Sekten/Denominationen
Sekten/Denominationen
Der Terminus Denomination (Bezeichnung, Benennung - lat. denominare = benennen) wird allgemein nicht-reflexiv und wertfrei verwandt, um eine Konfession oder ihre Anhänger zu bezeichnen. Eine religiöse Denomination ist eine Untergruppe innerhalb einer Religion, die unter einem gemeinsamen Namen und unter einer gemeinsamen Tradition und Identität operiert. Im Unterschied zur Konfession steht bei der Denomination die Benennung im Vordergrund. Der gemeinsame Name der Denomination steht für die gemeinsame Identität und für die typischen Glaubensaussagen der Gruppe. Damit soll bewusst eine Abgrenzung zu anderen Gruppierungen entstehen und die Besonderheit der eigenen Erkenntnis und Praxis herausgestellt werden. In der Regel erfolgt die Abgrenzung einer solche Denomination auf der inhaltlichen Ebene durch ein Bekenntnis (Konfession) auf der Strukturebene durch eine Vereins- oder Körperschaftsbildung. Es gibt aber auch Gruppen, die faktisch Denominationscharakter tragen, ohne schriftlich fixierte Bekenntnisschriften und öffentlich-rechtlichen Status zu haben.
Der eine oder andere Leser mag erstaunt sein, dass wir die Termini "Sekte" und "Denomination" synonym verwenden.
Ein Standard-Nachschlagewerk definiert den Begriff "Sekte" wie folgt:"Sekte ist ein primär religionsbezogenes Gebilde mit folgenden Merkmalen: Es steht kleinzahlig neben einem umfassenderen Gebilde, die Mitglieder fühlen sich als Elite, pflegen enge Gemeinschaft untereinander, halten an speziellen Unterschieden oft scheinbar geringfügiger Natur fest, assimilieren sich langsamer und erleiden u. U. Verfolgung, Rechtsvorenthaltungen oder Prestigeverlust. Die Führung ist weniger bürokratisch und stärker charismatisch." [Sekten. Die Religion in Geschichte und Gegenwart, S. 29708 (vgl. RGG Bd. 5, S. 1657) (c) J.C.B. Mohr (Paul Siebeck)]. An diesem Zitat wird deutlich, dass der kirchliche Sektenbegriff hauptsächlich quantitativ bestimmt ist (als Sekte wird hier eine Gemeinschaft bezeichnet, deren theologisches Gerüst von dem der Mehrheit erheblich abweicht). Dagegen ziehen wir eine qualitative Begriffsbestimmung vor. Was eine Sekte ist, hat nicht eine Mehrheit zu bestimmen, sondern GOTT allein. Wenn wir hierzu in die Heilige Schrift sehen, finden wir den Begriff häresis (αιρεσις). Dieser bezeichnet eine bestimmte Form der religiösen Verehrung, eine Schule oder Lehrmeinung. Im Unterschied zu schisma (Spaltung) besteht die Trennung nur theoretisch. Jmd. kann eine andere Ansicht vertreten als die Mehrheit und doch bei ihr verbleiben, aber er ist ein "Häretiker". Trennt er sich jedoch von ihr, ist er ein Schismatiker. Eine Häresie ist ein theoretisches Schisma, und ein Schisma ist eine praktizierte Häresie.
Im Neuen Testament werden Denominationen zuerst in der Gemeinde von Korinth beschrieben: Denn wenn einer sagt: Ich gehöre zu Paulus! der andere aber: Ich zu Apollos! – seid ihr da nicht fleischlich? (1. Korinther 3,4). Im Wort GOTTES lernen wir, dass Denominationen (Kirchen, Freikirchen, Sonderbekenntnisse usw.) grundsätzlich als illegitimen Schulen (bzw. eine illegitime religiöse Verehrung) anzusehen sind, denn die Wortbedeutung umfasst ein "auswählen". Dies zeigt, dass eine Denominationsbildung immer mit einem menschlichen, selbsterwählten Weg zu tun hat.
Die Verwendung des biblischen Sektenbegriffes auf Denominationen sagt zunächst wenig über deren jeweilige Qualitäten aus. Es sind hierunter einige, die tief in Götzendienst verstrickt sind, und andere, die in vieler Hinsicht in Wahrheit leben. Auch innerhalb der jeweiligen Denominationen gibt es naturgemäß erhebliche Unterschiede zwischen deren einzelnen Mitgliedern. Das ändert jedoch nichts an der grundsätzlichen Tatsache, dass der lebendige GOTT Sektenbildung untersagt hat und nicht gutheißen kann (siehe z. B. 1. Kor. 1, 12; 1. Kor. 3, 4). Die daher notwendige Einstufung der Denominationen als Sekten bedeutet nicht, dass dadurch Mitgliedern derselben grundsätzlich oder regelmäßig ihr Christsein abgesprochen würde.
