Häresie (Irrlehre)
Zwei-Schwerter-Lehre
- Details
- Category: Häresie
- Published on Saturday, 15 October 2011 23:42
- Written by Roland Odenwald
- Hits: 187
Autor: Thomas Seiterich-Kreuzkamp
Der „Papst“ entsendet einen Nuntius, wenn der jeweilige Partnerstaat prinzipiell die Suprematie, die Überrangigkeit des Vatikanstaats anerkennt. Ist dies erklärtermaßen nicht der Fall, so entsendet der Vatikan nur einen Delegaten minderen Ranges. Jeder Nuntius des Vatikans ist stets auch der Doyen, der „Ehrenälteste“ im diplomatischen Corps - was im Normalfall lediglich bedeutet, dass der päpstliche Nuntius auf dem Neujahrsempfang einer Regierung beim Händeschütteln der Erste ist. Im „Ernstfall“ jedoch, wenn ein Staat wegen seiner Untaten aus der Staatengemeinschaft ausgestoßen oder von der UN boykottiert wird, bleibt der Nuntius da, notfalls als Einziger, während die übrigen Botschafter unter Protest das Land verlassen. Das geschah beispielsweise in der Zeit der Militärdiktatur in Haiti. Und auch im letzten Irak-Krieg blieb die Botschaft des Vatikans in Bagdad offen und der päpstliche Nuntius vor Ort präsent, als die „Koalition der Willigen“ mit den USA und Großbritannien an der Spitze Iraks Hauptstadt bombardierte und das Saddam- Regime kriegerisch beseitigte.
Was steckt hiner dem vatikanischen Pochen auf Vorrangigkeit - und sei es nur in nebensächlich scheinenden Protokoll-Fragen? Eitelkeit oder gar „Ehrkäsigkeit“? Keineswegs. Zumindest nicht aus der Sicht Roms.
Dahinter steht das Selbstverständnis des Papstes, die Zwei-Schwerter-Lehre und die historische Erfahrung des Mittelalters. Kurz: Roms bestimmte und entschiedene Vorstellung von der rechten Ordnung der Welt.
Keiner auf Erden - kein Staat, kein Kaiser, kein König, keine Republik, keine Religion, schon gar kein schlauer Theologe -, niemand kann es an Rang mit dem „Papst“ aufnehmen. Weshalb? Weil nach römischem Selbstverständnis einzig der „Papst“ der „Stellvertreter Christi auf Erden“ ist. Diese blasphemische und antichristliche („Anstatt-Christus“) [Anm. R.O.] Einstellung hat Auswirkungen in der Politik seit weit über 1000 Jahren sowie „neuerdings“ ebenso auch in der Ökumenepolitik unter den Kirchen, die vor rund 100 Jahren vom Ökumenischen Patriarchen der Orthodoxie gestartet worden ist.
Peter Hertel, hoch angesehener Fachjournalist und Aufklärer über die machtgierige katholische Geheimorganisation „Opus Die“, ist diesem Vorrangigkeitsanspruch Roms auf den Grund gegangen. Ergebnis: Das päpstliche Rom kann gar nicht, selbst wenn ein modern gesinnter Papst es wollte, auf seinen prinzipiellen Suprematsanspruch verzichten. Das gilt für die Politik, in mittelalterlichem Ton formuliert: Eine jede weltliche Herrschaft hat vom Papst ihr Lehen und ist ihm folglich rechenschafts- und gefolgschaftspflichtig. Und ebenso gilt die „unaufgebbare“ päpstliche Suprematie auch für das ökumenische Business und den Dialog der Theologen der „christlichen Kirchen“.
(Quelle: Seiterich-Kreuzkamp, Thomas in: Publik-Forum. Zeitung kritischer Christen, Nummer 19 vom 10.10.2003, S. 57).



