Häresie (Irrlehre)
Häresie
Als Häresie (von gr. αἵρεσις/haíresis; dt. Wahl, Anschauung, Schule, Ketzerei) oder Heterodoxie (von ἑτεροδοξία/heterodoxia; dt. verschiedene Meinung) wird eine Lehre bezeichnet, die im Widerspruch zur biblischen Lehre steht und beansprucht, selbst die Wahrheit zum Ausdruck zu bringen.
Häresie bedeutet also "Richtung" oder "Partei". Oft wird es im Sinne von "Abspaltung" gebraucht. Die etymologische Wurzel ist "heireo" (Aktivform) bzw. "heireomai" (Mediumform) und bedeutet "nehmen, gewinnen, ergreifen" (Aktiv) oder "wählen, erwählen" (Medium). Die Mediumform kommt im Neuen Testament vor im Sinne von: "eine bestimmte Richtung erwählen", "sich einer Schul- oder Lehrrichtung anschließen"..
Im Neuen Testament kommt der Begriff der "heiresis" vor in Bezug auf die "heiresis" der Pharisäer (Apg 15,5) und Sadduzäer (Apostelgeschichte 5,17), aber auch im Hinblick auf die junge Christengemeinde, so etwa in Apostelgeschichte 24,5, wo von der "heiresis" der Nazoräer die Rede ist. Als dann die frühchristliche "ekklesia", die Gemeinde, sich ausbildete, wurde der Begriff "heiresis" für Strömungen verwendet, die die "ekklesia" zu spalten versuchten oder im Gegensatz zu ihr standen. In Galater 5,20 werden "heireseis" ("Spaltungen") unter den "Werken des Fleisches" aufgelistet. Auch in 1. Kor 1,10 ist von "Spaltungen" die Rede, doch steht hier im Griechischen der Begriff "schismata" (Schisma). Häresie steht heute für Irrlehre und kennzeichnet insbesondere das Wesen der Sekten.
Literatur: Gassmann, Lothar: Was sind Sekten – und was nicht?, 1998
