt sich sein Schreiben auch sonst noch recht moderat aus. Nachfolgend die wichtigste Passage: "Wie Sie wissen, ist der wichtigste Lehrunterschied des Katholizismus zur Bibel nicht die Marienverehrung oder das Papsttum, sondern die Rechtfertigung. Ich möchte Sie daran erinnern, dass ihr geistlicher Vater Wilhelm Busch die biblische Lehre der Heilsgewissheit als ‘die köstliche Perle evangelischen Glaubens’ bezeichnete - eine Wahrheit der Schrift, die im Zusammenhang mit der Rechtfertigung durch Rom bis heute verworfen wird".
Der landläufige Spruch „Alle Wege führen nach Rom“ geht bereits auf das frühe Mittelalter zurück und bezieht sich auf die damalige Vorstellung vom Zentrum der christlichen Welt. Zu jener Zeit und noch bis zu Luther bezog sich diese Wendung auch auf die gewaltige Macht des Papstes und der von ihm beherrschten Kirche. Und der Feder von Aurelius Augustinus (354-430) entstammen bereits die Sätze: „Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt“.
Und: „Rom, das Haupt der Welt, lenkt die Zügel des Erdkreises“. Entscheidend war also immer
das Votum des „Heiligen Stuhls“. Und wiederum führen auch anno 2011 alle Wege nach Rom,
denn nach jahrhundertlangem Umweg via Reformation eilen nicht nur liberale Evangelische dorthin. Dabei ist die menschliche wie die geistliche Komponente ausschlaggebend. Denn selbst auf die Bibel pochende Prediger, Literaten und Leiter christlicher Verbände möchten nicht als ewig Gestrige abgetan und damit aufs Abstellgleis geschoben werden. Bedeutung in der Öffentlichkeit und Geltung vor den Leuten geriet nach Johannes 12 schon in den Tagen Jesu zum Hemmschuh, um den Fußspuren des Rabbi von Nazareth zu folgen. Und erheischte
Beehrung wird dann zum offenen Einfallstor für Geister, die zu ökumenischer Wiedervereinigung im Sinn des Vatikans ausgegossen werden. Der strebt ohnehin wieder nach der Bedeutung, die ihm in früheren Epochen zukam. Deshalb signalisierte der hochrangige Besucher mit den in Deutschland absolvierten Audienzen und gehaltenen Ansprachen keinerlei Schritte auf die Wittenberger zu, sondern ließ die mit ihrer brennend heißen Leidenschaft nach Zusammenführung kalt und berechnend im Regen stehen. Nach ihrer Dogmatik ist die katholische Konfession unvermindert die allein seligmachende und als einzig göttlich legitimierte über Abtrünnige erhaben. Unterwerfung und nicht Begegnung auf Augenhöhe ist ergo anvisiert. Und vor zwei Jahren rief der inzwischen aus hiesigen Gefielden wieder längst Abgereiste in seiner Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ oder „Die Liebe in der Wahrheit“ zu einer „politischen Weltautorität“ auf, wobei ihm oder seinen Nachfahren das religiöse Oberregiment zufallen sollte. Also umfassende Globalisierung, mittels der auch der verblasste
römische Stern wieder in ehemaligem Glanz erstrahlen könnte. Darum wird auch das vom Vorgänger erstmals angesetzte Götzentreffen von Assisi mit Friedensgebet aller Kulte jährlich neu anberaumt. Heimholung des ganzen Christentums unter päpstliches Haupt, dazu Akzeptanz von allen Religionen wie universales Strippenziehen liegt dem niederbayerischen Oberhirten des römischen Imperiums an - wie seinen Amtsvorgängern seit jeher.
Quelle: "Glauben bewahren" - Freundesbrief Nr. 33



